Management | Autor: Stefan Haase |

Philosophische Fehler und Glaubenssätze in der Unternehmensführung

Sie werden jetzt sicherlich fragen, was Philosophie oder Glaubenssätze mit unserer von Zahlen geprägten Wirtschaft zu tun haben? Mehr als allgemein bekannt ist! Nachfolgend werden wir einige Beispiele beschreiben, die Sie sicherlich kennen werden, da diese Glaubenssätze zumindest teilweise in Ihren Gedanken vorhanden sind und so Ihr unternehmerisches Handeln beeinflussen

Wie oft haben Sie schon etwas, das Ihnen sehr wichtig war, gar nicht erst versucht, weil Sie Angst hatten zu scheitern? Entweder haben Sie lieber die Finger davongelassen oder sind beim Versuch gescheitert. Wenn Sie sich erst gar nicht überwinden konnten, war es einfacher, denn Sie hatten keine Erwartungen und konnten dementsprechend auch nicht enttäuscht werden. Allerdings: Wer erst gar nicht den Versuch startet, der bleibt auch dort, wo er gerade steht!

Glaubenssätze – ein Grundübel

Bei vielen Menschen sind solche Gedanken allgegenwärtig, häufig aber unbewusst! Sie resultieren aus einschränkenden Glaubenssätzen, die sich über viele Jahre unbemerkt in unseren Gedanken eingenistet haben. So ist unsere heutige Gesellschaft durch alles Mögliche konditioniert worden. Dies heißt aber nicht, dass Sie dieses psychologische „Fehlverhalten“ annehmen müssen.

An den folgenden Beispielen werden Sie erkennen, wie Glaubenssätze Einfluss auf unternehmerisches Handeln nehmen können.

Schnelles Geld – viel und oft!

Der Mensch – so auch der Unternehmer – neigt vielfach zu solch einem Handeln. Daran ist nicht unbedingt etwas Verwerfliches, jedoch steht hier der private Aspekt im Vordergrund und nicht das Unternehmen. Machen Sie sich bewusst, dass Unternehmen wie lebende Organismen sind, die „gefüttert“ und am Leben gehalten werden müssen. Ihr Unternehmen ist Ihre Einkommensquelle für die Gegenwart, aber vor allem auch für die Zukunft. Bringen Sie Ihr Unternehmen in den primären Status des Handelns und lassen Sie es nicht „dehydrieren“, bis es vor Austrocknung stirbt. Setzen Sie Ihren – angemessenen – privaten Anspruch auf die sekundäre Position. Irgendwann wird es sich auszahlen. Setzen Sie auf eine stabile, nachhaltige und sichere Einnahmengenerierung.

AfA-Positionen als Joker zur Steuersenkung

Freie AfA-Positionen (nach Tilgungsposition) werden vielfach planlos nur zur persönlichen Steuerminderung eingesetzt – obwohl sich gerade dieses Instrumentarium als Reinvestitionsposition zur ständigen Erneuerung des Anlagevermögens, das sich jährlich in der Bilanz mindert, sinnvoll eignet. Vor allem die Barzahler von Investitionen beziehen diese Cashflow-Marge über die angedachte Nutzungsdauer des Anlagegutes in ihre Steuerzahlungen mit ein, obwohl gerade hier enorme Summen zur Anlagenerneuerung zur Verfügung stehen könnten. Eine AfA-Position hat nicht nur das Ziel, einen periodengerechten Gewinn auszuweisen, sondern auch durch die Steuerersparnis aufgrund des AfA-Teilwertes zumindest einen Anteil für ein Reinvestitionsgut nach Ablauf der Nutzungsdauer des Altgerätes anzusparen.

Unternehmenspositionierung falsch verstanden?

Sie hatten sich im Vorfeld Ihrer Gründung sicherlich Gedanken über die Positionierung Ihres Unternehmens gemacht: Luxus, Premium oder Discount? Das war die entscheidende Frage. Diese Entscheidung erfordert im Anschluss aber vor allem Disziplin und Konsequenz in der Umsetzung aller Aktivitäten, beginnend beim Marketing inklusive der Preisgestaltung. Jede Positionierung benötigt „Leitplanken“, die nicht überschritten werden dürfen. Premiumanlagen müssen sich auch nicht nur „premium“ verhalten, sondern auch hinsichtlich des Preis- und Leistungsspektrums reagieren. Preissenkungen oder sogar übermäßige „Rabatte“ als Beispiel zerstören das eigentlich Gewollte und bringen Ihre Marke direkt in die Vergleichbarkeit mit Discountern. „Premium“ zu sein bedeutet nicht nur, die allerneuesten Geräte zur Verfügung zu stellen oder optisch die schönste Anlage zu bieten, sondern vor allem auch ein engagiertes, begeisterndes Team mit hoher Kompetenz um sich zu haben. Nicht die „schönsten“ Anlagen sind immer die besten, sondern diejenigen, die ein emotionales, emphatisches und hoch qualifiziertes Team ihr Eigen nennen.

Aktionismus erzeugt keine Nachhaltigkeit

Falls Sie nicht der große Vorausplaner sind, dann wird sich alles, was Sie tun, in Aktionismus verwandeln. Egal ob es sich um die Investitionsplanung, Marketingplanung oder um andere Dinge handelt, es wird in der Vorbereitung ein entsprechender Vorlauf benötigt. Ansonsten bringen Sie einerseits Ihr Team in Stress und Hektik – von Ihnen selbst gar nicht zu reden – und andererseits fehlt Ihnen die Zeit, um elementare Planungsabsichten seriös durchzurechnen oder zu konzipieren. Vielfach müssen Sie dann auf vergangene Dinge zurückgreifen, um den kurzen Zeithorizont erfüllen zu können. Innovationen werden aufgrund des Mangels an Zeit nicht getestet oder eingeführt. Im Grunde verwalten Sie den Status quo Ihres Unternehmens. Aktionismus führt dazu, dass Sie real im Unternehmen und nicht an Ihrem Unternehmen arbeiten. Entscheiden Sie selbst, wann Sie aus diesem „Hamsterrad“ aussteigen möchten. Struktur erzeugt Wachstum. Ich denke, Sie wissen was ich meine …

Gehen Sie nie von sich selbst aus!

Viele Unternehmer denken, dass jeder Mensch so „tickt“ wie sie selbst. Leider ist dies nicht so. Aus diesem Grund laufen viele von Unternehmern entworfene oder abgeänderte Konzepte ins Leere. Ihre Meinung muss nicht die Meinung der Gesellschaft sein. Diese hat eigene Spielregeln. Das werden Sie akzeptieren bzw. respektieren müssen, wenn Sie erfolgreich sein möchten. Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf Ihre Kernzielgruppe und versuchen Sie, sich in diese hineinzudenken. Verbringen Sie Zeit mit diesen Studiomitgliedern und sprechen Sie mit ihnen. Nur so erfahren Sie deren Bedürfnisse, Neigungen und Wünsche. Der Fokus auf diese Gruppe ist existenziell und Sie selbst haben diese bei Gründung Ihres Unternehmens als konstitutive Entscheidung festgelegt. Das Bedienen der Randzielgruppen innerhalb Ihres Mitgliederbestandes darf keine Priorität haben. Falls Sie dies tun, wird sich Ihre Kernzielgruppe still und leise verabschieden. Denken Sie daran, dass Sie es nicht allen Mitgliedern recht machen können. Nur so werden Sie den Erwartungshorizont Ihrer Kernzielgruppe übertreffen können.

Stefan Haase

Stefan Haase, Betriebswirt und Industriekaufmann, war langjähriger Partner einer renommierten Unternehmensberatung, zuletzt in der Funktion des betriebswirtschaftlichen Leiters. Er ist Mitglied des DIN/CEN-Normungsausschusses für Fitnessanlagen und zudem als Dozent, Autor und Tutor für die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement tätig.

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 05/2019

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