Fitness | Autor: Michèle Dellsperger |

Effektivität von Ganzkörper-EMS-Training

Ganzkörper-EMS-Training hat sich in der Fitnessbranche längst in Form von spezialisierten Mikrostudios oder als Zusatzangebot in konventionellen Fitness- und Gesundheitsanlagen etabliert. Die Praxis ist dabei der Wissenschaft häufig voraus, weshalb sich in dieser Abschlussarbeit der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) den wissenschaftlich belegten Effekten gewidmet wurde.

Effizienz von Ganzkörper-EMS-Training: Übersicht zum aktuellen Forschungsstand

Hintergrund

In der Fitness- und Gesundheitsbranche gibt es heute eine Vielzahl verschiedener Anbieter für EMS-Training: spezialisierte Mikrostudios, Personal Trainer und konventionelle Fitnessstudios, die diese Trainingstechnologie ausschließlich anbieten oder als Zusatz zum konventionellen Krafttraining (z. B. als Shop-in-Shop-Konzept) in ihre Serviceleistung integriert haben.

Primär kommt hier die sogenannte Ganzkörper-Elektromyostimulation (engl.: wholebody electromyostimulation; kurz: WB-EMS) zum Einsatz, die sich von einer lokalen EMS-Anwendung unterscheidet.

Die Anbieter von WB-EMS im Fitnessbereich bestätigen die Effektivität und Vorteile dieser Trainingsform zwar aus praktischen Erfahrungen, jedoch können diese nur teilweise durch empirische Befunde nachgewiesen werden.

Die Forschung im Bereich WB-EMS befindet sich noch immer im Anfangsstadium, weshalb ihr die Trainingspraxis in vielen Punkten häufig voraus ist oder die wissenschaftlichen Ergebnisse zumindest nicht flächendeckend bekannt sind.

Daher ergab sich als Ziel dieser Abschlussarbeit, durch eine themenspezifische Studienrecherche und -analyse einen Überblick über die für die Fitnessbranche relevanten Effekte von WB-EMS zu schaffen.

Außerdem sollte auf Basis der identifizierten Studien geprüft werden, ob eine Aktualisierung der existierenden Handlungsempfehlungen für die Anwendungspraxis des WB-EMS notwendig ist.

Methodik

Zur Identifikation der relevanten Studien fand eine Recherche mit spezifischen Suchbefehlen in den einschlägigen elektronischen Datenbanken statt. Es wurden sämtliche in englischer und deutscher Sprache veröffentlichte klinische Humanstudien analysiert, die sich inhaltlich speziell auf WB-EMS bezogen und den vorher definierten Ein- und Ausschlusskriterien entsprachen.

Für die Analyse wurde nur Primärliteratur berücksichtigt, wodurch beispielsweise Reviews, Metaanalysen, Fallberichte oder Konferenzabstracts nicht miteinbezogen wurden. Ebenfalls keine Berücksichtigung fanden Studien, die mit TENS-ähnlichen Geräten (engl.: transcutaneous electrical nerve stimulation; dt.: elektromedizinische, meist lokal angewendete Reizstromtherapie) durchgeführt wurden oder deren Untersuchungsschwerpunkt auf WB-EMS im Kontext der Therapie lag.

Vor dem Hintergrund einer hohen Innovationsdynamik in Forschung und Lehre fanden für die Beantwortung der Fragestellung explizit nur neuere Studien, das heißt wissenschaftliche Publikationen der letzten zehn Jahre, genauere Betrachtung.

Letztendlich wurden zur Beantwortung der Forschungsfrage 44 Studien ausgewertet, die sich speziell auf die Wirkungen von WB-EMS als Trainingsform beziehen.

Ergebnisse

Die Auswertung der gewählten Studien belegte die Effizienz von WB-EMS als zeitsparende, individuell anpassbare und gelenkschonende Trainingstechnologie mit (signifikant) positiven Effekten hinsichtlich der Verbesserung diverser Kraft- und Leistungsparameter sowie der Parameter der Körperzusammensetzung für verschiedene Altersklassen ab 18 Jahren. Hinzu kommen gesundheitsprotektive Auswirkungen auf Blutparameter sowie neuronale und hormonelle Anpassungen (vgl. Abb. 1).

Hinsichtlich der Handlungsempfehlungen für EMS-Trainer ist gegenwärtig keine Aktualisierung nötig. Die Richtlinien zur sicheren Anwendung von WB-EMS als Trainingstechnologie wurden von Kemmler et al. (2016) ausgearbeitet und sind in Anbetracht der vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse weiterhin aktuell sowie in ihrem Umfang ausreichend formuliert.

Fazit

Nach derzeitiger Studienlage kann WB-EMS für die Verbesserung der Kraftleistung und Körperkomposition eine zeitökonomische Alternative zum konventionellen Krafttraining sein.

Neben der alleinigen Ausführung eignet sich WB-EMS jedoch auch als sinnvolle Ergänzung zum Fitnesstraining. Die kombinierte Anwendung von WB-EMS und konventionellem Krafttraining brachte in nahezu allen untersuchten Bereichen größere Anpassungseffekte mit sich als die alleinige Durchführung der jeweiligen Trainingsformen.

Da die Kombination von WB-EMS und Krafttraining hinsichtlich umfangreicher Trainingsziele nachweislich effektiv ist, stellt diese zeiteffiziente Trainingsform eine sinnvolle und vielseitig einsetzbare Ergänzung für Fitness- und Gesundheitseinrichtungen dar, die bisher noch kein WB-EMS anbieten.

Aufgrund der Besonderheiten und potenziellen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus bei der praktischen Anwendung von Elektromyostimulation sowie zur Einhaltung der in diesem Kontext geltenden Gesetzesgrundlage, sollte hier unbedingt auf adäquat ausgebildete EMS-Trainer geachtet werden.

Damit kann gewährleistet werden, dass die wissenschaftlich belegte Effektivität dieser Trainingsform auch sicher in der Praxis erreicht werden kann.

Michèle Dellsperger

Alter: 38
Duales Studium: Bodystreet Ottobrunn
Abschluss: B. A. Fitnessökonomie (DHfPG)
Aktuelle Tätigkeit: Social-Media-Manager und IT-Consultant (User Adoption, Ausbildungs-Workshops)

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi 04/2020

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fMi 04/2020

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