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„Prävention und Gesundheit haben Priorität“

Silke Frank, Event Director der FIBO, erläutert in einem Interview, in welchen Bereichen für die FIBO 2019 Optimierungen geplant sind und wie das Gesundheitsangebot der Fachmesse besser zur Entfaltung kommen soll.

Die FIBO entwickelt sich von Jahr zu Jahr weiter: Neben dem neuen Design hat es in den vergangenen Jahren viele Veränderungen und auch internationales Wachstum gegeben. FIBO-Chefin Silke Frank erläutert in einem Interview mit der medical fitness and healthcare, in welchen Bereichen für die FIBO 2019 Optimierungen geplant sind und wie das Gesundheitsangebot bei der weltweit größten Fachmesse für Fitness, Wellness und Gesundheit zukünftig besser zur Entfaltung kommen soll.

 

mfhc: Frau Frank, vielen Dank, dass Sie sich für ein Gespräch Zeit nehmen. Bei der FIBO hat es in den vergangenen Jahren viele Veränderungen gegeben, wie z. B. das neue Design 2018. Wie fiel das Feedback bei Besuchern und Ausstellern zu diesen Maßnahmen aus?
Silke Frank: 
Die FIBO hat ihre Position als weltweit führende und wichtigste Leitmesse für die Fachwelt deutlich unterstrichen, in Teilen sogar kräftig ausgebaut. Beispielsweise bei der Zahl der ausstellenden Unternehmen, die um 11,1 Prozent auf 1.133 stieg. Ein Wert, der für eine Messe dieser Größenordnung und Bedeutung im Messegeschäft ungewöhnlich hoch ist. Damit hat sich das Wachstum gegenüber dem Vorjahr nochmals beschleunigt.

Wenn Sie mich fragen, woran das liegt, sage ich: An den drei „Ms“ – dem Markt, den Menschen und der Messe selbst. Der Markt entwickelt sich weiterhin positiv, das Gesundheitsbewusstsein steigt und die Messe hat sich international breiter aufgestellt. Sie verfolgt zwei zentrale Zielsetzungen – mehr Fachbesucher sowie mehr Live-Erlebnisse und Infotainment für die Fitness-Community.

mfhc: Welche Neuerungen hat das FIBO-Team für das Jahr 2019 geplant?
Silke Frank: 
Die Initiativen gehen ganz klar in Richtung weitere Internationalisierung, Stärkung des Fachcharakters und Ausbau der Programmpunkte, die in der Fitness-Community angesagt sind – Infotainment und Edutainment.

Das Thema Ernährung beispielsweise, das wir auf der diesjährigen FIBO mit einer Live-Cooking-Area präsentiert haben, kam richtig gut an. In die Richtung wollen wir weitergehen, weil die Menschen heutzutage auf Messen immer mehr Infos, Unterhaltung und Erlebnisse erwarten, Stichwort: Eventisierung und Festivalisierung.

Gleichzeitig wollen wir den Fachcharakter stärken. Das Thema Medical Fitness und Physiotherapie beispielsweise müssen wir wieder stärker zur Geltung bringen und sichtbarer machen – bundesweit wie auch regional.

mfhc: Aus welcher Richtung kam der Impuls zu dieser Entscheidung?
Silke Frank: 
Speziell im Bereich Physiotherapie hat niemand etwas davon, wenn sich der Messemarkt unnötig zerfasert. Das geht nur zu Lasten der Aussteller. Ich erwarte, dass sich der Markt auch wieder konsolidiert. Schließlich tragen nicht alle Blütenträume Früchte.

Unser Anspruch ist ganz eindeutig: Wir wollen im Einzugsbereich Nordrhein-Westfalen die Nummer 1 sein.

mfhc: Inwieweit haben diese Neuerungen Einfluss auf das Gesamtkonzept der FIBO in Köln?
Silke Frank: 
Sie haben Einfluss auf die Kundenzentrierung und auf das, was die Kollegen im Marketing gerne als Customer Experience bezeichnen. Wie wird die Marke FIBO in den unterschiedlichen Zielgruppen eigentlich wahrgenommen? Wie wird sie von verschiedenen Besuchergruppen erlebt? Von Geschäftskunden, überwiegend in den sogenannten Nordhallen, von Trainern und Physiotherapeuten, von Power-Besuchern, von LOHAS (Anm. der Redaktion: nach engl. Lifestyle of Health and Sustainability) und so weiter?

Das Bild der FIBO ist in vielen dieser Zielgruppen höchst unterschiedlich. Teilweise müssen wir dieses Image aufarbeiten. Im Zuge des Umzugs von Essen nach Köln – der ein Glücksfall war – hat sich die Wahrnehmung der FIBO teilweise verändert. Das war ein Wachstumsschub, durch den einzelne Segmente in der Sichtbarkeit zum Teil etwas in den Hintergrund traten. Daran müssen wir arbeiten.

mfhc: Der Fitnessmarkt in Deutschland verflechtet sich zunehmend mit dem Gesundheitsmarkt, was auch staatlich begünstigt wird, z. B. durch das Präventionsgesetz. Wird sich dieser Trend auch verstärkt im Messekonzept der FIBO widerspiegeln?
Silke Frank: 
Das Thema Prävention und Gesundheit ist für uns seit vielen Jahren prioritär. Denken Sie an den Kongress, die Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) und natürlich an die breite Front der Aussteller in Halle 7. Wir müssen es sicher weiter ausbauen. Ebenso wichtig ist es, wie ich bereits sagte, dass wir das, was wir haben, auch sichtbarer machen und zeigen.

mfhc: Auf den anhaltenden EMS-Boom hat die FIBO 2016 mit einer eigenen EMS-Halle reagiert. Die vielfältigen Angebote für den Bereich Medical Fitness, den 2. Gesundheitsmarkt und auch das Betriebliche Gesundheitsmanagement lassen sich nicht so klar vom klassischen Fitnessangebot unterscheiden wie z. B. der EMS-Bereich. Gibt es schon Konzepte, diese Angebote des Gesundheitsbereiches für Besucher und Aussteller gleichermaßen kompakt und übersichtlich zu präsentieren?
Silke Frank: 
Wie Sie selbst sagen, ist die EMS-Halle ein Glücksfall, weil es sich um eine klar definierte Produktgruppe handelt, die sich messeseitig als Ganzes homogen darstellen lässt. Beim Thema Gesundheit ist es weitaus heterogener und auch konzeptionell schwieriger, weil es viel damit zu tun hat, wie sich Unternehmen am Markt positionieren. Die Grenzen zum klassischen Fitnessbereich sind hier oftmals fließend. Insofern wird es nicht damit getan sein, eine Halle als „Gesundheitshalle“ zu deklarieren. Das kann zwar im Kernsegment hilfreich sein, muss aber so offen gestaltet sein, dass es niemanden ausschließt, der nicht in dieser Halle steht.

Viele Physiotherapeuten entdecken häufig erst beim ersten Besuch der FIBO, wie viel Gesundheit in der Messe steckt. Daran müssen wir arbeiten, Stichwort: Umparken im Kopf.

mfhc: Darüber hinaus zählen digitale Angebote und auch Boutique-Fitness-Angebote zu den weltweiten Trends. Wie wird die FIBO auf diese Trends mit ihren vielen Facetten und allgemein auf die weitere Diversifizierung des Marktes mit Nischenkonzepten reagieren?
Silke Frank: 
Digitalisierung, smarte Sportkleidung, ganzheitliche Ernährung, Boutique-Angebote und Aqua-Fitness – um nur einige Beispiele zu nennen – sind Themen, denen wir auf der FIBO einen breiten Raum geben und auch medial viel Aufmerksamkeit widmen, weil das Thema Trend-Scouting einen großen Impact für den Stellenwert der FIBO als Messe der Neuheiten hat. Viele Trends – denken Sie an die Powerplate, an Zumba oder zuletzt EMS – haben auf der FIBO ihren Siegeszug angetreten. Das war in der Vergangenheit so. Und das wird auch in Zukunft so sein.

mfhc: In diesem Jahr liegt ein Fokus bei Reed Exhibitions auf der internationalen Expansion der Marke FIBO, die inzwischen auf vier Kontinenten vertreten ist. Welches Fazit können Sie für die FIBO Shanghai ziehen, die erstmals in einer neuen Location stattfand?
Silke Frank: 
Es war eine strategisch absolut richtige Entscheidung, mit der FIBO in See zu stechen und in Shanghai vor Anker zu gehen. Seit der Premiere 2014 hat sich die Zahl der Besucher auf 24.000 versechsfacht. Diese Entwicklung ist wirklich phantastisch und zieht immer größere Kreise. Das unterstreicht auch die Beteiligung der Aussteller, unter anderen von Branchengrößen wie Technogym, Matrix, Precor, Life Fitness, SportsArt, DHZ Fitness, miha bodytec, IronMaxx oder Olimp. Von daher ziehen wir ein durchgängig positives Fazit.

mfhc: Ende Oktober fand die FIBO Global Fitness Africa in Johannesburg statt und mit der FIBO USA steht Anfang Dezember in Orlando eine internationale Premiere an. Wie eng arbeiten Sie mit den Kollegen vor Ort zusammen? Wie laufen die Vorbereitungen?
Silke Frank: 
Die FIBO ist weltweit eine Marke, der Veranstalter dahinter vielfach eher ein unbekannter Riese. Von daher ist es wichtig zu wissen, dass Reed Exhibitions weltweit in 42 Nationen agiert und mehr als 500 Messen an 100 verschiedenen Standorten veranstaltet. Was ich sagen will: Wir sind kein eurozentriertes Unternehmen mit einem Headquarter, von dem aus alles zentralisiert gesteuert wird. Darin liegt ein großer Unterschied zu anderen Messeunternehmen. Wir verfügen stattdessen über 37 eigenständige Business-Units, die projektbezogen zusammenarbeiten und nicht über einen Knotenpunkt agieren. Weitere Einzelheiten zur Organisationsstruktur möchte ich Ihnen gerne ersparen.

Es gab sogar eine weitere Premiere, wenn man Mexiko dazuzählt, wo wir vor wenigen Wochen eine „powered by FIBO“-Veranstaltung mit großem Erfolg durchgeführt haben.

mfhc: Wie lief es in Johannesburg und was erwartet die Besucher in Orlando?
Silke Frank: 
Es erwartet sie eine auf den jeweiligen Markt zugeschnittene Veranstaltung. Denn es ist Teil unserer Philosophie, Messen – auch wenn sie wie die FIBO weltweit bekannte Brands sind – nicht einfach eins-zu-eins zu übertragen, sondern sie auf die jeweiligen Märkte und Intentionen der Aussteller einzustellen.

In Johannesburg haben wir 2017 deshalb ganz bewusst einen FIBO Business Summit veranstaltet, der deutlich machte, dass Business die Priorität Nummer 1 hat. Aufgrund des gelungenen Auftakts kombinierten wir den Summit in diesem Jahr mit einem Fitnessfestival, um auch dem steigenden Interesse seitens der Privatbesucher entgegenzukommen.

Die FIBO USA in Orlando dagegen werden sehr viele EMS-Anbieter dazu nutzen, um im amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Denn während das EMS-Training in Deutschland und Teilen Europas – auch ausgehend von der FIBO – zu einem Hype geworden ist, existiert der Markt in den USA praktisch noch gar nicht. Die FIBO USA könnte das ändern. Beispielhaft dafür ist miha bodytec, die gleichzeitig zur FIBO USA eine eigene US-Tochtergesellschaft gründen.

mfhc: Inwieweit kann die FIBO in Köln von der Internationalisierung der Marke FIBO profitieren?
Silke Frank: 
Die Diskussion, ob es eine Weltmesse an einem Ort geben kann, zu der alle Marktteilnehmer aus aller Welt in der ganzen Tiefe und Breite des Marktes kommen, ist in der Messewirtschaft in den 90er Jahren sehr intensiv geführt worden. Die Kollegen der Frankfurter Messe sind bereits vor dreißig Jahren nach vorne gegangen, andere weitaus später und manche müssen jetzt das nachholen, was sie damals zum Teil versäumt haben.

Für uns als global agierender Messeveranstalter, der nicht auf einen Standort zentriert ist, stellte sich diese Frage gar nicht. Deshalb agieren wir in enger Abstimmung mit unseren Ausstellern und definieren Zielmärkte, die interessant sind – entweder, weil sie große Wachstumsraten erwarten lassen oder weil der Marktzugang im Alleingang schwierig ist.

Umgekehrt zahlen die internationalen Aktivitäten auf die FIBO in Köln ein, weil sie Awareness schaffen und Aussteller sowie auch hochinteressante und kaufkraftstarke Besucher aus den jeweiligen Märkten anziehen. Von daher profitieren alle Seiten von dieser Strategie.

mfhc: Können Ihrer Einschätzung nach auch Studiobetreiber und Praxisinhaber in Deutschland und Europa von der internationalen Erfahrung der FIBO profitieren?
Silke Frank: 
Studiobetreiber ganz sicher, weil sie vom Erfahrungsaustausch profitieren und Trends adaptieren können. Wenn ich beispielsweise an das European Health & Fitness Forum denke, dann kommt dort das Who’s Who der weltweiten Branche zusammen und tauscht sich aus. Mit Blick auf Praxisinhaber ist das sicherlich schwieriger, weil deren Geschäft häufig regionaler ist. Hier dürfen wir – eher umgekehrt – über die Internationalität nicht die Regionalität vergessen.

mfhc: Was ist aktuell Ihr persönliches Highlight für die FIBO 2019?
Silke Frank:
Es ist der Blick in die Gesichter von Menschen, die glücklich sind und zufrieden, verbunden mit dem Gefühl, dass die FIBO der Grund dafür ist. Das macht mich dann selbst ganz glücklich.

mfhc: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Über die FIBO
Die FIBO ist die weltweit größte Messe für Fitness, Wellness und Gesundheit: Auf der FIBO in Köln treffen sich die Key-Player der Branche. Hier werden Innovationen auf den Markt gebracht und internationale Trends gesetzt. Hier investiert die Branche. 1.133 Aussteller aus 44 Nationen waren 2018 dabei. Sie kamen mit mehr als 143.000 internationalen Fach- und Privatbesuchern in Kontakt. 2019 findet die FIBO vom 4. bis 7. April auf dem Kölner Messegelände statt. Auftakt der Messe ist das 6. European Health & Fitness Forum, zu dem am 3. April 2019 rund 400 Spitzenvertreter der europäischen Fitnessbranche erwartet werden.

www.fibo.com

Den vollständigen Artikel finden Sie in mfhc Ausgabe 02/2018

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mfhc Ausgabe 02/2018

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