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"Jeder Erfolg hat sein Geheimnis, jede Niederlage ihre Ursache"

Er träumte von einer Karriere als Sportler, er hoffte auf eine wissenschaftliche Laufbahn. Professor Dr. Karsten Schumann - er hat allen Herausforderungen getrotzt. fM sprach mit ihm im Rahmen des Aufstiegskongresses 2018.

Er träumte von einer Karriere als Sportler; eine Sportverletzung hat sie jäh beendet. Als Forschungsstipendiat der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) hoffte er auf eine wissenschaftliche Laufbahn; die Wiedervereinigung mit der Auflösung der DHfK hat sie von heute auf morgen unterbrochen. Als Kind der DDR wusste er um die Bedeutung von Sport und Leistung; der Zusammenschluss von Ost und West rüttelte an seinen Fundamenten. Aber er hat allen Herausforderungen getrotzt. Mit der Ernennung zum Professor an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement DHfPG lebt auch sein Traum von einer Hochschullaufbahn wieder auf. fitness MANAGEMENT sprach mit Professor Dr. Karsten Schumann im Rahmen des Aufstiegskongresses 2018.
 

Feitag, 5. Oktober 2018. Dieser Tag habe ihn berührt, fasst Karsten Schumann seine Gefühle in wenige, aber wohlüberlegte Worte: „Es ist mir eine große Ehre, von der Hochschule berufen zu sein. An dieser Hochschule wirkten auch Menschen, die schon mich ausgebildet haben.“ Dass er für die Feierstunde der Ernennung am Nachmittag nicht die große Bühne gesucht hat, sondern den Gemeinschaftsstand von DHfPG, BSA-Akademie und BSA-Zert vorzog, passt zu seinem Verständnis, gerne im Hintergrund zu agieren. Dabei hat er viel zu sagen, beispielsweise in den letzten zwölf Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Matthias Sammer, zunächst in dessen Funktion als Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), später als Vorstand Sport beim FC Bayern München.

An diese Entwicklung hatte Karsten Schumann selbst um die Jahrtausendwende nicht mehr geglaubt. Zu groß erschienen ihm die Verwerfungen, die er bis dahin erlebte. Dabei begann alles im sozialistischen Wortsinn „planmäßig“. Er hatte Freude an der Bewegung und Lust, sich in Vergleichen zu messen. Schon in der Krippe stand er ganz oben auf dem Podest. Mit sechs Jahren hütete er das Tor der Knabenmannschaft von Lokomotive Vacha/Thüringen. Als Jugendlicher gehörte er zu den Besten auf regionaler Ebene in der Leichtathletik. Auch ein ärztliches Attest, das ihm wegen eines Rückenleidens Sportverbot bescheinigte, hielt ihn nicht davon ab, weiter erfolgreich Sport zu treiben.

„Für ganz oben hätte es nicht gereicht.“
„Ich studiere Sport.“ Karsten Schumann wusste schon in jungen Jahren um seinen Studienwunsch. Sein Vater – wie auch seine Mutter selbst begeisterte und aktive Sportler auf Freizeitebene – stimmte zu und sagte zu ihm: „Aber erst machst du eine Berufsausbildung.“ Begleitend zur Berufsschule und seiner Ausbildung zum Fahrzeugschlosser spielte er für die Handballer der SG Dynamo Suhl-Mitte, die 1982 den Aufstieg in die höchste DDR-Liga schafften. Doch im Herbst 1984, Karsten Schumann war in dieser Zeit seines Armeedienstes in Berlin stationiert, löste sich sein Traum von einer Handballkarriere in Luft auf. Bei einem Spiel seiner neuen Berliner Mannschaft just gegen seine alten Suhler Freunde rissen ihm Kreuzband, Meniskus und Seitenbänder. „Gar nicht mehr“, entgegnete ihm der ihn operierende Arzt im sportmedizinischen Klinikum Berlin-Hohenschönhausen auf seine Frage, wann er denn wieder spielen könne. Karsten Schumann nahm`s sportlich, baute auf die Annahme, dass es „für ganz oben nicht gereicht hätte“.

„Auch ich empfehle Ihnen auszusteigen.“
Fünf Jahre später, ein Jahr vor der Wiedervereinigung, schloss er mit Erfolg den Studiengang Sportwissenschaft als Diplomsportlehrer ab, um zum 1. September 1989 ein dreijähriges Forschungsstipendium an der DHfK anzunehmen. „Gut ein Jahr später, mit dem Tag der Wiedervereinigung, war alles anders“, erinnert sich Karsten Schumann. Aller Tradition zum Trotz, auch die DHfK wurde im deutschen Wiedervereinigungsprozess abgewickelt, die Fakultät in die Universität Leipzig integriert. Seine Betreuer kamen und gingen. Zum Glück für ihn übernahm ein emeritierter und ehemaliger DHfK-Hochschullehrer im Hintergrund die Aufgabe eines Doktorvaters.

Am 14. Mai 1993, vier Jahre später, verteidigte er neben vier von ursprünglich etwa 40 Forschungsstipendiaten seine Dissertation – noch so ein Tag, an den sich Karsten Schumann ein Leben lang erinnern wird: die Promotionsurkunde zum Doktor der Pädagogik vor Augen und keine Chance, im universitären Bereich in anderer Verwendung übernommen zu werden. Karsten Schumann erinnert sich an seine Qualitäten als Handballer, sucht im Spiel „Eins gegen Eins“ seinen Weg im Finanzwesen und das durchaus mit Erfolg: Am Ende seines vierzehnjährigen Intermezzos ist er Verkaufsleiter mit Prokura.

Doch die Sportwissenschaft lässt ihn nicht los. Er beteiligt sich an der Erstellung einer im Jahr 2000 erscheinenden Festschrift „50 Jahre DHfK“, einer umfassenderen Chronik „DHfK. Leipzig 1950-1990“ sowie in den Folgejahren an einer Schriftenreihe zur Aufarbeitung bedeutender sportwissenschaftlicher Erkenntnisse der DHfK. Namhafte, ehemalige Ost-Trainer haben ihm berichtet, wie aktuell und modern beispielsweise die seinerzeit in Leipzig vermittelte Trainingslehre immer noch ist. Die Publikationen erzeugen Aufmerksamkeit, so viel, dass Karsten Schumann eines Tages von einem renommierten Fußballfachmann fünf Namen mit Telefonnummer erhält: „Die rufst du an, bestellst schöne Grüße, und die sollen sich mit dir unterhalten.“

Einer der auf der Liste stehenden Gesprächspartner war Matthias Sammer, einer der erfolgreichsten und profiliertesten Spielerpersönlichkeiten im Verein und in der Nationalmannschaft in den 1990er-Jahren. Es war im Frühjahr 2005, man telefonierte, man traf sich und Karsten Schumann sagte zu ihm, was er von ihm als Trainer dachte: „Sie sind ein Riesentrainer mit Potenzial zum Weltklassetrainer. Aber ich glaube, dass man dafür noch etwas tun muss.“ Was für eine Ansage. Matthias Sammer war interessiert und wollte mehr wissen. „Auch ich empfehle Ihnen, aus dem Job für eine Zeit auszusteigen und diese Pause zu nutzen, sich intensiv weiterzubilden.“ Und der hochdekorierte Nationalspieler und erfolgreiche Trainer ließ sich darauf ein, stieg aus und investierte ein Jahr in Weiterbildung. Eine von Karsten Schumann im Rahmen eines persönlichen Workshops präsentierte Folie war der Impuls für den Beginn einer bis heute andauernden Zusammenarbeit: die Folie über die Voraussetzungen von Leistung.

Zum 1. April 2006 wurde Matthias Sammer Sportdirektor beim DFB, Karsten Schumann sein wissenschaftlicher Mitarbeiter. Sechs Jahre später wechselte Matthias Sammer als Vorstand Sport zum FC Bayern, Karsten Schumann folgte ihm. Auf die Frage, wie er Matthias Sammer unterstützt habe, ihn noch erfolgreicher zu machen, antwortet er prägnant in fünf Punkten: Leistung konsequent organisieren, Komplexität verstehen, kooperierende Teams bilden, die Schlüsselrolle des Trainers stärken und nicht zuletzt die Persönlichkeit der Spieler entfalten.

Dankbar, seine Berufung gefunden zu haben
Sommer 2018. Nach zwölf Jahren beginnt für Karsten Schumann eine neue Ära, rückblickend dankbar dafür, „dass er seine Berufung, im Leistungssport zu arbeiten, doch noch gefunden hatte.“ Und er weiß zu würdigen, dass Matthias Sammer „einschätzen konnte, was er geleistet hatte“.

Karsten Schumann hat in der Hochphase des FC Bayern München mit Matthias Sammer zusammengearbeitet und wertschöpfend gewirkt. Diese Expertise wird er nun als neu ernannter Professor in seiner Lehrtätigkeit an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement/BSA-Akademie an Führungsnachwuchskräfte weitergeben – beste Voraussetzungen also, dieses Wissen auch der Fitness- und Gesundheitsbranche sowie dem Sport- und Vereinswesen zugänglich zu machen.

Und Karsten Schumann wird zum Abschluss des Gespräches auch gleich konkret: „Leistung konsequent organisieren“ meint in Bezug auf die Fitness- und Gesundheitsbranche, dass „auf Dauer die Studioleiter und Physiotherapeuten Erfolg haben, die eine mit den Wünschen des Kunden abgestimmte Leistung in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen“. „Komplexität verstehen“ erfordert, „sich auf die Persönlichkeit des Kunden umfassend einzulassen“. „Erfolgreiche Teambildung“ baut auf „wechselseitiges Vertrauen“. Die „Stärkung der Schlüsselrolle des Trainers“ zielt auf das „vom Studioleiter organisierte Zusammenspiel einzelner Fachkompetenzen“. Und die „Entfaltung der Persönlichkeit“ ist ein Appell an die in der Branche Tätigen, neben aller gebotenen Fachkompetenz auch „die eigene Persönlichkeit mit Empathie einzubringen“.

Den vollständigen Artikel finden Sie in mfhc Ausgabe 02/2018

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mfhc Ausgabe 02/2018

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