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Was macht starke und erfolgreiche Frauen aus?

Von wegen schwaches Geschlecht: Frauen können heute alles sein. Zahlreiche Unternehmen, Institutionen und Länder profitieren von weiblicher Führung. fitness MANAGEMENT hat mit drei starken Fitness-Unternehmerinnen gesprochen: Sylvia Näscher, Daniela Hahn und Edith Gribs verraten, wie sie so erfolgreich geworden sind – und, welche Tipps sie jungen Frauen geben, die heute in der Fitnessbranche starten.

 

Frauen können heute alles sein. Das war aber nicht immer so. Die Emanzipation hat ihnen viele Türen geöffnet. Zahlreiche Unternehmen, Institutionen oder Länder gedeihen inzwischen unter weiblicher Führung. Deutschland hat seit 2005 eine Bundeskanzlerin, der Internationale Währungsfonds (IWF) wird von einer Frau geführt und bei Facebook ist der COO eine Frau.

Wagemut und Willensstärke

Wir gehen der Frage auf den Grund, was erfolgreiche und starke Frauen ausmacht. Ist es die Qualität der Ausbildung, das „Einser-Studium“ oder der Doktor mit summa cum laude? Ist es die jahrelange Erfahrung in einem Unternehmen? Oder die ausgeprägte Fähigkeit, zuzuhören und Mitarbeiter zu motivieren? Vielleicht müssen Frauen auch genauso wagemutig, willensstark und zudem bereit sein, nach den männlichen Regeln zu spielen, um richtig erfolgreich zu werden?

Wahrscheinlich von allem ein bisschen: Eine starke Frau ist sicher, weiß was sie will und geht ihren eigenen Weg.

Drei Unternehmerinnen im fM Interview

fitness MANAGEMENT hat mit drei Vollblutunternehmerinnen über ihre beeindruckenden Karrieren in der Fitness- und Gesundheitsbranche gesprochen: Sylvia Näscher (Feminin Aktiv), Daniela Hahn (Donna’s) und Edith Gribs (Halle 22) verraten, wie sie so erfolgreich geworden und geblieben sind – und welche Tipps sie jungen Frauen geben, die heute in der Fitnessbranche starten.

 

Sylvia Näscher, Feminin Aktiv

Sylvia Näscher ist in Osnabrück aufgewachsen. Nach dem Abitur begann sie zeitgleich zu ihrer Ausbildung als Tischlerin mit dem Krafttraining in einem damals typischen Club. Nach ihrer Gesellenprüfung reifte Anfang 1987 die Entscheidung, die Selbstständigkeit anzugehen und Fitness etwas anders, speziell für die Bedürfnisse von Frauen anzubieten. Im September 1987 eröffnete Sylvia Näscher in Osnabrück das Feminin Aktiv auf 250 Quadratmetern Gesamtfläche. Nach mehreren Erweiterungen erfolgte 1999 der Umzug an die heutige Adresse (ca. 850 m2). Im Verlauf der Jahre eröffnete, betrieb und verkaufte Sylvia Näscher erfolgreich vier weitere Clubs und war auch als Unternehmensberaterin für Frauenfitnessclubs tätig. Seit 2010 ist sie „hinter den Kulissen“ aktiv: Mitarbeiterentwicklung, Führungskräftecoaching, Betriebsoptimierung, Investitionsplanung, Werbung und Konzepterstellung.

fM: Was waren rückblickend die entscheidenden Faktoren für deinen Erfolg?
Sylvia Näscher:
Dass ich stets meiner Intuition folgen und meine Ideen umsetzen durfte! Daraus schöpfe ich Kraft und Motivation für meine Selbstständigkeit. Auch heute noch.

1987 gab es kaum Fitnessstudios für Frauen – und wenig, woran ich mich bei meinen Entscheidungen orientieren konnte. Keine Zahlen, keine Vorlagen für Werbung oder spezielle Trainingskonzepte. Es gab nur Krafttraining in drei Sätzen!

Aber es gab eben auch nichts, was mich eingeschränkt hätte. Alles war möglich! So kann ich sagen, dass echtes Learning by Doing meinen Weg gekennzeichnet hat. Natürlich habe ich einiges an Lehrgeld bezahlt. Doch mir war immer wichtig, nicht nur Qualität zu bieten und Kompetenz zu beweisen, sondern zugleich eine wertschätzende und motivierende Atmosphäre zu schaffen – für alle Beteiligten! Das hat für mich auch heute noch Priorität.

Dabei hat die richtige Mitarbeiterauswahl eine große Bedeutung! Auch da folge ich meiner Intuition. Mein Motto: Lernen kann man alles, aber das Herz muss ehrlich für die Dienstleistung schlagen, nur dann kann man dem Kunden gegenüber authentisch sein. Ich glaube, dass diese gelebte Philosophie das Feminin Aktiv ausmacht.

fM: Gibt es eine Entscheidung in deinem beruflichen Werdegang, die du aus heutiger Sicht anders treffen würdest und kannst du das Szenario kurz beschreiben?
Sylvia Näscher:
Ja, die gab es. Und dieses Szenario beschreibt eher einen Prozess als eine bewusste Entscheidung: Viele Jahre war die Selbstständigkeit sehr anstrengend für mich. Es ging gefühlt immer ums Ganze. Allerdings habe ich mir auch viel Stress selbst angetan: Ich wusste natürlich am besten, wie es geht. Folglich wollte ich keine Aufgaben abgeben. Im Gegenteil, ich stellte mich immer mehr Herausforderungen!

Heute denke ich: Natürlich braucht es Kompetenz, Strukturen und auch Grenzen, damit jeder im Team seine Aufgaben erfolgreich erfüllen kann, aber es braucht auch Vertrauen und Spielraum! Viele Menschen wachsen erst über sich hinaus, wenn sie etwas auf eigene Art tun, Einfluss nehmen und Verantwortung tragen können.

fM: Welches sind für dich die wesentlichen Änderungen, mit denen Frauen in der Branche heute umgehen müssen, im Vergleich zu deinen Anfängen?
Sylvia Näscher:
Gefühlt ist die Zeit heute noch schnelllebiger. Die Menschen wollen weniger Bindung, alles ausprobieren und auf keinen Fall etwas verpassen. Dagegen wirken feste 24-Monats-Mitgliedschaften eher einengend und unattraktiv. Es gilt also, Konzepte zu entwickeln, die den Kunden dauerhaft ins Studio holen und die auch wirtschaftlich sind.

Diese aktuelle Aufgabenstellung betrifft Mann und Frau gleichermaßen. Vermutlich kommt der am besten zurecht, der nicht mit unbequemen, aber faktischen Entwicklungen hadert und bereit ist, aus seiner Komfortzone herauszutreten! Dann hätten die Menschen, die jetzt in der Szene starten, sicher einen Vorteil. Auch meine frisch diplomierten Mitarbeiterinnen bringen ganz schön viel in Bewegung und „schneiden alte Zöpfe ab“.

Ich glaube, am Ende geht es darum, die Balance zwischen Bewährtem auf der einen und Entertainment auf der anderen Seite zu halten. Das ist die beste Basis für das, was kommt.

fM: Welche wichtigen Tipps möchtest du Frauen mit auf den Weg geben, die eine Karriere in der Fitness- und Gesundheitsbranche starten?
Sylvia Näscher:
Wer damit zurechtkommt, dass es kein „Fertig“ gibt und Weiterlernen immer dazugehört, ist gut für unsere Branche gewappnet. Doch Erfolg braucht eine klare Linie. Was ist mir wichtig, was bewegt mich von Herzen und wie kann ich das in meinen Alltag einbringen? Das sollte jede – für sich persönlich und in Bezug auf ihren zukünftigen Arbeitsplatz – sicher beantworten. Es muss schließlich passen, damit die eigene Motivation auch dauerhaft erhalten bleibt. Dann kommt der Erfolg von ganz alleine.

 

Daniela Hahn, Donna’s Frauenfitness

Daniela Hahn wurde in Riesa geboren und lebt heute glücklich verheiratet als Mutter einer Tochter in Bonn. Nach dem Studium der Sportwissenschaft an der DHfK Leipzig absolvierte sie 1995 ein Auslandsjahr als Mitarbeiterin und Ausbilderin Sport-Wellness bei der Robinson Club GmbH. 1998 begann sie ihre Selbständigkeit mit Geschäftspartner Günter Noll und der gemeinsamen Eröffnung des ersten Donna’s Frauenfitness. Donna’s umfasst heute sechs Anlagen zwischen 700 und 1.600 Quadratmetern in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis, 12.000 Mitglieder und ca. 80 Mitarbeiter.

fM: Was waren rückblickend die entscheidenden Faktoren für deinen Erfolg?
Daniela Hahn:
Zunächst war es die reine Sportbegeisterung und der Wunsch, anderen Menschen Gutes zu vermitteln. In den Anfängen war ich sehr idealistisch und „pädagogisch“, was sich aber sehr schnell in Ernüchterung wandelte, als ich feststellte, dass die Kunden nicht die gleichen Ziele verfolgten wie ich. Konsequenz war nunmehr primär die Fokussierung auf meine eigenen wirtschaftlichen Interessen.

Als wichtigste Faktoren für meinen wirtschaftlichen Erfolg sehe ich Ehrgeiz, Fleiß, Disziplin, Freude an der täglichen Arbeit – auch für das operative Geschäft – klare Strukturen, klare Organisation und das fast Wichtigste: Kostenbewusstsein, privat wie auch geschäftlich, gepaart mit einer gewissen Bodenhaftung – auch, wenn es mal „sehr gut läuft“.

fM: Gibt es eine Entscheidung in deinem beruflichen Werdegang, die du aus heutiger Sicht anders treffen würdest und kannst du das Szenario kurz beschreiben?
Daniela Hahn:
Im Nachhinein hätte ich mich bei der ersten Anlage schon mit dem Gedanken einer Expansion beschäftigen müssen. Dies stand damals aber absolut nicht zur Diskussion, da uns für solch einen Weg schlichtweg das Kapital fehlte, denn bis heute finanzieren mein Partner Günter Noll und ich alle Investitionen aus eigenen privaten Rücklagen, ohne Investoren oder Banken. Aus heutiger Sicht ist einer der Erfolgsfaktoren des Unternehmens die Unabhängigkeit von Finanzdienstleistern. Wir begannen erst nach Gründung der vierten Anlage alles unter einem Dach – als kleine regionale Marke – zu integrieren.

Mit heutigem Wissen war dies eine unendliche Verschwendung von Zeit und Ressourcen hinsichtlich Investitionen, Personal, Kostenmanagement, Marketing, Marktauftritt etc. Das würde ich heute definitiv anders machen.

fM: Welches sind für dich die wesentlichen Änderungen, mit denen Frauen in der Branche heute umgehen müssen, im Vergleich zu deinen Anfängen?
Daniela Hahn:
1998 gab es definitiv weniger Wettbewerb und das Fitnessbewusstsein der Frau war ein anderes.

Wohnzimmeratmosphäre inklusive Kaffeeklatsch und „homöopathisches Bewegen“ war angesagt. Und das alles klappte für viele Kolleginnen im sogenannten „Nebenerwerbs-Modus“ nach dem Motto: „Ein Mann kauft seiner Frau ein Fitnessstudio zwecks Beschäftigungstherapie“.

Das funktioniert heute im Zeitalter der Digitalisierung und des Verdrängungswettbewerbs, im Kampf um Marktvorherrschaft und bei gesteigerten Kundenansprüchen nicht mehr. Selbst als Nischenanbieter muss man sich heute der Dynamik der Märkte, dem Preiskampf und der Produktüberreizung mit geeigneten Maßnahmen widersetzen.

fM: Welche wichtigen Tipps möchtest du Frauen mit auf den Weg geben, die eine Karriere in der Fitness- und Gesundheitsbranche starten?
Daniela Hahn:
Das ist nicht ganz einfach und man muss auch einige Abstriche machen. Es ist eine Herausforderung, als selbstständige Unternehmerin in unserem Dienstleistungssektor, in welchem du sieben Tage pro Woche praktisch 24 Stunden erreichbar sein musst, Privat- und Berufsleben miteinander zu vereinen.

Du brauchst ein absolut intaktes familiäres Umfeld, einen Partner, der dich in den Bereichen unterstützt, die dir selbst vielleicht nicht so gut liegen und gute Mitarbeiter, die deine Einstellung teilen. Und noch etwas, was ich im Laufe der Jahre immer wieder neu durchlebt und erfahren habe: Dinge vorzuleben, unangenehme Jobs selbst auszuführen und von meinen Mitstreitern nie etwas zu verlangen, was ich nicht selbst bereit wäre zu tun bzw. es nicht schon viele Male vorgemacht hätte.

 

Edith Gribs,  Halle 22

Edith Gribs studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln und eröffnete nach einer kurzen Lehrtätigkeit 1982 ihr erstes Fitnessstudio auf 300 Quadratmetern. Im Mai 2000 folgte in der denkmalgeschützten Halle eines ehemaligen Stahlwerks auf 1.350 Quadratmetern die Eröffnung des Studios mit dem neuen Namen „Halle 22 Sport und Fitness“. Die heutige „Halle 22 Fitness & Gesundheit e. K.“ verfügt inzwischen über 4.450 Quadratmeter Fläche inklusive einer Praxis für Physiotherapie und bringt den alten Charme des Gebäudes mit den modernen Erweiterungen in Einklang. Die Positionierung der Halle 22 zielt auf Gesundheit und Wohlbefinden. Seit 2010 betreibt Edith Gribs auch erfolgreich einen zweiten Fitnessclub in Willich.

fM: Was waren rückblickend die entscheidenden Faktoren für deinen Erfolg?
Edith Gribs:
Angefangen hat natürlich alles mit der Leidenschaft für den Sport. Dazu kamen dann Ehrgeiz und Disziplin sowie unbedingt auch Herzlichkeit und Menschlichkeit.

Erfolgsfaktoren für den unternehmerischen Erfolg sind langfristig die Leistung von „Mensch zu Mensch“ und das damit verbundene Qualitätsversprechen. Unser Anspruch ist, dass sich Mitglieder und Gäste jeden Alters uneingeschränkt bei uns wohlfühlen können und Angebote zur Steigerung der Gesundheit und Vitalität auf höchstem Qualitätsniveau erhalten.

Dafür sind strategische Managementprozesse mit klaren und nachhaltigen Unternehmensstrukturen eine unabdingbare Voraussetzung. Ausreichend Zeit zur Mitarbeiterführung und Mitarbeiterentwicklung zur Verfügung zu haben, ist ein weiterer wichtiger Aspekt, damit unser Unternehmen auch zukünftig diesen hohen Ansprüchen gewachsen ist.

fM: Gibt es eine Entscheidung in deinem beruflichen Werdegang, die du aus heutiger Sicht anders treffen würdest und kannst du das Szenario kurz beschreiben?
Edith Gribs:
Nein, da gibt es nichts.

fM: Welches sind für dich die wesentlichen Änderungen, mit denen Frauen in der Branche heute umgehen müssen, im Vergleich zu deinen Anfängen?
Edith Gribs:
Die Branche hat heute so an Qualität gewonnen und ist auf einem so hohen Level, da muss man einfach von Anfang an richtig gut sein, auch über die rein fachliche Kompetenz hinaus.

Heute ist es noch wichtiger, sich sinnvoll zu vernetzen. Ein starkes Karrierenetzwerk unterstützt den Informationsaustausch und beschleunigt Hilfe in Krisensituationen.

fM: Welche wichtigen Tipps möchtest du Frauen mit auf den Weg geben, die eine Karriere in der Fitness- und Gesundheitsbranche starten?
Edith Gribs:
Fragt euch: Was kann ich? Was will ich? Was bin ich bereit, dafür einzusetzen? Das betrifft die Faktoren Zeit, Geld und persönliches Engagement.

Seid überzeugt von dem, was ihr tut und tut es nachhaltig, also wieder und wieder und beweist dabei höchste Fachkompetenz. Prüft, ob euer Business Nutzen für eure Klienten und Mitglieder hat, ansonsten schafft diesen Nutzen. Findet gute Mitarbeiter und lasst euch von ehrlichen und neutralen Beratern unterstützen. Vernetzt euch sinnvoll.

Und nicht zuletzt: Verschenkt Leistung nicht, verlangt eine adäquate Honorierung.

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 03/2019

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fMi Ausgabe 03/2019

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