DSSV | Autor/in: Florian Schmidt |

Prof. Dr. Thomas Wessinghage und Ralf Capelan unterstützen den DSSV-Vorstand

Im Winter 2021/2022 hat sich die Lage der Fitness- und Gesundheitsbranche erneut zugespitzt. Verschärfte Auflagen sowie Zugangsbeschränkungen durch 3G-, 2G- und 2G-plus-Regelungen stellen die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Um die Branche in dieser Krise bestmöglich zu begleiten, hat sich der DSSV e. V. als Europas größter Arbeitgeberverband für die Fitness-Wirtschaft tatkräftige Unterstützung geholt.

Prof. Dr. Thomas Wessinghage (links) und Ralf Capelan (rechts) verstärken den DSSV

Neben dem Vorstand, der Geschäftsstelle sowie den Ausschüssen werden der Mediziner und ehemalige Leichtathlet Prof. Dr. Thomas Wessinghage, der als Europameister 1982 über 5.000 Meter und als 22-maliger Deutscher Meister neue sportliche Maßstäbe setzte, sowie der Diplom-Betriebswirt und Branchenexperte Ralf Capelan ab 2022 den Verband verstärken.

Wir haben mit den beiden und mit Florian Kündgen, dem stellvertretenden Geschäftsführer des DSSV, ein Exklusivinterview über die zukünftigen Pläne geführt.

fM: Die neuen Regelungen wie 2G oder 2G plus stellen die Branche vor große Herausforderungen. Wie sind die Rückmeldungen, die Sie von den Fitnessstudios bzw. Ihren 3.000 DSSV-Mitgliedern bekommen?

Florian Kündgen: Die Lage ist ernst und sehr angespannt. Nachdem die Fitness- und Gesundheits-Anlagen noch Anfang November wichtige Neumitgliedschaften schreiben und zumindest halbwegs optimistisch in die Zukunft blicken konnten, herrscht aktuell innerhalb der Branche wieder große Unsicherheit und die Existenzangst vieler Unternehmen nimmt wieder zu.

In diesen turbulenten und unsicheren Zeiten sehen sich die fast 9.600 deutschen Fitness- und Gesundheits-Anlagen mit wachsenden Herausforderungen und Problemen konfrontiert.

Durch das am 24. November 2021 in Kraft getretene neue Infektionsschutzgesetz, die zunehmenden Verschärfungen der Corona-Regeln auf Bundes- wie auf Landesebene und die fast wöchentlich wechselnden Auflagen sind die Fragezeichen und Sorgen bei vielen Fitness- und Gesundheitsbetrieben aktuell sehr groß.



Das zeigt sich vor allem auch an den vielen Rückfragen und Anrufen, die die DSSV-Geschäftsstelle in den letzten Wochen verzeichnen konnte: Das ohnehin schon hohe Aufkommen an Telefongesprächen hat sich seitdem noch einmal mehr als verdoppelt.

Wir erhalten täglich zwischen 120 und 150 Anrufe von verunsicherten und teils auch zurecht verärgerten Mitgliedern, die um ihre Existenz fürchten und gezielt die kompetente Hilfe der DSSV-Expert:innen und -Juristinnen suchen.

Im Rahmen seiner Verbandsarbeit engagiert sich der DSSV deshalb gerade in dieser Krise unermüdlich und vertritt die Interessen der Branche gegenüber wichtigen Entscheidungsträger:innen aus der Politik.

Der intensive Kontakt zu und der direkte Austausch mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bzw. dem Bundesfinanzministerium (BMF) hat beispielsweise dazu geführt, dass auf Drängen des DSSV die Überbrückungshilfen für Unternehmen verlängert (Überbrückungshilfe IV) sowie weiter aufgestockt und zusätzlich das Antragsverfahren vereinfacht wurde.

Mit Prof. Dr. Thomas Wessinghage und Ralf Capelan hat sich der DSSV prominente Unterstützung ins Team geholt. Was waren die Beweggründe hierfür?

Florian Kündgen: Der regelmäßige Austausch im Vorstand und mit den unterschiedlichen DSSV-Ausschüssen hat in der Vergangenheit schon sehr gut funktioniert und wertvolle Ergebnisse hervorgebracht.

Angesichts wachsender Herausforderungen und den Erfahrungen der letzten Monate müssen wir die zentrale Rolle der Fitness- und Gesundheitsstudios im Kontext der Volksgesundheit gegenüber der Politik und Gesellschaft noch prominenter vertreten und in den Köpfen der Entscheidungsträger:innen fest verankern.


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Mit Prof. Dr. Thomas Wessinghage haben wir einen führenden Fach- und Branchenexperten an unserer Seite, der uns bei diesem Vorhaben mit seiner Expertise tatkräftig und vor allem fachkundig unterstützen kann.

Als renommierter Facharzt und Mediziner genießt er hohe Wertschätzung und ist in wichtigen relevanten Medizin- und Präventionsnetzwerken vertreten. Gleichzeitig ist er auch innerhalb der Branche und der Gesundheitspolitik bestens vernetzt. Durch die noch engere Zusammenarbeit mit ihm versprechen wir uns hier wertvolle Synergieeffekte sowie neue Chancen, um die gesundheitsrelevante Rolle der Branche weiter zu untermauern.

Aufgrund der immer komplexer werdenden Anforderungen im Rahmen der Unternehmensführung hat der DSSV auch im Bereich Management sein Team verstärkt. Mit Ralf Capelan, der uns seit Jahren bei der Durchführung und Veröffentlichung unserer Studie 'Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft' kompetent unterstützt, konnten wir einen weiteren wichtigen Partner gewinnen.

Mit seiner langjährigen Branchenerfahrung als Unternehmensberater bringt der BWL-Experte und Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) hier wertvolle ökonomische Expertise mit, von der die DSSV-Mitglieder langfristig profitieren werden.

Lieber Herr Prof. Dr. Wessinghage, lieber Herr Capelan, nach dieser ausführlichen Einleitung folgt nun die Frage an Sie, warum Sie sich entschieden haben, diese neue Aufgabe zu übernehmen?

Prof. Dr. Thomas Wessinghage: Aufgrund meiner unterschiedlichen beruflichen Tätigkeiten als Mediziner sowie meiner Rolle als Prorektor für Hochschulentwicklung und Transfer an der DHfPG sind die Themen Fitness, Gesundheit und Prävention von jeher wichtige Eckpfeiler in meinem Leben. Ich bin seit Jahren mit der Branche und auch mit dem DSSV als Dachverband eng verbunden und die schwere 'Gesundheitshypothek' der Corona-Pandemie macht mir ernsthafte Sorgen.

Die anhaltende Pandemie stellt uns im Rahmen der Volksgesundheit vor immense Herausforderungen: Diverse Zivilisationskrankheiten, wie u. a. Rückenschmerzen, Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen, werden durch die Krise begünstigt und die Fallzahlen sind auf einem absoluten Rekordhoch.

Die beiden harten Lockdowns und die Einschränkungen haben dazu geführt, dass sich die Situation um den akuten Bewegungsmangel innerhalb der Bevölkerung nochmals deutlich verschärft hat. All das sind deutliche Alarmsignale, die zeigen, wie ernst die Lage ist. Aus meiner Sicht ist es hier 'fünf nach Zwölf'.

Angesichts dieser negativen Entwicklungen ist es umso wichtiger, den Menschen gerade jetzt zielführende, niederschwellige und jederzeit frei zugängliche Präventionsangebote in den Anlagen bereitzustellen, damit sie wieder in Bewegung kommen und sich dort fit halten können.



Zukünftig möchte ich mich gemeinsam mit dem DSSV noch mehr dafür einsetzen, dass die zentrale gesundheitsrelevante Rolle der Branche in den Fokus der Gesellschaft und Politik rückt. Dafür wollen wir vermehrt aufklären und uns auch gezielt enger mit Institutionen wie dem Deutschen Ärztebund vernetzen.

Durch eigene Kampagnen sowie durch die Unterstützung von branchenübergreifenden Kooperationsprojekten wie 'Exercise is Medicine' wollen wir so gemeinsam für einen positiven Imagewandel und eine deutliche Akzeptanzsteigerung der Branche sorgen.

Denn eines ist klar: Mit ihrem professionellen Angebot und ihrer qualifizierten Betreuung sind die Fitness- und Gesundheitsstudios weit mehr als nur eine bloße Freizeitbeschäftigung und sollten deshalb im Rahmen einer ganzheitlichen Public-Health-Strategie konsequent berücksichtigt und umfassend miteinbezogen werden!

Ralf Capelan: Durch meine Arbeit als selbstständiger Unternehmensberater sowie meine Beratertätigkeit im Kontext der jährlich erscheinenden Eckdaten-Studie von DSSV, Deloitte und der DHfPG stehe ich im ständigen Austausch mit Studiobetreiber:innen und kenne die Probleme, Bedürfnisse und Herausforderungen der Branche nur allzu gut. Diese Erfahrungen möchten wir künftig noch gezielter und effektiver in die Verbands- und Gremienarbeit des DSSV integrieren.

Ich freue mich auf diese spannende und fordernde Aufgabe und bin mir sicher, dass wir für die DSSV-Mitglieder bzw. für die gesamte Branche so langfristig noch bessere Hilfestellung, Unterstützung und einen größtmöglichen Know-how-Transfer gewährleisten können.

Unser oberstes Ziel ist es, den Unternehmen nach den schwierigen Corona-Jahren 2020 und 2021 mit praxisnahen Workshops und Seminaren in den nächsten Monaten dabei zu helfen, die Betriebe zukunftssicher und wirtschaftlich gesund aufzustellen und die Krise erfolgreich zu meistern.

Herr Capelan, welche Tätigkeiten werde Sie dabei genau übernehmen?

Ralf Capelan: Zukünftig werde ich mich mit dem DSSV und seinen Mitarbeitenden noch stärker um alle relevanten ökonomischen Fragestellungen und kaufmännischen Themen kümmern, die für Studiobetreiber:innen in diesen turbulenten Zeiten von wachsender Bedeutung sind.

Das umfasst vor allem auch die immer komplexer werdenden und sich ständig verändernden Rahmenbedingungen rund um die Corona-Überbrückungshilfen, Ausgleichszahlungen und vieles mehr. In der Unternehmenspraxis sehen sich die Betriebe gerade hier mit zunehmenden bürokratischen Hürden, vielen Unsicherheiten und diversen rechtlichen Schwierigkeiten konfrontiert und brauchen unsere Unterstützung.

In Kooperation mit dem zuständigen DSSV-Sachverständigengremium und dem DSSV-Juristinnenteam möchten wir in den nächsten Wochen zum einen durch gezielte Aufklärung und praxisnahe Hilfestellungen für noch mehr Transparenz und Klarheit sorgen.

Zum anderen wollen wir gleichzeitig auch an branchenspezifischen Kompensationsleistungen für 2022 arbeiten, damit die Interessen der Branche bestmöglich gewahrt und gegenüber der Politik und zentralen Entscheider:innen noch besser vertreten werden können.

Wie bewerten Sie die aktuellen Entwicklungen der Branche, auch im Hinblick auf die Entscheidungen der Politik?

Prof. Dr. Thomas Wessinghage: Angesichts steigender Infektionszahlen im November und Dezember 2021 waren erneute behördliche Einschränkungen und Kontaktbeschränkungen vonseiten der Politik zu erwarten.

Meines Erachtens waren bzw. sind diese Lösungen deutlich zu kurz gegriffen und schaffen neue Probleme – besonders im Hinblick auf die Fitness- und Gesundheits-Anlagen, die deutliche Eintrittsbeschränkungen im Rahmen von 3G, 2G und 2G plus bis hin zu regionalen Schließungen der Studios akzeptieren müssen.


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Die umfangreichen Ergebnisse der DHfPG-Corona-Studien und auch zahlreiche nationale wie internationale Vergleichszahlen belegen eindeutig, dass die anhaltende Pandemie die Bevölkerung mental und physisch zusehends schwerer belastet.

Im Schnitt haben die Deutschen seit der Krise beispielsweise etwa fünf Kilogramm zugenommen und Rückenleiden sind aufgrund von Homeoffice und Co. auf einem absoluten Rekordniveau. Es ist definitiv nicht von der Hand zu weisen, dass die Pandemie die Entstehung von diversen Zivilisationskrankheiten kurz-, mittel- und langfristig deutlich begünstigt und zwangsläufig zu akutem Bewegungsmangel und vermehrter Inaktivität führt.

Das zeigt sich u. a. auch darin, dass die Trainingshäufigkeit in den letzten Monaten aufgrund der langen Schließungsperiode und den erschwerten Zutrittsbedingungen erheblich abgenommen hat.

Bedenkt man, dass insbesondere den Fitness- und Gesundheits-Anlagen im Kampf gegen den Bewegungsmangel und die unterschiedlichen Zivilisationskrankheiten erwiesenermaßen eine entscheidende Rolle zukommt, sind diese Entscheidungen aus meiner Sicht im Sinne eines ganzheitlichen Public-Health-Verständnisses nicht nachvollziehbar, auch aufgrund des ebenfalls nachweislich geringen Infektionsrisikos in den Studios sowie der umfassenden Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen vor Ort.

Das gesundheitsorientierte Fitnesstraining bietet hier im Rahmen der Prävention vielfältige Vorteile und senkt nicht nur das Risiko der Entstehung solcher Erkrankungen, sondern schützt auch aktiv vor schweren Verläufen bei einer Infektion mit COVID-19. Deshalb sollte seitens der politischen Entscheidungsträger:innen zeitnah ein Umdenken erfolgen, wenn man die 'Gesundheitshypothek' nicht weiter anwachsen lassen und wertvolles Präventionspotenzial vergeuden möchte.

Das ist die eigentliche Herausforderung, vor der wir aktuell stehen und dafür werden wir uns in den nächsten Monaten gemeinsam mit dem DSSV und seinen Partner:innen auf gesellschaftlicher und politischer Ebene weiter aktiv einsetzen.

Ralf Capelan: Für die Studios haben die bundesweit behördlich angeordneten Schließungen 2020 und 2021 und die verschärften Auflagen der letzten Monate zu erheblichen Mitgliederverlusten, finanziellen Einbußen bzw. deutlichen Mehrkosten, z. B. aufgrund von Testangeboten sowie hohen Investitionen in Hygienemaßnahmen, Luftfilteranlagen, Einlasssysteme und digitale Kursangebote, geführt.

Diese werden die Betreiber:innen noch über Jahre wirtschaftlich beschäftigen und fordern. Gleichzeitig haben viele Betriebe bisher keine oder nur unzureichende finanzielle Entlastungen erhalten und warten nach wie vor auf wichtige zugesicherte Überbrückungshilfen.

Auf Dauer ist diese Situation so für die Betriebe nicht mehr tragbar, denn die finanziellen Reserven sind aufgebraucht und es besteht akuter Handlungsbedarf.

Fakt ist: Die Betriebe haben in dieser schwierigen Phase knapp ein Viertel der Mitglieder verloren. Ebenfalls ist das für die Branche so wichtige Neukund:innengeschäft aufgrund der unsicheren Lage und der aktuellen Auflagen vielerorts erneut zum Erliegen gekommen.

Das genaue Ausmaß der Pandemie lässt sich gegenwärtig zwar nur schwer abschätzen, aber wir versprechen uns von der laufenden Eckdaten-Umfrage zum Geschäftsjahr 2021 wertvolle neue Erkenntnisse.

Umso wichtiger ist es, den Fitness- und Gesundheitsunternehmen gerade jetzt seitens der Politik Perspektiven und umfassende finanzielle Unterstützung zu bieten. Hier ist die neue Regierung gefordert, den Betreiber:innen unkompliziert und zeitnah entsprechende Lösungen anzubieten, um diese Verluste adäquat auszugleichen. Damit die Studios ihrem 'Gesundheitsauftrag' wieder uneingeschränkt nachkommen und mit ihren professionellen Dienstleistungen die Folgekosten für die Kranken- und Pflegeversicherungen im Rahmen der Prävention aktiv senken können, muss hier deutlich nachgebessert werden!

Damit dies schnell und vor allem effizient geschieht, hat der DSSV bereits die Initiative ergriffen und Kontakt zur neuen Regierung sowie zu den für die Branche relevanten neuen Ministerien aufgenommen.

Wie sehen die übergeordneten DSSV-Ziele für die Zukunft aus?

Florian Kündgen: Unser erstes Ziel ist es, die gesundheitsrelevante Rolle der Fitness- und Gesundheitsbranche weiter zu festigen und die Brancheninteressen gegenüber der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bestmöglich zu vertreten.

Hier gibt es noch viel zu tun, damit langfristig ein Umdenken stattfinden und die Branche weiterwachsen kann. Als Europas größter Arbeitgeberverband für die Fitness-Wirtschaft werden wir deshalb auf nationaler wie internationaler Ebene weiter konsequent agieren und uns mit konkreten Forderungen und Konzepten unermüdlich für die Belange und Interessen unserer Mitglieder einsetzen.

Prof. Dr. Thomas Wessinghage: Dem kann ich mich nur anschließen. Durch verstärkte Medien- und Aufklärungsarbeit, gezieltes Lobbying sowie neue Netzwerke wollen wir der Branche so langfristig zu noch mehr Akzeptanz und Wertschätzung verhelfen.

Die deutschen Fitness- und Gesundheitsstudios und ihre Mitarbeitenden leisten im Rahmen der Prävention täglich einen wichtigen Beitrag zur Volksgesundheit, den man nicht hoch genug wertschätzen kann. Diesen Weg sollten wir konsequent weiterverfolgen und mit unseren qualifizierten Angeboten noch mehr Menschen für einen aktiven und gesunden Lebensstil begeistern!

Ralf Capelan: Damit die Fitness- und Gesundheitsunternehmen zukunftssicher planen können, braucht es vonseiten der Politik mehr finanzielle Unterstützung und größeren wirtschaftlichen Rückhalt.

Allein aus gesundheitsökonomischer Sicht sollten die entsprechenden Akteur:innen hier zukünftig noch enger zusammenarbeiten, damit Krankheitskosten durch gezielte Präventionsangebote gesenkt werden können und das Gesundheitssystem so langfristig deutlich entlastet werden kann.

Was können die Betreiber:innen von Fitness- und Gesundheitsanlagen tun, um diese Ziele zu unterstützen?

Florian Kündgen:Damit diese Ziele auch erreicht werden, setzen wir auf die Unterstützung der Betreiber:innen und den intensiven Austausch mit ihnen. Denn nur wenn alle Beteiligten in ihrer täglichen Arbeit sensibel mit diesen wachsenden Herausforderungen umgehen und aktiv ihren Beitrag leisten, kommen wir unseren Zielen einen wichtigen Schritt näher und sorgen für ein Umdenken.

Gemäß dem Motto 'Steter Tropfen höhlt den Stein' gilt es, in der Praxis auch im Austausch mit regionalen und kommunalen Institutionen möglichst professionell zu agieren und aktiv den Dialog zu suchen.

Hier werden wir den DSSV-Mitgliedern in den kommenden Wochen durch entsprechende Seminare, Checklisten und vieles Weitere wertvolle Hilfestellungen bieten.

Welchen konkreten Ratschlag würden Sie den Betreiber:innen dabei mit auf den Weg geben?

Ralf Capelan: Wir können alle Verantwortlichen nur motivieren und ermutigen, sich trotz der schwierigen aktuellen Situation nicht verunsichern zu lassen und den Weg der Professionalisierung konsequent weiterzuverfolgen.

Hier gilt es, zusammen mit dem DSSV an einem Strang zu ziehen und sich weiter auf allen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ebenen aktiv für unsere gemeinsamen Ziele zu engagieren.

Mit hohen Qualitäts- und Qualifikationsstandards können wir langfristig dafür sorgen, dass wir als Branche gesamtgesellschaftlich als professionelle Gesundheitsdienstleistungsunternehmen noch deutlicher wahrgenommen werden und endlich die Wertschätzung erhalten, die wir verdient haben.

Wer hier auf Qualitätsangebote statt Preiskampf setzt, seinen Mitgliedern durch innovative Lösungen neue Mehrwerte schafft und ihnen dabei hilft, gesund zu bleiben, wird sich im Markt langfristig behaupten und wird vom gestiegenen Gesundheitsbewusstsein profitieren.

Können Sie eine Prognose für die weitere Entwicklung der Branche abgeben?

Prof. Dr. Thomas Wessinghage: Ich bin der festen Überzeugung, dass die Fitness- und Gesundheitsstudios trotz der Krise sehr optimistisch in die Zukunft blicken können.

Der Präventionsbedarf war noch nie so groß wie heute und das eröffnet der gesamten Branche neue Chancen und Möglichkeiten. Die Corona-Pandemie hat die Themen Gesundheit und Prävention gesamtgesellschaftlich deutlich mehr in den Fokus gerückt: Die Bevölkerung ist sensibilisiert und das Gesundheitsbewusstsein – egal, ob im privaten, beruflichen oder im sozialen Bereich – ist merklich angestiegen.

Aktuelle Branchenumfragen zeigen, dass die Menschen mehr denn je professionelle Unterstützung brauchen, diese aktiv suchen und auch bereit sind, in die eigene Gesundheit sowie in präventive Angebote künftig mehr Geld zu investieren.

Mit ihren individuellen Lösungen und ihrer umfassenden, qualifizierten Betreuung sind die Studios für unterschiedliche Zielgruppen und Generationen die perfekten Partner, um sich körperlich wie mental effektiv fit und gesund zu halten.

All das sind relevante Gründe, weshalb wir nicht verzagen, den Blick nach vorne richten und die Branche gemeinsam weiter voranbringen sollten!


 

Über die Interview-Partner:

Prof. Dr. Thomas Wessinghage: Der Facharzt für Orthopädie sowie für Physikalische und Rehabilitative Medizin, mit der Zusatzbezeichnung 'Sportmedizin', ist Prorektor der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG). Im Laufe seiner ärztlichen Karriere hatte er u. a. verschiedene Führungspositionen in großen Rehakliniken inne und war zuletzt als Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Medical Park Kliniken im Tegernseer Tal tätig.

Im Juli 2008 wurde ihm der Professorentitel der DHfPG im Fachbereich Fitnesstraining, Studiengebiet Medizin/Trainingswissenschaften verliehen.

Weltruhm erlangte er als Ausnahmeathlet: Unter anderem wurde er 1982 Europameister über 5.000 Meter in Athen und siegte in 22 Deutschen Meisterschaften. Er stellte eine Vielzahl europäischer Rekorde auf – zwei deutsche Bestzeiten über 1.500 und 2.000 Meter sind bis heute ungebrochen.

Zu den Themen Laufen und Ernährung ist er ein gefragter Experte z. B. für Seminare und Publikationen.

Ralf Capelan: Der Diplom-Betriebswirt und M. A. Gesundheitsmanagement ist Dozent, Autor und Tutor an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) und der BSA-Akademie. Ralf Capelan studierte im Anschluss an seine Ausbildung zum Bankkaufmann Betriebswirtschaftslehre an der FH in Düsseldorf mit den Schwerpunkten Marketing, Unternehmensführung und Controlling.

Nachdem er viele Jahre in einer der größten Unternehmensberatungen im Fitness- und Freizeitmarkt sowie als Mitglied der Geschäftsleitung in zwei führenden Fitnessketten tätig war, gründete er sein eigenes Beratungsunternehmen.

Im Jahr 2001 wurde Ralf Capelan von der IHK zum öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen ernannt.

Seit 2014 gehört er zum festen Autor:innenteam der 'Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft'.

Florian Kündgen ist stellvertretender Geschäftsführer des DSSV e. V. Des Weiteren arbeitet er als Dozent für die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) im Fachbereich Management. Zusätzlich wirkt er an verschiedenen Marktstudien wie beispielsweise den 'Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft' mit.

Als freier Mitarbeiter ist er im Bereich Unternehmensbewertungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen von Fitness- und Gesundheits-Anlagen sowie im Bereich der steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Beratung tätig.

Im Rahmen seiner akademischen Ausbildung hat er ein betriebswirtschaftliches Studium (Master of Science) mit den Schwerpunkten in Sanierungs- und Turnaround-Management sowie Mergers & Acquisitions absolviert.


 

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der fMi 01/2022 & für Abonnenten EXKLUSIV vorab.

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