Trainieren mit Reizen

Ob Boom, Mode oder Trend: EMS (Elektromuskelstimulation)-Training hat sich als Trainingsform in der Fitnessbranche etabliert.
Lesezeit: 3 Minuten
Kundenzufriedenheit EMS-Training
Kundenzufriedenheit EMS-Training
Ob Boom, Mode oder Trend: EMS (Elektromuskelstimulation)-Training hat sich als Trainingsform in der Fitnessbranche etabliert.

Sei es in Form von spezialisierten Mikrostudios oder als Zusatzangebot in konventionellen Fitness- und Gesundheitsstudios. Annähernd jedes vierte Fitnessstudio setzt auf EMS, so die gemeinsam vom DSSV – Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen, von Deloitte und der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement DHfPG herausgegebene Eckdaten-Studie 2017. Bei den Mikrostudios sind es sogar 44,6 Prozent; und zwei Drittel aller Mikrostudios wollen in diesem Jahr in EMS investieren.

Grund für diese Entwicklung sind überwiegend zufriedene Kunden mit hoher Bereitschaft zur Weiterempfehlung. Zu diesem Ergebnis kommt die im April 2017 erschienene EMS-Studie 2017, durchgeführt von EMS-Training.de. 1.317 EMS-Trainierende hatten im Februar dieses Jahres an einer Online-Befragung teilgenommen, eine Rücklaufquote von knapp 23 Prozent. 88 Prozent der Befragten (1.161 Personen) stellten dem EMS-Training auf einer Skala von 1 (sehr unzufrieden) bis 10 (sehr zufrieden) mit einer Punktzahl von 8 und höher ein eindrucksvolles Zeugnis aus.

Mit EMS verbinden Trainierende eindeutige Ziele. Körperstraffung, Muskelaufbau und die Verbesserung allgemeiner Fitness sind vorrangige Motive. Und fast die Hälfte aller an der Umfrage Teilnehmenden (48,7 Prozent) möchten mit EMS ihre Rückenschmerzen lindern. 91 Prozent der befragten EMS-Trainierenden bemerkten im ersten halben Jahr positive Effekte, annähernd die Hälfte in den ersten drei Monaten und jeder Vierte schon im ersten Monat.

So zufrieden die Kunden, so klar umrissen die Trainingsziele, so eindeutig formulieren EMS-Trainierende auch ihre Erwartung an ein EMS-Studio: 87,9 Prozent wünschen sich „kompetente Trainer mit Fachwissen“, übrigens bei Frauen wie Männern, aber auch bei potenziellen Kunden auf Platz 1.

Ziele beim EMS-Training

Übrigens: Noch eindeutiger als die Frage nach der Zufriedenheit fällt die Antwort nach der Bereitschaft zur Weiterempfehlung aus: 95 Prozent aller Befragten würden EMS-Training weiterempfehlen. Und nur drei Prozent aller Befragten würden den Vertrag nach Laufzeitende nicht verlängern.

Weiterempfehlungsquote EMS-Training

Bei aller Zustimmung von EMS-Trainierenden, wissenschaftliche Erkenntnisse über diese relativ neuartige geräteunterstützte Trainingstechnologie sind noch recht überschaubar. „Im Kontext des EMS-Trainings ist die Trainingspraxis der Forschung voraus“, stimmt Professor Dr. Christoph Eifler zu, Prorektor Forschung und Fachbereichsleiter Trainings- und Bewegungswissenschaft an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement DHfPG.

Diese Lücke wollen die TU Kaiserlautern und die DHfPG gemeinsam mit einem dreijährigen Forschungsprojekt schließen. „Wir wissen noch relativ wenig über die genauen Anpassungseffekte. Dass Ganzkörper-EMS-Training positive Effekte auf verschiedenen Kraftparameter, die Köperzusammensetzung, Parameter der Ausdauerleistung, den Stoffwechsel hat, konnte in zahlreichen Studien eindrucksvoll belegt werden“, so Michael Fröhlich, Professor für Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Bewegungs- und Trainingswissenschaft an der TU Kaiserslautern. „Wie diese Anpassungen zustande kommen, ist noch in weiten Teilen ungeklärt.“ Auch wollen Sportwissenschaftler beider Hochschulen evaluieren, wie sich die EMS-Methode langfristig auf die Muskelstruktur, den Körper und die Leistungsfähigkeit auswirkt.

In einem sind sich die Wissenschaftler der TU Kaiserlautern und der DHfPG schon heute einig. Ein EMS-Training sollte nur durch gut ausgebildete und geschulte Instruktoren angeleitet und überwacht werden. Ein alleiniges Training zuhause und ohne korrekte Unterweisung ist zu vermeiden. Dafür sprechen zwei Gründe: Zum einen die Unterstützung bei der korrekten und sicheren Übungsausführung, zum anderen die Sicherstellung, dass beim EMS-Training die Regulation der einzelnen Muskeln gerade bei höherer Reizkonfigurationen nicht zu einem Muskeltetanus beim Trainierenden führt und der Trainierende die Kontrolle über das Gerät verliert.

Eine erste Einschätzung von EMS-Training trauen sich die Christoph Eifler und Michael Fröhlich aber schon heute zu: „Unter einer sachgerechten Anleitung und trainingsmethodisch fundierter Unterweisung ist das EMS-Training im Hinblick auf das Risiko-Nutzen-Verhältnis ein überaus lohnenswertes Unterfangen. Betrachtet man noch den Zeitaspekt, so dürfte das Ganzkörper-EMS-Training eine gute Bereicherung des Trainingsalltags darstellen.“

Für weitere Informationen:

www.ems-training.de

www.dhfpg.de/newsroom/aktuelles/details/news/forschungskooperation-zum-ems-training-unter-beteiligung-der-deutschen-hochschule

fitness management - newsletter

-Anzeige-

Mehr von diesen Autoren

Das marea Fitness in Lingen hat das Zertifizierungsverfahren „ZertFit“ der BSA-Zert nach DIN-Norm 33961 erfolgreich absolviert und beantwortet damit zugleich...
An dieser Stelle haben wir Anfragen Ihrer Kollegen, unserer Mitglieder, zum Thema Rechte und Pflichten gegenüber Mitarbeitern gesammelt. Kurz und...
Schulung von UV-Fachpersonal: In der Wahrnehmung vieler Betreiber und auch der Öffentlichkeit ist die Schulung und Zertifizierung von UV-Fachpersonal der...

Das könnte dich auch interessieren

Muskulöser Oberkörper eines Bodybuilders mit ausgestreckten Armen vor schwarzem Hintergrund.

Lifestyle, Ästhetik, Gesundheit

Bodybuilding verbindet heute Muskelaufbau mit Gesundheit, Performance und Longevity. FIBO 2026, Krafttraining, Recovery und Social Media prägen die Entwicklung moderner Athleten.
Mann mit langen Haaren und verschränkten Armen vor schwarzem Hintergrund.

Identität und Gemeinschaft

Andreas Pürzel beschreibt Bodybuilding als Schule für Disziplin, Identität und Gemeinschaft. Training schafft Fokus, Gesundheit und Ausgleich zur digitalen Welt und Vergleichskultur.
Muskulöser Mann im Tanktop posiert lächelnd vor schwarzem Hintergrund.

Die ehrlichste Sportart

Tim Budesheim spricht über Ehrlichkeit, Verantwortung und Mindset, bewertet den Bodybuildingboom positiv und erklärt, warum Entwicklung wichtiger bleibt als kurzfristiger Erfolg.
Muskulöser Mann mit Baseballkappe und Kette in Pose vor schwarzem Hintergrund.

Training mit Verstand

Lars Springer geht auf den Bodybuildingboom ein, betont die Relevanz von Regeneration und Coaching und empfiehlt Einsteigern den Fokus auf Technik, Geduld und fundierte Grundlagen statt auf kurzfristige Trends.
Niko Kappel steht im roten Trikot vor rotem Hintergrund mit Hinweis auf den Aufstiegskongress in Mannheim.

Wie Paralympicssieger Niko Kappel denkt, trainiert und gewinnt

Beim Aufstiegskongress 2026 spricht Niko Kappel über Paralympics, Teamwork, KI im Training, Inklusion und den Mut, Grenzen neu zu denken.
Im Vordergrund führt eine Frau in blauem Sportoberteil mit zwei Kurzhanteln eine Bizepscurl-Bewegung aus. Links dahinter trainiert ein Mann mit Kurzhanteln. Im Hintergrund befinden sich Trainingsgeräte in einem Fitnessstudio. Oben links steht der Schriftzug „SCIENCE NEWS“, unten links das Logo „fM“.

Neue ACSM-Empfehlungen

Ein neues ACSM-Positionspapier liefert evidenzbasierte Empfehlungen zum Krafttraining. Wir setzen unsere Science News fort. Wissenschaft kurz und kompakt. Plus: Link zur Originalstudie.