Management | Autor: fM Redaktion |

„Die Fitnessbranche sollte vom Wachstum stark profitieren“

Bis zu 15 Millionen Mitglieder in Fitness-Anlagen erwarten namhafte Branchenkenner in den nächsten fünf Jahren. Dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erscheinen diese Einschätzungen nicht nur plausibel, ein solches Wachstum wäre auch wünschenswert.

fitness MANAGEMENT sprach mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW), einem der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, über die Bedeutung der Fitness- und Gesundheitsbranche für die Entwicklung unserer Gesellschaft.
 

Die Fitness- und Gesundheitsbranche gilt als Zukunfts- und Wachstumsbranche. Warum werden aus ökonomischer Sicht Fitness und Gesundheit immer wichtiger?
Der demografische Wandel wird dazu führen, dass Fachkräfte in den Betrieben immer knapper werden dürften. Um Personal zu binden und die Beschäftigungsfähigkeit möglichst lang auch bis zu einem Alter von 67 oder 70 zu erhalten, sind Weiterbildung und Gesundheitsförderung zentrale Bausteine einer demografieorientierten Personalpolitik.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft hält ein Plus von 10 Prozentpunkten für die Fitness- und Gesundheitsbranche in der kommenden Dekade für denkbar. Wie begründet das IW seine Prognose?
Von 2000 bis 2010 ist die Studienabsolventenquote in Deutschland um mehr als 10 Prozentpunkte gestiegen. Entscheidende Argumente für die Akademisierung waren ein Bedarf am Arbeitsmarkt, höhere Einkommen, die durch ein Studium erreicht werden können und Vorteile bei der Erwerbstätigenquote sowie Gesundheit und Zufriedenheit durch höhere Bildungsabschlüsse. Die gleichen Argumente lassen sich empirisch für sportliche Aktivität belegen: Erwerbschancen, Einkommen, Zufriedenheit und Gesundheit nehmen signifikant zu.

„Professionalisierung“ ist eines der Schlüsselworte der Fitness- und Gesundheitsbranche. Welche Bedeutung spielt Bildung in diesem Zusammenhang?
In allen Branchen beobachten wir eine Höherqualifizierung. Durch Höherqualifizierung in der Fitnessbranche gibt es Chancen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement oder in medizinischer Sicht bei Prävention und Nachbehandlung. Bildungsangebote der BSA-Akademie oder der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement knüpfen an verschiedenen Stellen der Wertschöpfungskette im Gesundheitsmarkt an und bieten differenzierte Studien- und Lehrgangsprogramme.

Sport als „schönste Nebensache der Welt" hat sich längst zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Welche wirtschaftliche Bedeutung hat dabei Fitness im Vergleich zu anderen Sportarten?
Für den Sport werden nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums jährlich rund 56,2 Mrd. Euro ausgegeben. Die Ausgaben reichen von Sportgeräten und -ausrüstungen über Mitgliedsbeiträge bis hin zu Sportnahrungsmitteln oder SportApps. Fitness gehört zu den Sportarten, für die in Deutschland am meisten Geld ausgegeben wird.

In Deutschland werden Milliarden Euro für präventive Maßnahmen aufgewendet. Studien kommen zu dem Ergebnis, dass durch Gesundheitsförderung tatsächlich Gesundheitsrisiken reduziert, Krankheitshäufigkeitengesenkt und gesundheitsbewusste Verhaltensweisen gefördert wurden. Inwieweit rechnen sich diese Investitionen volkswirtschaftlich?
Diese Investitionen rechnen sich volkswirtschaftlich. Kurzfristig können Verluste durch Krankheitstage verringert werden. Langfristig bleiben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger fit und gehen später in den Ruhestand. Auch teure Krankheits- und Rehakosten im Alter beispielsweise durch einen Oberschenkelhalsbruch können vermieden werden, wenn die Bewegungsmuskulatur besser trainiert ist. Neben diesen fiskalischen Effekten sind aber auch die direkten Nutzen wichtig: Untersuchungen zeigen deutlich, dass gesündere Menschen deutlich zufriedener sind und eine höhere Lebensqualität haben.

Für die meisten Unternehmen in Deutschland ist es längst selbstverständlich, sich intensiv um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu kümmern. Was tun Unternehmen? Warum ist ihnen Gesundheit so wichtig? Und: Lohnt sich bei allem Engagement deren finanzieller Aufwand?
Für Unternehmen wird das Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement immer wichtiger. Das Durchschnittsalter der Belegschaften steigt an und wird in den kommenden Jahrzehnten weiter zunehmen. Wichtig ist, dass die Beschäftigungsfähigkeit und Innovativität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten bleibt. Hier kann BGM sehr positive Effekte hervorrufen.

Ob Kalorienanalyse, Schrittzähler oder komplette Trainingspläne – mittlerweile gibt es in der Fitnessbranche für vieles eine App. Wie entwickelt sich das Nutzungsverhalten der Konsumenten?
Jeder fünfte Deutsche über 18 Jahre hatte 2017 eine oder mehrere Fitness-Apps auf seinem Smartphone installiert. Gemessen an den Downloads aus den App-Stores ist der Kalorienzähler Yazio am beliebtesten und der Routenplaner Komoot fürs Wandern und Radfahren am umsatzstärksten. Die Zahlungsbereitschaft der Bundesbürger ist jedoch noch nicht allzu groß: Zwei Drittel setzen auf kostenlose Angebote.

Und eine letzte Frage: Namhafte Branchenkenner erwarten in den nächsten fünf Jahren eine Ausweitung der Mitgliederzahl in den kommerziellen Fitness-Anlagen von heute 10,6 auf bis zu 15 Millionen (s. fMi 2/2018, 20 ff.: Von Erfolg zu Erfolg). Welches Potenzial halten Sie in den nächsten zehn Jahren für denkbar und warum?
Die Einschätzungen scheinen plausibel zu sein. Sportliche Aktivität hat starke positive Effekte auf Gesundheit, Erwerbstätigkeit, Einkommen und Zufriedenheit, sodass ein weiteres starkes Wachstum zu erwarten und auch gesellschaftlich wünschenswert ist. Die Fitnessbranche kann dabei die Kundenwünsche durch eine weitere Differenzierung der Angebote zielgruppengenau erfüllen und sollte vom Wachstum stark profitieren können.

Dr. Hans-Peter Klös
Volkswirt (Dr. rer. pol.) Geschäftsführer des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)

Prof. Dr. Axel Plünnecke
Volkswirt (Dr. rer. pol.) Leiter Kompetenzfeld Bildung, Zuwanderung und Innovation

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 04/2018

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fMi Ausgabe 04/2018

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