Management | Autor: Sarah Staut |

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)

Fitness-Studios als wichtiger externer Akteur eines BGM

 

BGM

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)
Fitness-Studios als wichtiger externer Akteur eines BGM

Alle Branchen der Arbeitswelt stehen vor wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und gesundheitlichen Herausforderungen. Der Erhalt von Gesundheit und Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter nimmt dadurch einen hohen Stellenwert ein. Das Bewusstsein, dass Programme zur Gesundheitsförderung bis hin zur Implementierung eines nachhaltig verankerten Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) von großer Bedeutung sind, hat bereits Einzug in die Chef- etagen gehalten. Ein funktionierendes BGM erfordert Akteure, die initiieren, kommunizieren, motivieren und Maßnahmen durchführen können. Während das Betriebspersonal für die interne Organisation sowie Koordination eines BGM verantwortlich ist, kann bei der Umsetzung von Maßnahmen auf die Kompetenz von externen, qualifizierten Trainern gesetzt werden.

Notwendigkeit betrieblicher Präventionsmaßnahmen
Arbeitsbedingte körperliche Belastungen, wie überwiegend langes Sitzen bzw. Stehen oder Schwerarbeit, sind schlichtweg als Risikofaktor zu nennen und können sowohl Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems, aber auch des Herz-Kreislauf-Systems sowie weitere Erkrankungen begünstigen. Dass dadurch die Gesundheit gefährdet wird, liegt auf der Hand. Dies wird unter anderem dadurch bestätigt, dass Muskel-Skelett-Erkrankungen die meisten Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland verursachen und neben psychischen Erkrankungen im Fokus des Arbeitsunfähigkeitsgeschehens stehen. Dabei entstehen nicht nur für die Mitarbeiter selbst, sondern auch für die Unternehmen erhebliche negative Konsequenzen. Jedoch reicht es oftmals nicht aus, sich auf technische und organisatorische Präventionsmaßnahmen zu beschränken, um beispielsweise Muskel-Skelett-Erkrankungen entgegenzuwirken. Vielmehr muss in puncto körperliche Belastungen auf spezifische Präventionsmaßnahmen zurückgegriffen werden, um die Muskulatur zu entlasten, zu kräftigen und zu mobilisieren. Neben Bewegung können auch die weiteren Handlungsfelder Ernährung, Stress sowie Sucht Berücksichtigung finden, um gesunde Arbeit in gesunden Unternehmen zu ermöglichen. Für Fitness- und Gesundheitsunternehmen sowie selbstständige Trainer eröffnet sich ein interessantes und vielseitiges Tätigkeitsfeld, um als externer Partner bei umfassenden BGM-Projekten zu unterstützen.

BGM – Das Allroundtalent
Nach dem derzeitigen Kenntnisstand beinhaltet BGM die „systematische sowie nachhaltige Schaffung und Gestaltung von gesundheitsförderlichen Strukturen und Prozessen einschließlich der Befähigung der Organisationsmitglieder zu einem eigenverantwortlichen, gesundheitsbewussten Verhalten“ (DIN SPEC 91020). Als ein integriertes Managementsystem vereint BGM unter seinem Dach die Kernbereiche Arbeitsschutz, Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) sowie die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF).

Unternehmen, die innerhalb ihres BGM Maßnahmen zur Gesundheitsförderung anbieten, können vielfältige Gesundheitsgewinne erzielen. Diverse Studien und Veröffentlichungen zeigen auf, dass Maßnahmen wie gemeinsamer Sport, Workshops und auch Gesundheitsvorträge zum Erhalt und zur Verbesserung der Gesundheit, des Wohlbefindens und der Lebensqualität beitragen sowie Produktivität und Arbeitsklima fördern. Allerdings kann BGM nur dann erfolgreich sein, wenn es nachhaltig in allen Betriebsstrukturen verankert ist und die Verantwortlichen strukturiert und engagiert die Betriebliche Gesundheitsförderung vorantreiben.

Handlungsfelder und Präventionsprinzipien der Betrieblichen Gesundheitsförderung gemäß GKV-Leitfaden Prävention
Im GKV-Leitfaden Prävention sind die Inhalte einer ganzheitlichen Sichtweise der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) vorgestellt und die notwendigen Kriterien einer qualitätsorientierten Durchführung benannt (siehe Abb. 1).

Maßnahmen, die den Kriterien des GKV-Leitfadens Prävention entsprechen, können bis zu einem Betrag von 500 Euro pro Mitarbeiter und Jahr lohnsteuerfrei angeboten werden. Hierbei eröffnet dieser Leitfaden qualifizierten Personen wie z. B. Fitnesstrainern spannende Möglichkeiten, um in der Beratung und im Bereich von Präventionsangeboten tätig zu werden.

Die Rolle qualifizierter Trainer und Fitness-Studios im BGM
Da sich qualifizierte Trainer auf die Umsetzung spezifischer Ziele in den klassischen Handlungsfeldern der Prävention konzentrieren, sind sie in der Lage, Konzepte entsprechend der individuellen Bedingungen der Unternehmen zu entwickeln und umzusetzen. Dabei ist es ratsam, BGM-Leistungen im Unternehmen sowie nachhaltige Maßnahmen im Fitness-Studio anzubieten.

Betriebsintern können je nach Qualifikation der Trainer Maßnahmen in Form von Workshops, Gesundheits- und Informationsvorträgen, Rückencoachings und Firmenfitnessprogrammen angeboten werden. Sofern Trainer für einen spezifischen Bereich über Kenntnisse hinsichtlich Analysemöglichkeiten und deren Anwendung verfügen, können sie auch die dazugehörigen Analysen, wie Haltungs- und Ergonomieanalysen, in den Unternehmen durchführen. Begleitend können Trainer in ihrem Fitness-Studio mit den dazugehörigen Kernleistungen wie z. B. gerätegestütztes Kraft- und Gruppentraining das Training der Mitarbeiter fachkundig anleiten, um alltäglichen Belastungen entgegenzuwirken, Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken und Stress abzubauen. Zudem können sie einen zusätzlichen Beitrag zur Motivationssteigerung hinsichtlich der Teilnahme an Firmenfitnessprogrammen leisten und bei der Erstellung von Übungsplänen auf die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen. Da die Angebote in einem Fitness-Studio ohnehin langfristig angelegt sind, eignet sich Firmenfitness insbesondere als Baustein eines BGM.

Dieses Programm berücksichtigt die Handlungsfelder „Gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeitstätigkeit und -bedingungen“ (Verhältnisprävention) sowie „Bewegungsförderliches Arbeiten und körperlich aktive Beschäftigte“ (Verhaltensprävention) gemäß GKV-Leitfaden Prävention. Dabei liegt es in der Verantwortung der Trainer Maßnahmen zu organisieren und in regelmäßigen Abständen durchzuführen.

 

Fazit
Bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung bieten Fitness- und Gesundheitseinrichtungen aufgrund ihrer flächendeckenden Verbreitung und der guten Infrastruktur ausgezeichnete Möglichkeiten für Fitnesstraining, Präventionskurse und Gesundheitsvorträge. Daneben können qualifizierte Trainer als externe Berater in den Betrieben Analysen und Maßnahmen durchführen und dadurch ihr Fachwissen in mehreren Bereichen des BGM beisteuern. Davon können sowohl Klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) als auch Großunternehmen profitieren, denen es an Ressourcen, wie beispielsweise BGM-Erfahrung und verfügbare Räumlichkeiten, mangelt. Der Aufbau von BGM-Kompetenz sowohl in Unternehmen als auch in Fitness-Studios spielt in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle, denn nur bei richtiger und kontinuierlicher Durchführung von Analysen und Maßnahmen kann eine nachhaltige Wirkung erzielt werden.

Sarah Staut
Die Gesundheitswissenschaftlerin arbeitet als pädagogische Mitarbeiterin an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement sowie der BSA-Akademie im Fachbereich Gesundheitsförderung/Betriebliches Gesundheitsmanagement. Praktische Erfahrungen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement sammelte sie bereits in namhaften Unternehmen. Dort wirkte sie im Betrieblichen Eingliederungsmanagement sowie bei der Planung und Umsetzung betrieblicher Gesundheitsprogramme und der psychischen Gefährdungsbeurteilung mit.

Auszug aus der Literaturliste
Bellmann, L., Broszeit, S., Frodermann, C., Grunau, P. & Wolter, S. (2016). Mehr Zufriedenheit und Engagement in Betrieben mit guter Personalpolitik (IAB-Kurzbericht 16/2016). Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung DAK-Gesundheit. (2017). DAK-Gesundheitsreport 2017. Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten. Update: Schlafstörungen. Hamburg: DAK-Gesundheit Pieper, C. & Schröer, S. (2015). Iga-Report 28 Teil 1. Wirksamkeit und Nutzen betrieblicher Prävention (BKK Bundesverband, BGAG, AOK Bundesverband & AEV, Hrsg.), Essen Für eine vollständige Liste kontaktieren Sie bitte marketing@dhfpg-bsa.de

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 05/2017

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