Management | Autor: Julia Krampitz |

Training der Selbstregulation – sich erfolgreich managen

Beruflich wie privat erleben wir Situationen, die eine gute Selbstregulation erfordern. Der Einzelne ist gefordert, Verantwortung für sich selbst und seine Handlungen zu übernehmen.

Zeitdruck, weitläufige Ziele, Jonglieren von Prioritäten, Zweifel, richtige Entscheidungen zu treffen, Sehnsucht nach Zufriedenheit und Erfüllung: Im beruflichen wie auch im privaten Alltag erleben wir viele Situationen, die eine gute Selbstregulation erfordern. Neben externen Bedingungen und unserem Umfeld ist der Einzelne gefordert, Verantwortung für sich selbst und seine Handlungen zu übernehmen.

Insbesondere Führungskräfte sind gefordert zu planen, zu entscheiden, zu kommunizieren, aktiv zuzuhören, Verständnis zu zeigen, den Mitarbeiter wertzuschätzen, Stärken zu erkennen, Potenziale zu entfalten und Ressourcen zu stärken.

Die Vielzahl geforderter Kompetenzen lässt sich durch eine Reihe an Führungsstilen fortsetzen. Beschreiben Sie Ihre Führung noch situativ, partizipativ, transformational, empathisch oder führen Sie schon gesund und emotional? Viel zu selten geht es jedoch um die Funktion der Selbstführung – um unsere eigene erfüllende und gesunde „Steuerung“. Motivation und Selbstbewusstsein, Ehrlichkeit und Überzeugungskraft, Kenntnis und Handlungsfähigkeit sind grundlegende Voraussetzungen, die im Tagesgeschäft Gefahr laufen an Präsenz zu verlieren und die eigenen Energiereserven dezimieren.

Egal, ob in gedruckter Form oder als Online-Variante, als Ratgeber oder Zeitschriftenbeitrag, als Workshop oder Seminar – der Markt reagiert auf das Bedürfnis mit aktuellen Herausforderungen umzugehen. Wie aber sieht der Weg vom gelesenen Wort, vom gehörten Seminarinhalt zur nachhaltigen Umsetzung – vom „Wissen über“ und „Wollen“ zur Handlung – aus? Ein Buch über Marathontraining gelesen zu haben, stellt nicht sicher, auch einen Wettkampf erfolgreich zu bestreiten. Das Besitzen eines Kochbuches führt nicht automatisch zum nachhaltigen Umsetzen von Rezeptideen.

Wie gelingt es Menschen, sich angemessene Ziele zu setzen, die richtigen Mittel zur Erreichung dieser Ziele auszuwählen und sich zur Umsetzung ihrer Pläne zu motivieren?
Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich Theorien der Selbstführung, insbesondere die Selbstregulationstheorie (u. a. Carver & Scheier, 1999; Kuhl, 1992; Furtner & Baldegger, 2016). Self-Leadership ist definiert als selbstbeeinflussender Prozess zur Steigerung der persönlichen Effektivität. Für Peter F. Drucker – den großen Management-Vordenker und Visionär des 20. Jahrhunderts – ist Self-Leadership das Erfolgsgeheimnis vieler historischer Größen wie beispielsweise Napoleon, Leonardo da Vinci oder Mozart. Auf Basis effektiver selbstbeeinflussender Strategien konnten diese ihre Stärken erkennen, nutzen und zugleich ihre Schwächen eliminieren.

Um erfolgreich zu sein und sich erfolgreich zu managen benötigt sowohl die Führungskraft als auch der „Wissensarbeiter“ des 21. Jahrhunderts nachhaltige selbstbeeinflussende Strategien. Basierend auf psychologischen Theorien ist davon auszugehen, dass sich eine Person ihrer eigenen Stärken und Schwächen bewusst werden muss. Menschen verfügen generell über relativ gute Fähigkeiten, ihre Außenwelt zu beobachten und kritisch zu analysieren. Die Fokussierung auf die äußere Umwelt ist eine Fähigkeit, die bereits in der Kindheit erlernt wird. Schwieriger erscheint die Auseinandersetzung mit den persönlichen Stärken und Schwächen und die Beobachtung der inneren, sogenannten „psychischen Prozesse“. Diese werden häufig vernachlässigt und es fehlt an Wissen und Vermittlung, wie sich Personen selbst effektiv in eine gewünschte Richtung beeinflussen können. Erlangt eine Person bewusste Erkenntnis über ihre inneren Prozesse und Abläufe wie z. B. ihre Wünsche, Gedanken und Ziele, dann ist dies der erste Schritt zur nachhaltigen und effektiven Selbstregulation.

Laut Furtner und Baldegger (2016) ist Selbstführung eine Fähigkeit, die erlernt und entwickelt werden kann. Eignen sich Personen ausgeprägte Fähigkeiten zur Selbstführung an, dann zeigen sich unmittelbar nachhaltige Verhaltensweisen sowie positive Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit und die persönliche Zufriedenheit. Self-Leadership ist eines der wenigen Konzepte in der Psychologie und den Wirtschaftswissenschaften, welches praktische Hinweise gibt, wie Personen sich tatsächlich effektiver selbst beeinflussen und führen können. Die Selbstführung lässt sich beschreiben als ein zielorientierter und selbstbeeinflussender Prozess zur Steigerung der persönlichen Effektivität und Leistung. Der Prozess der Selbstführung stellt eine Erweiterung des Selbstmanagement-Ansatzes dar. Er beschreibt ein breites Spektrum von selbstbeeinflussenden Strategien.

Self-Leadership-Strategien
Self-Leadership setzt sich aus drei zentralen Strategiedimensionen zusammen:
1) Kognitionsbasierte Strategien
2) Natürliche Belohnungsstrategien
3) Soziale Self-Leadership-Strategien

Die kognitionsbasierten Strategien fokussieren auf die Beeinflussung der eigenen Gedanken und setzen sich aus den vier Substrategien Selbstbeobachtung, strategische Selbstzielsetzung, Selbstverbalisierung und Selbsterinnerung zusammen.

Die natürlichen Belohnungsstrategien beinhalten die Selbstbeeinflussung der eigenen Emotionen zur Förderung der aufgabenbezogenen intrinsischen Motivation und setzen sich u. a. aus Substrategien zusammen.

Die sozialen Self-Leadership-Strategien berücksichtigen die Einbettung einer Person in ihre Umwelt und bestehen aus den zwei leistungsbezogenen Substrategien Gruppenoptimierung und Leistungsbezugnahme.

Als Basistheorie für die verhaltensfokussierten Strategien, insbesondere die Selbstzielsetzung und die Selbstbeobachtung, kann die Selbstregulationstheorie von Carver und Scheier (1981) angesehen werden. Sie bezieht ihre Grundlagen aus der Kybernetik und lässt sich als Wissenschaft der Feedback- und Rückkoppelungsprozesse beschreiben. Die Basis für dieses kybernetische Kontrollsystem ist die Rückkoppelungsschleife ähnlich der Funktion eines Thermostats: die Zielsetzung, z. B. ein Soll-Temperaturzustand von 22° Celsius, wird durch ein Beobachtungssystem (= Selbstbeobachtung) überprüft. Besteht eine Diskrepanz zwischen Ist- und Soll-Zustand, verringert der Thermostat diese Diskrepanz und eine aktive Handlung tritt auf. Im Falle der Temperatur wird der Heizvorgang aktiviert.

Übertragen auf das menschliche Selbstregulationssystem zeigt die folgende Abbildung den Regulationsprozess anhand von „Fühlen-Erkennen-Handeln“ auf. Das Ziel der Diskrepanzreduktion ist erfüllt, sobald der gefühlte Momentzustand „Ist“ mit dem Sollzustand „Ziel“ übereinstimmt.

Nach Bandura (1986) ist die bewusste Erzeugung einer neuen Spannung mittels eines herausfordernden Zieles die zentrale motivationale Grundlage für menschliches Handeln. Der Fokus der Motivationstheorie wird hierbei nicht nur auf die Aufgabe, sondern auf die Person selbst gerichtet. Die Quelle für intrinsisch motiviertes Verhalten liegt demnach in der Person selbst.

Wie können sich Personen selbst effektiv beeinflussen?
Self-Leadership fokussiert auf die gezielte Beeinflussung und positive Lenkung der eigenen Gedanken, Emotionen und des Verhaltens. Um sich selbst effektiv zu beeinflussen, benötigt es ein hohes Ausmaß an Selbstreflexion, d. h. die Fähigkeit zur achtsamen Selbstbeobachtung. Mittels Selbstbeobachtung lernen Menschen ihre Stärken und Schwächen kennen, setzen sich Ziele und können ihr Verhalten in eine gewünschte Richtung lenken. Die Selbstbeobachtung fungiert als wichtiges Feedbackinstrument und ermöglicht Verhalten effektiv zu beeinflussen sowie Gedanken und Emotionen bewusst und zielorientiert zu lenken.

Wie in Tab. 1 visualisiert, können wir mittels Selbstbeobachtung den Ist-Zustand ermitteln und uns selbst Ziele setzen  Sollzustand. Self-Leadership verfügt mit den verhaltensfokussierten Strategien, den natürlichen Belohnungsstrategien und den konstruktiven Gedankenmusterstrategien über ein effektives und vielseitiges Spektrum selbstbeeinflussender Strategien. „Der selbstbeeinflussende Fokus richtet sich darauf, was eine Person tun will, warum sie dies tun will und wie sie es tun soll (Furtner, 2016).

Impulse für die Praxis
(angelehnt an: Furtner & Baldegger, 2016)

1. Verhaltensfokussierte Strategien
• Selbstbeobachtung:
… ist der erste Schritt zur Verhaltensänderung, die Basis für eine erfolgreiche und effektive Selbstbeeinflussung. „Nimm Dir Zeit Deine Gedanken und Verhaltensweisen bewusst zu beobachten!“
• Selbstzielsetzung: … Ziele als Schlüsselmerkmal einer Veränderung. „Setze Dir realistische und herausfordernde Ziele!“
• Selbstbelohnung: … verstärkt erwünschte Gedanken. „Welche materiellen Aspekte und Konsequenzen sind für Dich wünschenswert?
• Selbsterinnerung: … Hinweisreize aus der Umwelt und dem sozialen System nutzen. „Schreibe Dir
Post-it-Zettel und verteile sie sichtbar an spezifischen Plätzen!“

2. Natürliche Belohnungsstrategien – intrinsische Motivation
• Fokussierung auf angenehme und genussvolle Merkmale der Arbeitsaufgabe
• Integration angenehmer und genussvoller Aspekte in die Arbeitsaufgabe

3. Konstruktive Gedankenmusterstrategien
• Erfolgreiche Leistungen imaginieren:
… unterstützt die Selbstzielsetzung als auch die Motivation zur Zielerreichung; Zusammenhang zwischen mentaler Vorstellungskraft und persönlicher Leistungsfähigkeit. „Nutze die positive Kraft Deines Vorstellungsvermögens!“
• Selbstgespräch: … positive Gedanken laut oder leise verbalisieren. „Ich kann es!“ „Heute bin ich stolz auf mich!“
• Überzeugungen und Sichtweisen bewerten:
… Dysfunktionale, negative Gedanken erkennen, sich bewusst mit ihnen auseinandersetzen und irrationale Überzeugungen durch positive Gedanken ersetzen! „Erkenne ungünstige Gedankenmuster!“ „Entwickle konstruktive Gedankenmuster!“ „Entdecke Aufgaben und Aktivitäten, welche für Dich natürlich belohnend sind!“ „Fokussiere Deine Gedanken stärker auf die erfreulichen Aspekte Deiner Arbeitsaufgabe!“

www.dhfpg-bsa.de

Prof. Dr. Julia Krampitz
Prof. Dr. Julia Krampitz, Doctor of Public Health und M. A. Gesundheitsmanagement, ist als Dozentin an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement/BSA-Akademie im Fachbereich Psychologie und Pädagogik tätig. Ihre Beschäftigungsschwerpunkte sind Integration von gesundheitsbewusstem Verhalten in den Führungs- und Arbeitsalltag, psychosoziale Gesundheit im Betrieb sowie die Wirksamkeit von Entspannungsverfahren. Im Herbst 2016 begann sie den Promotionsstudiengang Psychologie an der Universität Innsbruck, um der Relevanz von Self-Leadership in Organisationen nachzugehen.

Literaturliste
Bandura, A. (1991). Social cognitive theory and self-regulation. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 50, 248-287.
Carver, C. S. & Scheier, M. F. (1998). On the self-regulation of behavior. Cambridge: Cambridge University Press.
Deci, E. L. & Ryan, R. M. (1991). A motivational approach to self-integration in personality. In R. Dienstbier (Hrsg.), Nebraska symposium on motivation (Bd. 38, S. 238-288). Lincoln: University of Nebraska Press.
Furtner, M. R. & Baldergger, U. (2016). Self-Leadership und Führung. Wiesbaden: Springer.
Furtner, M. R., Baldegger, U. & Rauthmann, J. F. (2013). Leading yourself and leading others: Linking self-leadership to transformational, transactional and laissez-faire leadership. European Journal of Work and Organizational Psychology, 22, 436-449.
Manz, C. C. (2015). Taking the self-leadership high road: Smooth surface or potholes ahead? The Academy of Management Perspectives, 29, 132-151.

Den vollständigen Artikel finden Sie in mfhc Ausgabe 01/2018

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