Ein klassischer Körper für die Ewigkeit

Albert Busek würdigt den Ausnahmeathleten Steve Reeves, der die Entwicklung des Bodybuildings entscheidend geprägt hat.
Lesezeit: 3 Minuten
Schwarz-Weiß-Foto eines muskulösen Mannes in Badehose am Strand, der lächelnd den linken Arm anspannt, Meer und Felsen im Hintergrund.
Mit perfekter Symmetrie und Ausstrahlung prägte Steve Reeves das Körperideal einer ganzen Generation
Vor einem Vierteljahrhundert, am 1. Mai 2000, starb Steve Reeves. Am 21. Januar 2026 gedenkt die weltweite Bodybuildingfamilie dem 100. Geburtstag des Athleten, der mit seiner einzigartigen Ausstrahlung und seinen Filmen ab Ende der Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts die erste Studiowelle auslöste.

Es  gibt im Bodybuilding nur drei Athleten, über die man sagen kann, dass es eine Zeit vor ihnen und eine Zeit nach ihnen gibt: Eugen Sandow (1867–1925), Steve Reeves (1926–2000) und Arnold Schwarzenegger (geboren 1947). Wenn man nur die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg betrachtet, sind es nur Steve und Arnold. Wer im Bodybuilding in den ersten drei Jahrzehnten nach 1945 „Steve“ sagte, meinte damit Reeves. Bis in den letzten Winkel unseres Planeten genügt für Schwarzenegger seit Jahrzehnten sein Vorname, um zu wissen, wer gemeint ist. Alle drei verbindet die Tatsache, dass sie das Bodybuilding entscheidend geprägt haben und jeder sozusagen auf den Schultern des anderen steht.

Vorreiter des Bodybuildings

Durch den Zweiten Weltkrieg geriet Sandow in Vergessenheit. Erst durch Steve Reeves ist Bodybuilding, und damit das partielle Körpertraining, in vielen Teilen der Welt wieder bekannt und populär geworden – auch in Deutschland. Als Hauptdarsteller in dem Film „Die unglaublichen Abenteuer des Herkules“ löste Steve Reeves in Europa die erste große Bodybuildingwelle aus. Vor diesem Film war Bodybuilding nur einem ganz kleinen Kreis von Personen bekannt, danach wurden in ganz Europa mehr und mehr Sportstudios eröffnet. 

Vor allem in England und Frankreich war Steve bereits nach seinem Mr. Universum-Sieg 1950 in London in Bodybuildingkreisen äußerst populär. In Deutschland waren zu dieser Zeit andere Dinge viel wichtiger und Bodybuilding so gut wie unbekannt. 

Die außergewöhnliche Erscheinung von Steve Reeves interessierte die englischsprachigen Massenmedien und diese Medienwelle schwappte auch nach Deutschland, vor allem nach der Premiere des ersten Herkules-Films Anfang 1959. Fast zehn Jahre lang drehte Reeves überwiegend in Italien viele der berühmtesten „Sandalenfilme“, wie dieses neue Genre in der Presse benannt wurde. 

Ein „griechischer Gott“

Vor allem aber war es Steves einzigartige Ausstrahlung, die unzählige Menschen in aller Welt vom ersten Moment an faszinierte. Cecil B. DeMille, einer der Begründer Hollywoods und berühmter Produzent (u. a. von „Die zehn Gebote“) fasste diese besondere Reeves-Aura so zusammen: „Steve sieht aus wie ein zur Erde herab gestiegener griechischer Gott“. 

Schwarzweißfoto eines stark muskulösen Mannes in Badehose, der aufrecht steht und ein Schwert hält, Hügel und Himmel im Hintergrund.

„When my days on earth are over, With my faithful dog by my side, I will ride through knee deep clover On a horse called Classic Pride. They have been my true companions, Along mountain trails and rivers wide, My friends will look at me with envy When we cross the great divide.“

George Eiferman, Mr. Amerika 1948 und Freund von Steve, schrieb in seinen Erinnerungen: „Wenn wir zusammen am Strand von Venice in Kalifornien entlang gingen, erstarrten die Leute förmlich und ihre Blicke verrieten ungläubiges Staunen. Sie schauten nicht auf mich, sie schauten nur auf ihn.“ 

Filmruhm und Fitnessikone

Das ist nur eine von unzähligen Anekdoten über diesen wahrhaft einzigartigen Athleten, der nicht nur Millionen Menschen in aller Welt zum Hanteltraining motivierte, sondern der auch im Zenit seiner Filmkarriere der höchstbezahlte Schauspieler in Europa war. Als Kassenmagnet wurde Steve 1964 als Erstem die Hauptrolle in dem Film „Für eine Handvoll Dollar“ angeboten. Er lehnte ab und machte damit unbewusst den Weg für die Weltkarriere von Clint Eastwood frei, dem mit diesem Film der große Durchbruch gelang. 

 Steve Reeves war auch in Sachen allgemeiner Fitness seiner Zeit weit voraus. Mit seinem Buch „Powerwalking“ legte er den Grundstein für alle späteren Versionen dieser Aktivität. 

Persönlich verdanke ich Steve Reeves die entscheidende Weichenstellung in meinem beruflichen Leben. Auch im Namen von Millionen Fans und der gesamten Fitnessbranche in aller Welt sage ich:

Danke Steve, ruhe in Frieden.

Über Steve Reeves

Stephen Lester Reeves, genannt Steve, wurde am 21. Januar 1926 in Glasgow, Montana, wenige Meilen vor der kanadischen Grenze geboren. Acht Jahre später zog die Familie nach Oakland, Kalifornien.

Im Alter von 15 Jahren begann Reeves mit dem Gewichtstraining im Ed Yarick’s Gym in Oakland. Seine wichtigsten Titel im Bodybuilding: 1946 AAU Mr. Pacific Coast, 1947 AAU Mr. America, 1950 NABBA Mr. Universe. Mehr als diese Titel war es seine unvergleichliche Ausstrahlung, die alle in den Bann zog – auch Filmproduzenten. Bereits mit dem Film „Die unglaublichen Abenteuer des Herkules“ gelang ihm 1959 ein Welterfolg. 1969 zog sich Reeves nach vielen Stuntverletzungen und 19 Filmen auf seine Ranch in Südkalifornien zurück, wo er Morgan-Pferde züchtete. In dieser Zeit entwickelte er das System „Powerwalking“ und schrieb ein Buch darüber. Steve Reeves starb am 1. Mai 2000 nach einer Operation im Krankenhaus an einem Blutgerinnsel.

Diesen Artikel kannst du folgendermaßen zitieren:

Busek, A. (2025). Ein klassischer Körper für die Ewigkeit. fitness MANAGEMENT international, 6 (182), 112–113.

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