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EVO Fitness

Turnhalle 2.0

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Von Dustin Tusch

Es ist wie überall im Leben: Der erste Eindruck zählt. Es bedarf weniger Sekunden, bis dieser meist unterbewusst ablaufende Prozess abgeschlossen ist. Ob bei einer Hausbesichtigung, dem Ausprobieren eines neuen Restaurants oder auch beim ersten Date – die ersten Sekunden sind die Wichtigsten und richten meist unwiderruflich über Gefallen oder Nichtgefallen.

Dieser gnadenlose Mechanismus macht auch bei Fitness-Studios keine Ausnahme. Wenn man die meterhohe Glastür des EVO Fitness Clubs „Le Flair” in bester Düsseldorfer Lage das erste Mal öffnet, ist man sich sicher, dass die Macher hinter dem Konzept monatelang genau auf diese wenigen Sekunden hingearbeitet haben. Denn es erwartet einen nicht weniger, als ein bis in die letzte Ecke durchdesigntes Fitness-Studio, das mit einer Mischung aus Turnhallen-Flair, Wohnzimmer-Feeling und Industrie-Chic optisch mehr als zu überzeugen weiß.

Doch wer steckt hinter dem stylischen Ambiente? Was unterscheidet die Fitnesskette konzeptionell von anderen Clubs in und außerhalb Düsseldorfs? Und warum findet man – scheinbar – weit und breit kein Personal im Studio? Fragen über Fragen, denen die fitness MANAGEMENT international vor Ort in Düsseldorf nachgegangen ist.

Ein Club ohne Personal? Nicht ganz.
Timo Garrels, Regional Manager bei EVO, muss uns mit seinem
Transponder zuerst Zugang zum Club verschaffen. Die Einlasskontrolle erinnert optisch an einen Flughafen-Bodyscanner und hat einen ganz pragmatischen Grund, wie er gleich am Anfang erklärt. „Wir bei EVO kommen am Empfang ohne Personal aus – daher diese Art des Einlasses.” Und in der Tat: Service am Empfang und auch Büros mit Angestellten sucht man erstmal vergeblich. „Jeder, der bei uns trainiert, hat seine Mitgliedschaft vollautomatisiert online abgeschlossen.“ Die Digitalisierung macht es möglich. Und auch beim Personal Training, auf das EVO wie kaum ein zweites Ketten-Konzept in Deutschland setzt, läuft die Buchung über die Studio-App vollkommen digital ab. „Unsere Mitglieder sind sehr fitnessaffin und bringen in der Regel großes Vorwissen mit. Dennoch wird unser betreutes Training als Zusatzleistung sehr gut angenommen. Personal Training ist einer der Grundpfeiler unseres Konzepts.”

Dreidimensionales Training statt Bizepsmaschine
Sieht man sich die Ausstattung des Clubs genauer an, wird einem schnell klar, warum Personal Training bei EVO häufig nachgefragt wird. Bis auf den Cardiobereich, sind konventionelle Geräte Mangelware. „Wir wollen den Menschen wieder Bewegungen und Abläufe beibringen, die natürlich sind. Vieles, was wir in den ersten Jahren unseres Lebens motorisch erlernt haben, haben wir im Laufe der Jahre wieder verlernt. Viele Bewegungen sind uns fremd”, ist sich der Regional Manager und MBA-Absolvent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement DHfPG sicher. Daher setzt man weniger auf Wadenheben an der Maschine und isoliertes Bizepstraining, sondern auf funktionelles Training und Geräte mit dreidimensionalen Seilzügen. Zur korrekten Ausführung diese Art von Übungen und Geräte bedarf es jedoch entweder ein großes Trainings-Know-how oder eine individuelle Betreuung. Letztere wird laut EVO im Vergleich zu anderen Anbietern überdurchschnittlich oft gebucht. Kostenpunkt pro Stunde der freiberuflichen Trainer, die lediglich eine Miete an EVO abführen: 90 bis 100 Euro.

Neighbourhoodclub für junge und ambitionierte Zielgruppe
Da sich einen derartigen Stundensatz – plus 49 Euro Monatsbeitrag – nicht jeder leisten kann, findet man EVO in Düsseldorf in einem Umfeld mit entsprechender Einkommensstruktur. Die Fitnesskette legt dabei nicht nur Wert auf die Sozialstruktur seines Standortes, sondern will vor allem eines sein: Neighbourhood Club. „Seien wir ehrlich: man kann noch so gut, noch so stylish sein – wenn die Lage am Ende nicht gut ist, wird es für jedes Fitness-Studio schwer. Daher platzieren wir unsere Clubs dort, wo viele Menschen wohnen, die potenzielle Kunden für unser Konzept sind. Das haben wir in Düsseldorf innenstadtnah geschafft, in Berlin-Mitte ebenfalls und wir werden dieses Lagen-Konzept auch in anderen Städten weiterverfolgen.”

Langzeitverträge? Fehlanzeige.
Es sind jedoch nicht nur das stylishe und junge Ambiente sowie die exponierte Lage, auf die EVO Fitness setzt. Die Fitnesskette ist ein Vorreiter in der Vertragsgestaltung. Jahresverträge? Fehlanzeige. Sechs Monate Bindung? Für EVO veraltet. Die Kette, deren Mitglieder durchschnittlich 30 Jahre alt und zu 60 Prozent weiblich sind, setzt auf absolute Flexibilität. Verträge gibt es zwar, diese können jedoch monatlich gekündigt werden. Die Argumentation der Kette: Wer flexible Kunden ansprechen will, muss auch Flexibilität vorleben. Ob sich das Konzept auch betriebswirtschaftlich rechnet? Timo Garrels meint ja. „In Skandinavien gibt es bereits mehrere EVO-Clubs. Dort hat man in einer Untersuchung herausgefunden, dass die Fluktuation bei einer monatlich kündbaren Mitgliedschaft nicht höher ist als bei langfristigen Laufzeiten. Der moderne Kunde schätzt Flexibilität, und wir überzeugen mit Leistung.” Eine Kündigungswelle in den Sommermonaten habe EVO bisher noch nicht erlebt.

Voll auf Wachstumskurs
Momentan zählt das aus Skandinavien stammende Konzept, das in Deutschland als Lizenzsystem von Holmes Place und der Beteiligungsgesellschaft Auctus betrieben wird, zwei Studios. Für dieses Jahr sollen noch weitere Clubs in den Größenordnungen von 500 bis 700 Quadratmetern folgen. „Ganz oben auf unserer Liste stehen Städte wie München, Frankfurt und Hamburg, aber bspw. auch Wiesbaden”, verrät Timo Garrels. Durch das klare Konzept, aber auch, weil in den Clubs kein festangestelltes Personal beschäftigt wird und in Deutschland neben Garrels nur noch zwei weitere Mitarbeiter für EVO tätig sind – die Verwaltung erfolgt automatisiert, die Personal Trainer sind Freiberufler – lässt sich das Konzept vergleichsweise einfach skalieren. „So flexibel unsere Kunden und unsere Vertragsmodalitäten auch sein mögen, bei der Expansion planen wir weit im Voraus.” Das mittelfristige Ziel von EVO in Deutschland: 30 Clubs. Scheinbar kennt auch Flexibilität seine Grenzen
www.evofitness.eu.

 

fMi: Was hat Sie in die Fitnessbranche verschlagen?
Timo Garrels: Ich habe eine Sportschule besucht und dort mein Sportabi gemacht. Parallel habe ich bereits in einem Fitness-Studio als Trainer gearbeitet – ein klassischer Einzelbetrieb. Während meiner Zeit im Zivildienst hat mir dann die geistige Herausforderung gefehlt. Ich entschied mich für ein Jura-Studium, das mir jedoch zu trocken war. Ich wollte zurück in die Fitnessbranche und bin dann glücklicherweise auf die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement gestoßen, an der ich ein duales Studium der Fitnessökonomie absolviert habe. Meinen Praxisteil habe ich zu dieser Zeit bei Kieser Training absolviert.

... wo Sie relativ schnell Betriebsleiter geworden sind?
Genau! Durch einen Personalwechsel hat sich die Gelegenheit ergeben, die ich genutzt habe. Damit hatte ich dann gleichzeitig die Chance, mich für den MBA bei der DHfPG einzuschreiben. Im Laufe der Zeit bin ich dann auf EVO gestoßen. Es hat mir in den Fingern gejuckt, Teil dieses innovativen Konzepts zu werden und etwas aufzubauen. Das MBA-Studium hatte mir das entsprechende Know-how an die Hand gegeben, um dafür auch qualifiziert zu sein.

Sie können in jungen Jahren schon auf einen beachtlichen Werdegang verweisen. Welchen Anteil hat der Bachelor und der MBA an der DHfPG für Ihren beruflichen Erfolg in der Fitnessbranche?
Einen entscheidenden. Sowohl im internationalen Umfeld – unsere Marketing-Abteilung sitzt in Portugal, unser Fitness-Direktor in England, der urspüngliche Teil von EVO in Skandinavien – als auch im Projektmanagement bzw. bei Cluberöfffnungen. Das Studium an der DHfPG bereitet einen genau auf diese Tätigkeitsfelder vor. Das, was ich an theoretischem Wissen an der DHfPG lernte, kann ich umgehend im Betrieb umsetzen und damit schnell Erfolge feiern. Das ist motivierend und bringt sowohl meinem Arbeitgeber, als auch mir persönlich einen riesigen Mehrwert.

Können Sie einen bestimmten praktischen Vorteil des Studiums an der DHfPG beschreiben?
Am meisten brachten mich die Fallstudien innerhalb des MBA-Studiums weiter. Case Studies helfen einem enorm dabei, lösungsorientiert und vielschichtig zu arbeiten. Und genau das benötige ich bei meiner Arbeit bei EVO.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der fMi 05/2017 Leseprobe & für Abonnenten EXKLUSIV vorab.

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