Fitness, Gesundheit, Management | Autor/in: Jürgen Wolff |

Malte Gertenbach über intensive Intervalleinheiten: „Die Generation 60 plus hat den größten Mehrwert“

Die Vorteile des hochintensiven Trainings sind vielfältig. Wie lassen sich diese beeindruckenden „Pferdestärken“ aus zeitlicher Effizienz, effektivem Training und verhältnismäßig kleinem Budget nachhaltig erfolgreich in einem Studio Tag für Tag an die Kund:innen bringen? Malte Gertenbach erläutert, wie eine erfolgreiche Umsetzung für die Studiopraxis gestaltet werden kann. Er betreibt in Kiel und Altenholz unter der Marke FIT zwei Studios mit dem Angebot Small Group Functional Fitness in kurzen und intensiven Intervalleinheiten. Er betreibt in Kiel und Altenholz unter der Marke FIT zwei Studios mit dem Angebot Small Group Functional Fitness in kurzen und intensiven Intervalleinheiten.

Small Group Functional Fitness: Malte Gertenbach über die erfolgreiche Umsetzung von kurzen und intensiven Intervalleinheiten im FIT in Kiel und Altenholz.

Über den Interviewpartner

Der Sportwissenschaftler (M. A.) Malte Gertenbach war bereits während seines Studiums an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel als Personal Trainer tätig. Nach seinem Abschluss eröffnete er 2011 in der Kieler Innenstadt das erste FIT, ein Studio mit einem neuen Konzept für funktionelles Small Group Personal Training. 2019 folgte der zweite Standort am Leistungszentrum des Handball-Bundesligisten THW Kiel in Altenholz, einem Vorort von Kiel.


fM: In Ihren FIT Studios bieten Sie hochintensive funktionelle Trainingsformen mit einer gesundheitsorientierten Ausrichtung an. Wie würden Sie Ihr Studiokonzept beschreiben? Was waren Ihre Beweggründe, dieses Trainingskonzept in Ihren Studios anzubieten?

Malte Gertenbach: Ich habe Sportwissenschaften studiert und 2010 meinen Abschluss gemacht. Während meines Studiums habe ich als Personal Trainer gearbeitet und mir immer wieder überlegt, diese Form von betreutem Training einer größeren Kund:innengruppe zugänglich zu machen – sowohl die persönliche Betreuung als auch die funktionelle Trainingsmethodik –, weil Personal Training ein Luxusgut und für viele Menschen nicht erschwinglich ist.

Damit man es finanziell realisieren kann, muss es in Gruppenform stattfinden, in einem Preissegment, mit dem man eine größere Zielgruppe erreicht als mit Personal Training. Aus dieser Überlegung ist dann schnell die Idee entstanden, es mit funktionellem Kleingruppentraining zu versuchen.

Wir haben das klassische Studiokonzept quasi umgedreht. Bei uns gibt es kein freies Training, sondern ausschließlich Training mit entsprechender Betreuung.

Unsere Mitglieder müssen sich keine Gedanken über die Zusammenstellung des Trainings, über Intensitäten oder die richtige Ausführung machen. Wenn sie nach einer halben Stunde wieder gehen, können sie sicher sein, dass sie ihren ganzen Körper richtig gut trainiert und dabei entsprechend ihrer Intensität ihre Komfortzone verlassen haben. Dadurch ist das Training bei uns sehr effektiv. Unsere Mitglieder machen im Vergleich zum klassischen Gerätetraining überdurchschnittlich große Trainingsfortschritte und nehmen die Verbesserung ihrer Leistung bewusst wahr. Das führt zu einer starken Motivation, die für uns auch ein entscheidender Faktor ist.

Wie haben Sie dieses anspruchsvolle Trainingsangebot mit vielen Kursen und das entsprechende Betreuungskonzept im Studiobetrieb miteinander kombiniert?

Wir haben zwei Standorte: einen am Leistungszentrum des THW Kiel in Altenholz und den anderen in der Kieler Innenstadt. An beiden Standorten geben wir ungefähr 100 Trainingseinheiten pro Woche, in denen wir mit einem Gruppe-Trainer:in-Verhältnis von eins zu acht arbeiten – maximal eins zu zehn. Die Organisation des Trainingsbetriebes haben wir in Form einer App digitalisiert, die unsere Mitglieder auf ihrem Smartphone haben und in der die Einheiten verwaltet werden.

Einsteiger:innen starten bei uns mit einem kostenlosen Auftakttermin inklusive Start-up-Check. Hier führen wir eine umfassende Anamnese inklusive BIA-Körperanalyse durch. Wir ermitteln den Ist-Zustand, um dann für die nächste Zeit den Fortschritt zu dokumentieren. Danach geht es im Eins-zu-eins-Setting mit einem:einer Trainer:in in den Trainingsraum zu einem kleinen Assessment, wo erste Übungen durchgeführt werden und auf dieser Basis die Trainingsempfehlung für das eigentliche Probetraining in der Gruppe gegeben wird.


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Dort starten wir mit dem Functional-Basic-Konzept. Der Basic-Kurs dauert 45 Minuten, nicht 30, weil wir uns für die Technikschulung und die Einweisung mehr Zeit nehmen.

Die Kursstärke haben wir auf acht Leute beschränkt, um die Betreuung auch wirklich leisten zu können. Ziel ist, alle Kund:innen in unsere Level-eins- und Level-zwei-Gruppen zu überführen, die mit einer Dauer von 30 Minuten und kürzeren Pausen kompakter gestaltet sind, dort setzen wir die Techniken voraus.

Nach einer Aktivierungsphase werden zunächst Mobilität und Stabilität adressiert. Im anschließenden „Focus Part“ werden 15 bis 18 Minuten funktionelle Kräftigungsübungen durchgeführt. Am Ende gibt es dann noch eine Workout-Phase, in der die ganze Trainingseinheit in einem Intervalltraining für sechs bis acht Minuten auf die Spitze getrieben wird, indem wir verschiedene Übungen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden nochmals miteinander kombinieren.

Der Unterschied zwischen Level eins und Level zwei ist nur die Intensität. Level zwei ist schon ein ernsthaftes Athletiktraining, das aber für jede:n, der:die regelmäßig trainiert, machbar ist.

Wie lässt sich der Spagat zwischen Motivation und Trainingssicherheit gewährleisten und welche Rolle kommt dabei den Trainer:innen zu?

Der Erfolg unseres Angebotes steht und fällt mit den Trainer:innen. Sie müssen das Konzept leben, es den Kund:innen vermitteln, sie motivieren und so dafür sorgen, dass es Trainingserfolge gibt.

Es ist letztendlich wie bei allen Trainingskonzepten: Es zählt die Stimmung in der Trainingseinheit. Wenn man „nur“ fachlich gut ist, es aber nicht schafft, die Stimmung in der Einheit hochzuhalten, dann macht es den Kund:innen keinen Spaß.

Andersherum – wenn man nur der „Gute-Laune-Bär“ ist, der die Leute nicht individuell betreuen kann, entspricht das eben auch nicht der Erwartungshaltung unserer Mitglieder. Und die ist gerechtfertigterweise sehr hoch, weil wir für unsere Mitgliedschaften höhere Preise aufrufen als viele klassische Studios.

Was macht den besonderen Charakter dieser Kurse aus und wie unterscheiden sie sich von klassischen Kurskonzepten?

Die Gruppe ist kleiner und wir sind dichter dran an den Trainierenden. Wenn die Teilnehmendenzahl deutlich über zehn hinausgeht, wird es schwierig, eine individuelle Betreuung hinzubekommen. Wir führen ein Training durch, auch wenn nur vier oder fünf Leute angemeldet sind.

In unseren Einheiten wird die Motivation nicht über laute Musik und Ansagen über ein Mikro erzeugt. Gemeinsam trainieren ja, aber mit dem Blick auf das individuelle Limit. Unsere Mitglieder suchen nach Betreuung und Individualität. Sie wollen sicher sein, dass sie die Übungen richtig ausführen. Unseren Trainer:innen fällt auf, wenn etwas schiefgeht und sie korrigieren sofort im Eins-zu-eins-Kontakt und eben nicht über Mikro und Lautsprecher.

Welche Zielgruppen betreiben dieses spezifische Training in Ihren Studios vor allem? Was ist der häufigste Grund Ihrer Kund:innen, sich für das FIT zu entscheiden?

Generell kann jede:r zu uns kommen. Wir freuen uns über jedes Mitglied und können jede:n fitter machen.

Unsere Kernzielgruppe sind die „In-der-zweiten-Hälfte-des-Lebens-Ankommer“, die gut im Job sind und Familie sowie Beruf vereinen wollen. Wir adressieren schwerpunktmäßig besser situierte Leute, 35 plus, die häufig einen stressigen Job haben. Die wollen maximal effektiv trainieren und nicht zwei Stunden im Fitnessstudio verbringen, um dann doch nicht gut trainiert zu haben, weil es zu voll war und keiner sie motiviert hat.

Dieses Klientel können wir in 30 Minuten am Limit mit strukturierten, qualifiziert angeleiteten Einheiten perfekt bedienen.

Welche Zielgruppen haben Ihrer Einschätzung nach das größte Wachstumspotenzial für Trainingskonzepte mit hochintensiven Belastungen? Inwieweit haben Sie Ihr Marketing darauf eingestellt?

Wir fokussieren uns gerade in Richtung der Generationen 50 und 60 plus. Das hat viele Gründe: Zunächst gibt es den demografischen Wandel, der unaufhaltsam dazu führt, dass es anteilig immer mehr ältere Leute geben wird.

Entscheidend ist aber, dass wir mit unserer Trainingsmethode und unserem Betreuungsansatz in der Generation 60 plus die größten Mehrwerte erzielen können, weil der Alltagsübertrag in diesem Kund:innensegment so groß ist. Wir erzielen unmittelbare Effekte für alle Alltagssituationen: Gangsicherheit, Aufstehen, richtiges Heben etc. Wir verbessern die Lebensqualität dieser Altersgruppe.


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Unser Marketing müssen wir entsprechend anpassen bzw. wieder etwas breiter aufstellen, weil diese Zielgruppe eben noch nicht Social-Media-affin ist. Wir greifen inzwischen wieder mehr auf die ganz klassischen Werbemittel zurück: Anzeigen in regionalen Zeitungen, Boning-Systeme. Wir machen viel Marketing über Erfolgsgeschichten – übrigens auch in Social Media. Unser wichtigstes Marketing-Tool ist aber die Mund-zu-Mund-Propaganda.

Neben dem Training an sich ist für uns die Gruppendynamik ein  essenzieller Faktor. Vor zehn Jahren haben wir noch in erster Linie das funktionelle Training beworben. Heute setzen wir im Marketing auf die persönliche Betreuung und eben die Gruppendynamik. Unsere aktuellen Kampagnen heißen „better together“ und „Mit echten Profis trainieren“.

Eignen sich Trainingskonzepte aus diesem spezifischen Bereich für klassische Studios, um zusätzlichen Umsatz zu generieren?

Klar, warum nicht. Das hängt natürlich immer von der Gesamtausrichtung des Studios ab, vom Einzugsgebiet, von der Positionierung und von den bestehenden Kund:innen.

Ein Selbstläufer ist die Trainingsform trotz aller Vorteile nicht. Der springende Punkt ist, dass sich die Studios für hochintensive Trainingsformen aufstellen müssen – insbesondere personell. Wenn die Mitglieder für ein zusätzliches Angebot extra bezahlen müssen, dann muss man ihnen auch einen spürbaren Mehrwert bieten, der ohne qualifizierte Mitarbeiter:innen kaum erfolgreich sein wird.

Welche Empfehlungen haben Sie für Existenzgründer:innen, Trainer:innen und Studiobetreiber:innen, die sich dafür interessieren, intensive Trainingformen zu etablieren bzw. ihr Angebot um diese zu erweitern?

Ich glaube, dass es wichtig ist, sich maximal zu positionieren. Für Trainingsformen, die so betreuungsintensiv sind, eignet sich nur der Premiumbereich, den man professionell angehen muss. D. h. die eigene Expertise, die Expertise der Mitarbeitenden und die intensive Betreuung müssen dem:der Kund:in einen eindeutig spürbaren Mehrwert bringen.

Wenn das nicht klar genug ist, dann sehen die Kund:innen den Unterschied zum klassichen Studio oder auch zum Discounter nicht.

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