Events, Gesundheit, Anzeige | Autor: fM Redaktion |

Podiumsdiskussion: Weniger Bürokratie dank Blankoverordnung?

Zusammenarbeit im berufsübergreifenden Dialog: Auf den Fachmessen MEDIZIN und TheraPro in Stuttgart wird am 8. Februar 2020 über die Auswirkungen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes für Ärzte und Therapeuten informiert.

Die Blankoverordnung

Die Blankoverordnung soll für weniger Bürokratie sorgen. Doch was wird sich genau ändern?

Mit diesen Fragen wird sich die interprofessionelle Podiumsdiskussion beim Fachmessen-Doppel MEDIZIN und TheraPro 2020 auseinandersetzen. (Lesen Sie dazu auch  Austausch und Vernetzung stehen im Fokus der TheraPro 2020.)

„Die Blankoverordnung kommt“ – und dann?

Erklärtes Ziel der Blankoverordnung ist die raschere und bessere Versorgung der Patienten. Im Mai 2019 ist das Terminservice- und Versorgungsgesetz in Kraft getreten und sieht dazu unter anderem vor, Therapeuten mit größerer Behandlungsautonomie auszustatten.

Angestrebt wird „eine Versorgungsform, bei der die Heilmittelerbringer aufgrund einer durch einen Vertragsarzt festgestellten Diagnose und der Indikation für eine Heilmittelbehandlung selbst über die Auswahl und die Dauer der Therapie sowie die Frequenz der Behandlungseinheiten bestimmen können“ – so der Wortlaut des im TSVG geänderten §125a SGB V. Der Gesetzgeber sieht vor, entsprechende Verträge zwischen den Spitzenverbänden zur sogenannten „Blankoverordnung“ bis Mitte November 2020 zu schließen.

Eine Gemeinschaftsveranstaltung der Fachmessen MEDIZIN und TheraPro informiert über die vieldiskutierte Neuregelung, die Ärzte und Therapeuten gleichermaßen vor Herausforderungen stellt, aber auch durchaus Chancen auf höhere Effizienz im Gesundheitssystem bietet.


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Heilmittelerbringer näher dran am Patienten

Bislang seien die Heilsmittelerbringer  bei der medizinisch sinnvollen Behandlung von Patienten an ein „starres bürokratisches Korsett“ gebunden, so der Hamburger Physiotherapeut und Osteopath Uwe Harste, der an der Podiumsdiskussion „Die Blankoverordnung kommt“ des Georg Thieme Verlags und der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg teilnimmt.


"In der Regel ist der Heilmittelerbringer schlicht näher dran am Patienten und kann dessen Fortschritte im Heilungsprozess direkt beurteilen. Deshalb ist es ein wichtiger Schritt, dass hier nun Freiräume geschaffen werden, um Patienten angemessen versorgen zu können. Damit verschiebt sich auch die Verantwortung für die Wirtschaftlichkeit, was ich jedoch ebenfalls befürworte: Nicht selten wurde in der Vergangenheit durch unnötige Leistungen Geld verschwendet – andererseits mussten Therapeuten, die nach eigener Erfahrung und praktischem Know-how effektiv behandelten, Retaxationen durch die Kassen fürchten. Die Blankoverordnung löst somit viele Probleme auf einmal.“


Uwe Harste, Physiotherapeut und Osteopath

Einen Wermutstropfen sei jedoch, dass ein Direktzugang zu den Therapeuten weiterhin nicht geplant ist.

 

Koordination zwischen Patient, Arzt und Therapeut

Auch Dr. Norbert Metke, Vorstandvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) und Impulsreferent der Veranstaltung, begrüßt „grundsätzlich die sogenannteBlankoverordnung, in welcher der Physiotherapeut abhängig vom Verlauf einer Erkrankung die Behandlung selbst auswählt“.

Kritisch hingegen sieht er, dass es gerade im längerfristigen Verlauf von Krankheiten stets mehrere Therapiemöglichkeiten gebe, die neben der Heilmittelanwendung etwa Gespräche, Medikationen oder eine operative Versorgung umfassten.


„Die Auswahl, welche Therapie für die spezifischen Beschwerden des Patienten geeignet ist, hat in Abwägung zueinander alleine der Arzt erlernt.“


Dr. Norbert Metke, Vorstandvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW)

Zu Bedenken sei auch, dass „bei fehlgeschlagenen Behandlungsverläufen zukünftig nicht mehr der Arzt alleine, sondern schwergewichtig der Physiotherapeut haftet. Dennoch gehe ich davon aus, dass der Großteil der Physiotherapeuten im Land auch zukünftig die bisherig bewährte Koordination zwischen Patient, Arzt und Physiotherapeut wählen wird.“

Eines ist sicher: Die Gesetzesänderung wird dem berufsübergreifenden Dialog höheres Gewicht verleihen – wenn auch die Blickwinkel naturgemäß etwas unterschiedlich sind. Die Besucher dürfen sich also auf eine sehr lebhafte Diskussion freuen.

Veranstaltungstermin auf der Messe Stuttgart

Die Veranstaltung findet statt am Samstag, 8. Februar 2020, um16:30 Uhr im Raum C9.2, ICS Internationales Congresscenter auf der Messe Stuttgart.

Weitere Informationen unter MEDIZIN und TheraPro 2020.

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