In meinem langen Leben habe ich in meiner Familie und in meinem Bekannten- und Freundeskreis viele solcher Schicksalsschläge erlebt, manche davon waren einfach unerklärlich. Und da bin ich nur einer von sehr vielen. Wie soll man auch erklären, wenn Kinder an einer bösartigen Krankheit sterben?
Trotz der großen Erfolge in Forschung und Wissenschaft gibt es bezüglich Krankheiten und ihrer Ursachen in vielen Fällen keine gesicherten Nachweise, ja sogar Diagnosen werden teilweise nur unter Vorbehalt gemacht. Diese Tatsachen bestehen, aber man darf dennoch nie die Zuversicht verlieren, egal wie schwierig die Situation auch sein mag.
Training als Motivator
Familie, Freunde, Glaube, Arbeit und Training waren und sind meine Stabilisatoren im Leben. In jungen Jahren konnte ich die wahre Bedeutung des regelmäßigen Trainings für das weitere Leben noch nicht ermessen, vor allem nicht für die spätere Zeit im Seniorenalter. Ich fühlte mich über Jahrzehnte nach jedem Training einfach zufrieden, frisch und voller Lebensfreude.
Es gehörte unverzichtbar zu meinem Leben, auch wenn es zwischendurch kleinere, größere und nach Schicksalsschlägen sogar sehr große Trainingspausen gab. Ich kam aber so schnell wie nur möglich immer wieder zum regelmäßigen Training zurück.
Ab dem 1. Oktober 1964 machte ich mein Hobby zum Beruf. Studioleitung, Redaktion, Fotografie, Versandgeschäft und zwei Jahre später die Gründung eines Sportverbandes wurden öfter zu einer 24/7-Herausforderung. Unter diesen Umständen auch noch Zeit für das eigene Training freizuschaufeln war häufig nur durch Nightsessions möglich. Aber irgendwie setzten Leidenschaft und Freude manchmal ungeahnte Kräfte frei.
Training als Stabilisator
Eine erste Ahnung von der weit über die momentane Freude hinausgehenden Bedeutung des Trainings für das alltägliche Leben wurde mir beim Tod meines Sohnes Alexander 1972 mit knapp sieben Jahren bewusst.
Zwei Jahre fiel ich in ein sehr tiefes Loch, wog schließlich über 100 Kilo (normal so um die 80 kg, bei 177 cm Körpergröße) und fühlte mich schrecklich. Bei einem Besuch in München 1973 sagte mir Arnold in seiner berüchtigt direkten Art: „Ich lade dich nächstes Jahr im Sommer nach L.A. ein, aber nur, wenn du nicht kommst wie ein fettes Schwein.“
Es war der Auslöser für den Neustart im Training und als mich Arnold am 23. Juli 1974 in Los Angeles vom Flughafen abholte, erkannte er mich nicht unter den Wartenden am Ausgang. Ich hatte nun die Antwort für sein „fettes Schwein“ parat: „Jetzt erkennst du nicht einmal mehr deine engsten Freunde!“ Großes Staunen und noch größeres Gelächter danach.
Ich war unter meinem alten Gewicht und in meiner bis dahin besten Form. Das regelmäßige Training wurde in den Folgejahren arbeitsbedingt nur noch sehr kurz unterbrochen.
Diese Stabilität war ein wichtiger Teil, um nach dem Tod meiner Frau Gaby 1987 nicht total den Boden unter den Füßen zu verlieren. 1983 hatten wir zusammen das Busek-Sportcenter eröffnet – ich musste weitermachen, so schwer es auch fiel.
Mein Training war in dieser Phase zwar weniger effektiv, aber ich zog es durch und langsam „erwachten“ die Körpersysteme wieder. Bei allem war der Glaube, dass sie nun an einem besseren Ort ist, mein Anker.
Unsere Branche erlebte in den folgenden Jahrzehnten einen großen Schub nach dem anderen und ich durfte in vielfältiger Weise mitgestalten. Alle meine früheren Prognosen wurden Realität und dennoch gilt dieser Satz bis heute: „It’s just the beginning.“ Dass ich bei dieser großen Reise aktiv dabei sein durfte, erfüllt mich mit so großer Dankbarkeit, dass ich dafür niemals die adäquaten Worte finden werde.
Training trotz Krankheit
Der 8. Juni 2010 wurde dann zu einer weiteren Zäsur in meinem Leben. Nach längerem medizinischen Ausschlussverfahren erfuhr ich: „Behandelbar, nicht heilbar“. Es gab nur eine Reaktion für mich: Bei ärztlicher Betreuung alles annehmen und kämpfen – mit einem umfassenden Trainings- und Ernährungsplan.
Bis Juni 2017 gelang es mir so, weiterhin zwei Zeitschriften (M&F und Flex) verantwortlich zu produzieren und seit 2018 regelmäßig für fMi zu schreiben und Fotos zu liefern. Bereits 2019 sagte mir mein behandelnder Professor auf meine bohrende Frage nach einer Prognose: „Herr Busek, wenn Sie das nicht gemacht hätten, was Sie gemacht haben, säßen Sie nicht hier.“
Das Fortschreiten konnte ich nicht verhindern, aber verlangsamen und hinauszögern. Dies alles war ab 2010 nur möglich, weil sich mein regelmäßiges Muskeltraining seit 1959 als die bestmögliche Prävention mit Langzeitwirkung sogar bei schwerer Krankheit erwies.
Seit einiger Zeit ist mir das Training nicht mehr in gewohntem Maße, sondern nur sehr eingeschränkt möglich. Der Kampf geht weiter und Schreiben gibt mir Kraft und Hoffnung.
Diese Kolumne erscheint kurz vor meinem 83. Geburtstag.
Bleibt alle zuversichtlich und beim „Eisen“.
Danke, lieber Gott.
Diesen Artikel kannst du folgendermaßen zitieren:
Busek, A. (2026). Das Geschenk der Prävention. fitness MANAGEMENT international, 5 (187), 120-121.






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