Fitness, Gesundheit | Autor: Prof. Dr. Arne Morsch & Prof. Dr. Markus Wanjek |

Der vielfältige Gesundheitsnutzen von Fitnesstraining: Muskel-Skelett-Gesundheit

Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Sie sind weltweit die führende Ursache für chronische Schmerzen, körperliche Funktionseinschränkungen und den Verlust an Lebensqualität. Fitnesstraining ist eine wirksame Maßnahme zum Schutz vor und zur Behandlung von MSE.

Nutzen von Fitnesstraining für die Muskel-Skelett-Gesundheit.

Ein gesundes Muskel-Skelett-System ist in jedem Lebensalter für eine selbstständige und beschwerdefreie Lebensführung unverzichtbar. Alterungsprozesse, Über- und Fehlbelastung sowie Bewegungsmangel begünstigen neben weiteren Risikofaktoren und Ursachen die Entstehung von verschiedenen degenerativen, entzündlichen und systemischen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Sie werden unter dem Begriff Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) zusammengefasst (RKI, 2015). 

Muskel-Skelett-Erkrankungen

Zu den bedeutsamsten MSE gehören Rückenschmerzen, Arthrose und Osteoporose (RKI, 2015). Sie sind die Hauptursache für chronische Schmerzen, körperliche Funktionseinschränkungen und den Verlust an Lebensqualität (Fuchs et al., 2013). Zudem sind MSE für die meisten Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich (Badura et al., 2020).

Ungefähr 80 Prozent der deutschen Bevölkerung waren mindestens einmal im Leben von Rückenschmerzen betroffen (RKI, 2012). Diese sind damit die am häufigsten auftretenden Gesundheitsbeschwerden bei Erwachsenen.

Etwa 30 Prozent leiden unter chronischen Rückenschmerzen, das bedeutet fast täglich auftretende oder länger anhaltende Schmerzen über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten. Betroffen sind alle Altersgruppen, wobei die Fallzahlen mit steigendem Alter zunehmen (Kuntz et al., 2017).

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung. Etwa 20 Prozent der Erwachsenen weisen eine Arthrose auf. Bei den über 60-Jährigen sind es mehr als 40 Prozent. Besonders oft sind das Knie- und Hüftgelenk betroffen (Fuchs et al., 2013). 

Osteoporose, also der zunehmende Abbau von Knochenmasse und ein damit einhergehendes erhöhtes Frakturrisiko, ist vor allem bei Frauen ab 50 Jahre ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem. Etwa jede vierte Frau über 50 weist eine Osteoporose auf. Über die Hälfte der Betroffenen erleidet mindestens eine Fraktur (Hadji et al., 2013).

Aufgrund der hohen Verbreitung von MSE, des zumeist chronischen Krankheitsverlaufs und der gravierenden Folgen für die Betroffenen kommt einer wirkungsvollen Prävention und Behandlung eine große Bedeutung zu. Fitnesstraining spielt in dieser Hinsicht eine zentrale Rolle.

Fitnesstraining für die Muskel-Skelett-Gesundheit

Regelmäßiges Fitnesstraining besitzt vielfältige präventive und therapeutische Potenziale im Hinblick auf MSE. Präventive Wirkungen von Training sind vor allem für Osteoporose gut belegt.

Für Rückenschmerzen und Arthrose sind primär therapeutische Effekte nachgewiesen. In Tabelle 1 sind die zentralen Effekte von Training auf die Muskel-Skelett-Gesundheit zusammengefasst.

Empfohlene Trainingsdosis

Um die Muskel-Skelett-Gesundheit bis ins hohe Alter zu erhalten oder zu verbessern,

  • …sollten Erwachsene (18–65 Jahre) und Ältere (65 +) mindestens 150 Minuten pro Woche moderat-intensives oder 75 Minuten pro Woche intensives Ausdauertraining (oder eine Kombination beider Intensitäten) betreiben.
  • …sollte zusätzlich mindestens zwei Mal pro Woche ein Krafttraining durchgeführt werden.

Diese Empfehlungen gelten sowohl zur Prävention von MSE als auch für Menschen mit bestehenden MSE wie Rückenschmerz oder Arthrose (ACSM, 2018; Pfeifer & Geidl, 2017).


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Zur Prävention und Behandlung von Osteoporose sollte zwei Mal pro Woche ein intensives Krafttraining in Kombination mit einem Impact Training (4–7 Mal pro Woche) durchgeführt werden. Ergänzend dazu ist ein Gleichgewichtstraining (4 Mal pro Woche) zur Sturz- und Frakturprophylaxe erforderlich. Ausdaueraktivitäten stellen zumeist keinen hinreichenden Belastungsreiz für den Knochen dar (Beck et al., 2016; Daly et al., 2019).

Fazit

Regelmäßiges Fitnesstraining ist für ein gesundes Muskel-Skelett-System bis ins hohe Alter unverzichtbar. Es schützt vor den häufigsten MSE. Bei bestehenden MSE ist es eine wirksame Behandlungsmethode.

Doch nicht nur eine gute Muskel-Skelett-Gesundheit ist wichtig. Auch der Erhalt eines normalen Körpergewichtes und eine gesunde Körperzusammensetzung im Altersverlauf sind u. a. als Schutz vor verschiedenen Stoffwechselkrankheiten wie etwa Diabetes von Bedeutung.

Über die Autoren

Prof. Dr. Arne Morsch ist Fachbereichsleiter Gesundheitswissenschaften und Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG). Darüber hinaus leitet er den Fachbereich Gesundheitsförderung der BSA-Akademie.

Prof. Dr. Markus Wanjek ist stellvertretender Fachbereichsleiter Gesundheitswissenschaften und Dozent bzw. Referent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) und BSA-Akademie. Er verfügt über eine 20-jährige praktische Berufserfahrung im Fitness- und Gesundheitsbereich.


Auszug aus der Literaturliste

American College of Sports Medicine (ACSM). (2018). ACSM's guidelines for exercise testing and prescription (10th ed.). Philadelphia: Wolters Kluwer Health.
Robert Koch-Institut (RKI). (2015). Gesundheit in Deutschland 2015. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Berlin: Robert Koch-Institut.

Für eine vollständige Literaturliste kontaktieren Sie bitte marketing@dhfpg-bsa.de.

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi 02/2021

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fMi 02/2021

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