Corona, Management | Autor: Jürgen Wolff |

„Unser Fokus auf Teamwork ist stärker geworden“

Gertrud Wulf ist seit ihrer Jugend begeisterte Fitnesssportlerin und gibt bis heute Kurse (Indoor Cycling, Pilates, Yoga). Als gelernte Gehilfin in wirtschafts- und steuerberatenden Berufen startete die dreifache Mutter im Studio ihres Bruders Hermann Lammers zunächst in der Buchhaltung und begann später zusätzlich wieder Kurse zu geben. Seit 2011 ist Gertrud Wulf Studioleiterin des 3lifesports in Meppen.

fMi: Wie wichtig sind aus Ihrer Sicht qualifizierte, motivierte und loyale Mitarbeiter für den langfristigen Unternehmenserfolg?

Gertrud Wulf: Die Loyalität hat für uns eine ganz hohe Priorität. Der beste Beleg dafür ist, dass wir praktisch keine Fluktuation haben. Mitarbeiter verlassen uns im Normalfall nur nach Ausbildungsende, wenn sie weitere Ziele verfolgen. Wir versuchen immer, unsere Mitarbeiter zu halten und ihnen die besten Perspektiven zu bieten.

Dazu gehört die kontinuierliche Entwicklung unserer Mitarbeiter. Wir verstehen die Qualifizierung als fortlaufenden Prozess und investieren sehr viel in Aus- und Weiterbildung. Wenn es möglich ist, holen wir uns die Experten ins Haus, wir schicken unsere Mitarbeiter aber auch zu externen Schulungen.

Auch in die Motivation investieren wir kontinuierlich. Schon seit ein paar Jahren sind wir im Coaching mit Lexie Griffith, die uns in dieser Richtung maßgeblich vorangebracht hat, viele wertvolle Tipps gibt und regelmäßig neue Lernstudien vorstellt.

Gemeinsam mit ihr haben wir auch die Werte ermittelt, für die unser Unternehmen und unser Team stehen.

Wodurch zeichnet sich Ihrer Meinung nach eine nachhaltige und zeitgemäße Personalführung aus? Hat sich Ihr Fokus in den letzten Monaten verschoben?

Für alle Mitarbeiter haben wir ein DiSG-Profil erstellt, um ihre Stärken und Schwächen zu ermitteln. So können wir die Stärken jedes einzelnen Mitarbeiters gezielt ins Team einbringen und mit den Mitarbeitern systematisch an ihren Schwächen arbeiten. Davon profitiert jeder Einzelne, das Team und immer auch das Unternehmen.

Mit der konsequenten Umsetzung dieses Konzeptes haben wir eine zeitgemäße Personalführung, die wir kontinuierlich weiterentwickeln.

Ich würde sagen, unser Fokus auf Teamwork ist während der Pandemie stärker geworden. Jeder hatte in dieser Zeit sein persönliches Schicksal und auch wir waren von Kurzarbeit betroffen. Wir haben uns aber immer wieder im Team zusammengesetzt und besprochen, was wir für unsere Mitglieder tun können, und haben u. a. Online-Kurse entwickelt.

Die Führungsaufgabe bestand darin, die To-dos auf alle Mitarbeiter gleichmäßig zu verteilen.


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Welche Softskills waren während der Pandemie im Umgang mit Ihren Mitarbeitern für Sie besonders wichtig und warum?

Fürsorge und Transparenz waren wichtig – der faire Umgang miteinander und die Erklärung, was gerade passiert. Wir sind auch offen mit der finanziellen Situation des Unternehmens umgegangen, damit unsere Mitarbeiter sich nicht sorgen müssen, dass sie ihren Job verlieren.

Dabei haben wir nie damit hinterm Berg gehalten, dass die Situation schwierig ist. Wir haben aber Hoffnung für die Zukunft gemacht.

Viele unserer Mitglieder haben während der Schließung Geld gespendet. Diese Unterstützung ist nicht ins Unternehmen geflossen, sondern eins zu eins als Corona-Geld an unsere Mitarbeiter gegangen.

Welche Fähigkeiten und Qualifikationen Ihrer Mitarbeiter haben sich in den vergangenen Monaten als besonders wertvoll herausgestellt?

Das Teamgefühl. Das, was wir unter dem Credo 'Wir sind füreinander da' lange aufgebaut haben, war so wertvoll, weil sich in der schwierigen Situation alle eingebracht haben, um für die Mitglieder da zu sein und unserem Unternehmen zu helfen.

Dafür mussten sich alle auch mit Aufgaben befassen, die nicht zu ihren Stärken gehören, und sich mit den Anforderungen der Technik auseinandersetzen.

Das hat sehr gut geklappt und zum Teil waren die Kurse am erfolgreichsten, bei denen wir das gar nicht erwartet hatten. Das Gefühl, dass alle im Team an einem Strang ziehen, hat enorme Kräfte und Kreativität freigesetzt.


Durch welche konkreten Strategien und Maßnahmen konnten Sie die Motivation Ihrer Mitarbeiter, das Teamwork und den Zusammenhalt in dieser schwierigen Phase fördern? Wie wollen Sie diesen Teamspirit in den nächsten Monaten aufrechterhalten?

Offenheit und den Teamspirit hochhalten – wenn es mal gekriselt hat, haben wir uns daran erinnert, wie unser Team-Credo lautet: 'Wir sind füreinander da!' Unser gemeinsames Ziel war, die Pandemie zu überleben. Wir haben es als Team geschafft und sind in der Krise noch weiter zusammengerückt.

Besonders bewährt hat sich eine Maßnahme, die Lexie Griffith schon vor langer Zeit angeregt hat: Wir haben mit jedem Mitarbeiter unsere gegenseitigen Erwartungen ausgetauscht, danach einen gemeinsamen Konsens ermittelt und diesen schriftlich fixiert.

Wenn mal etwas schiefläuft, holen wir das Papier heraus und vergegenwärtigen uns unsere gemeinsamen Ziele. Das holt alle Beteiligten schnell auf den Boden zurück und spart enorm viel Zeit und vor allem Energie.

Um unseren Teamspirit aufrechtzuerhalten, müssen wir genauso weitermachen, wie wir bisher gearbeitet haben. Wir sind ja längst noch nicht angekommen. Wie schon gesagt, die Entwicklung unserer Mitarbeiter und unseres Führungsteams ist ein fortlaufender Prozess.

Wie haben Sie externe Expertisen generell in die Abläufe im Studio miteinbezogen?

Lexie Griffith begleitet uns schon rund 30 Jahre. Mein Bruder wollte damals Kurse in sein erstes Studio integrieren und ist auf Lexie gestoßen, die ein Konzept entwickelt hatte, um Fitnesskunden auf emotionaler Ebene anzusprechen, 'abzuholen' und den Spaß an der Bewegung zu vermitteln.

Die Zusammenarbeit hat begonnen, als sie uns Anfang der 1990er als Kurstrainer ausgebildet hat.

In all den Jahren hat Lexie sich weiterentwickelt und hat ihr Engagement vom Kursbereich auf das Personalmanagement verlegt. Heute bildet sie weltweit Führungskräfte in Personalentwicklung und -führung aus – auch für große Konzerne.

Uns hat Lexie dabei unterstützt, die Grundwerte des Unternehmens festzulegen, das Unternehmens- und das Team-Credo auszuarbeiten und im Studioalltag zu leben. Sie hat uns viele 'Werkzeuge' in die Hand gelegt, die uns geholfen haben, 3life zu dem zu machen, was es heute ist. Wir sind vor 30 Jahren gemeinsam auf eine Reise gegangen und sind noch nicht am Ende.

Haben Sie während der Pandemie Mitarbeiter verloren? Falls ja, konnten Sie diesen Verlust inzwischen ausgleichen? Worin bestand dabei die größte Herausforderung?

Nein, wir haben keine Mitarbeiter verloren. Es sind alle geblieben. Da wir in einer ländlichen Region beheimatet sind, ist bei der Mitarbeitersuche generell die Herausforderung, geeignete Interessenten zu finden.

Welche Schlüsse und Lehren können Sie aus der Krise und dem Restart für die Teamentwicklung und die weitere Zusammenarbeit in Ihrem Betrieb ziehen?

Alle im Team haben erkannt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir sind in der Krise noch enger zusammengerückt und jetzt zu sehen, dass wir ganz viel richtig gemacht haben, motiviert ungemein.

Wir haben als Team funktioniert und werden diese Richtung weitergehen. Im Zuge des Restarts war es für einige schwierig, wieder in den Arbeitsalltag reinzukommen, aber alle sind mit dem Bewusstsein am Start gewesen, dass wir ein verdammt tolles Team sind.

Die Herausforderung, die wir jetzt angehen, ist, unsere Mitglieder zu halten und sie zu motivieren, wieder regelmäßig zum Training zu kommen.

Wie wollen Sie Ihr Team und Ihr Unternehmen angesichts wachsender Kundenerwartungen und veränderter Herausforderungen des Marktes für die Zukunft aufstellen? Welche Schritte haben Sie geplant?

Die gemeinsame Entwicklung des Teams und die stetige Verbesserung der Zusammenarbeit werden wir genauso fortführen wie bisher.

Die Erwartungen unserer Kunden waren seit jeher sehr hoch. Sich darauf einzustellen ist für unser top-qualifiziertes Team Alltag. Auch die Hygienevorschriften haben wir sehr konsequent umgesetzt. Online-Kurse werden wir erst einmal nicht mehr anbieten, weil bisher kein Mitglied Bedarf angemeldet hat. Sollte der Bedarf bestehen, sind wir vorbereitet und können jederzeit loslegen.

Für uns geht es darum, die Mitglieder zurückzuholen, die vielleicht Angst haben, wieder in größeren Gruppen aufzutreten, oder es inzwischen auf der Couch viel bequemer finden.

Hier kommen Sie zum Einstieg und zum Interview mit Marc Linzenich:

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