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Orangetheory Fitness: Im Interview mit Ellen Latham

Die orangene Franchise Fitness Kette ist weltweit aktiv und plant auch den deutschen Markt zu erobern. Im Interview mit Orangetheory Fitness Gründerin Ellen Latham wirft fitness MANAGEMENT einen Blick hinter die Kulissen.

570 Boutique-Fitness-Anlagen, aktiv in weltweit 14 Ländern und ein nach firmeneigenen Angaben verdoppelter Umsatz seit 2015. Das sind die beeindruckenden Zahlen von Orangetheory Fitness – eines laut Wirtschaftsmagazin Forbes aktuell am schnellsten wachsenden Unternehmen der USA. Die Person, die maßgeblich für diese Erfolgsgeschichte verantwortlich ist, heißt Ellen Latham. Die Mitgründerin des orangenen Fitnessaufsteigers sprach mit fitness MANAGEMENT international im Rahmen der IHRSA Convention 2017 in Los Angeles über die Entstehung ihres Boutique-Konzepts, die veränderten Anforderungen der Kunden an Fitnessangebote und die Expansionspläne des Unternehmens, die auch Deutschland betreffen.

Ellen Latham ist seit über vier Jahrzehnten in der Fitnessbranche tätig. Angefangen als Trainerin in verschiedensten Fitness- und Wellness-Anlagen, entschloss sich vor rund zehn Jahren ihren Jugendtraum in die Wirklichkeit umzusetzen und gründete ihr eigenes Pilates-Studio. Doch der Traum schien nicht das zu erfüllen, was er versprach. Ihre vornehmlich weibliche Kundschaft erreichte die gewünschten Ziele nur selten, und Ellen Latham begann zu zweifeln. Auch wenn sie der tagtäglichen Arbeit im Studio mit großer Begeisterung nachging, war ihr schnell klar, was Pilates für ein effektives Training, und damit zufriedenen Kunden, fehlte: die wissenschaftlich fundierte Ansteuerung des Stoffwechsels.

„Als studierte Sportwissenschaftlerin zog ich Konsequenzen, indem ich mich für größere Räumlichkeiten entschied. Dort erweiterte ich das Pilates-Angebot mit einem eigens konzipierten Gruppentraining, das den Stoffwechsel optimal ansteuert“, erklärt Ellen Latham den Umzug. Es war die Geburtsstunde des Vorläufers von Orangetheory Fitness: Ellan’s Ultimate Workout.

Mithilfe von Gymnastikbällen, Schlingentrainern und anderen kleinen Hilfsmitteln etablierte die Amerikanerin in den neuen und größeren Räumlichkeiten ihres Pilates-Studios ein räumlich separiertes Kleingruppenkonzept. „Die Kunden nahmen das Konzept fantastisch an und erzielten in kürzester Zeit hervorragende Ergebnisse“, so Latham weiter.

Eine dieser begeisterten Kunden war mit Jerome Kern verheiratet, einem Unternehmer, der auf Franchisebasis ein Massagestudio führte. Zusammen mit seinem Geschäftspartner David Long erkannte er das Potenzial des Konzeptes als Franchise-Modell und überzeugte Ellan Letham von der Idee, es Unternehmern als „out of the box-Konzept“ im Franchising zur Verfügung zu stellen. 2010 gründete das Trio Orangetheory Fitness, eröffnete das erste Pilotstudio, und die Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf.

Dass die Farbe Orange sowohl für den Namen, als auch das Design der Anlagen verwendet wurde, war kein Zufall. In der wissenschaftlichen Literatur wird der aerobe/anaerobe Übergangsbereich, dem man bei Orangetheory eine besondere Bedeutung zukommen lässt, oft als orangene Herzfrequenzzone bezeichnet. „Während meines Studiums und meiner jahrzehntelangen Erfahrung als Trainerin habe ich gelernt, dass ein effektives Training eng mit dem Stoffwechsel zusammenhängt“, erklärt Latham. Diesen spreche man am besten an, wenn mindestens zwölf Minuten in der sogenannten „target orange zone“ trainiert wird.

Um das Training in dieser Zone möglichst unkompliziert gewährleisten zu können, trägt bei Orangetheory Fitness jeder Trainierende einen Herzfrequenzmesser. Dieser bildet anhand der gemessenen Herzfrequenz auf dem im Trainingsraum angebrachten Bildschirm die Farben Grün, Orange und Rot ab. Grün bedeutet eine niedrige Trainingsintensität, orange eine im angestrebten Übergang zwischen aeroben/anaeroben Bereich, rot Überlastung. Der Trainingseffekt laut Orangetheory: 500 bis 1.000 verbrannte Kalorien während eines 60-Minuten-Kurses sowie einen Nachbrenneffekt, der bis zu 36 Stunden andauert. Die maximal 28 Trainierenden pro Kurs trainieren dabei in drei Gruppen auf 12 Laufbändern, 12 Rudermaschinen sowie im Functional Training-Bereich.

Einer der Hauptgedanken bei der Erarbeitung des Orangetheory-Trainingskonzeptes war die Vereinbarkeit verschiedenster Trainingsniveaus in einem Workout, wie Ellan Letham erläutert: „Um unterschiedlichste Fitnesslevels in einem Kurs vereinen zu können, haben wir in unseren Studios eine eigene Sprache etabliert und unsere Kunden in drei Fitness-Kategorien unterteilt: die walker category, die jogger category und die runner category.“ Je nach Fitnesszustand werden die drei Trainingsbreiche Laufband, Rudergerät und Functional Training-Area in einem auf den Kunden abgestimmten Herzfrequenzbereich absolviert. „Damit wollen wir den Konflikt auflösen, dass bei weniger trainierten Neukunden Ängste vor fehlender Fitness geschürt werden und die Hürde für die Buchung eines Kurses oder einer Mitgliedschaft sinkt“, so die Amerikanerin weiter. Und Langeweile soll ebenfalls nicht aufkommen: Bereits jetzt sind 30 verschiedene Kursprogramme in der Anwendung; und regelmäßig kommen neue hinzu.

Da man sich bei der Effektivität des Trainings bei Organgetheory nicht nur auf das subjektive Gefühl der Mitglieder verlassen möchte, spielt die digitale Trainingsmessung eine zentrale Rolle. „Die Kunden werden immer anspruchsvoller. Durch die vielen Informationen und das voranschreitende Wissen in den Bereichen Gesundheit und Fitness, haben die Kunden eine gesteigerte Erwartungshaltung an Fitness-Studios. Sie wollen wissen: was bringt mit dieses spezielle Workout?“, weiß Ellan Letham. Die Lösung bei Orangetheory lautet: Nach jedem Training erhält der Trainierende seine persönlichen Trainingsergebnisse, sogenannte „Splat-Points“, per E-Mail zugesandt. Zehn „Splat-Points“ bedeuten dabei, dass die Herzfrequenz des Trainierenden über zehn Minuten über der angesprochenen orangenen Zone lag. Beim nächsten Training wird dann unter Anleitung des Trainers entsprechend versucht, diese Dauer zu erhöhen. „Die Trainingserfolge werden objektiver und für den Kunden nachvollziehbar. Die Motivation steigt dadurch erheblich“, erklärt Ellen Latham die Intention der digitalen Auswertung.

Doch so effektiv, integrativ, digital und kurzweilig das Trainingskonzept von Orangetheory auch sein mag – die alleinige Erklärung für den raschen Aufstieg des Unternehmens ist es wohl nicht. Doch wo liegen die weiteren Gründe?

In einer sich immer weiter digitalisierenden Welt, wo persönliche Kontakte immer seltener vis-a-vis stattfinden, rückt das Verlangen vieler Menschen nach realen Kontakten wieder in den Vordergrund. Orangetheory ist deshalb darauf bedacht, in jedem Club einen Community-Charakter zu erzeugen.

Dieser wird nicht nur durch die vergleichsweise geringe Anlagengröße von unter 300 qm und entsprechend kleinerer Mitgliederzahl gefördert. „Ein weiterer wichtiger Bestandteil sind ohne Zweifel unsere Trainer“, ist sich Ellan Latham sicher und ergänzt: „Sie kennen jeden Namen unserer Mitglieder, wissen, wann bspw. der Sohn des Mitglieds seinen Collageabschluss gefeiert hat, und sind generell in ihren Trainings sehr motivierend und auf Entertainment gepolt.“

Insgesamt sind pro Club etwa 15 Mitarbeiter beschäftigt – rund acht Trainer und sieben Service-Kräfte. So entwickle sich laut der Orangetheory-Gründerin auch innerhalb der Mitarbeiterschaft schnell und effektiv ein angenehmes und familiäres Betriebsklima, was sich wiederum positiv auf die Gesamtatmosphäre des Clubs auswirke.

Um Trainer, die eine gute Ausbildung und einen ausgeprägten Dienstleistungscharakter vereinen, zu rekrutieren, bezahlt Orangetheory nach eigenen Aussagen Gehälter deutlich über dem Marktdurchschnitt. Doch nicht nur das: durch die internationale Expansion kann Orangetheory seinen Mitarbeitern Jobs in Kuwait, Kolumbien, Australien, China und vielen weiteren attraktiven Ländern anbieten. Ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil im umkämpften Markt nach talentierten Kursleitern.


Neben den bereits erschlossenen Ländern sei vor allem Deutschland auch aufgrund der Qualität der Trainer und deren Ausbildung ein attraktiver Markt für das US-amerikanische Konzept, wie Ellen Latham verrät: „Eines unserer Hauptziele in den kommenden Jahren ist die Expansion nach Deutschland. Gerade hier scheint das Interesse an „out of the box-Systemen“ riesengroß“, ist sich Letham sicher. Doch nicht nur Deutschland steht auf dem Expansionszettel. In den kommenden fünf Jahren sollen weltweit 5.000 Studios in orangener Farbe glänzen. „Wir werden die Welt erorbern“, gibt sich Latham amerikanisch selbstbewusst.

www.orangetheoryfitness.com

Ellen Latham
Mitgründerin von Orangetheory Fitness

Master-Abschluss in Exercise Physiology Bachelor-Abschluss in Physical Education

Forbes-Auszeichnung: das am schnellsten wachsende, von einer Frau geführte Unternehmen

IHRSA-Auszeichnung: „Woman Leader of the Year“

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 03/2017

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fMi Ausgabe 03/2017

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