Digital, Fitness, Management | Autor/in: Carolin Schmidt & Florian Schmidt |

Marcel Reuter: „Eine Motivationssteigerung heißt weniger Drop-outs durch höhere Zufriedenheit“

Welchen Einfluss haben Digitalisierung und Vernetzung der Studios auf die Trainingsbetreuung vor Ort? Im Interview spricht Marcel Reuter, Fachbereichsleiter Trainings- und Bewegungswissenschaften an der DHfPG, über Investitionen in innovative Trainingsangebote, eine umfassende Trainingsbetreuung und wachsende Ansprüche an Trainer:innen im Zusammenhang mit der digitalen Entwicklung der Fitness- und Gesundheitsbranche.

Marcel Reuter (DHfPG) in Interview über digitale Trainingsbetreuung im Fitnessstudio.

fM: Virtuelle Trainingswettkämpfe auf dem Ruderergometer, immersive Fitnessrunden auf dem Indoor-Cycling-Bike oder smarte Trainingszirkel auf der Fläche – Wie beurteilen Sie diese Entwicklungen im Hinblick auf das Trainingserlebnis vor Ort?

Marcel Reuter:Es gibt sicherlich spannende und innovative Entwicklungen, die das Trainingsangebot vor Ort erheblich erweitern. So können Kund:innen aus einem riesigen Portfolio an Trainingsmethoden und Bewegungsformen nach eigenem Interesse und Leistungsstand wählen.


 


Das fördert den Spaß und zugleich die Motivation und bringt aus trainings- und betriebswirtschaftlicher Sicht Vorteile mit sich. Eine Motivationssteigerung bei den Kund:innen heißt für das Studio weniger Drop-outs durch höhere Zufriedenheit bei gleichzeitiger Steigerung der Weiterempfehlungsrate.

Unter diesem Gesichtspunkt sind Investitionen in innovative Trainingsangebote sicherlich eine mittel- und langfristig gewinnbringende Maßnahme.


„Ein innovatives und vielfältiges Trainingsangebot vor Ort kann einen großen Beitrag leisten.“
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Marcel Reuter, Leiter Fachbereich Trainings- und Bewegungswissenschaften DHfPG


Aus trainingswissenschaftlicher Sicht sind Dauerhaftigkeit und Kontinuität sowie variierende Belastungen grundlegende Trainingsprinzipien zum Auslösen von Trainingsreizen. Damit sind sie essenziell zum Erreichen der gesetzten Ziele. Ein innovatives und vielfältiges Trainingsangebot vor Ort kann dabei einen großen Beitrag leisten.


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Für welche Zielgruppen sind solche Angebote aus Ihrer Sicht interessant bzw. für wen sind sie eher weniger geeignet und warum?

Dafür gibt es kein Rezept. In diesem Entscheidungsprozess spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Grundsätzlich kann man sagen, je höher das Anforderungsprofil der Sportart oder Bewegungsform, desto besser sollten die motorischen Fähigkeiten individuell ausgeprägt sein, um z. B. Überlastungen zu vermeiden und das Verletzungsrisiko zu reduzieren.


„Speziell für Anfänger:innen ist eine gute Vorbereitung unerlässlich.“
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Marcel Reuter, Leiter Fachbereich Trainings- und Bewegungswissenschaften DHfPG


Bei der Frage, ob eine bestimmte Bewegungsform geeignet ist oder nicht, spielen die physiologischen Voraussetzungen und die Bewegungserfahrung, sprich das Trainingsalter, eine entscheidende Rolle. Speziell für Anfänger:innen ist eine gute Vorbereitung zur Stärkung der motorischen Fähigkeiten unerlässlich.



Bei hohen Intensitäten und einer damit verbundenen starken Belastung des Herz-Kreislauf-Systems oder des Bewegungsapparates sollte sichergestellt werden, dass beispielsweise keine internistischen oder orthopädischen Risikofaktoren vorliegen.

Welche neuen Chancen und Herausforderungen bringen diese Entwicklungen im Rahmen der Trainingsbetreuung beispielsweise in puncto Sicherheit, Individualisierung oder Motivation mit sich? Welche Rolle kommt dem:der Trainer:in und insbesondere der Vor-Ort-Betreuung hierbei zu?

Je komplexer das Training bzw. die Trainingsmethoden, desto wichtiger ist eine engmaschige und zielorientierte Betreuung durch den:die Trainer:in. Die Leistungsfähigkeit kann nur dann durch das Training optimiert werden, wenn Belastung und Erholung richtig aufeinander abgestimmt werden.

Wird zum Beispiel nur die Belastung in den Vordergrund gestellt und werden die benötigten Erholungszeiten nicht eingehalten, kann dies zur Leistungsstagnation oder sogar zu Leistungseinbußen und Verletzungen führen.


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Diese gegensätzliche Entwicklung ist sehr häufig bei hochmotivierten Anfänger:innen zu beobachten. Jedem:Jeder Trainer:in muss bewusst sein, dass Belastungen und anschließende Erholungsphasen optimal aufeinander abgestimmt sein sollten.

Welche Kompetenzen müssen Trainer:innen heute mitbringen, um mit den wachsenden Ansprüchen und der schnelllebigen digitalen Entwicklung der Branche Schritt zu halten?

Die Anforderungen an eine ganzheitliche Trainingsbetreuung sind hoch. Deshalb gilt hier das Prinzip des lebenslangen Lernens.

Um eine professionelle und umfassende Trainingssteuerung im fitness- und gesundheitsorientierten sowie rehabilitativen Training durchzuführen, benötigt es umfassende trainingswissenschaftliche, sportmedizinische sowie sportpädagogische Kompetenzen.

Um den:die Kund:in ganzheitlich betreuen zu können, empfehlen sich Spezialisierungen und interdisziplinäre Weiterbildungen, gerade in Anbetracht der technischen Entwicklung von digitalen Trainingssystemen.


 

Über den Interviewpartner

Marcel Reuter, ehemaliger Badminton-Nationalspieler und M. Sc. Sportwissenschaft, hat langjährige Erfahrung im Coaching und in der Beratung von Spitzensportler:innen und Mannschaften. Heute ist er Fachbereichsleitung Trainings- und Bewegungswissenschaften an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) 

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