Management | Autor: Prof. Dr. Herbert Rehmer |

Führung beginnt immer mit Selbstführung

Wer andere führen will, sollte imstande sein, sich selbst zu führen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, eigenes Handeln und Führungsverständnis ständig zu reflektieren.

Nach wie vor kommt es im Unternehmensalltag vor, dass sich Führungskräfte hinter fachlichen Fähigkeiten, dem laut Organigramm verliehenen Status bzw. dem daraus resultierenden „Machtanspruch“ verschanzen. Dies erspart natürlich eine Auseinandersetzung mit dem eigenen ICH (bzw. Selbst), da dies ein bestimmtes Risiko beinhaltet – und zwar Gefahr zu laufen, unter Umständen Unvollkommenes, wenig Wünschenswertes oder sogar selbstwertmindernde Anteile zu entdecken.

Selbstführung, Selbstmanagement, Selbstbestimmung
Wirksames Führen beginnt mit der Kompetenz,

sich selbst zu führen. Selbstmanagement bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Menschen zur Selbststeuerung und eigenen Problembewältigung fähig sind und ihr Leben in Einklang mit ihren Bedürfnissen, Werten, Zielen und Normen selbstwirksam gestalten. Es umfasst Fähigkeiten und Techniken, die Sinn- und Zielfindung, Planung, effektives Handeln sowie das Zeitmanagement einer Person betreffen. Selbstmanagement integriert zudem die persönliche Lebensplanung (wie Familie, soziale Kontakte etc.) und deren Realisierung im täglichen Leben sowie die notwendige Anpassung an unveränderliche Gegebenheiten. Selbstmanagement zielt darauf ab, sich selbst möglichst optimal zu managen, also die eigenen Fähigkeiten und Potenziale zu (er)kennen, Handlungsspielräume zu erschließen und die persönliche Work-Life-Balance zu finden.

In diesem Sinne ist Selbstmanagement ein dynamischer, intra- und interaktiver Prozess, in dem sich Individuen bemühen, die täglichen Anforderungen bestmöglich zu bewältigen.

Stellen Sie sich deshalb immer wieder selbst die Frage: Wie gut gelingt Ihnen persönlich Selbstmanagement in der täglichen Führung? Wie ist es um Ihre eigene Work-Life-Balance bzw. die Ihrer Mitarbeiter bestellt? Setzen Sie Ihre eigenen Ressourcen in der Praxis effektiv ein?

Persönliche Berufung und intrinsische Motivation
Selbstführung heißt daher in erster Linie, sein Leben durch die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit meistern zu können. Der Begriff geht noch weiter über diesen Aspekt hinaus in die „Kunst des Lebens“, was bedeutet, seine „persönliche Berufung“ zu finden und dieser nachzugehen. Eine adäquate Selbstführung bewirkt nicht nur eine erhöhte Selbstbestimmung und Selbstkonkordanz, sondern auch eine gesteigerte intrinsische Motivation. Der eigene motivationale intrinsische Antrieb ist der zentrale Ausgangspunkt für die nachhaltigere Umsetzung eines gesundheitsfördernden Lebensstils – insbesondere für Sie als Führungskraft.

Was treibt Sie persönlich an bzw. motiviert Sie in Ihrer täglichen Arbeit? Schaffen Sie es, diese Motivation durch gezielte Führung auch auf Ihre Mitarbeiter zu übertragen?

Personale Kompetenzen – Antrieb und Schutzfaktor
Damit Selbstführung und Selbstmanagement gelingt, ist es wichtig, adäquate personale bzw. intrapersonale Kompetenzen zu haben bzw. diese mit wachsender Führungserfahrung weiter aufzubauen. Gerade für junge, aufstrebende Nachwuchskräfte sind die wachsenden Herausforderungen anspruchsvoll und verlangen ein hohes Maß an Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit). Diese Resilienz ist ein weiterer zentraler Baustein, um im täglichen Alltag mit Stress, Zeit- und Termindruck umzugehen. Die eigene Selbstreflexion und der Aufbau der persönlichen Resilienz unterstützen den konstruktiven Umgang mit Rückschlägen, Misserfolgen und verbessern die Stress- und Problembewältigung sowie die psychische und physische Leistungsfähigkeit.

Folgende Kompetenzen sind in diesem Zusammenhang besonders wichtig (vgl. Rehmer, 2013): Selbstreflexion
• Selbsteinschätzung & Selbstbewusstheit
• Selbstwirksamkeit
• Emotionale Kompetenz (Fähigkeit, mit negativen Gefühlen umzugehen und diese zu steuern)
• Stressbewältigung
• Zuversicht, Selbstvertrauen und positives Denken
• (Selbst)Motivation & Volition (Willenskraft)
• Selbstkongruenz bzw. Selbstkonkordanz
• Kultivierung von Bewusstsein und Achtsamkeit sowie Aufmerksamkeitssteuerung

Mögliche Strategien zur Selbstführung sind somit Selbstachtsamkeit (Selbstbeobachtung, Selbstreflexion), kognitive (Denkprozesse beeinflussen), emotionale (Stimmungen/Gefühle nutzen und modulieren), motivationale (Bedürfnisse befriedigen), willensbezogene (Widerstände überwinden) Selbstführung und das Nutzen entsprechender Umsetzungstechniken (Zeit- und Arbeitsmanagement sowie Coping-Strategien). Viele Werkzeuge und Techniken zur wirksamen Selbstführung gehen aus der kognitiven Verhaltenstherapie hervor. Um den Aufbau personaler Kompetenz zu gewährleisten, soll hier noch kurz der Unterschied zwischen Wissen und Kompetenz aufgezeigt werden. Kompetenz bedeutet, sein Wissen handlungsorientiert umzusetzen und seine Fähigkeiten situationsadäquat einzusetzen, um eine konkrete Leistung bzw. ein konkretes Ergebnis zu erbringen (siehe Abbildung 1).

Um die eigene Kompetenz zu erkennen bzw. diagnostizieren zu können, gibt es nun eine Vielzahl von Verfahrensweisen, die in diesem Rahmen nicht einzeln aufgezählt werden sollen. Es empfiehlt sich eine Kombination aus Selbstbeurteilung und Fremdeinschätzung – sinnvollerweise auf qualitativer und quantitativer Ebene.

Kompetenztraining der Selbstwirksamkeit
Als ein Beispiel zur Steigerung der Selbstführung wird hier die Verbesserung der Selbstwirksamkeitserwartung kurz aufgezeigt. Selbstwirksamkeit wird verstanden als die subjektive Gewissheit und die innere Überzeugung, gewünschte Ziele und Absichten, gewünschtes Verhalten, (schwierige) Anforderungen und Probleme durch eigenes Handeln bzw. durch eigene Kompetenz zu bewältigen. Eine Person ist überzeugt, dass sie ein Verhalten beherrscht, sich dieses Verhalten überhaupt (zu)traut, und sich, die eigenen Kompetenzen antizipierend, adäquate Ziele setzt. Die motivationalen Ressourcen werden mit einer hohen Erfolgszuversicht und einer entsprechenden Implementierungsenergie ausgestattet. Bei auftretenden Schwierigkeiten hält die Person (länger) durch, ebenso empfindet sie in bedrohlichen Situationen den eigenen Fähigkeiten vertrauend weniger Sorgen und Angst.

Fragen Sie sich deshalb: Setzen Sie Ihre eigene Stärken, Kompetenzen und Potenziale zielgerichtet und problemlösungsorientiert ein? Nutzen Sie positive Ergebnisse als motivierende Erfolgserlebnisse für sich und Ihre Mitarbeiter?

Fazit
Um Ihr Unternehmen und die eigene Organisation in der Praxis effektiv zu führen, sind drei wesentliche Aspekte von Bedeutung:
1. Die Führung von Menschen
2. Die Führung der Organisation (Strukturen und Prozesse)
3. Die Führung der eigenen Person

Um sich selbst führen zu können, bedarf es einer „Selbstarchäologie“, also eine Ich-Arbeit in Form einer adäquaten Selbstreflexion, um entsprechende Fähigkeiten, die zum Führen benötigt werden, zu erkennen und zu entwickeln.

Hierbei kann in unterschiedliche Kompetenzbereiche unterschieden werden:
• Fachkompetenz
• Methodenkompetenz
• Sozialkompetenz (Interpersonal)
• Selbstkompetenz (intrapersonal)

Zum Aufbau der intrapersonellen Kompetenzen wie Selbstreflexion um das Selbstbewusstsein zu erhöhen, die Verbesserung der emotionalen Kompetenz (Gefühle erkennen, analysieren und steuern) sowie die eigene Selbstwirksamkeit zu steigern und letztlich ein selbstkongruentes Leben zu leben, sind unterschiedliche Diagnostiktools und Trainingsinstrumente nutzbar, die hier nur an einem Beispiel aufgezeigt wurden.

Sinnvoll wäre es, sich in jedem intrapersonellen Kompetenzbereich selbst zu analysieren (bzw. auch eine Fremdbeurteilung zukommen zu lassen) und entsprechende Trainingsprogramme zu absolvieren oder ein professionelles Coaching in Anspruch zu nehmen.

www.dhfpg-bsa.de

Prof. Dr. Herbert Rehmer
ist Dipl. Kaufmann und M. A. in Personalentwicklung sowie M. A. in Systemischer Beratung. Er promovierte an der LMU München in Humanbiologie und betreibt drei Fitnessanlagen im Süden von München. Zudem ist er als Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement/BSA-Akademie tätig.

Auszug aus der Literaturliste
- Heckhausen, J. & Heckhausen, H. (2006). Motivation und Handeln. Heidelberg: Springer Medizin Verlag.
- Kanfer, F., Reinecker, H. & Schmelzer, D. (2006). Selbstmanagement-Therapie. Heidelberg: Springer Medizin Verlag.
- Neuberger, O. (2002). Führen und führen lassen. Stuttgart: Lucius & Lucius.

Für eine vollständige Literaturliste kontaktieren Sie bitte marketing@dhfpg-bsa.de.

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 04/2018

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fMi Ausgabe 04/2018

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