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Barbara Tettenborn im Porträt

Sie verordnet Sport und sie macht selbst Sport: die Neurologin und Triathletin Professor Dr. Barbara Tettenborn. Bei der Motivation ihrer Patienten setzt sie auf Bewegung und sportliche Betätigung.

Sie verordnet Sport und sie macht selbst Sport: die Neurologin und Triathletin Professor Dr. Barbara Tettenborn. Als Chefärztin der Klinik für Neurologie am Kantonsspital St. Gallen setzt sie bei der Motivation ihrer Patienten, „nach Niederlagen“ wieder auf die Beine zu kommen, neben der medikamentösen und physiotherapeutischen Behandlung auf Bewegung und sportliche Betätigung. Und für sie als achtmalige Ironman-Finisherin sind die immer wieder neuen sportlichen Ziele Motivation, „den relativ gesunden Lebensstil weiterzuführen“.

Fit fühle sie sich, „aktuell sehr fit. Ich bin motiviert in meinem Beruf, trainiere fast täglich, versuche mich gesund zu ernähren und fühle mich insgesamt wohl“. Was für ein kraftvolles Bekenntnis dieser so willensstarken Frau, einer, die vorangeht, beruflich wie sportlich. Fitness bedeutet für sie physisches wie psychisches Wohlbefinden. „Mein Anspruch an meine Fitness“, so führt sie aus, „ist neben der beruflichen Leistungsfähigkeit zum Beispiel einen ganzen Tag Ski fahren zu können ohne Muskelkater zu bekommen, eine mittelgradig anspruchsvolle Skitour problemlos zu schaffen oder auch die Ironman-Distanz (Anm. der fM-Redaktion: 3,86 km Schwimmen, 180,2 km Radfahren und 42,195 km Laufen) in einer ordentlichen Zeit und ohne gesundheitliche Probleme zu finishen und mich am nächsten Tag wieder wohlzufühlen.“

Ihre Freude an der Bewegung wurde ihr gleichsam in die Wiege gelegt. Ihr Vater war Handball- und Eishockeyspieler, später Trainer in der damaligen DDR. Sport war in ihrer Familie ein ständiger Begleiter, resümiert sie rückblickend. Mit der Übersiedlung nach Westberlin versuchte sie sich zunächst in verschiedenen Sportarten, empfand aber die meiste Freude am Schwimmen, am „Kachel-Zählen“ im Hallenbad. Dass sie später auch Gefallen am Laufen und Rennradfahren fand, war die beste Voraussetzung für alles das, was sportlich noch kommen sollte.

Reine Willenssache
Doch mit Spaß allein wäre sie nicht da, wo sie heute ist, Chefärztin und Triathletin. „Ja, das kann ich schon von mir sagen“ entgegnet sie auf die Frage, ob sie einen starken Willen habe. Und sie ist davon überzeugt, dass „es möglich ist, den eigenen Willen zu trainieren und die Grenzen der psychischen Belastbarkeit hinauszuschieben“. Seit ihrer Jugend habe sie immer wieder persönliche Ziele verfolgt und neue definiert. Ging es in den ersten Jahren vornehmlich um berufliche Ziele, haben für sie in den letzten zehn Jahren die sportlichen Herausforderungen einen neuen Stellenwert erlangt, auch wenn diese nicht so planbar waren. Aus dem Hobby Sport wurde für sie Sport zur Lebensschule. „Immer wenn ich die körperliche Bewegung vernachlässigt habe, fehlte mir etwas.“ Sport helfe, die „persön-liche Frustrationsschwelle anzuheben“ und „beruf-liche Problemsituationen zu bewältigen“.

Als „reine Willenssache“ bezeichnet es Barbara Tettenborn beispielsweise, eine lange Trainingseinheit oder einen Langdistanz-Wettkampf durchzuhalten. „Vor allem beim Laufen, beim Triathlon die abschließende Disziplin, muss ich mich selbst schon maximal motivieren, die 42,195 km durchzuhalten. Das ist ein kontinuierlicher Kampf zwischen meinem Gehirn, das den Auftrag zum Weiterlaufen sendet, und meinen Beinen, die nicht mehr wollen.“ Und sie ist so ehrlich zuzugeben, dass dieser Kampf gegen Ende der Laufdistanz immer größer wird, die Gehstrecken an den Verpflegungsposten zunehmen und es immer mehr Motivation braucht, „wieder zu rennen“. Aber, und das zeichnet eine Siegerin aus, „bisher hat letztendlich im Wettkampf immer das Gehirn gewonnen“.

Mit Freude
Wenn schon nicht mit Spaß allein, so doch mit Freude geht sie „alle Dinge, die ich tue“ in ihrem „sehr intensiven und mit vielen Aktivitäten ausgefüllten Leben“ an, wohlwissend bei ihrem „hohen Aktivitätslevel“ um die Bedeutung von Schlaf und Regeneration. In diesem Zusammenhang empfindet sie es „schade, dass ein Profisportler wie Per Mertesacker offensichtlich über viele Jahre die an ihn gestellten Anforderungen als großen Druck empfunden hat“, wie er kürzlich gegenüber der Presse äußerte. Aus ihrer Sicht sei es „sicher nicht gesund“, „sich einem derartigen subjektiv als unerträglich empfundenen Druck über Jahre auszusetzen“. In so einem Fall „sollte man wohl besser zeitnah einen Wechsel der beruflichen Tätigkeit anstreben“. Die ihr bekannten Profisportler betrieben ihren Sport aus voller Überzeugung mit großer Motivation und viel Freude. Eine gewisse psychische Anspannung wie eine leichte Nervosität vor einem Wettkampf oder einer Prüfung sei durchaus leistungsfördernd und vielleicht sogar erforderlich, um Höchstleistungen zu vollbringen.

Man glaubt Barbara Tettenborn aufs Wort, wenn sie mit Enthusiasmus von neuen Herausforderungen spricht, die sie umtreiben. Das Setzen „ambitionierter sportlicher Ziele“ bedingt, den „relativ gesunden Lebensstil weiterzuführen“. Denn ohne sie „würde ich mich vielleicht das eine oder andere Mal nicht zum Training aufraffen können“. Ganz zu schweigen von der geistigen Leistungsfähigkeit; für sie „kann ich nichts Besseres tun, als regelmäßig Sport zu treiben“.

 

Aktiver Lebensstil
30 bis 60 Minuten Sport pro Tag empfiehlt Barbara Tettenborn, bevorzugt als Ausdauersport im aeroben Bereich, sprich, ins Schwitzen kommen, Pulsbeschleunigung, noch reden können. Dazu kommt ein Mal die Woche Krafttraining zur Erhaltung der Muskulatur und zur Vorbeugung von Verletzungen sowie ebenfalls ein Mal pro Woche Gleichgewichts- und Geschicklichkeitstraining.

Was für die Vorsorge gut ist, hat seine Berechtigung auch in der Rehabilitation. „Ich versuche immer darauf hinzuwirken“, so die Neurologin, „dass Patienten sich maßgeblich selbst für die Besserung ihres Gesundheitszustandes einsetzen.“ Sie verweist auf Schlaganfallpatienten, die einen oder mehrere Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen haben. Für einen günstigen Verlauf der Reha-Maßnahme wie zur Vermeidung weiterer Schlaganfälle sollten die Patienten, soweit möglich, „neben der medikamentösen Therapie und den Physiotherapie-Terminen auch selbst jeden Tag üben, abhängig von der aus dem Schlaganfall resultierenden Behinderung“. Kleine Etappenziele zu definieren, die der Patient in einem überschaubaren Zeitrahmen schaffen kann, um ein positives Feedback zu erzielen, sei dabei von besonderer Bedeutung.

Von klein auf ist Barbara Tettenborn in Bewegung, seit jungen Jahren ist Sport ihr liebstes Hobby, seit zehn Jahren hat sich die Neurologin dem Triathlon verschrieben. Freimütig gesteht sie ein, dass es „oft eine echte Herausforderung“ sei, „die beruflichen Verpflichtungen und Interessen mit dem sportlichen Trainingsprogramm zu koordinieren“. Dies erfordere ein enormes Maß an Disziplin und Zielorientiertheit. Aber alles, was sie in beruflicher wie sportlicher Hinsicht tue, alle Ziele, die sie sich setze, auch wenn es mal Überwindung koste, mache sie mit Freude. Ein solcher, möglichst aktiver Lebensstil ist ihre Empfehlung, um „gesund und fit alt zu werden“.

Literaturhinweis
Bewegung lässt neue Nervenzellen wachsen, fMi im Gespräch mit der Neurologin Barbara Tettenborn, in: fMi 02/2018

Den vollständigen Artikel finden Sie in mfhc Ausgabe 01/2018

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mfhc Ausgabe 01/2018

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