Fitness, Gesundheit | Autor: Prof. Dr. Arne Morsch und Prof. Dr. Markus Wanjek |

Der vielfältige Gesundheitsnutzen von Fitnesstraining

Durch regelmäßiges Fitnesstraining wird die Zellgesundheit positiv beeinflusst. Fitnesstraining kommt sowohl im Hinblick auf die Prävention als auch bezüglich der Therapie und Nachsorge von Krebserkrankungen eine wichtige Bedeutung zu.

Zellgesundheit und Krebs – Der vielfältige Gesundheitsnutzen von Fitnesstraining (Teil 4)

Die Zellgesundheit ist von vielen Faktoren abhängig. Neben nicht beeinflussbaren Faktoren, wie z. B. Alter und Genetik, spielt der persönliche Lebensstil eine wesentliche Rolle. Ein gesunder Lebensstil trägt zur Zellgesundheit bei.

Rauchen, Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und Übergewicht können hingegen negative Zellveränderungen begünstigen und das Krebsrisiko deutlich erhöhen (Behrens et al., 2018; WCRF & AICR, 2018).

Schätzungen zufolge sind etwa 38 Prozent aller neuen Krebsfälle auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen (Gredner et al., 2018).


 


Krebserkrankungen

Krebserkrankungen sind die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Etwa jeder zweite Mann und jede zweite Frau muss im Laufe seines bzw. ihres Lebens damit rechnen, an Krebs zu erkranken.

Pro Jahr gibt es etwa 510.000 neu diagnostizierte Krebsfälle. Zu den häufigsten Krebsarten gehören Brust-, Prostata-, Darm- und Lungenkrebs. Bis zum Jahr 2030 wird mit einer weiteren Zunahme an Krebsfällen gerechnet (RKI & GEKID, 2019).

Die Heilungschancen stehen gut

Erfreulicherweise haben sich die Heilungschancen von Krebserkrankungen verbessert. So liegt die durchschnittliche Überlebensrate über alle Krebsarten hinweg bei circa 60 Prozent. Bedingt durch diese positive Entwicklung steigt die Anzahl der Krebsüberlebenden.

Derzeit gibt es in Deutschland schätzungsweise vier Millionen Menschen, die eine Krebserkrankung überstanden haben oder chronisch mit ihr leben (Arndt, 2019; RKI & GEKID, 2019).


FOLGEN Sie uns bei LinkedInFacebookInstagram & Twitter
und verpassen Sie keine Fitness-NEWS mehr!


Therapie und Nachsorge für mehr Lebensqualität

Viele Krebsbetroffene leiden jedoch auch nach Abschluss der Behandlung noch über Jahre hinweg an den Folgen und Nebenwirkungen ihrer Tumorerkrankung bzw. -therapie.

Häufige Langzeit- und Spätfolgen sind z. B. Fatigue, Schmerzen, Neuropathie, körperliche Funktionseinschränkungen, Depressivität, Angstzustände und eine verminderte Lebensqualität (Mehnert & Johansen, 2019).

Körperliche Aktivität bzw. Training spielt als Teil eines gesunden Lebensstils sowohl in der Prävention als auch in der Therapie und Nachsorge von Krebserkrankungen eine zentrale Rolle (Campbell et al., 2019; KID & DKFZ, 2019; Rock et al., 2020).


 


Fitnesstraining für die Zellgesundheit

Regelmäßiges Fitnesstraining sorgt für einen gesunden Stoffwechsel und unterstützt den Erhalt eines gesunden Körpergewichts. Es wirkt entzündungshemmend, stimuliert das Immunsystem und fördert körpereigene Reparaturmechanismen.

Damit trägt Fitnesstraining wesentlich zur Zellgesundheit und zum Schutz vor häufigen Krebsarten, wie z. B. Brust- und Darmkrebs, bei (Patel et al., 2019).

Fitnesstraining wirkt jedoch nicht nur präventiv. Auch während und nach einer Krebserkrankung ist es eine wirksame Unterstützungsmaßnahme. Häufige Krankheitsfolgen und Nebenwirkungen der Krebstherapie können positiv beeinflusst werden.

Der allgemeine Gesundheitszustand, die Lebensqualität und Prognose lassen sich verbessern (Campbell et al., 2019; Cormie et al., 2018; Steindorf et al., 2018).

In Tabelle 1 sind die zentralen Effekte von Fitnesstraining auf die Zellgesundheit bzw. im Hinblick auf Krebserkrankungen zusammengefasst.

Empfohlene Trainingsdosis

Um das individuelle Krebsrisiko zu senken, sollten Erwachsene (18–65 Jahre) und Ältere (65 +) mindestens 150 bis 300 Minuten pro Woche moderat-intensives oder 75 bis 150 Minuten pro Woche intensives Ausdauertraining (oder eine Kombination aus beiden Intensitäten) betreiben (Rock et al., 2020; WHO, 2020).Empfehlungen für ein Krafttraining als ergänzende Trainingsmaßnahme zur Krebsprävention gibt es aufgrund der bisher unzureichenden Evidenzlage derzeit nicht (Patel et al., 2019).

Kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining

Krebsbetroffenen wird zur Verbesserung ihres Gesundheitszustandes ein kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining unter qualifizierter Betreuung empfohlen. Das Ausdauertraining sollte wenigstens dreimal pro Woche für mindestens 30 Minuten bei einer moderaten Intensität durchgeführt werden. Langfristig ist es jedoch ratsam, gemäß den allgemeinen Bewegungsempfehlungen einen Trainingsumfang von mindestens 150 Minuten pro Woche anzustreben. Ergänzend dazu sollte mindestens zweimal pro Woche ein Krafttraining absolviert werden (ACSM, 2021; Campbell et al., 2019; Hayes et al., 2019).

Fazit

Regelmäßiges Fitnesstraining fördert die Zellgesundheit. Und es schützt vor den häufigsten Krebsarten. Liegt eine Krebserkrankung bereits vor, kann die Prognose verbessert und das Wiedererkrankungsrisiko gesenkt werden. Ebenso lassen sich häufig auftretende Krankheitsfolgen und Nebenwirkungen einer Krebstherapie positiv beeinflussen.

Fitnesstraining trägt jedoch nicht nur zur körperlichen Gesundheit bei, sondern es schützt auch vor bzw. hilft bei verschiedenen psychischen Erkrankungen, hat also einen positiven Effekt auf die psychische Gesundheit.


Über die Autoren

Prof. Dr. Arne Morsch ist Fachbereichsleitung Gesundheitswissenschaften und Dozent der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG). Darüber hinaus leitet er den Fachbereich Gesundheitsförderung der BSA-Akademie.

Prof. Dr. Markus Wanjek ist stellvertretende Fachbereichsleitung Gesundheitswissenschaften und Dozent bzw. Referent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) und der BSA-Akademie. Er verfügt über eine 20-jährige praktische Berufserfahrung im Fitness- und Gesundheitsbereich.


Auszug aus der Literaturliste

Campbell, K. L., Winters-Stone, K. M., Wiskemann, J., May, A. M., Schwartz, A. L., Courneya, K. S. et al. (2019). Exercise Guidelines for Cancer Survivors: Consensus Statement from International Multidisciplinary Roundtable. Medicine & Science in Sports & Exercise, 51 (11), 2375–2390.
Patel, A. V., Friedenreich, C. M., Moore, S. C., Hayes, S. C., Silver, J. K., Campbell, K. L. et al. (2019). American College of Sports Medicine Roundtable Report on Physical Activity, Sedentary Behavior, and Cancer Prevention and Control. Medicine & Science in Sports & Exercise, 51 (11), 2391–2402.

Für eine vollständige Literaturliste kontaktieren Sie bitte marketing@dhfpg-bsa.de.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der fMi 04/2021 & für Abonnenten EXKLUSIV vorab.

Zum Abonnement
fMi 04/2021