Fitness, Gesundheit, Management, Markt | Autor/in: Anke Sörensen |

Franz-Peter Schäfer: „Von der Politik nicht gesehen zu werden hat meinen sportlichen Ehrgeiz entfacht“

Die wirtschaftlichen Schäden durch die Pandemie sind das eine – die mangelnde Wertschätzung der Politik für das 'Produkt Training' hat der Branche zusätzlich gezeigt, wie wenig Anerkennung ihre Arbeit bisher gefunden hat. Was können Studios verbessern? Die Positionierung als Gesundheitsdienstleister ist ein erster wichtiger Schritt. Franz-Peter Schäfer, Gründer und Geschäftsführer der Sportwelt Schäfer, erläutert, wie sein Ehrgeiz entfacht wurde und welche Konzepte, Tools und Kommunikationsmaßnahmen ihm geholfen haben und welche Veränderungen er aufgrund seiner Erfahrungen in der Krise vorgenommen hat.

Positionierung als Gesundheitsdienstleister – Interview mit Franz-Peter Schäfer, Inhaber Sportwelt Schäfer KG

fM: Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie für Ihr Unternehmen aus den Lockdowns gewonnen haben?

Franz-Peter Schäfer: Im gesamten Team verfügen wir über Qualitäten und Persönlichkeiten, von denen viele Unternehmen in anderen Branchen nur träumen können. Trotzdem, von der Politik nicht gesehen zu werden hat meinen sportlichen Ehrgeiz, mehr Reputation zu erreichen, entfacht. Die Digitale Transformation kann uns hierbei sehr gut unterstützen, es bedarf jedoch auch einer öffentlichen Präventionsarbeit.


 


Welche Maßnahmen hatten für Sie bei der Vorbereitung auf den Restart die größte Priorität?

Das Team für diese Reputationssteigerung zu begeistern. Wir haben alle zusammen ein neues Leitbild entwickelt und unsere Maßnahmen definiert. Dazu kam eine Öffentlichkeitsarbeit mit der Vorstellung, wie wir uns ein 360-Grad-Coaching ausmalen und Menschen begeistern wollen. Das wurde durch emotionale Themen untermauert, beispielsweise mit einem kurzen Teamvideo, in dem alle zu Wort kamen und einfach ihre Freude über ein Wiedersehen zum Ausdruck gebracht haben.


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Wird das gesundheitsorientierte Fitnesstraining nach der Pandemie an Relevanz gewinnen? Welche neuen Chancen ergeben sich aus dem gestiegenen Interesse an Gesundheitstraining sowohl für die Betreiber als auch für den Markt?

Ja, das wird es! Die Trainierenden haben festgestellt, dass ihnen das Training fehlt und auch die Nichtsportler haben verstanden, dass sie etwas für sich und ihr Immunsystem tun müssen. Wie Corona gezeigt hat, funktioniert es nicht, sich nur auf die Medizin zu verlassen. Es geht jetzt darum, aufzuzeigen, wie das Mitglied leicht selbst wichtige Daten zu seinem Körper erheben kann. Es braucht einfache Möglichkeiten, um Messgrößen abzurufen, die Einfluss auf die Gesundheit haben (viszeraler Fettanteil oder fehlende Muskulatur). Ein schönes Anwendungsbeispiel ist die seca Waage, die leicht und selbstständig nutzbar wichtige Daten liefert. Bei der ersten Messung sollte der Trainer dabei sein, denn er spielt eine entscheidende Rolle, indem er die Messdaten erläutert. So bekommt das Mitglied eine sehr gute Grundlage und kann sich damit auseinandersetzen, wie die Werte verbessert werden können.

Noch ein ganz anderer wesentlicher Punkt: Es haben sich viele Wissenschaftler und Experten, unterschiedliche Verbände, viele Unternehmen und neue Gruppierungen wie beispielsweise die Experten Allianz vereint, um Zusammenhalt zu demonstrieren. Dieser muss jetzt die erforderliche Nachhaltigkeit erhalten. Die Situation, von der Politik nicht gesehen und respektiert zu werden, darf nicht mehr vorkommen. Über zehn Millionen Menschen in einer Branche, die plötzlich das 'Nicht gesehen werden' thematisieren, können Wahlen entscheiden.


 


Wie können Studios diese Chancen durch eine klarere Positionierung als professionelle Gesundheitsdienstleister nutzen? Welchen Stellenwert hat für Sie dabei die Abgrenzung vom klassischen Freizeitangebot?

Wenn Trainer in den vorher erwähnten Punkten und in der Planung eines Trainings, das einen Spaßfaktor beinhaltet, den Bedürfnissen ihrer Kunden gerecht werden und die Messdaten – in die richtigen Aktionen überführt – überzeugen, beginnt eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Eine Abgrenzung zum klassischen Freizeitangebot heißt für mich: Unsere Aufgabe ist es, die körperliche Verfassung von Wettkampf- und Spaßsportlern präventiv zu erhalten oder sie wiederherzustellen. Ob beim Tennis- oder Fußballspiel, beim Wandern, Mountainbiken oder Spielen mit den Enkeln – ohne Gesundheit funktioniert das alles nicht. Mit unserer Gesundheitsexpertise sind wir ganz weit vorn.

Hat sich durch die Positionierung als Gesundheitsdienstleister der Blick auf Ihr Unternehmen verändert? Gab es mehr Feedback von Mitgliedern oder Anfragen von Interessenten?

Wir sind schon immer Gesundheitsanbieter und haben vor über 20 Jahren mit einem §20 Kurs, dem „Grundkurs Fitness“, die Menschen ins Training eingewiesen. Viele Menschen sind bei uns in der Zwischenzeit alt an Jahren geworden. Dass sie noch sehr aktiv im Leben stehen, zeigt schon, dass wir die richtige Vorgehensweise gewählt haben. Unser ältestes Mitglied ist 97 Jahre und genießt es, über 30 Jahre jüngeren Menschen etwas vorzumachen.


 


In welchen Bereichen Ihres Betriebes haben Sie für diese Positionierung konkrete Veränderungen vorgenommen und Investitionen getätigt?

Wir haben dort investiert, wo klar nachvollziehbare Messgrößen aufgenommen werden können und durch die Beobachtung des Verlaufs der Datenpunkte eine hohe Motivation erreicht werden kann, wie das Beispiel mit der seca Waage zeigt. Außerdem haben wir räumliche Voraussetzungen verändert und unsere Badmintonhalle „geopfert“. Damit sind große Abstände zwischen den Trainierenden möglich geworden. Dazu kommen u. a. Luftreinigungssysteme, die in Zukunft sehr sichere Bedingungen für das Training schaffen.

Hatten Sie diese Veränderungen bzw. Investitionen schon vor Corona geplant oder haben Sie sich während der Lockdowns dafür entschieden? Was waren Ihre Beweggründe für diese Entscheidung?

Da ich aufgrund meiner ersten Ausbildung zum Ingenieur viel mit Messgrößen zu tun hatte, waren diese schon immer ein wichtiger Aspekt für die Sportwelt Schäfer. Wir haben schon immer viel mit Daten gearbeitet. Die Digitale Transformation erleichtert diese Situation allerdings außerordentlich.

Wie haben Sie das neue Angebot für Ihre Kunden in Ihre vorhandenen Strukturen eingebunden und wie kommunizieren Sie diesen Mehrwert im Markt und gegenüber Ihren Zielgruppen?

Aufbauend auf unserer Artikelserie zu Gesundheitsthemen haben wir unsere Maßnahmen auf unterschiedlichen Wegen kommuniziert – inklusive der guten alten PR-Arbeit.

Gehör bekommt man außerdem natürlich über die Beseitigung von Vertragslaufzeiten – monatlich kündbare Verträge sind zukünftig ein Teil davon. Außerdem wollten wir mit einer zwei- bzw. vierwöchigen kostenlosen Probezeit weitere Hürden einreißen. Frei nach dem Motto: „Es gibt keinen Grund, es nicht zumindest einmal auszuprobieren und Wirkungen zu spüren, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt.“

Was sind aus Ihrer Sicht für Studios als Gesundheitsanbieter Must-haves auf der einen sowie auch Hindernisse und Fallstricke auf der anderen Seite?

Ein Must-have sind qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, die die Menschen dabei nachhaltig begleiten, den gesteckten Zielen immer näher zu kommen. Hierzu gehört es, den Kunden keine „All-inclusive-Mentalität“ zu vermitteln, sondern eine Kommunikation, die Wahlmöglichkeiten schafft.

Marketing rein auf Kampagnen mit Bildern von Menschen, die lachen und die Stimmung eines schönen Erlebnisses widerspiegeln, aufzubauen, bedeutet allerdings auch, diese Erlebnisse spürbar zu machen – und hier beginnt die Individualität.

In der reinen 'Fitnessszene' lieben die Menschen Challenges, um sich mit anderen zu messen. Wenn ich jedoch Lieschen Müller mit einer Challenge begeistern will, dann muss diese ganz anders aussehen!

Planen Sie weitere Maßnahmen, um Ihre Positionierung als Gesundheitsdienstleister weiter zu untermauern?

Ein klares Ja! Zahlen untermauern Ergebnisse und müssen daher generiert werden. Ob dies die Körperdaten sind, die über eine BIA (Anm. d. Red.: Bioelektrische Impedanzanalyse, die die Körperzusammensetzung über Strom misst) ermittelt werden, oder einfache Atemübungen, die den Menschen nach Corona helfen, die Luft nach zehn tiefen Atemzügen nach und nach länger anhalten zu können. Es bedarf der technischen Möglichkeiten durch die Digitale Transformation, um auch für den organisierten Sport interessant zu sein, und deutlich mehr Zusammenarbeit mit Schulen, in denen der Schulsport eine neue Bedeutung für die Kinder und Jugendlichen bekommen muss.

Auch in den Unternehmen braucht Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) eine andere Bedeutung. Den Arbeitnehmern mehr Unterstützung durch die Unternehmer zukommen zu lassen und Führungskräfte sowie Mitarbeiter wieder enger zusammenzubringen, vielleicht indem man sich beim Sport trifft, das werden zwei große Themen der Zukunft sein – denn auch Fachkräfte kommen lieber, wenn im Unternehmen eine Gemeinschaft gelebt wird.


Über den Interviewpartner

Franz-Peter Schäfer, Gründer und Geschäftsführer der Sportwelt Schäfer, stammt aus Mechernich in der Nordeifel, ist verheiratet und hat zwei Kinder, die beide in seinem Unternehmen tätig sind.

Nach dem Studienabschluss als Diplom-Ingenieur Maschinenbau 1989 an der RWTH Aachen arbeitete Franz-Peter Schäfer bis 2000 an verschiedenen Standorten in Deutschland für Procter & Gamble. Von 1997 bis 2000 absolvierte er ein Fernstudium zum Fitness- und Sportfachwirt mit Abschlussprüfung vor der IHK Düsseldorf. Im August 2000 gründete er das Multifunktionsstudio Sportwelt Schäfer in Bad Münstereifel und vergrößerte das Unternehmen im Februar 2004 um ein zweites Studio in seinem Heimatort Mechernich.

Der begeisterte Fußballspieler ist seit 2003 im Prüfungsausschuss der IHK Aachen für Sport- und Fitnesskaufleute tätig. Außerdem ist er Gründungsmitglied (2016) der Dienstleistungsgenossenschaft Eifel eG, dort im Aufsichtsrat aktiv sowie seit 2017 'Fachkraft für Betriebliches Gesundheitsmanagement' (IHK) mit Abschluss bei der IHK Saarland.


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