Digital, Fitness, Management | Autor: Thalia Bossemeyer |

Digitale Transformation im Fitnessstudio

Wearables sowie Fitness- und Gesundheits-Apps sind seit geraumer Zeit der Top-Trend in der Fitnessbranche und bei Fitnesskunden sehr beliebt. Die zunehmende Digitalisierung stellt die Unternehmen in puncto Studiovernetzung jedoch vor wachsende Herausforderungen. Wie beurteilen Fitnesskunden den digitalen Trend und was ist ihnen dabei besonders wichtig? Die vorgestellte Bachelor-Thesis der DHfPG geht diesen Fragen nach und zeigt Chancen sowie Potenziale auf.

Science Lab: Digitale Vernetzung

Hintergrund

Zahlreiche Studien, wie z. B. der „Worldwide Survey of Fitness Trends for 2020“ des American College of Sports Medicine (ACSM) oder der „Optimized Self Monitor 2019“ von SPLENDID RESEARCH, unterstreichen die Relevanz und zunehmende Wichtigkeit der Wearable-Technologie. Aus Sicht der mehr als 3.000 befragten internationalen Fitnessexperten sind Wearables mit deutlichem Abstand die Nr. 1 im aktuellen ACSM-Ranking. Auch die DSSV-Experten sehen im Rahmen der Trend-Umfrage 2020 aufgrund der steigenden Nutzerzahlen sowie in der Digitalisierung insgesamt ein großes Potenzial für Fitnessstudios. Laut aktuellen Zahlen von FORSA und der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) hat sich die Zahl der Nutzer von Wearables sowie Fitness- und Gesundheits-Apps in den vergangenen vier Jahren verdoppelt. Nahezu jeder dritte Bundesbürger (32 Prozent) zwischen 18 und 50 Jahren nutzt diese Technologien. Gerade von den jüngeren Kunden werden digitale Tools sowie digital vernetzte Trainingsgeräte und Fitnessstudios stark nachgefragt. Die Anforderungen, unter anderem an Konnektivität und Kompatibilität, steigen. Bisher fehlt es in der Praxis aber flächendeckend an ganzheitlich-vernetzten Lösungen. Häufig existieren, wenn überhaupt, nur digitale „Insellösungen“: Laut dem aktuellen „ClubIntel Fitness Industry Trend Report 2019“ bieten lediglich 21 Prozent der Fitnessanlagen weltweit eine eigene Club-App und nur 18 Prozent ein digital vernetztes Studio an. Somit ist die Digitalisierung aus Sicht der knapp 1.000 befragten Fitnessexperten nach wie vor die „Achillesferse“ unserer Branche.

Aus diesem Grund untersucht die vorgestellte Bachelor-Thesis der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) diese Entwicklungen und liefert exemplarisch einen Überblick zu digitalen Innovationen aus Sicht der Kunden.

Methodik

Mittels eines standardisierten Online-Fragebogens wurden in der Bachelor-Thesis die Kundenbedürfnisse und das Nutzungsverhalten von 121 ausgewählten Fitnesskunden (Durchschnittsalter: 51 Jahre; Geschlechterverteilung: 49 Prozent männlich bzw. 51 Prozent weiblich) in einem kleineren, mittelständischen Fitnessstudio (450 Mitglieder) aus dem Mittelpreissegment (durchschnittlicher Mitgliedsbeitrag 45,90 EUR) untersucht. Im Rahmen der Befragung wurden die Mitglieder in insgesamt 33 Fragen zu ihrem Nutzungsverhalten sowie den Erwartungen im Hinblick auf digitale Fitnessangebote befragt.

Ergebnisse

Abbildung 1 stellt die wichtigsten Ergebnisse informativ dar und liefert einen Überblick zum aktuellen Nutzungsverhalten sowie zu den Wünschen der befragten Mitglieder. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt nutzen sie Wearables (24 Prozent) bzw. Fitness- und Gesundheits-Apps (26 Prozent) etwas weniger häufig, was sich u. a. durch die Altersstruktur des Studios erklären lässt. Die digitalen Trainingshelfer werden bisher vornehmlich zur Trainingsdokumentation, zum Activity-Tracking (Kalorien, Schritte etc.) und als Motivationshilfe eingesetzt. Die Mitglieder sehen die Digitalisierung generell als hilfreich bis sehr hilfreich an und der Wunsch nach mehr Konnektivität und digitalen Trainingsgeräten steigt über alle Altersschichten hinweg. Obwohl die Mehrheit der befragten Mitglieder digitale Fitnesstools bisher (noch) nicht aktiv nutzt, wünschen sich fast die Hälfte der Kunden eine studioeigene App, digitale Fitnessgeräte sowie eine bessere digitale Vernetzung. Vergleicht man die vorgestellten Ergebnisse mit den Analysen des ClubIntel Reports (2019), so zeigt sich, dass es noch einiges zu tun gibt, um den wachsenden Kundenansprüchen und dem digitalen Wandel in der Praxis tatsächlich gerecht zu werden.

Digitale Fitnesstools stellen eine sinnvolle Ergänzung im täglichen Trainings- bzw. Studioalltag dar. Jedoch braucht es stets auch eine professionelle Trainingsbetreuung durch entsprechend qualifizierte Trainer, um die Potenziale der digitalen Tools gewinnbringend zu nutzen. Gefragter denn je sind angesichts dieser Herausforderungen zum einen die Studiobetreiber, die das digital vernetzte Studio als komplexes Gesamtsystem verstehen, strategisch planen und umsetzen. Zum anderen braucht es aber auch IT-Experten, die neben der Informatik-Expertise auch das nötige trainingswissenschaftliche Know-how mitbringen, um innovative Fitnesstechnologien bedarfsgerecht zu entwickeln und in den Studios zielführend zu implementieren.

Fazit

Der Markt für digitale Fitnessprodukte wächst rasant und es wird zunehmend schwieriger, mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten. Die Wearable-Technologie bietet als ein wichtiger Teilaspekt der Digitalisierung für Studiobetreiber vielfältige Einsatzmöglichkeiten und Perspektiven, die bisher aber nur die wenigsten in vollem Umfang nutzen. Wearables, Apps, digitale Trainingsgeräte, smarte Körperwaagen und Co. sind hilfreiche Tools, um das Trainingserlebnis und die Betreuung zukünftig noch erfolgreicher, individueller und kundennäher zu gestalten. Zum Beispiel können Leistungsparameter und Trainingserfolge immer in Echtzeit visualisiert und zur Trainingsüberwachung sowie zur Motivation genutzt werden. Die Digitalisierung umfasst aber nicht nur das Training selbst, sondern auch die Mitgliederverwaltung, Kundenbindungsmaßnahmen sowie die Interaktion über Social Media bzw. die eigene App. Somit kommt ein digital vernetztes Studio den Kunden wie den Trainern gleichermaßen zugute und gewährleistet als komplexes System eine noch professionellere Betreuung und ein zeitgemäßes Kundenerlebnis.

Thalia Bossemeyer
Alter:
22
Duales Studium: Body in Balance Kaufungen
Abschluss: B. A. Fitnessökonomie
Aktuelle Tätigkeit: Personal Trainerin und Vitalcoach auf einem Kreuzfahrtschiff bei „Mein Schiff“

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 02/2020

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