Generation Ü: Studie zeigt Potenziale für Arbeitsmarkt und Gesellschaft

Studie zur Generation Ü zeigt Potenziale und gesundheitliche Hürden für weiteres berufliches und gesellschaftliches Engagement.
Lesezeit: 3 Minuten
Zehn Personen stehen vor einer weißen Fotowand mit Logos von DSSV, BSA-Akademie, DHfPG, DVGS, FIBO und IKK Südwest
Gruppenfoto im Rahmen der Vorstellung der Studie „Generation Ü“ in Berlin, die Potenziale der 60- bis 75-Jährigen für Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Gesellschaft untersucht
Wie groß ist das Potenzial der Generation Ü für Arbeitsmarkt und Gesellschaft? Eine neue Studie untersucht Menschen zwischen 60 und 75 Jahren und zeigt deutliche Unterschiede bei Gesundheit, Motivation und Leistungsfähigkeit. Während 25,6 Prozent gute körperliche Voraussetzungen und Engagementbereitschaft mitbringen, könnten gezielte Präventionsangebote weiteren Menschen längere berufliche Aktivität ermöglichen.

Die Generation der 60- bis 75-Jährigen verfügt über erhebliche Potenziale für Arbeitswelt und Gesellschaft. Sie unterscheidet sich jedoch deutlich hinsichtlich Gesundheit, sozialer Einbindung sowie Motivation und Fähigkeit, weiterhin aktiv zu sein.

Das zeigt eine neue Studie zur „Generation Ü“, die am 5. November 2026 um 10:30 Uhr in den Räumlichkeiten der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt wird.

Veranstalter ist der DSSV e. V. – Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen in Kooperation mit der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG), der BSA-Akademie, dem Deutschen Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS), dem Generation Ü Netzwerk e. V., der IKK Südwest und der FIBO.

Studie zur Generation Ü macht unterschiedliche Potenziale sichtbar

Ziel der Studie ist es, die Potenziale der Generation Ü für ein weiteres berufliches oder gesellschaftliches Wirken realistisch einzuschätzen und eine empirische Grundlage für politische und gesellschaftliche Strategien zu schaffen.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Erfahrung, Kompetenz und Leistungsfähigkeit älterer Menschen länger für Wirtschaft, Verwaltung, Gemeinwesen und Ehrenamt nutzbar gemacht werden können.

Zugleich geht es darum, wie Gesundheit, Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe gezielt gefördert und möglichst lange erhalten werden können.

Dafür nimmt die Studie Menschen zwischen 60 und 75 Jahren in den Blick. Anhand ihrer Ressourcen sowie ihrer Motivation und Fähigkeit, körperlich, sozial und beruflich aktiv zu sein, werden empirisch identifizierte Teilgruppen unterschieden.

Die Ergebnisse zeigen: Die Generation Ü ist keine homogene Bevölkerungsgruppe. Die identifizierten Gruppen unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer körperlichen Ressourcen, ihrer Bedürfnisse und Potenziale.

25,6 Prozent der 60- bis 75-Jährigen wollen auch im beziehungsweise über den Ruhestand hinaus beruflich oder gesellschaftlich weiterwirken und verfügen gleichzeitig über gute körperliche Voraussetzungen.

Sie stehen damit beispielhaft für das Potenzial einer Generation, die auch nach dem Renteneintritt leistungsfähig und aktiv bleiben kann.

Gesundheit als Voraussetzung für weiteres Wirken

Ein längeres berufliches oder gesellschaftliches Weiterwirken hängt nicht allein von der Motivation ab. Körperliche Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind wesentliche Voraussetzungen für Alltagsfähigkeit und Teilhabe.

Besonders sichtbar wird dieser Zusammenhang bei weiteren 8,1 Prozent der Befragten: Sie wollen beruflich weiterwirken und schätzen ihre berufliche Leistungsfähigkeit hoch ein.

Ihre körperlichen Voraussetzungen sind jedoch deutlich schwächer ausgeprägt. Obwohl Motivation und berufliche Ressourcen vorhanden sind, kann die körperliche Leistungsfähigkeit damit zum limitierenden Faktor werden.

Der Ergebnisbericht empfiehlt deshalb gezielte Bewegungs- und Präventionsangebote, um Gesundheit und Arbeitsfähigkeit zu erhalten und längere Erwerbstätigkeit zu ermöglichen.

Prof. Dr. Arne Morsch, Co-Autor der Studie und Leiter des Fachbereichs Gesundheitswissenschaft an der DHfPG, erklärt: „Die entscheidende Frage ist nicht, wann jemand in Rente geht, sondern was er danach noch kann und will.“

Ein erheblicher Teil der Generation Ü möchte weiterhin etwas leisten und sich einbringen.

„Wenn körperliche Leistungsfähigkeit dabei zum limitierenden Faktor wird, ist Prävention nicht nur Gesundheitspolitik, sondern wird zur Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik“, erklärt Prof. Dr. Arne Morsch.

Ansatzpunkte für Politik, Gemeinwesen und Wirtschaft

Die Ergebnisse liefern Ansatzpunkte für einen differenzierteren Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels. Sie zeigen, bei welchen Zielgruppen Potenziale für berufliches oder gesellschaftliches Engagement bestehen und wo gesundheitliche oder soziale Barrieren berücksichtigt werden müssen.

Für Politik, Gesundheitswesen und Wirtschaft eröffnet die Typologie damit die Möglichkeit, Maßnahmen gezielter auszurichten: von Prävention und Gesundheitsförderung bis hin zur Aktivierung vorhandener beruflicher und gesellschaftlicher Potenziale.

Prävention als Investition in gesellschaftliche Teilhabe

Prof. Dr. Sarah Kobel, Co-Autorin der Studie sowie Leiterin des Fachbereichs Wissenschaft und Forschung an der DHfPG, erklärt: „Fehlende Gesundheit im Alter kostet Geld. Erhaltene Gesundheit hingegen schafft Wert. Sie ermöglicht Selbstständigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und längeres berufliches Wirken.“

Prävention muss deshalb möglichst früh ansetzen, bevor aus vorhandenen Ressourcen gesundheitliche Einschränkungen und zusätzlicher Versorgungsbedarf werden.

Eine wichtige Rolle können dabei gesundheitsorientierte Fitness- und Gesundheitsanlagen übernehmen. Mit zielgruppenspezifischen Bewegungs- und Betreuungsangeboten können sie dazu beitragen, körperliche und psychische Gesundheit, Selbstständigkeit und soziale Teilhabe zu erhalten. Dies sind nicht nur individuelle, sondern auch gesellschaftliche Ressourcen.

Sie möglichst lange zu erhalten, eröffnet Chancen für Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Gemeinwesen. Gleichzeitig kann der Erhalt von Gesundheit und Selbstständigkeit dazu beitragen, Gesundheits-, Pflege- und Sozialsysteme langfristig zu entlasten.

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