Wer heute ein Fitnessstudio betreibt, bewegt sich in einem anspruchsvollen Umfeld und muss sich gegen starke Mitbewerber sowie konkurrierende Angebote (z. B. Hometrainingsgeräte, YouTube-Workouts, KI-gestützte Trainings-Apps) im Markt behaupten.
Ein moderner Gerätepark, eine gute Lage und lange Öffnungszeiten sind längst keine Alleinstellungsmerkmale mehr, die Trainierende überzeugen und langfristig binden (Attri, Bhagwat & Reardon, 2024; Ferreira-Barbosa, Barbosa, Sabino & Loureiro, 2022).
Neben einer professionellen Betreuung sowie einem engagierten, motivierten und kompetenten Trainerteam werden daher auch Themen wie „Customer Experience“ und „Community“ für Betreiber immer wichtiger (Sörensen & Wolff, 2024; Theobald, 2026).
Ein Studio, das ein motivierendes Trainingsumfeld und eine echte Community aufbaut, schafft etwas Unkopierbares: einen emotionalen Mehrwert und das Gefühl von Zugehörigkeit, das Mitglieder begeistert und langfristig motiviert.
Soziale Kontakte und das Gefühl von Gemeinschaft sind gerade auch in Zeiten zunehmender Vereinsamung (Loneliness) wichtige Themenfelder, die berücksichtigt werden sollten (mehr dazu lesen Sie auf Seite 112). Längst nicht nur jüngere Zielgruppen suchen gezielt die Kombination aus Training und sozialer Erfahrung.
Studios sind heute also weit mehr als nur ein Trainingsort und fungieren als sozialer Treffpunkt, der unterschiedlichste Menschen zusammenbringt (Schmidt & Wolff, 2021).
Was eine echte Community ausmacht
Viele Studios glauben, bereits eine funktionierende Community zu haben, und denken dabei häufig zuerst an Aspekte wie den Instagram-Kanal, WhatsApp-Gruppen oder Ähnliches. Das ist zwar ein guter Anfang, aber längst noch kein Beleg für eine starke und loyale Mitgliedercommunity.
Communityexpertin Tanja Laub (2021) definiert eine Community als eine Gruppe von Menschen mit gemeinsamen Interessen, Werten und Erfahrungen, die sich regelmäßig on- und offline begegnen und gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten.
Eine „echte“ Studiocommunity trägt und organisiert, vernetzt sich teilweise selbst und die Mitglieder fühlen sich mit dem Studio, dem Trainerteam und anderen Trainierenden verbunden. Sie sind ein Teil dieser Gemeinschaft, bringen sich ein und gestalten diese aktiv mit.
Sie verabreden sich, trainieren zusammen, motivieren sich, tauschen sich aus und empfehlen das Studio auch aktiv weiter – weil sie überzeugt sind (Mann & Kilian, 2024). Studienergebnisse zeigen, dass loyale Mitglieder mit einer starken Communitybindung seltener kündigen und dem Unternehmen auch treu bleiben, wenn günstigere Alternativen entstehen (Dessart & Duclou, 2019; Eskiler & Safak, 2022).
Zudem sind sie engagierter und motivierter, kaufen mehr (Zusatzkurse, Ernährungsberatung, Merchandise etc.) und machen als Markenbotschafter kostenlose Werbung für das Studio (Braga-Pereira, Furtado, Sampaio & Teques, 2025; Theobald, 2023).
Strategien für ein systematisches Community Building
Beim Community Building scheitern viele Studios nicht am „Wollen“, sondern häufig am „Können“ sowie an einer fehlenden Umsetzungsstrategie. Das Community Canvas Model (Pfortmüller, Luchsinger & Mombartz, 2017) liefert in diesem Zusammenhang wertvolle Orientierung, fasst alle relevanten Punkte/Schnittstellen anschaulich zusammen und hilft so bei einer strukturierten Planung und Umsetzung.
Das Modell umfasst die drei zentralen Dimensionen Identität, Erfahrungen und Struktur (vgl. Abb. 1). Im Folgenden werden einzelne Bausteine des Modells näher erläutert und Tipps für die Umsetzung gegeben.
W-Fragen, Brainstorming und Rahmenplanung
Vor der Umsetzung sollte das Team gemeinsam (z. B. in einem Workshop) zunächst den Status quo beleuchten, ein gemeinsames Verständnis schaffen und anschließend die ersten Schritte einleiten.
Wofür stehen wir? Welche Werte sind uns wichtig und was zeichnet uns als Gemeinschaft aus? Welche Rolle spielt das Thema Community Building bisher?
Wo stehen wir aktuell? Wie aktiv und loyal ist unsere Mitgliederbasis?
Was soll unsere Community im Leben unserer Mitglieder bewegen?
Wie können wir das Gemeinschaftsgefühl aktiv stärken?
Wie soll das Thema zukünftig in der Unternehmenskultur verankert werden?
Was braucht es dafür und an welchen Stellschrauben muss gedreht werden?
Wie wird die Umsetzung geplant, was sind die ersten Schritte und wer kümmert sich um was?
Sind diese grundlegenden Fragen geklärt, geht es im nächsten Schritt um die konkrete Umsetzung.
Spirit, Identität und wiederkehrende Rituale
Ein gelebter Community Spirit entsteht jedoch nicht von selbst. Er ist das Ergebnis einer klaren Vision, einer langfristigen Strategie und eines kontinuierlichen Engagements. Erfolgreiches Community Building geht deshalb weit über die reine Trainingsbetreuung und -motivation hinaus und umfasst zahlreiche Maßnahmen, die das Miteinander gezielt fördern.
Ausgangspunkt ist ein gemeinsames Verständnis davon, wofür die Community steht, welche Werte sie vertritt und welchen Mehrwert sie ihren Mitgliedern bietet. Dieses Selbstverständnis sollte sich in einem authentischen und greifbaren Transformationsversprechen widerspiegeln, das deutlich macht, welchen Unterschied die Mitgliedschaft im Alltag der Menschen bewirken kann.
Dabei gilt es, eine unverwechselbare Identität zu schaffen. Dazu zwei Beispiele: Eher nicht so gut wäre: „Wir sind ein Fitnessstudio, das Menschen zusammenbringt.“ Besser: „Wir sind der Ort, an dem Frauen über 40 ihre körperliche und mentale Stärke zurückentdecken und mit uns gemeinsam trainieren, wachsen, Spaß haben und echte Freundschaften schließen.“
Eine solche Identität bildet das Fundament einer starken Community und gibt Orientierung für alle weiteren Schritte.
Gemeinsame Erfahrungen, die verbinden
Gemeinsame Erlebnisse liefern die emotionale Verbindung, während wiederkehrende Rituale Vertrautheit schaffen und den Zusammenhalt der Gruppe stärken.
Ein wöchentlicher Motivationsbeitrag, ein monatliches „Member Spotlight“ oder der gemeinsame „Friday High Five“ nach dem letzten Kurs können die Communitybildung ebenso fördern wie regelmäßige Aktivitäten außerhalb des regulären Trainingsbetriebs im Studio (Stammtisch, Ausflüge, Outdoor-Workouts usw.).
Gemeinsame Aktionen und Special Events wie z. B. die Teilnahme an einem HYROX-Wettkampf, an Charityläufen oder lokalen Sportereignissen schweißen zusammen. Solche Erlebnisse schaffen emotionale Erinnerungen und Geschichten, die bleiben und weitererzählt werden. Sie fördern die Identifikation mit der Community und tragen dazu bei, dass aus einzelnen Mitgliedern eine lebendige und echte Gemeinschaft entsteht (Wolff, 2026).
Für Vernetzung und Austausch sorgen
Abschließend stellt sich die Frage, wie Studios auch abseits des Alltagsbetriebs und solcher Events für regelmäßigen Austausch, Interaktion und Engagement sorgen und die Mitglieder gezielt vernetzen können. Hier bietet die Digitalisierung viele Möglichkeiten, um das Trainingserlebnis und die Kundenbindung zu verbessern (Khoa & Huynh, 2025).
Eine eigene Studio-App, WhatsApp-Gruppen, Social-Media-Kanäle usw. helfen dabei, Mitglieder miteinander zu vernetzen.
Die folgende Checkliste fasst die wichtigsten Punkte zusammen und gibt Tipps für die praktische Umsetzung.
Wie man misst, ob Community Building wirkt?
Um nachhaltig erfolgreich zu sein, sollten Studios nah an ihren Mitgliedern sein, ihrer Community aufmerksam zuhören und regelmäßig Feedback einholen. Erst der Abgleich von Selbst- und Fremdwahrnehmung zeigt, ob die Community-Building-Maßnahmen die gewünschte Wirkung entfalten.
Systematische Mitgliederbefragungen (Schmidt, 2023) in Kombination mit Tools, wie z. B. dem Customer Engagement Score (CES) (mehr dazu erfährst du hier), liefern wertvolle Einblicke in das Zugehörigkeitsgefühl der Mitglieder und die Wirksamkeit der Maßnahmen.
Ergänzend sollten Studios Kennzahlen wie die Mitgliederbindungsrate, den Anteil der Neumitglieder durch Empfehlungen, die Interaktionsrate innerhalb der Community sowie die Teilnahmequote an Veranstaltungen und Aktionen im Blick behalten.
Auch der Net Promoter Score (NPS) gibt Aufschluss darüber, wie wahrscheinlich Mitglieder das Studio weiterempfehlen und wie stark ihre Bindung zum Studio ausgeprägt ist (Clemann & Schmidt, 2018).
Das deutlichste Anzeichen für eine lebendige Community sind jedoch nicht Kennzahlen, sondern die zwischenmenschlichen Beziehungen, die entstehen. Mitglieder und Trainer organisieren sich eigenständig, verabreden sich auch außerhalb der offiziellen Studioangebote zum Training oder anderen Aktivitäten, gründen Stammtische oder nehmen gemeinsam an Wettkämpfen und Events teil. Spätestens dann ist aus dem Fitnessstudio weit mehr als ein Trainingsort geworden – es ist ein sozialer Treffpunkt, an dem Gemeinschaft gelebt wird.
Praxistipps und konkrete Umsetzungsmaßnahmen
1. Zielgruppe erst, dann Community
Eine Community für alle ist eine Community für niemanden. Nur wer seine Mitglieder kennt – demografisch, nach Interessen und Persönlichkeitstypen – kann Kundenbedürfnisse bedienen und erfolgreich binden. Eine Kurzumfrage mit fünf Fragen reicht als Einstieg (Hieß & Kröpfl, 2024; Küstner, 2024).
2. Onboarding als Bindungsinstrument
Neue Mitglieder entscheiden meist in den ersten Wochen, ob sie bleiben. Eine Willkommensnachricht, eine Vorstellung bei anderen und eine kurze persönliche Einführung kosten wenig und wirken einladend. Wer sich willkommen, wertgeschätzt und integriert fühlt, kündigt seltener und bleibt länger.
3. Gruppentraining als sozialer Katalysator
Gemeinsames Schwitzen verbindet. Partnerworkouts, die Neulinge und Stammgäste mischen, integrieren organisch. Geführte Gruppenformate mit engagierten Trainerinnen und Trainern motivieren, begeistern und senken zudem Unsicherheitsbarrieren (Les Mills, 2026). Beispiel: HYROX-Gruppentraining als Communityanker mit messbaren Zielen und starkem Wirgefühl (Wolff, 2026).
4. Challenges inklusiv und motivierend gestalten
Challenges, bei denen nur die Fittesten gewinnen, demotivieren. Besser: relative Verbesserung und/oder Trainingsfleiß belohnen – etwa mit „Progress Not Perfection“-Challenges, Schrittzählerwettbewerben oder Fundraisingaktionen. Ein öffentliches Member Spotlight wirkt oft mehr als ein materieller Preis.
5. Events: regelmäßig, nicht perfekt
Outdoor-Bootcamps, Ernährungsworkshops, ein Anfängerstammtisch und weitere Veranstaltungen schaffen geteilte Erinnerungen. Entscheidend ist vor allem das Erlebnis und die Regelmäßigkeit, nicht zwingend die Perfektion.
6. Online und offline verzahnen
Offline schafft emotionale Tiefe, online verlängert das Erlebnis durch Fotos, Kommentare, Verlinkungen etc. So erreicht man auch jene, die nicht dabei sein konnten (Hieß & Kröpfl, 2024).
7. Multiplikatoren gezielt einbinden
Mitreißende Mitglieder direkt ansprechen und Rollen anbieten – Communitybotschafter, Moderator, Kurspartnerkoordinator. Echte Mitsprache, Begeisterung und wertgeschätztes Engagement schlagen jeden Gratismonat.
Fazit
Mitglieder bleiben nicht allein wegen eines durchgestylten Studiokonzepts, moderner Geräte oder eines Kursangebots – sie bleiben vor allem wegen der Menschen und der gemeinsamen Erlebnisse. Begeisterte Mitglieder identifizieren sich mit dem Studio, fühlen sich als Teil einer Gemeinschaft und sind die besten Markenbotschafter.
Das Community Canvas Model bietet eine wertvolle Orientierung, um Community-Building-Maßnahmen systematisch zu planen und erfolgreich umzusetzen. So entstehen emotionale Verbundenheit, eine stärkere Mitgliederbindung und ein Mehrwert, der sich von Wettbewerbern kaum kopieren lässt.
Diesen Artikel kannst du folgendermaßen zitieren:
Schmitt, D. (2026). Nachhaltiges Community Building. fitness MANAGEMENT international, 5 (187), 86–89.
Auszug aus der Literaturliste
Attri, R., Bhagwat, J. & Reardon, J. (2024). Creating a Loyal Clientele: The Role of Service Environment in Health and Fitness Facilities. Management Dynamics, 24 (1), 11–18.
Braga-Pereira, R., Furtado, G., Sampaio, A. & Teques, P. (2025). Intrinsic motivation and enjoyment as key-factors in the link with the perceived quality of fitness coach behaviour: Enhancing exercise adherence. Cuadernos de Psicología del Deporte, 25 (2), 81–100.
Dessart, L. & Duclou, V. (2019). Health and fitness online communities and product behaviour. Journal of Product and Brand Management, 28 (5), 188–199.
Hieß, M. & Kröpfl, F. (2024). Community Management. In C. Zerres (Hrsg.), Handbuch Social Media Marketing (S. 467–484). Berlin: Springer.
Mann, A. & Kilian, K. (2024). Community Marketing. In C. Zerres (Hrsg.), Handbuch Social Media Marketing (S. 311–337). Berlin: Springer.
Theobald, D. (2026). Customer Experience im Fitnessstudio. fitness MANAGEMENT international, 4 (186), 92–96.
Für eine vollständige Literaturliste kontaktieren Sie bitte literatur@fitnessmanagement.de.

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