Ein milchiges Wasserbecken, eine versteckte Plattform und eine alte Ratte auf der Suche nach Orientierung: Mit solchen Bildern beginnt Bas Kast seine Reise in die Welt der Nahrungsergänzungsmittel.
Auch in seinem neuen Buch bleibt der durch seinen „Ernährungskompass“ (wir berichteten) bekannt gewordene Wissenschaftsautor diesem Prinzip treu und wählt erneut einen erzählerischen Einstieg. Darin verbindet er biografische Betroffenheit mit Forschungsdramatik. Das Buch trägt den Titel „Der Vitamin- und Nährstoffkompass“ und ist im C. Bertelsmann Verlag erschienen.
Den Ausgangspunkt bildet eine Demenzstudie, die ihn in einer persönlichen Ausnahmesituation elektrisiert. Sie wird zum roten Faden des Buches, das sich einer zentralen Frage widmet:
Welche Supplements – wenn überhaupt – lohnen sich für mich in meiner Situation (und in welcher Dosis), und von welchen sollte ich die Finger lassen?
Bas Kast – Bestsellerautor, Biologe und Psychologe
Dabei positioniert sich Bas Kast zwischen zwei Lagern: Auf der einen Seite stehen die Skeptiker:innen, die Nahrungsergänzungsmittel als Scharlatanerie abtun, auf der anderen Seite die Biohacker-Szene, in der täglich Dutzende Kapseln geschluckt werden.
Seine Haltung ist klar wissenschaftsorientiert, jedoch nicht dogmatisch. Er gibt zu, skeptisch geblieben zu sein, und betont zugleich seine Offenheit für neue Erkenntnisse. Wissenschaft erscheint bei ihm als Prozess, als „kontinuierliche, unerbittliche Selbstkorrektur“, nicht als starres Dogma.
Der Vitaminkompass richtet sich an Studien statt an Strömungen
Im Zentrum stehen dabei Studien mit Zufallsprinzip, Metaanalysen und methodische Einordnungen. Besonders eindrücklich schildert Kast die Datenlage zu Multivitaminen im Alter. Mehrere große Studien legen nahe, dass ein moderat dosiertes Präparat das episodische Gedächtnis messbar unterstützen kann – „als wäre ihr Gehirn um knapp fünf Jahre weniger gealtert“.
Solche Zuspitzungen machen die Lektüre anschaulich, ohne in Heilsversprechen zu kippen. Denn Kast relativiert konsequent: Beobachtungsstudien können in die Irre führen, Korrelation ist nicht gleich Kausalität und Megadosierungen bergen Risiken.
Zudem ist das Buch nicht alphabetisch, sondern nach Themenfeldern sortiert. Zu diesen gehören Gehirn, Longevity, Schlaf, Muskeln, Schwangerschaft und Haut. Außerdem wird der Hauptteil durch ein umfangreiches Glossar ergänzt. Diese Struktur ermöglicht es, Kontext, physiologische Hintergründe und gesellschaftliche Einordnung zu liefern.
Mit dem Vitaminkompass durch den Supplement-Dschungel
Zugleich zeigt der Bestsellerautor, wie sehr der Markt für Nahrungsergänzungsmittel von Desinformation geprägt ist und wie lückenhaft die Forschung zu vielen Produkten ist. „Nahrungsergänzungsmittel können […] eine Ergänzung […] sein, sie sind kein Ersatz“, schreibt er – ein programmatisch wirkender Satz.
Stilistisch bewegt sich „Der Vitaminkompass“ zwischen den Genres Reportage, persönliches Essay und Lehrbuch. Der Ton ist erklärend und gelegentlich ironisch, etwa wenn die Dosierungen von Influencern „durch die Decke gehen“.
Der Vitaminkompass zeigt die Richtung, die Entscheidung triffst du
Das 448 Seiten umfassende Buch verlangt Aufmerksamkeit, belohnt diese jedoch mit Klarheit und methodischer Transparenz. Wer einfache Ja-Nein-Antworten sucht, wird hier nicht fündig. Wer jedoch verstehen will, wie belastbar Evidenz ist und wo ihre Grenzen liegen, erhält mit diesem Buch einen fundierten Kompass.
Gerade in einer Gesellschaft, die zwischen Optimierungsdruck und Gesundheitsangst schwankt, trifft Kast einen Nerv. Sein Buch ist kein Plädoyer für Pillen, sondern für informierte Entscheidungen. Gerade darin liegt seine Stärke.
Über den Autor
Bas Kast (Jahrgang 1973) studierte in Konstanz, Bochum und am MIT in Boston (USA) Psychologie und Biologie. Er arbeitet als Wissenschaftsjournalist und Autor.
Sein Sachbuch „Der Ernährungskompass“ stand monatelang an der Spitze der SPIEGEL-Bestsellerliste und wurde 2018 als „Wissensbuch des Jahres“ ausgezeichnet. Passend dazu erschien auch „Der Ernährungskompass – Das Kochbuch“.
Er ist Autor der SPIEGEL-Bestseller „Warum ich keinen Alkohol mehr trinke“ und „Kompass für die Seele“. Unter @baskastofficial betreibt Bas Kast einen YouTube-Kanal, dort widmet er sich aktuell dem Project Slowager – Reise zur Langlebigkeit. Er war außerdem Host des Podcasts Der Wissenskompass – Gesünder leben mit Bas Kast – als Gäste hat er dort spannende Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Praxis empfangen.






