Fitnesstrainer nehmen eine Schlüsselposition im Fitnessstudio ein und fungieren für Mitglieder häufig als erste Ansprechpartner. Ihre zentrale Aufgabe liegt in der Trainingssteuerung, die alle Phasen von der Anamnese über die Zielsetzung und Trainingsplanung bis hin zur Trainingsdurchführung sowie regelmäßige Re-Checks umfasst.
In der praktischen Arbeit stehen Trainer dabei häufig vor der Herausforderung, eine hohe Betreuungsqualität mit begrenzten zeitlichen Ressourcen und heterogenen Zielgruppen zu vereinbaren.
In den vergangenen Jahren haben digitale Technologien und Künstliche Intelligenz (KI) diese klassische Rolle des Trainers spürbar verändert. Smarte Trainingsgeräte, Wearables und KI-gestützte Softwarelösungen übernehmen heute Aufgaben, die lange Zeit ausschließlich qualifizierten Fachkräften vorbehalten waren – von der Anamnese und Datenerfassung über die Auswertung bis hin zur automatisierten Anpassung von Trainingsplänen.
Besonders deutlich wird diese Entwicklung in sogenannten Smart-Gyms, in denen mithilfe digitaler Systeme und KI zahlreiche Prozesse der Trainingssteuerung vollständig oder teilweise automatisiert ablaufen. Diese Konzepte sind typischerweise durch einen geringen Personalbedarf und eine niedrige persönliche Betreuungsdichte gekennzeichnet (Peng, Liang, Zhang & Zhang, 2025). Die zunehmende Automatisierung wirft jedoch eine zentrale Frage auf: Bedeutet der Einsatz von KI in der Trainingsbetreuung zwangsläufig einen Ersatz menschlicher Trainer – oder eröffnet er neue Möglichkeiten zur Qualitätssteigerung?
State of the art: KI in der Trainingsbetreuung
Die technologischen Voraussetzungen für den verstärkten Einsatz digitaler Technologien und KI in der Trainingsbetreuung liegen insbesondere in der Weiterentwicklung leistungsfähiger Sensoren, die entweder in Trainingsgeräte integriert oder direkt am Körper der Trainierenden in Form von Wearables getragen werden. Mithilfe dieser Systeme lassen sich nicht nur Bewegungsdaten erfassen, sondern auch physiologische Parameter wie die Herzfrequenz bestimmen.
Die so gewonnenen Daten bilden die Grundlage für KI-Modelle, die in der Lage sind, individualisierte Trainingsempfehlungen abzuleiten und Trainingspläne adaptiv anzupassen. Die systematische Dokumentation und Analyse von Trainings- und Gesundheitsdaten ermöglicht damit die Automatisierung zahlreicher Prozesse der Trainingssteuerung, die traditionell von menschlichen Trainern durchgeführt werden (Düking, Robertson, Holmberg, Wolf & Sperlich, 2024).
Im Gegensatz zur auf Erfahrungs- und Fachwissen basierenden Planung durch Trainerinnen und Trainer beruhen KI-generierte Trainingspläne auf großen Datenmengen und algorithmischen Entscheidungsprozessen. Hinzu kommt, dass KI-Systeme permanent verfügbar sind und Trainingspläne kontinuierlich aktualisieren können. Diese Eigenschaften bieten insbesondere im Hinblick auf Skalierbarkeit und Effizienz klare Vorteile. Allerdings sind durch KI erzeugte Trainingspläne nicht zwangsläufig effektiver.
Studien zu Trainingsplänen, die von Chatbots wie ChatGPT erstellt wurden, zeigen zwar eine grundsätzliche Übereinstimmung mit trainingswissenschaftlichen Prinzipien, allerdings weisen KI-Trainingspläne häufig qualitative Einschränkungen auf (Dergaa et al., 2023; Puce, Bragazzi, Currà & Trompetto, 2025). Auch bei automatisch aktualisierten Trainingsplänen auf Basis von Smartwatchdaten ist bislang unklar, ob diese Anpassungen in Echtzeit tatsächlich einen positiven Einfluss auf die langfristigen Trainingsresultate haben (Jubair & Mehenaz, 2025).
Trainingssteuerung: Durchführung vor Planung
Daten aus der Fitnessbranche zeigen, dass eine der größten Herausforderungen in der Trainingssteuerung die Sicherstellung einer regelmäßigen und langfristigen Trainingsdurchführung darstellt. Die „Eckdaten der deutschen Fitnesswirtschaft“ zeigen, dass die mittlere Trainingshäufigkeit bei rund einer Einheit pro Woche liegt (DSSV, 2026, S. 47).
Obwohl es Trainingsangebote gibt, die – orientiert am Minimalprinzip – auch bei geringem Zeitbudget Trainingserfolge ermöglichen, zeigt sich eine klare Diskrepanz zwischen den für viele Trainingsziele notwendigen Umfängen und der tatsächlich realisierten Trainingspraxis. In der täglichen Arbeit äußert sich dieses Missverhältnis beispielsweise darin, dass geplante Trainingseinheiten nicht vollständig umgesetzt werden oder es zu längeren Trainingspausen kommt.
Daraus leitet sich ab, dass die Hauptaufgabe der Trainerinnen und Trainer ohnehin nicht darin liegt, Trainingspläne zu schreiben, sondern darin, sicherzustellen, dass das Training regelmäßig und entsprechend der Vorgaben realisiert wird.
Welche Rolle spielt der Faktor Mensch?
Mehrere Studien zeigen, dass supervidiertes Training unter Anleitung eines Trainers dem Training ohne persönliche Betreuung überlegen ist und unter anderem zu stärkeren Kraftzuwächsen führt (Fisher et al., 2022).
Der Nutzen persönlicher Betreuung beschränkt sich dabei nicht nur auf Einheiten, in denen ein Trainer anwesend ist. So wählen Trainierende, die regelmäßig mit einem Trainer arbeiten, auch in Einheiten ohne Supervision höhere Trainingsgewichte als Personen, die ausschließlich selbstständig trainieren (Dias, Simão, Saavedra & Ratamess, 2017). Darüber hinaus konnten Lu et al. (2024) zeigen, dass der Mehrwert eines Trainers über den eines reinen Trainingspartners hinausgeht.
In einer zwölfwöchigen Intervention wurden die Effekte von Training mit einem Trainer und Training mit einem Trainingspartner verglichen. Signifikante Kraftzuwächse und eine Reduktion des Körperfettanteils traten ausschließlich in der Trainergruppe auf. Diese Ergebnisse verdeutlichen den direkten Einfluss persönlicher Trainingsbetreuung auf Trainingsqualität und -effektivität. Den größten Mehrwert liefern qualifizierte Trainerinnen und Trainer demnach vor allem dann, wenn sie einen möglichst großen Teil ihrer Arbeitszeit in die gemeinsame Trainingsdurchführung und persönliche Betreuung investieren können.
Trainingssteuerung 2.0 – KI als Co-Pilot
Richtig eingesetzt bieten digitale Trainingstechnologien ein erhebliches Potenzial, den Trainingserfolg und damit auch die Qualität der Dienstleistung zu steigern. Sie ersetzen dabei jedoch nicht den menschlichen Trainer, sondern übernehmen vor allem zeitintensive Aufgaben innerhalb der Trainingssteuerung. Dadurch entsteht für Trainerinnen und Trainer mehr Raum für die persönliche Betreuung und die direkte Arbeit mit den Kundinnen und Kunden in der Trainingsdurchführung.
Zu den Aufgaben, die durch KI teilautomatisiert unterstützt werden können, zählen insbesondere die Erhebung und Auswertung von Trainingsdaten sowie die kurz- und langfristige Trainingsplanung. Die Rolle des Trainers verschiebt sich dabei hin zur fachlichen Kontrolle, Einordnung und Anpassung der KI-gestützten Vorschläge sowie zur aktiven Begleitung bei der Umsetzung in der Trainingspraxis.
Betreuungskonzepte, die digitale Technologien gezielt nutzen, um mehr Zeit für persönliche Interaktion zu schaffen, ermöglichen so Personalisierung im eigentlichen Wortsinn. Sie unterscheiden sich damit klar von rein digitalisierten Trainingsangeboten ohne individuelle Betreuung. Voraussetzung für einen verantwortungsvollen Einsatz digitaler Trainingstechnologien ist jedoch, dass das betreuende Personal in der Lage ist, die Systeme kritisch zu hinterfragen und bei Bedarf korrigierend einzugreifen.
Fundiertes Fachwissen in Anatomie, Physiologie und Trainingswissenschaft verliert durch die Digitalisierung somit keineswegs an Bedeutung. Mit der zunehmenden Modernisierung steigt jedoch der Anspruch an Trainerinnen und Trainer, zusätzlich über Kompetenzen im Umgang mit digitalen Trainings- und Gesundheitstools zu verfügen. Neben speziell für den Fitnessbereich entwickelter Software kann das Potenzial von KI auch über frei verfügbare Systeme wie beispielsweise ChatGPT genutzt werden.
Anbieter, die diese Technologien sinnvoll in ihre Trainingsbetreuung integrieren, können sich dadurch klare Wettbewerbsvorteile verschaffen. Grundlegende Kompetenzen in der Anwendung von KI werden somit auch in der Fitnessbranche künftig eine bedeutende Rolle spielen.
Persönliche Betreuung „digitalisierter“ Mitglieder
Digitale Gesundheits- und Trainingstechnologien gewinnen nicht nur im Fitnessstudio, sondern zunehmend auch im Alltag der Mitglieder an Bedeutung. Immer mehr Menschen nutzen Fitnesstracker und Wearables, um ihre Fitness- und Gesundheitsdaten kontinuierlich zu erfassen und auszuwerten (Statista, 2024).
Perspektivisch ist daher davon auszugehen, dass Mitglieder verstärkt erwarten, dass ihre digitalen Daten auch in die Trainingsbetreuung im Fitnessstudio einbezogen werden. Fitnessanbieter sollten dieser Entwicklung offen begegnen und entsprechende digitale Infrastrukturen schaffen, um Daten aus Fitnesstrackern systematisch in die Betreuung zu integrieren und im Studio nutzbar zu machen.
Gleichzeitig ermöglichen KI-Anwendungen wie ChatGPT vielen Mitgliedern, eigenständig und ohne direkte Trainerinteraktion individualisierte Gesundheits- und Trainingsempfehlungen zu generieren. So zählen nach Angaben von OpenAI gesundheitsbezogene Fragestellungen zu den häufigsten Anwendungsfeldern von ChatGPT (OpenAI, 2026). KI-generierte Trainingspläne weisen jedoch häufig qualitative und inhaltliche Defizite auf (Puce et al., 2025).
Zudem können gesundheitsbezogene Informationen aus dem Internet ohne fachliche Einordnung auch Unsicherheiten und Ängste fördern (Mathes, Norr, Allan, Albanese & Schmidt, 2018). Für Trainer eröffnet die zunehmende Digitalisierung der Mitglieder daher die Chance, KI-Empfehlungen kritisch einzuordnen, zu optimieren und zu individualisieren. Auf diese Weise können sie Vertrauen aufbauen, den Mehrwert persönlicher Betreuung verdeutlichen und ihre Rolle als kompetente Gesundheits- und Fitnessexperten festigen.
Fazit
Künstliche Intelligenz und digitale Trainingstechnologien verändern die Trainingsbetreuung im Fitnessstudio grundlegend, ersetzen jedoch nicht die zentrale Rolle qualifizierter Fitnesstrainer. Richtig eingesetzt kann KI zu Effizienzsteigerungen beitragen, indem sie Trainerinnen und Trainer bei zeitintensiven Routineaufgaben der Trainingssteuerung unterstützt und so mehr Raum für die persönliche Trainingsdurchführung schafft.
In zukunftsfähigen Betreuungskonzepten verschiebt sich die Rolle des Trainers zunehmend hin zu einem persönlichen Trainingsbegleiter, der neben seiner Expertise in Training und Gesundheit auch über Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien verfügt.
Diesen Artikel kannst du folgendermaßen zitieren:
Barz, A. (2026). KI als Werkzeug in der Trainingsbetreuung. fitness MANAGEMENT international, 2 (184), 136–139.
Auszug aus der Literaturliste
Fisher, J., Steele, J., Wolf, M., Androulakis Korakakis, P., Smith, D. & Giessing, J. (2022). The Role of Supervision in Resistance Training; an Exploratory Systematic Review and Meta-Analysis. International Journal of Strength and Conditioning, 2 (1).
Puce, L., Bragazzi, N. L., Currà, A. & Trompetto, C. (2025). Harnessing Generative Artificial Intelligence for Exercise and Training Prescription: Applications and Implications in Sports and Physical Activity — A Systematic Literature Review. Applied Sciences, 15 (7), 3497.
Für eine vollständige Literaturliste kontaktieren Sie bitte literatur@fitnessmanagement.de.






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