Sven Janus, terra sports: „Qualität setzt sich durch“

Sven Janus erklärt, wie terra sports EMS-Standards umsetzt, auf eine Zwei-zu-eins-Betreuung setzt und sich mit klaren Vorgaben, Qualifikation und Qualität im Markt behaupten will.
Lesezeit: 6 Minuten
Porträt eines Mannes (Sven Janus, terra sports) mit Brille und Bart vor hellem Hintergrund, links neben einer Darstellung von EMS-Training.
terra sports Geschäftsführer Sven Janus spricht über Qualitätsstandards und Perspektiven im EMS-Markt
Sven Janus, Geschäftsführer von terra sports, erläutert im Interview, wie Studiobetreibende EMS-Standards erfolgreich umsetzen können, wie wichtig ein Konzept mit persönlicher Betreuung ist und warum geschulte Trainerinnen und Trainer den Unterschied machen.

fM: Welche Zielgruppen bzw. Trainingstypen werden durch Ihr Konzept angesprochen?

Sven Janus: Unser Schwerpunkt bei terra sports liegt auf der Gesundheit, wobei EMS natürlich auch einen positiven Effekt auf die Körperstraffung und den Muskelaufbau hat. Wir konzentrieren uns jedoch stark auf Rückentraining und auf einheitliches Körpertraining. Unsere Zielgruppe ist 40 plus; wir haben zwar auch viele jüngere Kundinnen und Kunden, aber die Hauptzielgruppe ist 40 Jahre und älter.

EMS-Training ist sehr wirksam, die Studienlage eindeutig. Aber effektiv ist das Training nur dann, wenn es regelmäßig und unter Einhaltung eines optimalen Trainingsreizes realisiert wird. Wie stellen Sie das sicher?

90 Prozent unserer Kundinnen und Kunden haben einen Serientermin. Wir bieten das EMS-Training einmal pro Woche an. Wenn ein Kunde mittwochs kommt, kommt er IMMER mittwochs. Weniger effektiv wäre es, wenn er zwar einmal pro Woche käme, aber in der ersten Woche an einem Montag und in der zweiten an einem Freitag, denn dann lägen elf Tage zwischen den Trainingseinheiten. 

Serientermine haben drei Vorteile: Sie sorgen für genug Pause zwischen den Trainingseinheiten, gewährleisten Regelmäßigkeit und ermöglichen unserer Zielgruppe, dass sie das EMS-Training gut in ihren Alltag integrieren kann. Eine Mutter kommt z. B. jeden Mittwoch, wenn ihr Kind in der Kita ist, ein Bänker baut das Training jeden Donnerstag in seine Mittagspause ein.

Wie findet eine Einweisung bzw. Beratung statt, um eine effektive Anwendung zu garantieren?

Die Einweisung beginnt mit einer gründlichen Anamnese – dafür nehmen wir uns Zeit. Für die Erstberatung kalkulieren wir eine Stunde ein, dort vermessen wir die Kundinnen und Kunden mit einer InBody-Waage und schauen, wo Muskeldysbalancen vorliegen. Dann machen wir ein leichtes Training, das nicht unbedingt 20 Minuten dauern muss. Es soll erst einmal zeigen, was das Gerät überhaupt kann – Safety first.

So wird eine Grundeinstellung sichergestellt und die Anwendung erklärt. Gemeinsam tasten wir uns dann Woche für Woche an immer höhere Werte heran. Das bedeutet allerdings nicht, dass jemand, der in einer Woche ein Spitzentraining gemacht hat, in der nächsten Woche genau das gleiche Training absolvieren möchte und muss.

Über den Interviewpartner

Sven Janus

Der gebürtige Gelsenkirchener Sven Janus ist Geschäftsführer der terra sports GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Essen wurde 2014 gegründet und ist Teil der WORTMANN AG. terra sports betreibt über 60 EMS-Studios in Deutschland, vorwiegend in Nordrhein-Westfalen, in denen über 270 Mitarbeitende mehr als 11.000 Mitglieder betreuen.

Foto: terra sports GmbH

Wir bieten immer ein Zwei-zu-eins-Training an. So sind unsere Trainer immer nah an den Kunden und können diese kontinuierlich beraten, auch zu Krankheitsbildern. Gerade in der Zielgruppe 40 plus gibt es Personen mit Einschränkungen, z. B. mit Verletzungen oder Problemen an Bein, Arm oder Rücken. In unserer Kundenkartei sind alle Besonderheiten vermerkt, sodass wir gegebenenfalls auf Krankheitsbilder Rücksicht nehmen können.

Wie stellen Sie sicher, dass es beim EMS-Training nicht zu gesundheitsgefährdenden, missbräuchlichen Anwendungen der EMS-Technologie kommt?

Bei uns ist immer ein Trainer dabei. Er regelt das Gerät, beobachtet den Kunden, korrigiert ihn, übt ein klein wenig Gegendruck aus und behält ihn jederzeit im Auge. Vor jedem Training wird abgefragt, ob der Kunde gesund ist und genug getrunken hat.

Weil kein Kunde allein trainiert und wir mit miha bodytec ein kabelgebundenes System nutzen, sind wir immer nah dran. Ich bin kein Fan von nicht kabelgebundenen Geräten, weil der Kunde dann fünf bis sechs Meter entfernt sein kann. Dann könnte ich ihm nicht in die Augen sehen und merke nicht, ob ihm eventuell schwindelig wird. Mit Kabel bin ich maximal anderthalb Meter von ihm entfernt, regele das Gerät hoch, stelle einen vernünftigen Gegendruck sicher und kann jederzeit mit dem Kunden sprechen.

Im Zwei-zu-eins-Training kann ich gewährleisten, dass beide Kunden genug Aufmerksamkeit bekommen, damit das Training effektiv ist und es vor allen Dingen nicht zu einer missbräuchlichen Anwendung kommt.

Wer trägt die Verantwortung, wenn Fehlanwendungen zu gesundheitlichen Schäden führen?

Auch bei uns sind Fehlanwendungen nicht völlig ausgeschlossen. Aber wir hatten bei 11.000 aktiv trainierenden Kunden in zehn Jahren noch nie gesundheitliche Schäden. 11.000 mal 52 Wochen mal zehn Jahre – also in ein paar Millionen Trainings.

Bei terra sports ist kein Heimgebrauch und kein Verleihmodell vorgesehen – es ist ausgeschlossen, das werden wir niemals anbieten. Wir wollen den Mitgliedern bei uns im Fitnessstudio ein vernünftiges Training bieten.

Es gab schon Anfragen von Firmen, ob wir ein Gerät verleihen und einen Trainer zur Verfügung stellen könnten. Ich möchte aber, dass der Kunde zu uns kommt – seine 20 Minuten abschalten und eine Handypause machen kann, eine andere Umgebung sieht und sich vollkommen auf das Training konzentriert.

Es sind nur 20 Minuten pro Woche und da soll der komplette Fokus auf dem Training liegen, ohne dass Arbeitskollegen stören oder es irgendwo in der Ecke einer Kantine stattfindet.

EMS-Geräte fallen unter die in Anlage 1 der MPBetreibV gelisteten Kategorien und unterliegen daher den gesetzlichen Anforderungen für Medizinprodukte – unabhängig davon, ob sie medizinisch oder zu Trainingszwecken genutzt werden. Wie berücksichtigen Sie das in Ihrem Konzept?

Alle unsere Trainerinnen und Trainer, aber auch unsere Studierenden der DHfPG bekommen zunächst eine fundierte Ersteinweisung in die Geräte. Dann machen sie eine B-Lizenz, danach die „Fachkunde EMF“, beides an der BSA-Akademie.

Erst dann dürfen sie mit den Kunden trainieren. Wir nutzen im Studio nur medizinische Geräte von miha bodytec. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir den gesetzlichen Anforderungen für Medizinprodukte genügen und nie versuchen würden, sie zu umgehen – das ist in unserem Konzept verankert.

Die DIN-Norm 33961-5 legt verbindliche Standards für die Ausstattung und den Betrieb von Einrichtungen für Ganzkörper-EMS-Training fest und wurde zuletzt im September 2023 aktualisiert. Wie stellen Sie bei terra sports sicher, dass diese Anforderungen – insbesondere in Bezug auf Betreuungsschlüssel, Kontraindikationen und Trainingshäufigkeit – vollständig umgesetzt werden?

Natürlich halten wir uns an die verbindlichen Standards und sind auf dem aktuellen Stand. Der Betreuungsschlüssel wird durch das Zwei-zu-eins-Training erfüllt. Kontraindikationen sind bei uns durch Rechtsanwälte nach DIN-Zertifizierung abgenommen und wir fragen sie vernünftig ab. Zur Trainingshäufigkeit: gesetzlich vorgeschrieben sind 72 Stunden Pause zwischen den Trainings, wir machen sogar 96 Stunden Pause. Die Kundinnen und Kunden können ihre Termine gar nicht anders eintragen. Unsere Software macht es unmöglich, häufiger zu kommen – der Kunde lässt sich dann nicht einchecken.

Die NiSV (EU) 2016/1148 gilt seit Mai 2018 und definiert verbindliche Vorgaben für Betreiber. Wie stellen Sie in Ihrem Konzept sicher, dass diese Anforderungen – insbesondere in Bezug auf Fachkunde und Qualifikation – vollständig umgesetzt werden?

Bei terra sports macht jeder eine Geräteeinweisung, eine B-Lizenz und dann anschließend den EMS-Trainer. Ohne diese Qualifikationen darf niemand ein Training geben und damit waren wir von Anfang an gut aufgestellt.

Da ich selbst auch im Strahlenschutzausschuss in Berlin sowie an der DIN-Zertifizierung mitgewirkt habe, finde ich es sehr wichtig, maximal ein Zwei-zu-eins-Training anzubieten.

Wenn ich als Trainer vier, sechs oder acht Kunden gleichzeitig trainieren müsste, könnte ich dem einzelnen Kunden nicht genug Aufmerksamkeit schenken. Das ist für mich kein Personal Training mehr, sondern ein Gruppentraining. 

Bei nur 20 Minuten Training in der Woche versuche ich natürlich, jeden einzelnen Kunden möglichst viel zu korrigieren und intensiv für ihn da zu sein. Bei zwei Kunden kann ich beide durchgehend im Blick behalten, aber bei sechs Kunden ginge die Betreuung komplett unter.

Wie wird sich der EMS-Markt in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Der Markt hat sich gedreht, EMS-Training ist von einer Modeerscheinung zum etablierten Training geworden – besonders, weil es um die Gesundheit geht. Nach Corona sind die Leute viel eher bereit, präventiv etwas für ihre Gesundheit zu tun. Da sehe ich unseren Markt und unser Publikum.

Ich glaube jedoch, dass es nur noch wenige Betreiber geben und sich Qualität durchsetzen wird. Es ist sehr wichtig, dass wir eine hohe Qualität bieten und die Trainer gut geschult sind. Wenn ein Kunde nur einmal pro Woche kommt, soll er möglichst viel rausholen. Ein Trainer muss sich heute besser mit Krankheitsbildern auskennen.

Vor 30 Jahren hat man gesagt: „Oh, ich habe Rückenschmerzen“. Heute geht jeder sofort in die Röhre, lässt sich einmal durchchecken. Wir müssen uns immer mehr mit den neuen Krankheitsbildern beschäftigen. Die Gesundheit ist für Menschen viel wichtiger als vielleicht noch vor 20 Jahren. Dadurch sind sie auch viel eher bereit, etwas dafür zu tun und mehr Geld in die Hand zu nehmen, als sie es früher getan hätten.

Auch unser Gesundheitssystem wird irgendwann verstehen, dass Prävention wichtiger ist als im Nachhinein hohe Krankheitskosten zu tragen. Ob es die Krankenkassen sind oder ob es das Gesundheitsministerium ist: Vielleicht sind wir irgendwann so weit, dass das Training durch die Krankenkassen bezahlt wird und auch ein EMS- oder Fitnessstudiobeitrag von der Steuer abgesetzt werden kann.

Hintergrund zum Thema

Lies außerdem unseren Artikel Ganzkörper-EMS: Erfolgreiche Studiokonzepte als Einstieg zum Interview.

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