Fitness, Management, Markt, DSSV |

Strukturwandel der Branche

1989 feierten die Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft ihre Premiere. Passend zum 30-jährigen Jubiläum hat fitness MANAGEMENT einen genaueren Blick in die Vergangenheit geworfen und die Entwicklung der Branche analysiert.

Dass es sich bei der Fitness- und Gesundheitsbranche um eine Wachstumsbranche handelt, wird durch die aktuellen Eckdaten, die am 19. März in Köln präsentiert wurden, erneut unterstrichen. Nicht nur im vergangenen Jahr, sondern auch in den Jahren zuvor konnte die Branche, die einen Strukturwandel durchlebt hat, Zuwächse verzeichnen.

Umfassender Überblick über Branchen-Entwicklungen

Die Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft wurden erstmalig im November 1989 durch den Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV e. V.) publiziert – damals noch unter dem Titel „Marketing- und Wirtschaftsanalyse für die Studiobranche“. Wie vor 30 Jahren stellen die Eckdaten bis heute einen umfassenden Überblick über die jährlichen Entwicklungen der Fitness- und Gesundheitsbranche bezüglich Mitgliederzahlen, Anlagenstrukturen und weiterer Branchenkennzahlen dar. Der DSSV unterstützt die Branche seither durch diese jährliche Erhebung, schafft Transparenz und stellt wichtige ökonomische Daten zur Verfügung. Im Rückblick auf die vergangenen 30 Jahre wird sowohl die strukturelle Entwicklung als auch das Wachstum der Branche deutlich.

Ein Forschungsprojekt mit starken Partnern

Zum 31. Dezember 1988 gab es in der damaligen Bundesrepublik Deutschland (BRD) 3.903 Fitness-Anlagen, die früher als „Fitness-Center“ bezeichnet wurden. Aus den Statistiken des DSSV geht hervor, dass bereits im Jahr 1980 rund 1.000 Fitness-Center und im Jahr 1985 rund 2.800 Fitness-Anlagen in der BRD vorzufinden waren. Diese rasante Entwicklung war mitunter auch ein Grund für die umfassende und jährliche Erhebung der Eckdaten im Gesamtmarkt der deutschen Fitness- und Gesundheitsbranche. Zusätzlich wurden in 2010 das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte sowie im Jahr 2012 die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) als Kooperationspartner gewonnen, die das Forschungsprojekt seitdem gemeinsam mit dem DSSV durchführen.

Anlagenwachstum sowohl in der Anzahl als auch in der Fläche

Neben der Anzahl, gestiegen von 3.903 in 1988 auf 9.343 in 2018, hat sich auch die Struktur der Fitness-Anlagen verändert. Die heutigen Fitness-Anlagen sind bezogen auf die Fläche größer geworden. Aus der aktuellen Eckdatenstatistik ergibt sich, dass die durchschnittliche Fläche über alle Anlagen hinweg 1.166 Quadratmeter ausmacht. Vor 30 Jahren betrug diese Fläche im Schnitt nur 638 Quadratmeter, wobei dieser Wert inklusive Multifunktionsanlagen zu verstehen ist. Werden diese herausgerechnet, so lagen 1988 über die Hälfte der Anlagen bei einer Grundfläche zwischen 200 und 400 Quadratmeter.

Mikroanlagen schon seit 1988 am Markt?

Aus heutiger Sicht ist dies eine interessante Beobachtung. Das gegenwärtige Wachstum im Mikrosegment wird oftmals als Nischenentwicklung betrachtet. Seit 2009 wurde für diese Anlagen sogar ein separates Segment definiert, das anfangs als „Special Interest“ und später als „Mikrosegment“ beschrieben wurde. Retrospektiv betrachtet sind die Mikrostudios aber keine Neuerscheinung, sondern eher eine Betriebsstruktur, welche die Fitnessbranche schon in den 90er Jahren geprägt hat. Was sich geändert hat, ist die Angebotsstruktur, die eher erlebnisorientierter Natur ist oder auch neue Trainingsformen wie beispielsweise Elektromyostimulation (kurz: EMS) beinhaltet.

Rekordhoch von 11 Millionen Mitgliedern

Die Entwicklung der Mitgliederanzahl in den vergangenen 30 Jahren weist im Vergleich zu den Anlagen ein noch stärkeres Wachstum auf. In 2018 wurde erstmalig die Grenze von 11 Millionen Mitgliedern in deutschen Fitness-Anlagen geknackt. In 1988 waren es laut der Eckdaten rund 1,5 Millionen Mitglieder. Dies bedeutet aus heutiger Sicht ein Zuwachs von durchschnittlich rund 300.000 Mitgliedern pro Jahr. Dieser jährliche Zuwachs ist fast so hoch wie eine der ersten Mitgliederschätzungen aus dem Jahr 1980, laut der in Deutschland rund 370.000 Mitglieder in Fitness-Anlagen zu verzeichnen waren. Besonders starke Wachstumsjahre waren die 90er Jahre. Zum einen zählte Deutschland durch die Wiedervereinigung 1990 mehr Menschen. Entsprechend lag auch ein höheres Marktpotenzial hinsichtlich der Mitglieder in deutschen Fitness-Anlagen vor. Zum anderen gab es staatliche Förderprogramme, die es Gründern in den neuen Bundesländern leichter machte, ein Fitnessstudio zu eröffnen.

Dreimal so viele Mitglieder pro Anlage

Entsprechend der kleineren Flächen war auch die Mitgliederzahl pro Anlage deutlich geringer. In 2018 zählte eine Fitness-Anlage im Durchschnitt 1.187 Mitglieder. Im Vergleich dazu verzeichnete eine Anlage vor 30 Jahren durchschnittlich 389 Mitglieder, was etwa einem Drittel der Mitgliederzahl heutiger Anlagen entspricht. Durch eine andere Kostenstruktur, wie beispielsweise die geringeren Raumkosten, war diese Mitgliederzahl 1988 jedoch nicht ungewöhnlich. Fast die Hälfte aller Anlagen zählte damals weniger als 300 Mitglieder. Zum Vergleich: Aktuell weisen Anlagen im Mikrosegment durchschnittlich 248 Mitglieder auf.

Fitness durchdringt die Bevölkerung

Die Penetrationsrate – definiert als Anteil der Mitgliedschaften in deutschen Fitness- und Gesundheits-Anlagen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung in Deutschland – ist im vergangenen Jahr ebenfalls angestiegen und erreicht 13,4 Prozent. Ebenso hat sich die Reaktionsquote in der für die Branche relevanten Kernzielgruppe der 15- bis 65-Jährigen auf 20,2 Prozent gesteigert. Oder anders ausgedrückt: Rund jeder fünfte Deutsche betreibt heute Fitness in einer kommerziellen Fitness-Anlage. Vor 30 Jahren lag dieser Wert mit 3,5 Prozent fast um ein Sechsfaches niedriger. Dies zeigt auf, dass die Fitnessbewegung nicht nur absolut, sondern auch relativ an Bedeutung gewinnt, unabhängig von der wachsenden Bevölkerung.

Umsatz Fitness-Center 1988 entspricht Umsatz Mikrostudio 2018

Das Wachstum der Fitness- und Gesundheitsbranche macht sich erfreulicherweise auch im Umsatz bemerkbar. In 2018 ist ein Rekordumsatz von 5,33 Milliarden Euro (netto) zu verzeichnen. Dieser Umsatz ist beträchtlich, insbesondere wenn der Umsatz von vor 30 Jahren als Vergleich herangezogen wird. Im Jahr 1988 betrug der Nettoumsatz der Branche rund 1,40 Milliarden DM, was umgerechnet 0,72 Milliarden Euro entspricht (Umrechnungskurs: 1 DM = 0,511292 Euro). In der Detailbetrachtung ist auch der Umsatz pro Anlage interessant, der 1988 umgerechnet bei 184.000 Euro (netto) pro Anlage lag. Dieser Wert ähnelt dem durchschnittlichen Nettoumsatz einer Mikroanlage, der in 2018 rund 186.000 Euro (netto) betragen hat. Zum Vergleich lag der jährliche Umsatz einer Einzelanlage in 2018 bei 571.000 Euro (netto).

Preisentwicklung der letzten 30 Jahre

Noch interessanter ist die Entwicklung in der Beitragsstruktur. Aus der aktuellen Eckdatenstatistik geht hervor, dass der durchschnittliche Bruttobeitrag pro Monat in deutschen Fitness- und Gesundheits-Anlagen bei 43,35 Euro (brutto) liegt. 1988 lag der Beitrag pro Monat bei rund 60,00 DM (brutto), was umgerechnet 31,04 Euro entspricht. Wird dieser Wert aus 1988 um die Inflation der letzten 30 Jahre bereinigt, errechnet sich ein monatlicher Beitrag von 53,97 Euro (brutto). Im Vergleich dazu beträgt der aktuelle Monatsbeitrag in einem Einzelstudio 52,45 Euro (brutto). Daraus wird erkennbar, dass die Einzelstudios über die letzten 30 Jahre hinsichtlich der Beitragsanpassung einen Inflationsausgleich erreicht haben.

Nebenumsatz durch Eiweiß und Trainingsbekleidung

Zuzüglich zu den Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen werden in der Fitness- und Gesundheitsbranche Nebenumsätze aus Zusatzleistungen erwirtschaftet. Diese Nebenumsätze werden beispielsweise durch Solariennutzung, Shopverkäufe oder auch Personal Training erzielt. Aktuell machen diese Nebenumsätze 9,2 Prozent des Branchenumsatzes aus. Im Jahr 1988 lag dieses Verhältnis bei beachtlichen 27,3 Prozent. Insbesondere der Verkauf von Eiweißprodukten und Trainingsbekleidung sowie Accessoires war Treiber dieser, im Vergleich zu heute, hohen Nebenumsätze. Doch auch im Jahr 2018 gibt es Marktnischen, wie zum Beispiel das EMS-Segment, in denen u. a. durch den Verkauf von speziell benötigter Funktions-Trainingsbekleidung 15,7 Prozent an Nebenumsätzen generiert werden.

Fazit Refit Kamberovic

„Die letzten 30 Jahre zeigen ein enormes Wachstum auf. Die Branche hat es aus eigener Kraft geschafft, dass heute jeder fünfte Bundesbürger Mitglied in einer kommerziellen Fitness-Anlage ist. Wir als DSSV gehen davon aus, dass dieses Wachstum auch in den kommenden Jahren anhalten wird und wir in absehbarer Zeit 15 Millionen Mitglieder in Deutschland haben werden. Die Branche kann stolz sein auf ihre Entwicklung und darauf, einen wertvollen Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung zu leisten!“

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