Als Mitglied im Mittelstandsausschuss der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) engagiert sich der DSSV e. V.
in Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern aller demokratischen Parteien. Ziel ist es, die Perspektiven der Branche frühzeitig in politische Prozesse einzubringen, Fehlentwicklungen sichtbar zu machen und konstruktive Lösungswege aufzuzeigen.
Der Mittelstandsausschuss fungiert dabei als zentrale Plattform für Austausch und Positionierung. Hier treffen sich Vertreter mittelständischer Branchen und politische Entscheidungsträger, um über Herausforderungen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und notwendige Reformen zu sprechen.
Für die Fitness- und Gesundheitsbranche, die mit über zehn Millionen Mitgliedern einen wesentlichen Beitrag zur Volksgesundheit leistet, ist dieser Dialog essenziell: Bürokratische Belastungen, energiepolitische Unsicherheiten und arbeitsrechtliche Vorgaben treffen personalintensive Betriebe besonders stark.
Im Spätsommer und Herbst des Jahres 2025 fanden drei wichtige Gespräche statt, bei denen der DSSV die Interessen der Branche vertrat und Impulse für einen verlässlicheren wirtschaftlichen Rahmen setzen konnte.
Reformdruck im „Herbst der Reformen“ – Gitta Connemann MdB (CDU)
Bereits im September diskutierte der Mittelstandsausschuss mit Gitta Connemann, Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung. Unter dem Schlagwort eines von CDU/CSU ausgerufenen „Herbst der Reformen“ wurde deutlich, wie ernst die Lage für deutsche Unternehmen derzeit ist.
Ausschussvorsitzender Dr. Hans-Toni Junius eröffnete den Austausch mit dem Hinweis, dass der Mittelstand „keine Perspektive für längere Frist“ sehe, wenn die Politik nicht entschlossener handele.
Connemann bestätigte diese Einschätzung ausdrücklich. Die wirtschaftliche Situation sei „außerordentlich schwierig“,
verschärft durch internationale Handelspolitik und interne Wettbewerbsnachteile. Zwar verwies sie auf energie- und finanzpolitische Maßnahmen wie Senkungen der Netzentgelte oder den Haushaltsentwurf 2025/26, doch zugleich hob sie die zunehmenden Liquiditätsprobleme vieler mittelständischer Unternehmen hervor. Das Problem ist den Verantwortlichen häufig also bekannt, aber gibt es auch Lösungen?
Weiter wurden in dem Gespräch zentrale Zukunftsthemen diskutiert: die Stabilität des Gesundheits- und Pflegebereichs, arbeitsmarktpolitische Reformbedarfe etwa beim Kündigungsschutz oder der Lohnfortzahlung sowie steuerpolitische Spielräume.
Energiepolitik, Bürokratie und wirtschaftliche Planbarkeit – Michael Kellner MdB (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Im November folgte der Dialog mit Michael Kellner, energiepolitischem Sprecher und Vorsitzendem der AG Wirtschaft der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Nach einem kurzen Rückblick auf Kellners Tätigkeit als früherer Mittelstandsbeauftragter skizzierte dieser die aktuellen wirtschafts- und energiepolitischen Herausforderungen – und forderte einen „Kurswechsel“ in Regierungsarbeit und Haushaltsentscheidungen.
Kellner begrüßte zwar den Industriestrompreis, kritisierte jedoch fehlende strukturelle Entlastungen wie eine Absenkung der Stromsteuer. Die unklare Umsetzung des Wärme- und Heizungsgesetzes sowie fragile Lieferketten würden zusätzliche Unsicherheiten schaffen.
In der Diskussion wurde auch der Bürokratieabbau thematisiert – ein seit Jahren ungelöstes Problem, das die mittelständischen Dienstleistungsbetriebe erheblich belastet. Der DSSV nutzte diese Gelegenheit, um konkrete Beispiele aus der Fitnessbranche zu benennen: steigender administrativer Aufwand, fehlende Planbarkeit energiepolitischer Maßnahmen und arbeitsrechtliche Regelungen, die den Alltag in personalintensiven Betrieben erschweren.
Gleichzeitig betonte der Verband die Bedeutung wirtschaftlicher Stabilität, um den gesellschaftlich wichtigen Beitrag der Branche zur Prävention und Gesundheitsförderung weiterhin leisten zu können.
Innovationsfähigkeit und wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen – Christian Dürr (FDP)
Im Dezember fand der digitale Austausch mit Christian Dürr, Bundesvorsitzender der FDP, statt. Dürr analysierte zu Beginn die wirtschaftlichen Entwicklungen und kam zu einem klaren Befund: Deutschland habe kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Viele politische Akteure sprächen über den Abbau von Bürokratie, doch Verbesserungen seien kaum sichtbar.
Er warb dafür, in Deutschland „mehr Risiko zu wagen“ und Innovationen nicht durch übermäßige Regulierung schon im Vorfeld abzuwürgen. Politik müsse die internationale Wettbewerbsfähigkeit im Blick behalten und mehr Anreize für Leistung, Unternehmertum und Investition setzen.
Der Ausschuss unterstrich in diesem Austausch die Folgen für Unternehmen: Bürokratische Überlastung, energiepolitische Unsicherheit und fehlende Verlässlichkeit gefährden Investitionen und Innovationskraft.
Obwohl die FDP derzeit nicht im Bundestag vertreten ist, wurde Christian Dürr bewusst als Gesprächspartner eingeladen. Zum einen bleibt die FDP als etablierte politische Kraft ein relevanter Akteur in der öffentlichen Debatte und bringt weiterhin wirtschaftspolitisch prägende Positionen ein.
Zum anderen folgt der Mittelstandsausschuss dem Grundsatz, über Wahlzyklen hinaus den Austausch mit allen demokratischen Parteien und ihren führenden Köpfen zu pflegen. Politik ist kein linearer Prozess, sondern ein Kreislauf: Personen und Parteien können rasch wieder an Einfluss gewinnen, und frühzeitige Dialoge schaffen Verständnis, Vertrauen und Anschlussfähigkeit.
Politische Arbeit als kontinuierlicher und nie endender Prozess
Die drei Gespräche verdeutlichen, wie wichtig kontinuierliche politische Arbeit ist. Jede Runde macht sichtbar, dass die Fitness- und Gesundheitsbranche Teil des mittelständischen Rückgrats der deutschen Wirtschaft ist — und gleichzeitig besondere Herausforderungen trägt:
hohe Personalkosten, starke Abhängigkeit von energiepolitischen Entscheidungen, komplexe Regulierungen und die gesellschaftliche Verantwortung, Millionen Menschen gesundheitlich zu unterstützen.
Der Austausch mit politischen Entscheidungsträgern schafft Raum, diese Anliegen sichtbar zu machen, Fehlentwicklungen aufzuzeigen und konstruktive Lösungen zu diskutieren. Er bietet zugleich die Chance, als Verband Brücken zu bauen — zwischen Wirtschaft und Politik, zwischen Gesetzgebung und Praxis, zwischen Prävention und ökonomischer Realität.
Für den DSSV bleibt es daher zentral, über Ausschüsse und weitere politische Gremien aktiv Einfluss zu nehmen und die Stimme der Fitnessbranche zu stärken. Denn eines zeigt sich in allen Gesprächen: Gute politische Rahmenbedingungen sind kein Selbstzweck, sondern die Grundlage dafür, künftig wirksam zur Gesundheit der Bevölkerung beitragen zu können.
Diesen Artikel kannst du folgendermaßen zitieren:
Wulf, A. (2026). Politik trifft Praxis. fitness MANAGEMENT international, 1 (183), 54–55.





