Fitness, Gesundheit, Management | Autor/in: Manuela Reusing |

Online- und Präsenzkurse optimal verbinden

In den vergangenen Monaten haben sich Online-Kurse im Gruppentrainingsbereich etabliert. Dabei wird zwischen Livestreams und Aufzeichnungen unterschieden. Was bei der Implementierung der unterschiedlichen Formate zu beachten ist, wie diese zukünftig weitergeführt werden und bestehende Kurspläne ergänzen können, zeigt der vorliegende Artikel.

Gruppentraining spielt bereits seit den späten 1980er-Jahren in vielen Fitnessstudios eine Rolle. Seit circa zehn Jahren werden auch Online-Kurse auf dem deutschen Markt angeboten.

Welche Bedeutung dem Kursangebot mittlerweile zukommt, zeigen die Zahlen aus 2020: Sogar in diesem besonders schweren Jahr ist der prozentuale Anteil der Fitnessunternehmen, die Kurse anbieten, im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (DSSV, 2021). Bei einer Umfrage der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (2021) gaben 18 Prozent der befragten Endverbraucher:innen an, dass sie dauerhaft ein digitales Trainingsangebot von ihrem Fitnessstudio erwarten.

Für knapp die Hälfte der Befragten ist der persönliche Kontakt zu den Kursleiter:innen so bedeutend, dass es für Unternehmen zielführend ist, selbst digitale Angebote mit den eigenen Trainer:innen zu erstellen und diese entsprechend ihren Mitgliedern verfügbar zu machen. Für Unternehmen wird es also höchste Zeit, sich mit der Thematik „Hybrider Kursplan“ auseinanderzusetzen.


 


Vorteile von Gruppentrainingsangeboten im Studio

Gruppentraining verfolgt generell die gleichen Ziele wie Kraft-, Ausdauer- oder Beweglichkeitstraining auf der Fläche. Zusätzlich kann das Trainieren in der Gruppe die Motivation fördern: Die Kommunikation, der Spaß an Bewegung mit Musik und das Wissen um eine kompetente fachliche Betreuung durch die Gruppenleitung motivieren die Mitglieder, den Kursbereich im Studio zu nutzen (Sofija, Plugge, Wiseman & Harris, 2018).

Die vielfältigen Vorteile sowohl für die Kundschaft als auch für den Fitnessbetrieb werden in den letzten Jahren immer mehr erkannt: Kursteilnehmende kommen meist regelmäßig zum Training (zu „ihrem“ Kurs), erreichen dadurch ihre Ziele, knüpfen Freundschaften und bauen eine Bindung zur Gruppe, zur Kursleitung und damit zum Unternehmen auf.

Online-Kurse stellen eine Möglichkeit dar, diese Vorteile des Gruppentrainings gezielt zu erweitern: Durch das digitale Angebot werden mehr Mitglieder erreicht, da die Kurse im privaten Umfeld durchgeführt werden können. Besonders neuen Teilnehmenden wird der Einstieg erleichtert, da die Kurse zunächst im häuslichen Umfeld getestet werden können. Vor allem während der Lockdowns haben einige langjährige Mitglieder, die bisher „nur“ an den Geräten trainiert haben, die Inhalte der Kurse kennengelernt und sind jetzt „Stammkund:innen“ im Gruppentrainingsbereich.


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Online-Kurs: live oder „Konserve“?

Werden Online-Kurse eingesetzt, kann ein Unternehmen zwischen der Umsetzung von Livestreams und dem Angebot von aufgezeichneten Formaten (= on demand) wählen. Livestreams haben den Vorteil, dass sie die aktive Interaktion zwischen den Beteiligten ermöglichen und dadurch abwechslungsreicher und individueller gestaltet werden können.

Außerdem verleiten die verbindlichen Livestream-Termine zur regelmäßigen Teilnahme und stärken damit die Kund:innenbindung. Nachteilig an festgelegten Terminen ist jedoch der höhere organisatorische und monetäre Aufwand, der unter anderem aus dem ständigen Personaleinsatz sowie der regelmäßigen Kursraumnutzung resultiert.

Diesen Nachteil kann der Betrieb durch die aufgezeichnete On-Demand-Lösung umgehen. Hier werden Ressourcen nur einmalig beansprucht und Nutzer:innen können jederzeit, mehrfach und nahezu überall vom digitalen Kursangebot profitieren. Allerdings müssen für die Produktion der Aufzeichnungen separate Musikrechte erworben werden. Das ist wiederum bei Livestream-Veranstaltungen nicht notwendig.

Nach Abwägen der Vor- und Nachteile muss jedoch jedes Unternehmen selbst für sich entscheiden, ob eines der beiden Formate angeboten wird oder ob sich Livestream- und On-Demand-Kurse als Zusatzleistung lohnen.

Voraussetzungen checken

Um als Unternehmen möglichst zeitnah einen hybriden Kursplan anbieten zu können, sollten in einem ersten Schritt die gegebenen Voraussetzungen für die Umsetzung von Livestreams analysiert werden:

  • Steht permanent ein professionell ausgestatteter Raum inklusive Technik für Livestreams zur Verfügung?
  • Stehen für die anvisierten Kurszeiten und -inhalte ausreichend Kursleiter:innen zur Verfügung?

Sind die räumlichen, technischen und personellen Voraussetzungen für Livestreams momentan nicht gegeben, sollten die Möglichkeiten zur Aufzeichnung überprüft werden:

  • Wer kann wo Kurse aufzeichnen?
  • Welche Kurstrainer:innen bereiten welche Inhalte vor?
  • Welche rechtlichen Aspekte sind zu beachten (Musik, Internetplattform usw.)?

Ist die Entscheidung für die Erstellung eines hybriden Kursplans gefallen, sind darüber hinaus organisatorische Fragen zu beantworten:

  • Welche Kursformate sollen „digitalisiert“ werden?
  • Zu welchen Zeitpunkten werden die Kurse stattfinden bzw. verfügbar sein?
  • Wie viele Kurse werden im digitalen Format angeboten?

Bei der Erstellung des hybriden Kursplans gibt es grundsätzlich kein „richtig“ oder „falsch“. Es können lediglich Überlegungen angestellt und Impulse gegeben werden. Letztendlich entscheidet das Controlling darüber, ob der hybride Kursplan seinen Sinn und Zweck für das Unternehmen erfüllt oder ob Anpassungen vorgenommen werden müssen.



Vor-Ort-Kurse bilden das Grundgerüst

Die Fitness- und Gesundheitskurse, die live im Unternehmen stattfinden, stellen das Grundgerüst für den hybriden Kursplan dar. Online-Kurse ergänzen und erweitern die Vor-Ort-Kurse, ohne dabei in Konkurrenz zu diesen zu treten. Das bedeutet, dass sowohl eine zeitliche als auch eine inhaltliche Abstimmung zwischen den beiden Formaten stattfinden muss.

Außerdem sollten bei der gesamten Planung der Online-Kurse die häuslichen Voraussetzungen der Mitglieder berücksichtigt werden. So werden sich das Platzangebot, das zur Verfügung stehende Equipment und eventuell auch die Kursdauer und der -zeitpunkt von der Durchführung im Fitnessstudio unterscheiden. Aus diesem Grund ist darauf zu achten, dass alle Übungen möglichst auf kleinem Raum, mit wenigen Sprüngen und einer geringen Gesamtdauer (10 bis maximal 30 Minuten) umgesetzt werden können. Kleingeräte sollten durch Alltagsgegenstände ersetzbar sein (z. B. Wasserflaschen statt Hanteln).

Da Aufzeichnungen jederzeit und überall online abrufbar und durchführbar sind, sollte der Titel neben Ziel und Inhalt des Kurses ebenso Informationen zu Dauer und Rahmenbedingungen enthalten (z. B. „20 Minuten Rückenfitness im Stand (ohne Equipment)“ oder „30 Minuten Bauch-Beine-Po auf der Matte“).

Werden die Aufzeichnungen auch für Online-Kurse im Studio genutzt, die im Kursraum stattfinden, ist eine Festlegung der Startzeitpunkte für die Trainingsvideos sinnvoll. Zum Beispiel könnten jeden Wochentag zwischen 12:15 Uhr und 15:15 Uhr stündlich Trainingsvideos starten.


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Interaktion im Livestream

Livestreams stellen eine gute Möglichkeit dar, mit den Mitgliedern zu Uhrzeiten in Kontakt zu treten, zu denen sie üblicherweise noch nicht oder nicht mehr im Studio sind. Ein „Early Morning Workout“ im Wohnzimmer, im Anschluss die Dusche im eigenen Badezimmer, keine Fahrzeiten: für viele ein verlockendes Angebot für einen aktiven Start in den Tag.

Aber auch am späteren Abend lohnen sich Livestream-Kurse. Denn wenn es draußen kalt und dunkel ist, fällt einigen der Weg ins Gym besonders schwer. Die Einhaltung einer Online-Trainingsverabredung ist meist realistischer.

Wenn es den Kursteilnehmenden (zumindest zeitweise) möglich ist, Kamera und Mikrofon einzuschalten, kann auch online der soziale Austausch gefördert werden. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, Verabredungen für das gemeinsame Training vor Ort zu vereinbaren.

Die Analyse

Zur Überprüfung der wirtschaftlichen Auswirkungen des hybriden Kursplans ist eine Testphase von zunächst drei Monaten empfehlenswert. Für die Analyse sollte direkt nach der Erstellung des Plans festgelegt werden, welche Daten im Zusammenhang mit den Kursen erhoben werden: Welche Kurse weisen besonders viele oder wenige Teilnehmende auf? Sind Auffälligkeiten hinsichtlich Frequentierung auf die Kursleitung, den Inhalt, den Wochentag oder die Tageszeit zurückzuführen? Wie ist die Durchdringungsquote? Auch eine Analyse der Kündigungszahlen ist ratsam: Haben die Mitglieder, die gekündigt haben, Kursformate genutzt?

Ein hybrider Kursplan benötigt demnach den stetigen Prozess der Analyse und Anpassung, um dessen Vorteile hinsichtlich Kund:innengewinnung und -bindung zu maximieren. Aber der Kursplan ist und bleibt ein wichtiges Tool in puncto Kund:innenbindung und ein Aushängeschild für die Fitness- und Gesundheitsunternehmen.


Fazit

Gruppentrainingsangebote bringen seit vielen Jahren Vorteile für Unternehmen: zufriedene Stammkund:innen, die sich „ihrem“ Kurs und damit auch dem Unternehmen zugehörig fühlen. Darüber hinaus bilden der Digitalisierungsschub und die damit verbundenen Möglichkeiten eine große Chance für Fitnesseinrichtungen. Online-Kurse können auf bestehenden Kursplänen aufbauen, das Angebot erweitern und somit den Mitgliederstamm festigen und vergrößern.


Über die Autorin

Manuela Reusing, M. A. Prävention und Gesundheitsmanagement, ist Dozentin an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) und Referentin für die BSA-Akademie. Sie konzipiert und unterrichtet seit 30 Jahren verschiedene Kurskonzepte und Gruppentrainingsangebote für Fitnesseinrichtungen.


Auszug aus der Literaturliste

DSSV e. V. – Arbeitgeberverband Deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (Hrsg.). (2021). Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft 2021. Hamburg: Hrsg.
Sofija, E., Plugge, M., Wiseman, N. & Harris, N. (2018). 'This is the beginning of the new me': process evaluation of a group fitness intervention to promote wellbeing in formerly homeless individuals. BMC public health, 18(1), 290.

Für eine vollständige Literaturliste kontaktieren Sie bitte marketing@dhfpg-bsa.de.

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