Fitness, Gesundheit, Management, Markt | Autor: Anke Mächler |

Attraktive BGM-Angebote für Unternehmen gestalten

Die Zahl an Dienstleistern im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) und in der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) wächst immer weiter. Fitness- und Gesundheitseinrichtungen, die in dieses Tätigkeitsfeld einsteigen und sich entsprechend positionieren wollen, sollten sich im Vorfeld mit den Qualitätskriterien auseinandersetzen, die für eine Kooperation mit Unternehmen wichtig sind.

Perfekter Einstieg in den BGM-Markt – Fachartikel von Anke Mächler

Das Angebotsspektrum im Bereich BGM/BGF hat sich in den vergangenen Jahren deutlich vergrößert (vgl. Abb. 1). Suchen Unternehmen bei der Einführung eines BGMs und bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung ihrer Angebote Unterstützung, spielt die Wahl der Kooperationspartner eine entscheidende Rolle. 

Unternehmen können beispielsweise von den Sozialversicherungsträgern – allen voran die gesetzlichen Krankenkassen – Unterstützung erhalten, wenn es um die Förderung der Gesundheitspotenziale ihrer Mitarbeiter geht.

Ebenso steigt die Zahl der Dienstleistungsunternehmen im Bereich BGM/BGF. Gerade  Betriebe der Fitness- und Gesundheitsbranche verfügen über optimale Voraussetzungen, um bei der Vorbeugung von Krankheiten und der Förderung der Gesundheit von Beschäftigten gezielt zu unterstützen. 
 


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Viele Erwerbstätige verrichten ihre berufliche Tätigkeit derzeit im Homeoffice. Dies ist auch als Grund dafür zu sehen, dass sich während der Corona-Pandemie der tägliche Bewegungsumfang im Schnitt reduziert hat und gleichzeitig das durchschnittliche Körpergewicht gestiegen ist, was wiederum das Risiko zentraler Erkrankungen erhöht.

Umso bedeutsamer ist es für Betriebe, Präventionsmaßnahmen anzubieten, um die Gesundheitskompetenz ihrer Mitarbeiter auf- und Belastungen abzubauen.

Tipps für einen gelungenen Einstieg in den BGM-Markt

Wollen sich Fitness- und Gesundheitseinrichtungen in diesem Marktfeld positionieren, können die folgenden Qualitätskriterien wegweisend sein und einen Wettbewerbsvorteil bieten (Nürnberg & Matusiewicz, 2019):

1. Gesundheitsangebote nach §20 und §20b SGB V

Der GKV-Leitfaden Prävention definiert Qualitätskriterien sowohl für Leistungen der individuellen, verhaltensbezogenen Prävention im Handlungsfeld Bewegungsgewohnheiten als auch für Leistungen der BGF.

Hierdurch soll ein einheitliches Verfahren zur Zertifizierung von Leistungsangeboten gewährleistet werden: Nur Maßnahmen, die den Kriterien des GKV-Leitfaden Prävention entsprechen, dürfen von den Krankenkassen finanziert werden. Dienstleister sollten sich mit den Kriterien des Leitfadens auskennen und diese berücksichtigen.


 


2. Hygienezertifizierung

Für Fitness- und Gesundheitsdienstleister sind anerkannte Hygienezertifizierungen eine gute Möglichkeit, um ihre Qualität  auch nach außen sichtbar zu machen.

Dies beinhaltet unter anderem, dass speziell ausgebildete Hygienebeauftragte für die Einführung, Umsetzung und Überwachung eines auf den Betrieb angepassten Hygienekonzeptes verantwortlich sind.

3. Referenzen

Angegebene Referenzen sollten repräsentativ sein und auch Nachfragen bzw. Überprüfungen standhalten. Neben der Darstellung bestehender Kooperationen mit Unternehmen kann zum Beispiel auch die Zusammenarbeit mit einer Krankenkasse, die über ihre Erfahrungen mit dem Dienstleister berichtet, in den Fokus gerückt werden.

Wichtig ist weiterhin, dass aufgezeigt wird, welche Leistungen erbracht werden, damit die Erfahrungen mit der Branche, dem regionalen Umfeld oder der Betriebsgröße ersichtlich sind.

4. Qualifikationen als Trainer/Kursleiter

Sowohl bei analogen als auch bei digitalen Angeboten sind die Qualifikationen der Trainer bzw. Kursleiter zu berücksichtigen. Dazu gehören neben der entsprechenden Ausbildung auch regelmäßige Fort- und Weiterbildungen im Bereich BGM.

Sollen Maßnahmen von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert oder bezuschusst werden, ist darauf zu achten, dass die Anbieterqualifikation den Kriterien des GKV-Leitfaden Prävention entspricht

5. Datenschutzbeauftragter

Ein interner oder externer 'Datenschützer' sollte benannt sein bzw. sollte das Thema Datenschutz den gesetzlichen Vorgaben entsprechend umgesetzt werden.

6. Netzwerke 

Mitgliedschaften in Netzwerken, wie zum Beispiel im Bundesverband für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BBGM), können ebenfalls als Qualitätsmerkmal dienen.

Einerseits besteht für Dienstleister die Möglichkeit, über das eigene Angebotsportfolio zu informieren. Andererseits erhalten sie als Mitglieder auch Informationen zu aktuellen Entwicklungen im Bereich BGM/BGF. 

7. Kooperationspartner

Kooperiert eine Fitness- und Gesundheitseinrichtung mit Unternehmen oder Institutionen, wie z. B. Krankenkassen, Arztpraxen, Hochschulen oder Akademien, kann dies im Rahmen des eigenen Internetauftritts als 'digitale Visitenkarte' genutzt werden, um die Expertise im Themenfeld BGM/BGF zu demonstrieren.

Darüber hinaus sollte mit den kooperierenden Unternehmen die Frage geklärt werden, ob es einen festen Ansprechpartner für den Bereich BGM/BGF sowie das entsprechende Projekt gibt und ob auch ein Stellvertreter eingebunden ist. Dies erleichtert die Kommunikation während der Einführung und Umsetzung entsprechender Aktivitäten.

Die nächsten Schritte

Wie Abbildung 2 zeigt, sollten Fitness- und Gesundheitseinrichtungen überprüfen, inwiefern das eigene Personal im Themenfeld BGM/BGF qualifiziert ist und gegebenenfalls Aus- und Weiterbildungen planen.

Außerdem ist es wichtig, ein Gefühl für das Marktpotenzial durch eine Analyse zu erhalten, eine auf die Ergebnisse abgestimmte Vertriebsstrategie zu entwerfen und die Verantwortlichen für die Kundengespräche zu schulen bzw. zu sensibilisieren.

Die Außendarstellung ist wichtig, um das eigene Angebotsportfolio deutlich zu machen. Dies gilt auch für die Kundenpräsentationen, die im gleichen Atemzug entwickelt werden müssen.

Die Vorbereitung auf das Erstgespräch mit potenziellen Auftraggebern ist ein sehr wichtiger Schritt, um als kompetenter Partner wahrgenommen zu werden und den Auftrag zu erhalten.


Fazit

Bei Maßnahmen zur Bewegungsförderung sind die meisten Betriebe auf Unterstützung angewiesen. Viele Fitness- und Gesundheitseinrichtungen verfügen über ausgezeichnete Möglichkeiten, Fitnesstraining, Präventionskurse oder auch Gesundheitsvorträge sowohl digital als auch analog anzubieten.

Gerade jetzt sollte die Chance genutzt werden, um Kooperationen im Bereich BGM/BGF respektive Firmenfitness in die Wege zu leiten. Hierbei können digitale Lösungen, beispielsweise in Form einer digital angeleiteten bewegten Mittagspause, mit individuellen Vor-Ort-Angeboten unter fachkundiger Anleitung kombiniert werden.

Neben den dargestellten Qualitätskriterien und Empfehlungen ist die persönliche Einschätzung, das 'gute Gefühl', ein sehr wichtiger Einflussfaktor. Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Dienstleister sollte langfristig ausgelegt sein und beidseitig auf Wertschätzung und Vertrauen basieren.

Dies kann die Nachhaltigkeit der Angebote und deren Inanspruchnahme maßgeblich unterstützen und BGM/BGF für Fitness- und Gesundheitseinrichtungen zu einem Erfolgsfaktor machen.


 

Über die Autorin

Anke Mächler war nach ihrem Studium viele Jahre als Geschäftsführerin und Inhaberin eines BGM-/BGF-Dienstleistungsunternehmens tätig. Heute gibt sie ihre Erfahrung als selbstständige BGM-BGF-Beraterin und als Dozentin der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) sowie als Referentin der BSA-Akademie weiter.


Auszug aus der Literaturliste

Nürnberg, V. & Matusiewicz, D. (2019). Qualitätskriterien für Dienstleister. Zugriff am 09.09.2021.

Für eine vollständige Literaturliste kontaktieren Sie bitte marketing@dhfpg-bsa.de.

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