Fitness, Gesundheit, Markt, Anzeige | Autor: seca |

Neue gesundheitliche Bewertungsmaßstäbe nötig

Die Zahl der Übergewichtigen hat sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht. Die durch Adipositas verursachten direkten Kosten belaufen sich allein in Deutschland auf über 29 Milliarden Euro. Je mehr Übergewichtige es gibt, desto wichtiger wird es, den Ernährungs- und Gesundheitszustand von Menschen ganzheitlicher zu betrachten. Die Gleichungen 'Schlank = Gesund' und 'Übergewichtig = Krank' und die Bewertung von Trainierenden über den BMI müssen aufgelöst werden. Die Bedeutung von differenzierter Körper- und Gesundheitsbeurteilung sowie von ganzheitlichen Trainings- und Medical Fitness Konzepten steigt.

Neunormierung des Körpers: seca Trendreport Medical Fitness – Teil 3

Was gesellschaftliche und gesundheitliche Trends wie beispielsweise Selbstoptimierung, Feminisierung und Active Aging mit Medical Fitness zu tun haben und was sie für Fitnessstudios bedeuten, zeigt der neue seca Trendreport Medical Fitness (Mehr dazu in unserer Infografik The Future of Fitness).

fitness MANAGEMENT stellt diesen Trendreport exklusiv in einer fünfteiligen fM ONLINE-Serie vor und zeigt immer freitags einen der fünf Top-Trends detailliert auf. In Teil 3 geht es um das Thema 'Neunormierung des Körpers'.

Der Trend von zunehmendem Übergewicht in der Gesellschaft ist ungebrochen: Laut dem 13. Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind 59% der Männer und 37% der Frauen im erwerbstätigen Alter übergewichtig. Die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtet, dass sich die Zahl der Übergewichtigen in den letzten 20 Jahren verdreifacht hat.

Hält dieser Trend an, werden im Jahr 2025 18% der Männer und 21% der Frauen weltweit übergewichtig sein. In der europäischen Bevölkerung werden im Jahr 2030 aktuellen Hochrechnungen zufolge mehr als 50% sogar adipös sein (BMI ≥ 30).1

Die durch Adipositas verursachten direkten Kosten belaufen sich in Deutschland auf über 29 Milliarden Euro, die indirekten Kosten auf noch einmal 34 Milliarden Euro.2


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Neben einem ungesunden Lebens- und Ernährungsstil ist mangelnde Bewegung eine Ursache für das wachsende Problem: 25% aller erwachsenen Menschen weltweit sind laut Definition der WHO nicht ausreichend aktiv und 80% treiben weniger Sport als die empfohlenen 150 Minuten moderater Bewegung pro Woche.

Besonders wenig bewegen sich Menschen in den developed countries und Frauen noch weniger als Männer: 26 vs. 35%.3

Damit ist mangelnde Bewegung der Hauptrisikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes Typ 2. Hier versuchen das Präventionsgesetz und die §20 Kurse motivierende Impulse zu setzen.

Gesunde Dicke, kranke Schlanke? Neue Bewertungsmaßstäbe sind gefragt

Doch trotz oder gerade wegen allen Wissens über die Negativfolgen von Übergewicht, muss das Thema insbesondere in Zeiten wachsender Adipositas differenziert betrachtet werden.

Zu viele Kilos sind in unserer Gesellschaft eng verbunden mit einem erhöhten Krankheitsrisiko und oftmals auch mit den Attributen „ungesund“ und „krank“. Umgekehrt wähnen sich die Schlanken und Normalgewichtigen in der scheinbaren Sicherheit, gesund zu sein.

Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass auch jeder fünfte Schlanke ein erhöhtes Risiko aufweist, an kardiovaskulären Krankheiten wie Diabetes oder Schlaganfall zu leiden.

Im Vergleich zu metabolisch gesunden Normalgewichtigen haben metabolisch ungesunde Normalgewichtige eine Risikoerhöhung um den Faktor 2,15. Das Risiko von metabolisch gesunden Übergewichtigen hingegen ist lediglich um den Faktor 1,26 erhöht.4

„Je mehr Übergewichtige es gibt, desto genauer müssen wir hinsehen. In Zeiten von Globesity müssen wir aufpassen, nicht alle Übergewichtigen in den Topf der 'kranken, dicken Risikopatienten' zu werfen“, sagt die promovierte Oecotrophologin Dr. Heike Niemeier. „Damit vorverurteilen wir die Übergewichtigen und lassen gleichzeitig möglicherweise risikobehaftete Schlanke durchs Raster fallen. Es wird immer wichtiger, dass wir den Ernährungszustand von Menschen ganzheitlicher betrachten. Es reicht nicht aus, sie auf eine Waage zu stellen, den BMI zu bestimmen und dann in die Kategorien 'Schlank = Gesund' und 'Übergewichtig = Krank' einzuordnen.“ 

Übergewicht rehabilitiert sich – Body Positivity Bewegung fordert Neubewertung von Schönheit

Auch zu diesem Trend ist eine Gegenbewegung zu erkennen. Beobachten wir auf der einen Seite den immer lauter werdenden Ruf nach Prävention von Übergewicht und einem gesünderen Lebensstil sowie den Schlankheitswahn der vergangenen Jahrzehnte, sehen wir seit einiger Zeit, wie Übergewicht beginnt, sich zu rehabilitieren:

In der benannten Diskussion um die Frage, ab wann Übergewicht überhaupt ungesund und ob Schlanksein immer gesund ist, aber auch in der Definition des gängigen Schönheitsideals. 

Der Blick auf den Wandel unserer Schönheitsideale im Laufe der Geschichte zeigt, dass sich diese den jeweiligen gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassen.

Hinzu kommt: Je mehr Menschen übergewichtig sind, desto bestimmter wird die Forderung, diese nicht zu stigmatisieren. Die Vorboten dieser Entwicklung können wir heute unter anderem unter dem Stichwort Body Positivity verfolgen.

Body Positivity ist eine Bewegung, die für ein positives Körperbild und die Akzeptanz aller Körper steht – unabhängig von Größe, Form oder Aussehen. Damit stellt sie die gesellschaftlich vorherrschende Vorstellung in Frage, dass nur schön und gesund ist, wer schlank ist.

Die Menge der Befürworter dieser Bewegung wächst kontinuierlich. Allein der Instagram Hashtag #bodypositivity wurde bereits über 3,4 Millionen Mal verwendet. Diese Zahl steigt minütlich und zeigt einmal mehr: Es bedarf zusehends neuer Bewertungsmaßstäbe für die Definition von Schönheit und Gesundheit, abseits von Gewicht und BMI.

Gesundheitsmaßstäbe werden neu normiert, Medical Fitness setzt auf Prävention

„Das Wissen um gesunde Dicke, kranke Schlanke und die Body Positivity Bewegung zeigen uns ganz deutlich: Es kommt nicht auf die Menge der Zellen an, sondern auf deren Gesundheit“, so Dr. Niemeier.

Insbesondere im Segment der gesundheitlich fokussierten Fitness sollten weniger die Optik und das Gewicht eine Rolle spielen.

„Für den Gesundheits- und Ernährungszustand ist vielmehr entscheidend, wie viel wertvolle, aktive Muskelmasse im Verhältnis zur Fettmasse vorhanden ist. Auf dieser Basis lässt sich eine viel genauere Aussage über das Erkrankungsrisiko treffen. Wenn Fitnessanbieter dies verstehen und entsprechend agieren, haben sie zwei ganz essenzielle Vorteile dem Wettbewerb gegenüber: Zum einen treten sie jedem Mitglied mit einer wertschätzenden Haltung entgegen. Sie bewerten nicht das Äußere, die Masse des Menschen, sondern das, worauf es wirklich ankommt, nämlich die Gesundheit. Gerade übergewichtige Kunden danken das oft mit Treue. Und zum anderen können sie auf Basis qualitativer Gesundheitsdaten das Training wesentlich individueller und dadurch effizienter gestalten.“

Anbieter von Gesundheits- und Medical Fitness Konzepten können mit diesem Ansatz nicht nur die Motivation und Präventionsbemühungen ihrer Mitglieder fördern, sondern durch optimierte Kundenbindung auch ihre wirtschaftlichen Interessen stützen.

Viele Fitnessstudios mit einer gesundheitlichen Positionierung wissen um die Mehrdimensionalität der Gewichtsthematik und gehen erste Schritte: Mit §20 Kursen, die gesundheitsbewusstes Verhalten fördern, Vermessungsaktionen, die weniger den BMI im Blick haben, sondern eine gesunde Körperzusammensetzung und mit individuellen, ganzheitlichen Trainingskonzepten, die nicht auf den schnellen Abnehmerfolg fokussieren, sondern einen gesunden Körper zum Ziel haben.

„Bei einigen Ärzten und in fortschrittlichen Fitnessstudios lösen schon heute Parameter wie Fettverteilung, Muskelstärke, Beweglichkeit und Fitnesslevel den BMI ab. Ihnen kommt eine zentrale Rolle bei der notwendigen Umsetzung des Präventionsgedankens zu. Wer das als Studio erkennt und entsprechende Leistungen anbietet, hat die Chance, nicht nur mit Kassen wirtschaftlich positiv zusammen zu arbeiten, sondern wird sich auch bei einer breiteren Zielgruppe gut positionieren können.“


Ein Ausblick von Corinna Mühlhausen,

Trendforscherin und Professorin für Trendforschung und Zukunftsforschung an der TH Lübeck


"Vorstellungen von Gesundheit sowie die Ideale von Schönheit und Fitness unterliegen einem stetigen Wandel. Der Mensch und sein Körper werden in Zukunft neu normiert. Medical Fitness, die auf medizinische, umfassende und innere Werte und nicht auf vergängliche Schönheitsideale fokussiert, wird die gewichtige Waffe gegen metabolisch kranke Übergewichtige und Schlanke und von Kassen zunehmend bezuschusst."



Exklusive Online Serie zum Trendreport

Das 1. Kapitel des seca Trendreports Medical Fitness Trend Selbstoptimierung 2.0: Studios müssen Mehrwert zu Wearables und YouTube bieten finden Sie hier.

Das 2. Kapitel des seca Trendreports Medical Fitness Feminisierung der Fitnesswelt: Frauen haben ganzheitliches Gesundheitsbewusstsein und fordern Effizienz ist hier verlinkt.

Das 3. Kapitel des seca Trendreports Medical Fitness Neunormierung des Körpers: Übergewicht und Body Positivity erfordern von Studios neue Bewertungsmaßstäbe von Gesundheit (dieser Artikel).

Das 4. Kapitel des seca Trendreports Medical Fitness Active Aging: Neue Anforderungen an präventives Training – einfach hier anklicken!

Das 5. Kapitel des seca Trendreports Medical Fitness Best Case Medical Fitness – SPORTING lesen Sie am Freitag, 13.12.2019, exklusiv in Teil 5 unserer Online-Serie.


Weitere Zahlen, Fakten und Expertenstimmen rund um die Trends finden Sie im seca Trendreport Medical Fitness sowie im Statement- und Best-Practice-Paper und auf www.seca.com/trendreport.

[1] WHO; Trends in adult body mass index in 200 countries from 1975 to 2014: a pooled analysis of 1698 population-based measurement studies with 19.2 million participants. Lancet 2016

[2] BARMER GEK Report Krankenhaus 2016, 71

[3] WHO Fact Sheet Physical Activity 23.2.2018

[4] Lassale C, Tzoulaki I, Moons KGM, Sweeting M, Boer J, Johnson L et al. Separate and combined associations of obesity and metabolic health with coronary heart disease: a pan-European case-cohort analysis. Eur Heart J. 2018; 39: 397-406. doi:10.1093/eurheartj/ehx448; Zeitschrift für Sportmedizin 2018.

[5] Werte-Index 2018

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