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„Business-Modelle an neue Zielgruppen anpassen“

Seit 2013 ist Ralph Scholz 1. Vorsitzender des Deutschen Industrieverbands für Fitness und Gesundheit (DIFG e.V.); im Februar 2018 wurde er im Amt bestätigt. fMi traf Ralph Scholz zum Gespräch.

Der DIFG-Vorsitzende Ralph Scholz über seine Arbeit für die Fitnessindustrie

 

Ralph Scholz gehört zu den Personen, die die Fitnessbranche in den vergangenen Jahren mit gestaltet haben. Im Juli 2017 übernahm er mit THE MIRAI das Zukunftsprojekt der McFIT GLOBAL GROUP. Bereits seit 2013 ist Ralph Scholz 1. Vorsitzender des Deutschen Industrieverbands für Fitness und Gesundheit (DIFG e.V.); im Februar 2018 wurde er im Amt bestätigt. fMi traf Ralph Scholz zum Gespräch.

Herr Scholz, herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl als 1. Vorsitzender des DIFG. Was wird das erste große Projekt sein, das Sie in Ihrer neuen Amtszeit angehen möchten?
Ralph Scholz:
  Die diesjährige Mitgliederversammlung, bei der auch turnusgemäß die Neuwahl des Vorstands anstand, hat gezeigt, dass sich die Fitnessindustrie in einem gewaltigen Change-Prozess befindet. Allen ist bewusst, dass die Fitness-Studios – speziell die inhabergeführten – das Rückgrat der Branche bilden. Deshalb muss die Industrie an Lösungen arbeiten, mit denen das sich verändernde Verbraucherverhalten so gesteuert werden kann, dass nicht nur Einzelne, sondern möglichst alle davon profitieren. Um dies zu können, muss der DIFG – als Sprachrohr der Industrie – möglichst schnell wieder einen Konsens, den kleinsten gemeinsamen Nenner, definieren, hinter dem sich die Branche versammeln kann. Die erste Aufgabe lautet also: Den Wahlkampfmodus beenden und auf Basis der Wahlergebnisse alle Mitglieder davon überzeugen, dass die großen Herausforderungen nur dann bewältigt werden können, wenn alle an einem Strang ziehen.

In 2018 setzen wir zwei große Projekte um, mit denen wir zum Wachstum der Fitnessbranche beitragen wollen. Zum einen organisieren wir am 12. Juni eine Konferenz mit dem Motto: Fitness meets eSport. Sicher ein sehr innovatives Thema, mit dem wir versuchen, zwei Schritte vorauszuschauen auf eine Zielgruppe von mehr als 30 Mio. Menschen. Am 9. Oktober veranstalten wir den 4. Wirtschaftstag. Hier wollen wir aufzeigen, wie der erste Gesundheitsmarkt unsere Fitnessbranche sieht. Wir wollen Chancen aufzeigen, aber auch die Aufgaben identifizieren.

Welche Herausforderungen sehen Sie in der neuen Legislaturperiode auf sich und den Verband zukommen?
Ralph Scholz:
Wir sind überzeugt davon, dass aus Endverbrauchersicht die Segmente Fitness, Sport und Gesundheit immer stärker zusammenwachsen. Die Digitalisierung wirkt hier als Turbo.

Für den Verband wird es ein Drahtseilakt werden, mit den bestehenden, gelernten und bewährten Plattformen wie der FIBO den klassischen Fitnessmarkt weiterzuentwickeln und zugleich neue Zielmärkte erschließen zu helfen, indem sich der Verband auch anderen Multiplikatoren öffnet.

Ein erster wichtiger Schritt ist getan: Aufgrund der Entscheidung der ISPO, sich als Mitglied im Verband zu engagieren, hat der DIFG die Möglichkeit, Fitness und Sport näher aneinander heranzuführen und dadurch die Fitnessbranche mit dem Sport zu verbinden.

Allerdings wird diese Strategie nur dann funktionieren, wenn der Verband seine Neutralitätspflicht ernst nimmt und von allen Mitgliedern akzeptiert wird, dass niemand einen Alleinvertretungsanspruch für die Fitnessindustrie hat.

Welchen Nutzen möchten Sie als Verbandsvorsitzender für die Industrie und somit für die Branche schaffen?
Ralph Scholz:
Unser Fokus liegt satzungsgemäß auf den Interessen der Fitnessindustrie. Das bedeutet einerseits, dass wir durchaus Aktivitäten unterstützen, die dafür sorgen, dass sich die Mitgliedszahlen in den Fitness-Studios erhöhen. Denn nur wirtschaftlich starke Anlagenbetreiber können auch in neue Geräte und Trainingssysteme investieren.

Zusätzlich ist es aber auch unsere Aufgabe, neue Märkte für die Fitnessindustrie erschließen zu helfen. Ein Schwerpunkt wird hier sicherlich der Gesundheitsmarkt – speziell der Präventions- und Rehabilitationsmarkt – bilden, aber auch der BGM/BGF-Bereich wird im Fokus stehen. Die Erschließung dieser Marktsegmente geht nicht von heute auf morgen. Es bedarf dafür, speziell im Gesundheitsmarkt, einer hohen Expertise und einer validen Forschung, die den Nutzen des Fitnesstrainings nachhaltig belegt.

Welche Impulse kann die Industrie setzen, um das Wachstum der gesamten Branche voranzutreiben?
Ralph Scholz:
Die Industrie hat es in den vergangenen Jahren geschafft, mit Innovationen und neuen Trainingskonzepten immer wieder neue Zielgruppen für das Fitnesstraining zu begeistern und somit den Markt für Mitgliedschaften in Studios zu erweitern.

Zugleich muss die Industrie aber auch Vorreiter sein, was die Verbreiterung der Fitnessbewegung betrifft. Lassen Sie es mich an einem konkreten Beispiel erläutern: Wir müssen gezielt daran arbeiten, Kinder und Jugendliche für Bewegung zu begeistern, da diese nur dann Mitglieder in einem Studio werden, wenn sie frühzeitig gelernt haben, dass Bewegung wichtig ist und Fitness Spaß macht.

Das wiederum bedeutet, die Industrie ist gefordert, altersgerechte Lösungen anzubieten und dort verfügbar zu machen, wo die Kids auch sind: in Kitas, Schulen, auf Spielplätzen und in Parks. Und das in einer Form, die sich wirtschaftlich rechnet.

Die „Eckdaten 2018“ liefern beeindruckende Zahlen zum Wachstum der Branche wie bspw. 10,6 Millionen Mitglieder in deutschen Fitness-Anlagen. Wo sehen Sie die Branche in den nächsten 5 Jahren?
Ralph Scholz:
Auch wenn die Zahlen seit Jahren nur den Weg nach oben kennen, heißt das nicht, dass dieses Wachstum automatisch so weitergeht. Die Fitnessbranche hat es mit hohen Anstrengungen in den letzten Jahren hervorragend geschafft, ein essenzieller Bestandteil in der Gesellschaft zu werden. Wenn wir hier nicht nachlassen, können auch wir unsere Basis weiterhin vergrößern. Unser Credo lautet: Derzeit haben wir eine Marktdurchdringung von knapp 13 Prozent. Unser Ziel muss lauten, auch die restlichen 87 Prozent für Fitness zu begeistern.

Wo sehen Sie die größten Chancen für die Branche in den kommenden Jahren?
Ralph Scholz:
Wenn wir die Fitnessbranche im engeren Sinne als die Branche der Fitness-Clubs verstehen, liegen hier kurzfristig verfügbare, große Wachstumspotenziale im Angebot von BGM und BGF. Langfristig wird die Fitnessbranche sicher eine erfolgreiche Positionierung im zweiten Gesundheitsmarkt erzielen können. Die Digitalisierung von Fitness ermöglicht, dass Fitness omnipräsent ist. Das ist gut, da sich dadurch Fitness als Lifestyle darstellt.

Und was, glauben Sie, werden die größten Herausforderungen darstellen?
Ralph Scholz:
Menschen möchten noch individueller trainieren können, sie möchten Trainingsmöglichkeiten am liebsten sofort und vor Ort verfügbar haben, sich ggf. nicht pauschal sofort binden. Wachstum in Bezug auf die Anzahl der Trainierenden in den Fitness-Clubs zu erzeugen heißt auch, die Business-Modelle an die Bedürfnisse neuer Zielgruppen anzupassen. Da ist es gut, starke Partner wie Verbände oder die Industrie an seiner Seite zu wissen.

Welche Hindernisse müssen Ihrer Einschätzung nach aus dem Weg geräumt werden, um die Branche weiter voranzubringen?
Ralph Scholz:
Wir müssen uns in erster Linie von den bisher teilweise gepflegten Freund- und Feindbildern lösen. Nur um ein Beispiel zu nennen: Ein kommunal geförderter Sportverein, der einen Fitnessraum anbietet, ist nicht zwingend ein Gegner des kommerziellen Fitness-Studios, er kann ein Kooperationspartner sein. Für die Industrie sind beides lohnende Kundengruppen. Unsere Aufgabe ist es, die beiden Gruppen dabei zu unterstützen, sich zu verzahnen, um die Anzahl der Fitnesstrainierenden insgesamt zu erhöhen.

Wie sieht der Industrieverband die Kooperation sowie die Arbeitsteilung mit dem Arbeitgeberverband der Branche, dem DSSV?
Ralph Scholz:
Aus unserer Sicht ergänzen sich der DSSV und der DIFG ideal. Der DSSV vertritt die Interessen der Studios, wir die Interessen der Industrie.

Wir betrachten die Fitness-Studios als wichtigste Ziel- und Kundengruppe unserer Mitglieder und werden daher alle Aktivitäten unterstützen, die der Entwicklung der Studios dienen.

Gleichzeitig können wir als Vertreter der Industrie die Basis zur Generierung neuer Mitglieder vergrößern, in dem wir Fitness überall verfügbar machen und damit die Zugangshemmnisse reduzieren.

Und: Bei der Implementierung von Fitness als Thema in Politik und Gesellschaft ist es sicherlich gut, wenn die Studios und die Industrie endlich eine gemeinsame Linie verfolgen und nicht versuchen, sich gegenseitig voneinander abzugrenzen. Die Rahmenbedingungen dafür sind günstig, die Türen stehen weit offen.

Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Ihre neue Amtszeit.

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 03/2018

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fMi Ausgabe 03/2018

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