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„Dein Ziel ist unser Projekt“

Nima Mashagh, Athletik Docks, über Konzept, Kompetenz und Kunden

„Dein Ziel ist unser Projekt“

Hamburg und seine Schanze: berühmt und berüchtigt. Geschätzt wegen der lässigen Lebensart und der schick-schäbigen Bars. Geliebt wegen dem Kaffee beim Italiener, den Törtchen beim Portugiesen und dem Gemüse vom Türken, aber auch wegen der Vinyl-Shops und Szene-Boutiquen, vielleicht sogar wegen der Nähe zum Widerstand. Ein bisschen räudig, aber charmant. Und mittendrin das Personal Training Studio „Athletik Docks“, Sternstraße 121, zwischen Tim Mälzers Bullerei und Erika´s Eck. Nima Mashagh ist nicht nur Personal Trainer, sondern auch Architekt. Er ergreift seine Chance, macht aus einem über Monate leer stehenden, 210 Quadratmeter großen Viereck mit Teerflecken an den Wänden ein Loft mit rougher Segelclub-Atmosphäre, mit offenen Betonwänden, cleanen Böden und wärmenden Eiche-Elementen.

Er will es wissen, Nima Mashagh, 31, auf St. Pauli geborener und aufgewachsener Sportwissenschaftler mit iranischen Wurzeln und abgeschlossenem Architekturstudium. „Mein Ziel ist es, jeden meiner Kunden so schnell wie möglich an sein Ziel zu bringen.“

Dafür gibt er alles. Nima Mashagh verspricht „bestens qualifizierte und hochmotivierte Personal Trainer“. Und er garantiert Erfolg, nicht relativ oder mit irgendwelchen sprachlichen Rückzugsoptionen versehen, nein, den vollen Erfolg. Seine Referenzen spiegeln sein Selbstbewusstsein: Erfahrungen aus dem Hochleistungssport eines Basketballers, seine akademisch fundierte Kompetenz, ergänzt mit regelmäßigen Fortbildungen sowie mehr als 5.000 private Trainingseinheiten.

Team- und zielorientiert
Doch auf diese wohlklingenden Leistungen allein will er sich nicht verlassen. Denn als Personal Trainer zu arbeiten, sei ein Trendberuf, vielleicht sei es sogar der Beruf 2017 gewesen. Also hatte er sich, um langfristig in diesem „Haifischbecken“ Erfolg zu haben, zu positionieren. Er tut das mit einem „Personal Training von morgen“. Sein Konzept für das im Oktober 2017 eröffnete Athletik Docks klingt banal, doch stellt es das bisher gängige Verständnis von Personal Training als individuelle Beziehung eines Kunden zu einem Trainer gleichsam auf den Kopf. „Bei uns bucht der Kunde Personal Training beim Team Athletik Docks“, umreißt Nima Mashagh seine Vorstellung. „Nicht mehr ein Trainer und ein Kunde verlieren sich in irgendwelchen Zielen, sondern der Kunde wird von einem Team von Trainern nach einem mit ihm vorher abgestimmten, zielorientierten Trainingsplan betreut.“ „Team- und zielorientiert“, so will er das Athletik Docks verstanden wissen. Kein Studio in Deutschland würde er kennen, dass nach einem solchen Konzept arbeitet. Das hinzubekommen, „dass jeder Kunde damit zufrieden ist“, darin sieht Nima Mashagh seine Aufgabe, wohlwissend, dass Kunden Präferenzen haben. „Aber im Großen und Ganzen möchte ich davon wegkommen.“

Er möchte „nicht nur der Handwerker“ sein. Davon gäbe es genügend Trainer, seiner Einschätzung nach 95 Prozent, „die einfach nur mit ihren Kunden einmal die Woche Sport treiben“, die versuchen, ihnen „jedes Mal etwas Neues zu zeigen“, die zufrieden sind, „wenn der Kunde schwitzt“, „außer Atem ist“ und ihnen für ihre Kreativität anerkennend auf die Schulter klopft, „so eine Übung noch nie gesehen zu haben“. Nein, das bringe ihm „keinen Spaß“, da fehlt ihm der „intellektuelle Anspruch“.

Erfolg hat seinen Preis
Nima Mashagh will mehr, für seine Kunden und für sich. „Was ist dein Ziel?“ Ausgehend von den Vorstellungen und der Leistungsbereitschaft seiner Kunden, erstellt er individuell abgestimmte Ernährungs- und an der aktuellen Fitness orientierte Trainingspläne. „Da fängt es dann an, kompliziert zu werden“, aber „das Ziel des Kunden ist mein Projekt“. „Wenn ich beispielsweise für einen Kunden viermal nacheinander die Kniebeuge in den Trainingsplan aufnehme, dann habe ich ihm fundiert wie überzeugend zu erklären, warum das jetzt mehr Sinn macht, als mit ihm Spaß zu haben“. Nach einer Weile frage kein Kunde mehr, warum diese oder jene Übung. Der Kunde sieht den Erfolg am eigenen Körper. „Meine Kunden hassen 50 Prozent der Übungen; nur wenige, vielleicht 40 Prozent, machen ihnen Spaß“, führt Nima Mashagh aus. Das sei der Unterschied zu anderen Personal Trainern. Die aus der Abgrenzung erwachsene Alleinstellung scheint ihn nicht sonderlich zu schmerzen. Vielmehr schärft es sein Profil und legitimiert seinen Preis.

1.200 Euro kostet ein vierwöchiges Training im Athletik Docks mit jeweils vier Personal-Trainingseinheiten pro Woche bei einer dreimonatigen Mitgliedschaft. Nima Mashagh bestätigt die Rechnung, bezeichnet diese rein monetäre Betrachtungsweise aber als „falsche Herangehensweise“. Bei der Beratung frage er seine Kunden, wie oft sie in der Woche trainieren wollen und wie viele Einheiten davon selbstständig. Sieht sich ein Kunde in der Lage, von den selbst vier angesetzten Trainingseinheiten drei selbstständig durchzuführen, „dann schreibe ich ihm die Trainingspläne auch für diese drei Trainingseinheiten, die er wie Hausaufgaben durchzuführen hat“. Aber klar ist auch, dass „derjenige, der viermal in der Woche bei mir trainiert, definitiv ein besseres Ergebnis haben wird.“ Man spürt, Nima Mashagh will es wissen, will „dass die Kunden Erfolg haben“. 

In der Form seines Lebens
Weil seiner Klientel, vornehmlich Young Professionals, Leute zwischen 30 und 50 Jahren „das schon etwas weh tut, das zu zahlen“, auch, weil „es nicht so ist, dass sie alle das so locker aus dem Ärmel schütteln“, nehmen sie das Training „auch wesentlich ernster“. Und deswegen habe ich mit diesen Leuten auch mehr Spaß als mit jenen, die finanziell über alle Möglichkeiten verfügen, denen es aber „an Konstanz und Biss fehlt“. Sie gehen zwar „zwei Jahre lang viermal die Woche zum Personal Trainer, sehen aber nach dieser Zeit genauso aus wie zuvor“. Das sei „kein positives Feedback“ und „keine gute Visitenkarte“. „Mir ist es lieber, jemand geht nach drei Monaten wieder und erzählt den Leuten, er war nach diesen drei Monaten in der Form seines Lebens, konnte sich das Personal Training aber leider nicht mehr leisten“.

Nima Mashagh will es wissen. Von seinem Konzept, das Athletik Docks team- und zielorientiert langfristig zum Erfolg zu führen, ist er überzeugt. Hinsichtlich der Mitgliederentwicklung gibt er sich vergleichsweise entspannt. 20 Kunden habe er heute, 25 sollen es im Sommer 2018 sein. Im Team möchte er zu dritt arbeiten und schwarze Zahlen schreiben.

Berühmt und berüchtigt zu werden dauert lange; geschätzt und geliebt zu werden, geht deutlich schneller. Nima Mashagh braucht dafür nur seine heute gut 20 Kunden zu begeistern. Die Schanze bietet auch ihm die Chance.

www.athletikdocks.de

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 01/2018

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fMi Ausgabe 01/2018

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