Management | Autor/in: Stefan Haase |

Die Unternehmensnachfolge planen und gestalten

Das Thema Nachfolgeregelung wird in den kommenden Jahren in der Fitness- und Gesundheitsbranche einen großen Raum einnehmen. Studioinhaber, die sich mit 55 oder 60 Jahren entlasten oder gar aufhören möchten, sollten spätestens mit 51 oder 52 Jahren damit anfangen, das Ganze gut zu durchdenken, damit sie ihr Leben genießen können. Und keine Bedenken: Ihre Expertise und Erfahrungswerte werden immer noch gebraucht!

Die Unternehmensnachfolge planen und gestalten

Die Nachfolgeregelung stellt im Leben eines Unternehmers eine epochale Herausforderung dar – vor allem auch jenseits aller betriebswirtschaftlichen Zahlen. Die Unternehmensnachfolge spielt sich in anderen mentalen Dimensionen ab, in emotionalen und manchmal schwärmerischen Rückblicken.

Nichts ist einfach auf dieser Welt

In der Entscheidungsphase und im Prozess Ihrer Verkaufsabsichten werden wahrscheinlich immer wieder Zweifel aufkommen, ob Sie die richtige Entscheidung getroffen haben.

Was Sie allerdings vielleicht nicht sehen bzw. wahrnehmen, sind die positiven Aspekte, die auf Sie warten. Egal, ob Sie einen vollumfänglichen Unternehmensverkauf planen oder den Zwischenschritt mit einem potenziellen Kandidaten, dem sie eine Beteiligung als Einstieg anbieten – es wird für Sie auf allen Ebenen Entlastung sowie mehr Freiheit für Privates geben und den alltäglichen Druck von Ihnen nehmen.

Fragen Sie einfach mal ehemalige Inhaber, die diesen Schritt bereits vollzogen haben.

Unternehmensnachfolge spielt sich im Herzen ab

38 Prozent der Senior-Unternehmer haben emotional Schwierigkeiten, von ihrem Lebenswerk loszulassen. Dies erklärt gut, warum auch 43 Prozent der Unternehmer zu Beginn der Übergabeverhandlungen laut IHK einen überhöhten Kaufpreis fordern. Sie berechnen häufig die über Jahre oder Jahrzehnte geleisteten Mühen und den persönlichen Einsatz mit ein.

Auf der anderen Seite des Verhandlungstisches sitzen jedoch Partner, für die eine Unternehmensübernahme in erster Linie eine große finanzielle Herausforderung ist – so haben 39 Prozent der Interessenten Schwierigkeiten, die Nachfolge zu finanzieren. (DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge, 2019, 3).

Trotz aller Leidenschaft zu dem, was Sie tun und erreicht haben, sollten bzw. werden Sie irgendwann dem Realismus folgen (müssen).

Die Vorbereitung ist entscheidend

Packen Sie es an. Man neigt dazu, solch weitreichende Vorhaben zwar im Kopf zu haben, jedoch gehen diese Gedanken in der Hektik des Alltags immer wieder unter und werden auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der Komplexität des Themas ist geschuldet, dass die Vorbereitung für einen Unternehmensverkauf nicht nur eine entsprechende Vorlaufzeit zur Aufwandsbearbeitung erfordert, sondern ebenfalls die Klärung bestimmter Punkte persönlicher bzw. privater Natur nach sich zieht.

Zudem ist häufig das Fehlen eines entsprechenden Ansprechpartners, der sich mit der Thematik auskennt und sozusagen einen Leitfaden oder Fahrplan entwickeln kann, ein weiteres Problem.

Das Hinzuziehen von Steuerberatern und Rechtsanwälten ist zwingend notwendig, reicht jedoch als Unterstützung allein nicht aus, um die Thematik ganzheitlich zu betrachten.

Es geht vor allem auch darum, das Unternehmen und seinen Wert über einen längeren Zeitraum für einen sogenannten 'Beauty-Contest' vorzubereiten, um „die Braut hübsch zu machen“. Hier sollten fachkundige Experten hinzugezogen werden, die Erfahrung darin haben, Schwächen zu beseitigen und Stärken zu betonen.

Durch gezielte Maßnahmen kann der Wert Ihres Unternehmens seriös gesteigert werden. Auch dies erfordert eine längerfristige Vorbereitung, denn Ursache und Wirkung bestimmter Maßnahmen haben auch ihre 'Inkubationszeit'.

Die Suche nach einem qualifizierten Nachfolger

Die Suche nach einem möglichen Nachfolger, falls dieser nicht unmittelbar im Mitarbeiterbestand zu finden ist, benötigt i. d. R. mindestens eine Vorlaufzeit von zwei bis drei Jahren.

Eine Übernahme durch einen leitenden Angestellten erfordert, was die Suche betrifft, weniger Zeitaufwand. Außerdem könnte man mit diesem schon frühzeitig eine Perspektive und ein Ablöseverfahren besprechen und vorbereiten. Perfekt wäre natürlich, wenn die Nachfolge aus dem eigenen familiären Umfeld hervorgehen würde.

Betrachten Sie auch Aushänge oder Anzeigen in Institutionen des Marktes als Kontaktmöglichkeit zu Nachfolgern. Weiterhin eignen sich entsprechende Plattformen, die auf die Vermittlung von Unternehmenskäufen spezialisiert sind. Hier sei etwa die Deutsche Unternehmensbörse genannt.

Recherchieren Sie auch im Internet, denn es existieren noch einige Unternehmensmakler mehr, die sich darauf spezialisiert haben. Alle anderen Möglichkeiten benötigen mehr Zeit, um die geeignete Person ermitteln zu können. Es sei denn, Sie haben ein Mitglied, das sich für eine Übernahme interessiert und Ihrer Einschätzung nach auch qualifiziert hierzu wäre. Wenn dem so ist, dann sprechen Sie diese Person 'unter vier Augen' an. Achten Sie hier auf eine entsprechende Schweigeverpflichtung.

Hemmnisse auf beiden Seiten

Zwei Grafiken aus dem DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge (2019) veranschaulichen sehr gut, dass beide Seiten – sowohl Unternehmensverkäufer als auch mögliche Interessenten – ihre spezifischen Hürden zu nehmen haben. Diese Darstellungen resultieren aus Erhebungen für den gesamten deutschen Markt und stellen Unternehmungen jeglicher Größe dar.

Lassen Sie uns davon ausgehen, dass der Fitness- und Gesundheitsmarkt zumindest annähernd die gleichen Problematiken beinhaltet.

Die Grafiken zeigen die Fragen beider Seiten beeindruckend auf. Ein potenzieller Verkäufer muss sich unbedingt auch mit den Belangen potenzieller Käufer beschäftigen, um überhaupt in ein Interessentengespräch einsteigen zu können.

Die Interpretation der hier vorliegenden Daten ergibt zweifelsfrei, dass der Verkäufer seinerseits auch mögliche Hilfestellungen leisten muss, damit auch die richtige Nachfolgerin oder der richtige Nachfolger für sein Unternehmen gefunden werden kann.

Finanzierungsformen für Betriebsübernahmen

Die Finanzierung der Nachfolge ist eine Aufgabe, die hauptsächlich den Nachfolger, also den Käufer des Unternehmens, betrifft. Er oder sie muss die notwendigen Mittel zum Erwerb des Unternehmens sicherstellen.

Die Frage nach der Form der Nachfolgefinanzierung stellt sich dabei sehr häufig direkt bei der Einigung über den Kaufpreis. Sobald Verkäufer und Käufer einen Preis verhandelt haben, startet in aller Regel unmittelbar die Strukturierung der Finanzierung.

Dafür stehen dem Käufer grundsätzlich unterschiedliche Finanzierungsarten zur Verfügung, die im Rahmen der Strukturierung sinnvoll miteinander kombiniert und passgenau auf die jeweilige Transaktion abgestimmt werden (Compeon, 2020).

Die typischen Finanzierungsformen für Nachfolgefinanzierungen bei mittelständischen Unternehmen sind dabei vor allem:

  • Management Buyout (MBO)
  • Leveraged Buyout (LBO)
  • Eigenkapital in Kombination mit Verkäuferdarlehen
  • Verkäuferdarlehen
  • Kreditfinanzierung
  • Mezzanine-Kapital
  • Raten- oder Rentenzahlung

Es existieren somit einige praktikable Finanzierungsformen – auch in Kombination –, die durchaus ein positives Übereinkommen zulassen. Je nach Käufersituation kann hier ebenso eine Finanzierung über die KfW-Bankengruppe möglich sein, auch für einen Beteiligungseinstieg als erste Stufe zu einer letztendlichen Komplettübernahme. Informieren Sie sich umfänglich über diese Formen der Finanzierung, um für sich die richtige Wahl zu treffen.

Über den Autor

Stefan Haase, Betriebswirt und Industriekaufmann, war langjähriger Partner einer renommierten Unternehmensberatung, zuletzt in der Funktion des betriebswirtschaftlichen Leiters.
Er war Mitglied des DIN/CEN-Normungsausschusses für Fitnessanlagen und ist zudem als Dozent, Autor und Tutor für die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) tätig.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der fMi 05/2020 & für Abonnenten EXKLUSIV vorab.

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