Fitness, Gesundheit, Markt, Anzeige | Autor: seca |

Trend Selbstoptimierung 2.0: Studios müssen Mehrwert zu Wearables und YouTube bieten

Ganzheitliche Selbstoptimierung wird zum Ziel und validierbare Erfolge zum Statussymbol. Selten haben die Deutschen so viel für ihr Wohlbefinden getan wie heute. In Zeiten erfolgreicher Fitnessinfluencer, kostenloser Trainingsvideos im Web und der Daten aus dem Selftracker ist der Trainierende heute bestens über seinen Fitnesszustand informiert. Studios können mit qualifizierter Beratung und Messwerten punkten, die einen Mehrwert zu dem bieten, was der Kunde schon weiß. Gesundheitsorientierte Fitnesskonzepte sind die Brücke zwischen Selbstoptimierung und Gesundheit.

Studios müssen Mehrwert zu Wearables und Youtube bieten

Was gesellschaftliche und gesundheitliche Trends wie beispielsweise Selbstoptimierung, Feminisierung und Active Aging mit Medical Fitness zu tun haben und was sie für Fitnessstudios bedeuten, zeigt der neue seca Trendreport Medical Fitness (Mehr dazu in unserer Infografik The Future of Fitness). fitness MANAGEMENT stellt diesen Trendreport exklusiv in einer fünfteiligen fM ONLINE-Serie vor und zeigt immer freitags einen der fünf Top-Trends detailliert auf. In Teil 1 geht es um das Thema 'Selbstoptimierung 2.0'.

Sportlicher Lifestyle ist Mainstream

War es bisher das Ziel der Selbstoptimierer gesund, sportlich und leistungsfähig zu sein, geht es heute noch einen Schritt weiter: entspannt, selbstbestimmt und glücklich sind die Attribute, die die 'Generation Selbstoptimierung 2.0' nun noch ergänzt. Ob Meditation, Detoxkur, Lifecoaching oder das Early Bird Bootcamp – selten haben die Deutschen aus eigenem Antrieb so viel für ihr Wohlbefinden getan wie heute.

Für 53% gilt das Credo: „Mein oberstes Ziel ist es, mich ständig zu verbessern.“ Lediglich 5% geben an, nichts zu unternehmen, um sich und ihr Leben zu optimieren1. Doch insbesondere in den Bereichen Gesundheit und Fitness bleibt das ständige Feilen am eigenen Selbst ausgeprägt: Dreiviertel (74%) arbeiten vor allem an ihrer Gesundheit („Mir ist es wichtig, Körper und Geist gesund zu halten“), 51% an der körperlichen Fitness („Körperliche Fitness ist mir sehr wichtig“).2

Selbstoptimierung wird professionalisiert

Ein besonderes Symptom im Kosmos der Selbstoptimierer ist das Selftracking. Mit dem Boom zahlreicher Gesundheits-Apps und Fitnesstracker hat das Streben nach dem optimalen Fitness-Selbst ein neues Level erreicht. Heute reicht es den Optimierern nicht mehr, einfach nach bestem Wissen und Gewissen Sport zu treiben und sich gut zu ernähren. Kalorien und Fitnesssessions müssen getrackt und Erfolge messbar werden. 45% der Smartphone Nutzer verwenden bereits Gesundheits-Apps.3 Weltweit wird erwartet, dass bis zum Jahr 2020 die Hälfte aller geschätzten 3,4 Mrd. Smartphone-Nutzer eine Gesundheits-App in Gebrauch haben werden.4

Auch Fitnesstracker und Wearables führen ihren Siegeszug weiter fort: Etwa ein Drittel der Deutschen über 14 Jahre vermessen ihren Körper mit Systemen von Firmen wie Apple, Google oder Garmin.5 Die Wearables bedienen dabei einen ganz zentralen Anspruch der neuen Optimierer-Generation: Sie zeigen nicht nur Momentaufnahmen, sondern bilden Reihenwerte und Progressionen ab. Und das ist es, was anspruchsvolle Selbstoptimierer heute wollen: Erfolge messbar und belegbar machen.


 

Neue Chancen und Challenges durch Selbstoptimierer

Von der Fitnessindustrie erfordern das Streben nach Selbstoptimierung und die neuen Trackingtechnologien ein Umdenken: „Insbesondere Einzelbetriebe müssen sich im Preiskampf gegen den harten Wettbewerb abgrenzen und sich mit einer klaren Ausrichtung auf dem Markt positionieren“, weiß Sabrina Fütterer, Leitung der Geschäftsstelle des e.V. Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV). „So etablieren sich Studios zum Beispiel als Gesundheitsanbieter oder entwickeln Angebote und Kompetenzen, die das Bedürfnis nach gesundheitlicher Optimierung und Tracking bedienen.“

Auf der anderen Seite müssen Studios ihren Mitgliedern einen zusätzlichen Mehrwert zu dem bieten, was diese ohnehin schon wissen. In Zeiten, in denen zahllose Fitnessvideos mit Trainingsplänen und Hintergrundwissen auf Youtube frei zur Verfügung stehen und der Trainierende Dank des Selftrackers bestens über die Entwicklung seines Fitnesszustandes informiert ist, braucht es mehr als einen Trainer, der einen Trainingsplan von der Stange schreibt.

„Wir haben es mehr denn je mit informierten Mitgliedern zu tun, die hohe Ansprüche haben“, so Janosch Marx, Herausgeber der fitness MANAGEMENT international und medical fitness and healthcare. „Künftig werden sich die Studios und Trainer im Markt durchsetzen, die das bieten, was Youtube, Influencer und Fitnessarmbänder nicht leisten können: eine persönliche und qualifizierte Betreuung, erworben durch ein fachspezifisches Studium oder eine entsprechende Ausbildung, zusätzliche Messwerte, die der Trainierende selbst nicht erheben kann, und vor allem die professionelle Einordnung der gesammelten Daten.“

Denn die 'DIY-Selbstvermessung' allein ist noch kein Garant für Erfolge: Forscher von der Oregon Health and Science University konnten zeigen, dass die Nutzer von Tracking Geräten ihren eigenen Fitnesszustand überschätzen und im Verlauf der Zeit, in der sie ein solches Gerät tragen, eher träger als aktiver werden. Das gilt insbesondere für ältere Menschen.6

Eine weitere Forschergruppe der University of Pennsylvania konnte 2017 außerdem nachweisen, dass die Selbstvermesser bei einem Versuch weniger abnahmen als die Kontrollgruppe, die 'nur' von realen Personen – nicht von einem Armband – begleitet wurden. Auch hier überschätzten die Teilnehmer ihr Aktivitätsniveau.7

Professionelle Messwerte und individuelle Beratung werden zum Erfolgsmotor für Selbstoptimierer und Studios

Damit also aus dem Optimierungsdrang der Trainierenden und den erhobenen Fitnessdaten ein Erfolgsduo wird, muss der Trainer die Daten der Wearables auswerten und in die Zieldefinition und Trainingsplanung einfließen lassen. Um zudem den Gesundheitsanspruch des Trainierenden zu bedienen, erhebt er im Sinne eines ganzheitlichen Medical Fitness Ansatzes weitere Gesundheitsinformationen die die selbst erhobenen Daten des Klienten ergänzen.

Sabrina Fütterer, DSSV: „Zum Beispiel liefern Daten zum Stresslevel, der Zellgesundheit oder zur Körperzusammensetzung einen zusätzlichen Mehrwert für den Kunden – und für das Studio: Denn wer mit medizinisch validierten Messsystemen arbeitet, die Trainingserfolge nachweisen und sichtbar machen können, der schafft nicht nur ein individuelles und ganzheitliches Trainingserlebnis, das jeden Selbstoptimierer zufriedenstellt. Er schafft damit auch die Voraussetzungen, in Zukunft mit Ärzten und Kassen kompetent kommunizieren zu können.“

Selbstoptimierung trifft Bonusprogramm

Selbstoptimierung und ganzheitliche Trainingsansätze der Gesundheitsstudios treffen auf wachsende Präventionsbemühungen der Ärzte und die Bonifizierungsprogramme der Kassen: Um die Potenziale und Schwächen von Selbstoptimierung und -Tracking wissen auch Ärzte und Krankenkassen und nähern sich dem Thema Fitness in ersten Schritten von der medizinischen Seite. Denn bei allem Eifer um das fitteste Selbst gibt es zu jedem Trend einen Gegentrend und so steht den eigenverantwortlichen Selbstoptimierern das gesellschaftlich wachsende Übergewicht mit all ihren Folgeerkrankungen gegenüber.

Bis 2020 ist in Deutschland ein Anstieg der Gesamtausgaben für Adipositas-Therapien in Höhe von mindestens 25,7 Mrd. € zu erwarten.8 Mit dieser Prognose vor Augen muss ein Umdenken im deutschen Gesundheitswesen stattfinden: Weg von einem reaktiven, medizinischen Modell, das auf Krankheiten fokussiert, hin zu einem proaktiven Modell, das den gesunden Lebensstil und damit den Präventionsgedanken fördert.

Mit den Bonifizierungsangeboten der Krankenkassen und der Verabschiedung des Präventionsgesetzes 2015 wurden erste Schritte in diese Richtung getan: §20 zertifizierte Gesundheitskurse werden von Kassen bezuschusst und Ärzte können für diese Angebote eine Präventionsempfehlung ausstellen – unter der Voraussetzung, „dass diese einen präventiven und gesundheitsfördernden Nutzen haben, der belegbar ist. Die Kurse müssen von der Zentralen Prüfstelle für Prävention (ZPP) zertifiziert sein, den definierten Qualitätskriterien entsprechen und von qualifizierten Fachkräften in hoher Qualität durchgeführt werden“, so Janosch Marx, Fitnessmanagement.

Die Präventionsangebote versuchen, beide Seiten gleichermaßen abzuholen: Diejenigen, die einen eher ungesunden Lebensstil pflegen und Unterstützung benötigen und die Selbstoptimierer, deren Handeln nun nicht nur durch virtuelle Medaillen ihres Fitnesstrackers belohnt wird, sondern auch durch Bonusprogramme ihrer Krankenkasse.


Ein Ausblick von Corinna Mühlhausen,

Trendforscherin und Professorin für Trendforschung und Zukunftsforschung an der TH Lübeck


"Selbstoptimierer wird es immer geben, denn es liegt in den natürlichen Grundbedürfnissen der Menschen, das eigene Leben verbessern zu wollen. Neu ist, dass sich dieser Zweig insbesondere in der Fitnessszene immer stärker professionalisiert und dadurch eine wirtschaftlich spannende Brücke zu den Krankenkassen schlägt. Gesundheits- und Medical Fitness-Anbieter mit entsprechend qualifiziertem Personal und hochwertiger Ausstattung können sich gegenüber der Zielgruppe der Selbstoptimierer und den Krankenkassen als kompetenter Gesundheitsdienstleister positionieren und ganz neue Geschäftsmodelle entwickeln."

 


Exklusive Online Serie zum Trendreport

Das 1. Kapitel des seca Trendreports Medical Fitness Trend Selbstoptimierung 2.0: Studios müssen Mehrwert zu Wearables und YouTube bieten (dieser Artikel).

Das 2. Kapitel des seca Trendreports Medical Fitness Feminisierung der Fitnesswelt: Frauen haben ganzheitliches Gesundheitsbewusstsein und fordern Effizienz finden Sie hier.

Das 3. Kapitel des seca Trendreports Medical Fitness Neunormierung des Körpers: Übergewicht und Body Positivity erfordern von Studios neue Bewertungsmaßstäbe von Gesundheitist hier verlinkt.

Das 4. Kapitel des seca Trendreports Medical Fitness Active Aging: Neue Anforderungen an präventives Training – einfach hier anklicken!

Das 5. Kapitel des seca Trendreports Medical Fitness Best Case Medical Fitness lesen Sie hier exklusiv in Teil 5 unserer Online-Serie.


Weitere Zahlen, Fakten und Expertenstimmen rund um die Trends finden Sie im seca Trendreport Medical Fitness sowie im Statement- und Best-Practice-Paper und auf www.seca.com/trendreport.

 

[1] Healthstyle III, Trendcoach/TNS 2016

[2] Fritz Classen Milieus 2018

[3] Bitkom 2018

[4] Dt. Ärzteblatt 19.1.18

[5] Bitkom 2017

[6] British Journal of Sports Medicine, Volume 52, Issue 18, 2018

[7] JAMA. 2016;316(11):1161-1171. doi:10.1001/jama.2016.12858

[8] Knoll K.-P.; Hauner H.(2008): Kosten der Adipositas in der Bundesrepublik Deutschland - Eine aktuelle Krankheitskostenstudie Adipositas 2008 (Vol. 2), Heft 4 2008; 204-210.

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