Fitness, Markt, DSSV | Autor: Florian Kündgen |

Positive Tendenz trotz hoher Mitgliederverluste

Neben der jährlichen Studie 'Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft' hat der DSSV e. V. beschlossen, auch quartalsweise Daten zu erheben. Ziel ist es, die durchaus drastischen Auswirkungen der Corona-Krise auf die deutsche Fitness- und Gesundheitsbranche festzustellen. Hierfür wurde in Kooperation mit dem DSSV-Bildungspartner, der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG), sowie dem Fachmagazin und offiziellen DSSV-Organ fitness MANAGEMENT international eine Online-Befragung unter den Fitnessstudiobetreibern durchgeführt. Florian Kündgen, stellvertretender Geschäftsführer des DSSV, präsentiert Ihnen die Ergebnisse der Untersuchung.

DSSV-Studie zur Entwicklug der deutschen Fitness-Wirtschaft

Die behördlich angeordneten Schließungen ab November 2020 hatten auch im ersten Halbjahr 2021 negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Mitgliederzahlen in der deutschen Fitness- und Gesundheitsbranche.

Um diese Effekte zu beleuchten, wurde im Rahmen der Befragung stets der 30. Juni 2021 als Stichtag festgesetzt. Allein im ersten Quartal 2021 hat die Branche zusätzlich zu einem Rückgang von 11,6 Prozent im Jahr 2020 weitere 13,0 Prozent der Mitglieder einbüßen müssen.

Die Hauptgründe sind primär die natürliche Fluktuation sowie das Ausbleiben von Neumitgliedern als Kompensation. Besonders in den für gewöhnlich abschlussreichen Monaten zu Beginn eines Jahres waren die Schließungen der Studios umso schmerzlicher für die Betreiber.

Das Rekordhoch von 11,66 Millionen Mitgliedern per Dezember 2019 wurde so weiter geschmälert auf 9,28 Millionen Mitglieder (-20,4 % ggü. Dezember 2019). Trotz alledem blieb die Branche zuversichtlich und konnte seit der Wiedereröffnung im Frühsommer 2021 dem Abwärtstrend entgegenwirken.

Durchschnittlicher Nettozuwachs von 33 Mitgliedern pro Anlage im zweiten Quartal

Interessant ist die Beobachtung, dass sich die Ketten schneller zu erholen scheinen und – insbesondere im Vergleich vom ersten zum zweiten Quartal 2021 – einen Mitgliederzuwachs von 3,8 Prozent generierten. In absoluten Zahlen sind das rund 84 Mitglieder netto pro Anlage, die in diesem Zeitraum dazugewonnen werden konnten, wohingegen der Durchschnitt bei den Einzelstudios ca. 26 neue Mitglieder im zweiten Quartal beträgt (Mikrostudios: +4 Mitglieder; EMS: +7 Mitglieder; Durchschnitt Gesamtmarkt: +33 Mitglieder). Zu begründen ist dieser deutlich höhere Zuwachs bei den Ketten mit umfangreich durchgeführten Werbe- und Sonderaktionen, wie bspw. einer beitragsfreien Zeit bei Neuabschluss.

Positive Entwicklung im EMS-Segment

Im ersten Halbjahr 2021 hat sich das EMS-Segment überdurchschnittlich positiv entwickelt. Während sie von Schließungen im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 weitestgehend verschont geblieben sind, waren die EMS-Anbieter im jüngsten Lockdown dennoch betroffen. Nichtsdestotrotz war weiteres Wachstum zu verzeichnen – insbesondere vom ersten zum zweiten Quartal 2021 steht das EMS-Segment mit einem Mitgliederwachstum von 5,8 Prozent relativ gut da. Somit ist es auch kaum verwunderlich, dass die EMS-Betreiber ihre Zukunft als sehr positiv einschätzen. Zum Zeitpunkt der Erhebung gehen sie davon aus, dass sie bereits in vier Monaten, sprich Ende Oktober 2021, wieder das Mitgliederniveau von Dezember 2019 erreicht haben.

Rückkehr zum Ursprungsniveau wird schätzungsweise bis zu zwei Jahre dauern

Die Ketten, die im Vergleich zu Dezember 2019 über eine Million Mitglieder weniger zählen und damit den mit Abstand größten Mitgliederverlust verzeichnen, gehen davon aus, dass sie in 1,5 Jahren wieder das Ursprungsniveau (Dezember 2019) erreicht haben werden. Die Einzelbetreiber haben zwar deutlich weniger aufzuholen, sind jedoch skeptischer. Sie gehen von einer Dauer von zwei Jahren aus, bis die Mitgliederzahl von Dezember 2019 wieder erreicht sein wird. Über alle Anlagen hinweg schätzen die Betreiber im Durchschnitt, dass die Branche bis zu zwei Jahre benötigen wird, um sich von den Auswirkungen der behördlich angeordneten Schließungen zu erholen. Alle oben genannten Zeitspannen basieren auf der Annahme, dass kein weiterer Lockdown erfolgen wird bzw. keine weiteren Schließungen der Fitness- und Gesundheits-Anlagen behördlich angeordnet werden.


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Verhalten optimistische Aussichten für die kommenden zwölf Monate

Trotz aller Rückschläge zeichnet sich der Blick in die Zukunft positiv: 71,8 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Situation in den kommenden zwölf Monaten „eher verbessern“ oder „verbessern“ wird. Insbesondere im EMS-Segment liegt diese Quote mit 98,6 Prozent besonders hoch, gefolgt von den Kettenbetreibern mit 75,3 Prozent. Lediglich im Mikro-Segment sowie unter den Einzelstudiobetreibern sind die Befragten mit leicht positiver Tendenz eher geteilter Meinung.

Impfquote in der Fitnessbranche höher als in Deutschland

Über die Altersgruppen der Fitnessstudiomitglieder wurden anhand der Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) die Impfquoten in den Segmenten, Bundesländern sowie für die gesamte Fitness- und Gesundheitsbranche näherungsweise ermittelt. Dabei wird ersichtlich, dass der Anteil der geimpften Personen, die Mitglied in einem Fitness- und Gesundheitsstudio sind, höher ist als die Impfquote in ganz Deutschland. Der Anteil der mindestens einmal geimpften Fitnessstudiomitglieder liegt mehr als drei Prozentpunkte, der Anteil der vollständig Geimpften sogar mehr als fünf Prozentpunkte über der Bundesquote. Zu erklären ist die höhere Impfquote unter den Mitgliedern dadurch, dass diese Personen eher auf ihre Gesundheit achten: zum einen aufgrund des Betreibens von präventivem Training im Fitnessstudio, zum anderen aber auch aufgrund von Maßnahmen, wie beispielsweise dem Impfen.

2G-/3G-Regel könnte Umsatzverluste in Milliardenhöhe verursachen

Trotz der positiven Tendenzen gilt Vorsicht. Durch die Entscheidung der Politik für die sogenannte 2G- bzw. 3G-Regel in Kombination mit den kostenpflichtigen Tests könnte der Fitness- und Gesundheitsbranche ein Umsatzverlust von weiteren 1,3 Milliarden Euro drohen. In vielen Regionen sind Corona-Tests für nicht geimpfte Personen Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Fitness- und Gesundheitsdienstleistungen in den Anlagen. Ab dem 11. Oktober 2021 sollen diese kostenpflichtig sein. Damit werden für die Endverbraucher finanzielle Hürden aufgebaut, die ihnen den Zugang zu Gesundheits- und Bewegungsangeboten erschweren. Insbesondere sozial schwächer gestellte Menschen müssen in der Folge auf die Inanspruchnahme von Fitness- und Gesundheitsdienstleistungen verzichten, was ein Mitgliederrückgang von bis zu 34 Prozent zur Folge haben könnte.

Vor diesem Hintergrund sieht der DSSV e. V. als Europas größter Arbeitgeberverband für die Fitness-Wirtschaft eine klare Fürsorgepflichtverletzung für das Wohlergehen der gesamten Bevölkerung seitens der Regierung. Der Druck auf Ungeimpfte, den sich die Politik durch die Maßnahmen erhofft, lastet auf den Schultern der Endverbraucher sowie der betroffenen Unternehmen und führt genau zum Gegenteil: Nicht mehr, sondern weniger Menschen werden sich gesund halten können, wenn der wissenschaftlich belegte gesundheitsprotektive und krankheitspräventive Nutzen eines regelmäßigen Fitnesstrainings nicht mehr für alle Bürger gleichermaßen zur Verfügung steht. 

Die Forderung des DSSV an die Politik

Der DSSV tritt mit einer klaren Forderung an die Politik heran: Allen Menschen muss weiterhin der Zugang zu einem gesundheitsfördernden Training in einer Fitness- und Gesundheits-Anlage ermöglicht werden, ohne dass den Verbrauchern für diese Gesundheitsdienstleistung zusätzliche Kosten entstehen. Sollte dies nicht berücksichtigt werden, wird diese Entscheidung der Politik in einer wirtschaftlichen Katastrophe für die Fitness- und Gesundheitsbranche resultieren. Weiter wird der gesundheitliche Schaden in der Bevölkerung das Gesundheitssystem auf mittel- und langfristige Sicht zusätzlich belasten. Dieser Entwicklung muss entgegengewirkt werden. Fitness- und Gesundheitstraining muss der Bevölkerung niederschwellig – insbesondere ohne finanzielle Hürden – und jederzeit zugänglich gemacht werden.

Fazit

Die behördlich angeordneten Schließungen 2021 haben sich negativ auf die Fitness- und Gesundheitsbranche ausgewirkt und zu weiteren Mitgliederverlusten von 9,9 Prozent im ersten Quartal geführt. Positiv festzuhalten ist, dass eine Trendwende stattgefunden hat: Im Vergleich vom ersten zum zweiten Quartal konnten wieder Mitglieder gewonnen werden. 

Dies zeigt, dass die Fitness- und Gesundheitsbranche bei der breiten Bevölkerung Zuspruch findet und viele der Mitglieder, die im Lockdown gekündigt haben, zurück in die Studios kommen. Gleichzeitig haben Personen, die bislang nicht als Mitglieder in Erscheinung getreten sind, durch den Lockdown den gesundheitsprotektiven Nutzen eines Trainings erkannt und sich bewusst für ein Training in Fitness- und Gesundheits-Anlagen entschieden. Entsprechend positiv blicken die Betreiber in die Zukunft, wobei es nach deren Einschätzung noch mehrere Monate bzw. Jahre dauern wird, bis das Mitgliederniveau von 2019 wieder erreicht ist. 

Zusätzlich ist die tatsächliche Ausführungsverordnung der 2G-/3G-Regel entscheidend dafür, wie sich der aktuell positive Trend bis zum Jahresende weiterentwickeln wird.

Der DSSV setzt sich weiter für die Branche ein, um die Entwicklung so positiv wie möglich zu gestalten. Danke für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung.

Methodik

Die Datenerhebung erfolgte vom 30. Juni bis einschließlich 3. August 2021. An der Befragung haben sich insgesamt 543 Betreiber beteiligt, was einer Stichprobe von 1.120 Fitness- und Gesundheits-Anlagen entspricht. Der notwendige Rücklauf für eine statistische Repräsentativität der Daten (620) ist damit (über-)erfüllt. Die Teilnahmequote bezogen auf die Gesamtheit der Fitness- und Gesundheits-Anlagen in Deutschland beträgt 11,7 Prozent. Die Daten zu den Impfquoten stammen vom Robert Koch-Institut (RKI), Stand: 31. August 2021.


Über den Autor

Florian Kündgen ist stellvertretender Geschäftsführer des DSSV e. V. Des Weiteren arbeitet er als Dozent für die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG). Als freier Mitarbeiter ist er im Bereich Unternehmensbewertungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen von Fitness- und Gesundheits-Anlagen sowie im Bereich der steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Beratung tätig.


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