Was sagt die Trainingswissenschaft zu Hybridtraining?

Hybridtraining verbindet Kraft- und Ausdauertraining: mit gezielter Trainingsplanung, Regeneration und Ernährung lassen sich beide Leistungsbereiche effektiv entwickeln.
Lesezeit: 4 Minuten
Person hebt Langhantel mit Gewichtsscheiben in Fitnessstudio; links Schriftzug „FACHARTIKEL“, rechts rundes Porträt mit Text „Marc Götza“
Der Trend Hybridtraining zeigt: Leistungsentwicklung entsteht durch die gezielte Kombination verschiedener Trainingsreize
Hybridathleten wollen sowohl im Bereich Ausdauer als auch im Bereich Kraft maximale Leistungen erbringen. Doch woher kommt der Trend, und welche Aspekte sind beim Hybridtraining zu beachten, um die optimalen Effekte des Kraft- und Ausdauertrainings zu erzielen?

Der Begriff „Hybridathlet“ hat in den vergangenen Jahren insbesondere auch durch soziale Medien große Aufmerksamkeit erlangt.

Auf Instagram, TikTok und YouTube präsentieren sich Athletinnen und Athleten, die für (Ultra-)Marathonläufe und Kraftdreikämpfe gleichzeitig trainieren oder beispielsweise Triathlon mit olympischem Gewichtheben verbinden. Die simultane Entwicklung von Kraft- und Ausdauerleistung ist in der Trainingswissenschaft allerdings keineswegs neu.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Schon in den 1980er-Jahren beschrieb Hickson (1980) den sogenannten Interferenzeffekt. Er definierte die wechselseitige Hemmung von Anpassungsprozessen, wenn Kraft- und Ausdauertraining parallel durchgeführt werden. Die Ergebnisse seiner Studie zeigten, dass sich die Maximalkraft beim gleichzeitigen Training langsamer entwickelte, während die Ausdauerleistung weniger beeinträchtigt war.

Über viele Jahre dominierte nachfolgend die Vorstellung, dass Athletinnen und Athleten sich spezialisieren müssten, um ihre maximale Leistungsfähigkeit zu entfalten und z. B. ihre Kraftleistung durch Ausdauertraining nicht negativ zu beeinflussen. Zurückgeführt wurde dies auf die unterschiedlichen molekularen Signalwege, die durch Kraft- bzw. Ausdauertraining ausgelöst werden und letztendlich zu verschiedenen Trainingsadaptionen führen (Fyfe, Bishop & Stepko, 2014). 

Lesetipp: Wie sich Trainingseinheiten optimal gestalten lassen, erfährst du im Fachartikel „Hybrides Fitnesstraining“ (Berndt, 2023).

In einer breiteren Perspektive zeigt sich, dass Kraft- und Ausdauertraining etwa in Mannschaftssportarten schon immer simultan durchgeführt wurde. Im Fußball trainieren Sportlerinnen und Sportler ihre Ausdauer für 90 Minuten Wettkampfzeit ebenso wie ihre Maximalkraft im Kraftraum oder die Explosivkraft mit Sprints und Sprüngen.

Beim Handball werden etwa Sprinttraining und Wurfkraft mit stabilisierenden Ganzkörperübungen kombiniert. Diese Beispiele aus der Praxis verdeutlichen: Hybridtraining ist kein völlig neues Konzept.

Damit stellt sich also weniger die Frage, ob Hybridtraining eine völlig neuartige Trainingsmethode ist, sondern vielmehr, welche trainingswissenschaftlichen Prinzipien dabei beachtet werden müssen, damit die Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining maximal wirksam ist. Entscheidend ist nicht das Label „Hybridathlet“, sondern eine durchdachte Trainingsplanung, damit sich alle erwünschten Trainingsadaptationen optimal entwickeln können. 

Kreisdiagramm mit sieben Segmenten: „Individuelle Leistungsfähigkeit“, „Intensität“, „Frequenz“, „Reihenfolge“, „Intervall“, „Ernährung“, „Geschlecht“; Mitte mit Symbolen für Laufen und Krafttraining und Text „CT“

Die heutige Evidenz der Trainingswissenschaft zeigt deutlich, dass die Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining nicht grundsätzlich zu Interferenzeffekten führt. Vielmehr ist eine Kombination aus verschiedenen Einflussfaktoren zu beachten (siehe Abbildung 1). Entscheidend ist dabei oftmals die Trainingsperiodisierung. 

Die Metaanalyse von Wilson et al. (2012) verdeutlicht, dass der Interferenzeffekt weniger ein unvermeidlicher Konflikt zweier „konkurrierender“ Signalwege im Körper ist, sondern stark von spezifischen Variablen wie Trainingsvolumen, Intensität, Reihenfolge und Bewegungsform abhängt.

So wirkt sich beispielsweise Laufen stärker hemmend auf Kraftzuwächse aus als Radfahren, während kurze, intensive Intervalleinheiten geringere Interferenzeffekte zeigen als lange, kontinuierliche Belastungen.

Fyfe, Bishop und Stepto (2014) betonen in ihrem Übersichtsartikel zudem, dass eine ausreichende zeitliche Trennung beider Trainingsformen – idealerweise mehrere Stunden Abstand – sinnvoll ist, um Interferenzeffekte zu reduzieren. So kann beispielsweise morgens ein Ausdauertraining und abends ein Krafttraining durchgeführt werden. 

Aspekte der Ernährung beim Hybridtraining

Da Hybridtraining in der Praxis häufig zu hohen Trainingsumfängen oder mehreren Trainingseinheiten pro Tag führt, spielt eine zielgerichtete Ernährungsstrategie eine zentrale Rolle für die Regeneration und Leistungsentwicklung.

Für Hybridathletinnen und -athleten wird eine tägliche Proteinzufuhr von etwa 1,2 bis 1,7 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen, was den Anforderungen aus Kraft- und Ausdauertraining gleichermaßen gerecht wird (Perez-Schindler et al., 2015).

Aber auch Kohlenhydrate müssen in ausreichender Menge zugeführt werden, um eine entsprechende Trainingsintensität sowohl im Ausdauer als auch im Krafttraining umsetzen zu können.

Hybridtraining und Gesundheit

Auch aus gesundheitlicher Perspektive spricht viel für Hybridtraining, auch wenn es in diesem Zusammenhang nicht unter diesem Begriff bekannt ist.

Wird der Fokus weniger auf den Aspekt der maximalen körperlichen Leistungsfähigkeit gelegt, wird deutlich, dass die Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining seit Jahren in nahezu allen offiziellen Bewegungs- und Trainingsempfehlungen zur Verbesserung der Gesundheit durch körperliches Training verankert ist.

Lesetipp: Über den Umgang mit Fitnesstrends auf Social Media erfahren Sie mehr im Fachartikel „Der Einfluss von TikTok auf das Fitnesstraining“ (Wanjek, 2023).

Die aktuellen Bewegungsempfehlungen der WHO (Bull et al., 2020) sowie führender sportmedizinischer Fachgesellschaften – darunter das American College of Sports Medicine (ACSM) – empfehlen ausdrücklich eine Kombination aus Ausdauertraining zur Förderung der Herz-Kreislauf-Gesundheit und Krafttraining zum Erhalt (und Aufbau) von Muskelmasse, Knochendichte und funktioneller Leistungsfähigkeit.

Beide Belastungsformen ergänzen sich also in ihrer gesundheitsförderlichen Wirkung, indem sie gleichzeitig Stoffwechselparameter, kardiovaskuläre Funktion und etwa die Kraftfähigkeit verbessern. 

Kritische Betrachtung des Social-Media-Trends

Trotz dieser positiven Aspekte darf man die öffentliche Darstellung des Social-Media-Trends auch kritisch betrachten. In sozialen Medien werden Hybridathleten häufig als Sportler dargestellt, die scheinbar mühelos Höchstleistungen in mehreren Disziplinen abrufen. Dabei geraten wichtige Aspekte wie Regeneration, Periodisierung oder individuelle Anpassung schnell in den Hintergrund. 

Hier besteht die Gefahr, dass gerade junge Sportlerinnen und Sportler einem Idealbild nacheifern und sich unrealistische Ziele setzen.

Denn Hybridtraining ist ein anspruchsvoller Trainingsansatz, der im leistungsorientierten Bereich eine strukturierte Planung und hohe Trainingsumfänge voraussetzt.

Ohne professionelle Anleitung und Trainingsbegleitung durch qualifizierte Trainerinnen und Trainer können Überlastungen, Verletzungen oder ausbleibender Trainingsfortschritt die Folge sein. Social Media zeigt die „Highlights“ – den harten, komplexen Alltag eines echten leistungsorientierten Hybridtrainings sieht man jedoch selten.

Fazit

Hybridtraining ist weit mehr als ein Social-Media-Trend. Es knüpft an die lange Tradition des Athletiktrainings und Spielsportarten sowie an die Empfehlungen zur Förderung der Gesundheit durch körperliches Training an.

Der Unterschied liegt heute in der klareren wissenschaftlichen Basis, der klaren Fokussierung auf isolierte und leistungsbezogene Ausdauer- und Kraftleistungen (z. B. die Kombination aus Marathon und Kraftdreikampf) und der stärkeren medialen Sichtbarkeit. Wissenschaftlich betrachtet, zeigt die aktuelle Studienlage, dass sich durch gezielte Steuerung die Vorteile beider Trainingsformen vereinen lassen.

Und gerade darin liegt die Chance für die Fitnessbranche: Wer fundiertes Wissen vermittelt und praxiserprobte Methoden nutzt, kann das hybride Training als nachhaltiges Trainingskonzept etablieren – nicht als kurzlebigen Trend, sondern als Ausdruck einer modernen, vielseitigen Fitness- und Gesundheitskultur.

Literaturliste

Bull, F. C., Al-Ansari, S. S., Biddle, S., Borodulin, K., Buman, M. P., Cardon, G. et al. (2020). World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. British Journal of Sports Medicine, 54 (24), 1451–1462

Fyfe, J. J., Bishop, D. J. & Stepto, N. K. (2014). Interference between concurrent resistance and endurance exercise: Molecular bases and the role of individual training variables. Sports Medicine, 44 (6), 743–762. 

Hickson, R. C. (1980). Interference of strength development by simultaneously training for strength and endurance. European Journal of Applied Physiology and Occupational Physiology, 45, 255–263. 

Perez-Schindler, J., Hamilton, D. L., Moore, D. R., Baar, K. & Philp, A. (2015). Nutritional strategies to support concurrent training. European Journal of Sport Science, 15 (1), 41–52.

Wang, T. & Bo, S. (2024). Optimizing concurrent training programs: A review on factors that enhance muscle strength. Medicine, 103 (52), e41055.

Wilson, J. M., Marin, P. J., Rhea, M. R., Wilson, S. M. C., Loenneke, J. P. & Anderson, J. C. (2012). Concurrent training: A meta-analysis examining interference of aerobic and resistance exercises. Journal of Strength and Conditioning Research, 26 (8), 2293–2307. 

Diesen Artikel kannst du folgendermaßen zitieren:

Götza, M. (2026). Was sagt die Trainingswissenschaft zu Hybridtraining?. fitness MANAGEMENT international, 6 (179), 98–100.

-Anzeige-

Für fitness MANAGEMENT berichtet

Mehr von diesen Autoren

Das marea Fitness in Lingen hat das Zertifizierungsverfahren „ZertFit“ der BSA-Zert nach DIN-Norm 33961 erfolgreich absolviert und beantwortet damit zugleich...
An dieser Stelle haben wir Anfragen Ihrer Kollegen, unserer Mitglieder, zum Thema Rechte und Pflichten gegenüber Mitarbeitern gesammelt. Kurz und...
Schulung von UV-Fachpersonal: In der Wahrnehmung vieler Betreiber und auch der Öffentlichkeit ist die Schulung und Zertifizierung von UV-Fachpersonal der...

Das könnte dich auch interessieren

Angewandte Trainingswissenschaft (Teil 2) – Disziplin beim Gewichtheben: Umsetzen und Ausstoßen mit der Langhantel

Clean and Jerk

Stoßen – um diese olympische Disziplin beim Gewichtheben und deren technischen Merkmale geht es in Teil 2 der Artikelreihe 'Angewandte Trainingswissenschaft'.