Digital, Fitness, Management, Markt | Autor: Daniel Weber & Florian Schmidt |

Innovativen Unternehmen gehört die Zukunft

Wie heißt es so schön: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Die Corona-Krise hat praktisch von heute auf morgen etablierte Geschäftsmodelle auf den Kopf gestellt. Doch was bleibt nach den beiden Corona-Lockdowns und welche Chance bieten Innovationen und gesellschaftliche Veränderungen den Studios?

Innovativen Unternehmen gehört die Zukunft – Diversifikation und Professionalisierung für weiteres Wachstum

Je höher das Risiko, umso höher die zu erwartende Rendite – Was für schnelle Gewinne am Börsenmarkt gelten mag, ist für viele Studiobetreiber nach der Corona-Krise eher weniger sinnvoll. Viele Volkswirte und Experten kündigten bereits seit geraumer Zeit eine Rezession an, nach Jahren des kontinuierlichen Wachstums.

Diese vorhergesagte wirtschaftliche Entwicklung wurde durch die beiden behördlich angeordneten Schließungen ausgelöst und hat auch die Fitness- und Gesundheitsbranche mit ihren mehr als 9.600 Studios hart getroffen (DSSV, 2021). Der Mitgliederrückgang und erhebliche finanzielle Einbußen stellen die Studiobetreiber seit Beginn der Krise vor neue Managementaufgaben.

 


Während in Zeiten der wirtschaftlichen Hochkonjunktur viele Unternehmen vom Niedrigzins und der hohen Kaufkraft profitieren können, zeichnen sich in schwierigen Phasen vor allem die Unternehmen aus, die es trotz widriger Umstände schaffen, sich am Markt hinsichtlich ihrer definierten Zielgruppe(n) (Kreis, 2021) mit ihren Produkten und Dienstleistungen klar zu positionieren und sich zu behaupten.

Wachsende Herausforderungen am Markt

Getreu dem Motto: 'Survival of the fittest', stehen hierbei in Zeiten des Umbruchs und der wachsenden Kundenansprüche (ClubIntel, 2020; Kobel & Preuschoff, 2021) eine Spitzen Marktpositionierung durch das grundlegende Studiokonzept und eine zeitgleiche Diversifikation, u. a. durch ergänzende analoge und digitale Angebote sowie neue Kooperationen, dabei nicht im Widerspruch zueinander.

 


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Aber wie vermeidet bzw. minimiert man nun langfristig ein existenzielles Risiko (Clemann, 2020) und wie lassen sich nach wirtschaftlich schwierigen Phasen wieder neue Wachstumschancen durch eine noch gezieltere unternehmerische Ausrichtung erreichen?

Grundlegend sollte man sich hier als Unternehmer regelmäßig einfacher betriebswirtschaftlicher Tools, wie u. a. der SWOT-Analyse (SWOT = Strength, Weakness, Opportunities & Threats), bedienen. Bei richtiger Anwendung decken diese Analyse und die dazugehörige Selbstreflexion zielführend eigene Schwächen und Stärken sowie die existierenden Chancen und Risiken im Markt auf.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen – extrinsischer Druck durch die Schließungen sowie gesellschaftliche Veränderungen – haben viele Studiobetreiber ihr Geschäftskonzept hinterfragt und weiterentwickelt. So ergriffen viele Unternehmen die Initiative und haben u. a. die Digitalisierung und die Studiovernetzung weiter vorangetrieben (Wang et al., 2021).


 


Hybride Geschäftsmodelle werden immer wichtiger

Durch ein hybrides Geschäftsmodell können die Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen und Altersschichten im Studio noch effizienter und kundenorientierter (bspw. über On-Demand-Lösungen) bedient werden, ohne dabei die eigene Positionierung zu 'verwischen'.

Das oberste Ziel muss es deshalb sein, diese Angebote – in denen sehr viel Energie und Arbeit sowie viel Zeit und Herzblut steckt – jetzt zeitnah und gezielt in das eigene Portfolio fest zu überführen und sich als professioneller Gesundheitsdienstleister für die Zukunft noch breiter aufzustellen.

Chancen erkennen und das Studio zeitgemäß aufstellen

Durch die wachsende Konsolidierung im Markt und die steigenden Kundenansprüche entstehen auch Potenziale für neue synergiestiftende Kooperationen, wodurch zusätzlich neue Marktgebiete und Kundensegmente für das Studio erschlossen werden können.

    Nach der intensiven Auseinandersetzung mit den aktuellen Herausforderungen (z. B. mithilfe der SWOT-Analyse und dem Porter‘s Five-Forces-Modell) können Sie sich beispielsweise folgende Fragen stellen:

    1. Sind meine Angebote bestmöglich auf die veränderten Kundenbedürfnisse im Markt (vermehrte Individualisierung, höhere Dienstleistungsansprüche usw.) abgestimmt?
    2. Wie kann ich Neukunden durch zielgerichtete Angebote für mein Studio gewinnen und die Bestandsmitglieder weiter begeistern bzw. binden?
    3. Welche Rolle spielt dabei meine Positionierung als professioneller Gesundheitsanbieter? Wie kann ich diese Position durch spezifische Marketingaktivitäten weiter untermauern?
    4. Über welche Vertriebskanäle kann ich meine neuen Angebote optimal vermarkten? Welche Bedeutung kommt dabei Aggregatoren und Kooperationspartnern zu?
    5. Welche Geschäftsfelderweiterung ist für mein Unternehmen (u. a. Outdoorfitness, Personal Training, Ernährungsberatung, BGM, Firmenfitness) zum jetzigen Zeitpunkt am sinnvollsten und warum?
    6. In welche Bereiche muss ich dafür investieren und welche Qualifikationen müssen meine Mitarbeiter mitbringen?
    7. Welche Mehrwerte und Synergien können sich daraus langfristig für mein Studio ergeben?
    8. Wie kann eine Zertifizierung (DIN EN 17229/DIN 33961/Hygienezertifizierung) auf lange Sicht gesehen dabei unterstützen, die Kaufbereitschaft und das Vertrauen in die eigene Dienstleistung weiter zu verbessern?

    Hinweis: Behalten Sie bei der Beantwortung der Fragen immer auch die Tragweite Ihrer Entscheidungen, die nicht intendierten Folgen sowie den daraus resultierenden Nutzen im Blick und denken Sie nicht nur kurz-, sondern vor allem auch langfristig bzw. zukunftsorientiert. Dabei sollten Sie ebenfalls beachten: Viel hilft nicht immer viel. Stellen Sie deshalb den potenziellen Ertrag immer ins Verhältnis zu Ihrem zeitlichen und finanziellen Aufwand.

    Je nach Unternehmen und Positionierung gilt es, diese Fragen als Betreiber individuell zu beantworten. Fakt ist, es gibt hier keine Musterlösung oder gar eine allgemeingültige 'Business-Schablone'. Gerade deshalb ist es in unruhigen und schnelllebigen Zeiten umso wichtiger, sich mit diesen elementaren unternehmerischen (Grund-)Fragen regelmäßig auseinanderzusetzen und das Studio langfristig 'auf gesunde Beine' zu stellen.

    Positiver Blick in die Zukunft: Gesundheitsexperten gefragter denn je

    Gemäß dem Motto des diesjährigen Aufstiegskongresses 'COME BACK better & stronger' ist es wichtig, die richtigen Lehren aus der Krise zu ziehen und den Weg der kontinuierlichen Weiterentwicklung bzw. Professionalisierung – als gesamte Branche sowie als Einzelunternehmen – konsequent zu verfolgen.

    Die Pandemie und die beiden Lockdowns haben hier ganz klar aufgezeigt, dass die Fitness- und Gesundheitsstudios in kurzer Zeit innovativ auf Marktveränderungen reagiert und erfolgreich Kundennähe gezeigt haben. Das gilt gleichermaßen für die neuen Trainings- bzw. Dienstleistungsangebote als auch für die kundenorientierte Kommunikation.

    Durch digitale Tools bietet sich hier langfristig die Chance, neben der professionellen und qualifizierten Betreuung vor Ort auch abseits des Studios intensiv den Kundenkontakt zu pflegen und aktiv in die Mitgliederbindung zu investieren (Moustakas et al., 2021; Kobel & Schmidt, 2021).


    Fazit

    Vom gestiegenen Gesundheitsbewusstsein innerhalb der Bevölkerung und vom wachsenden Bedarf an professionellen Gesundheitsdienstleistungen wird unsere Branche mittel- und langfristig deutlich profitieren. Es liegt an uns, aus den vergangenen Monaten zu lernen, die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen.

    Über die Autoren

    Daniel Weber, M. A. Prävention und Gesundheitsmanagement, ist als Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) tätig. Seit 2012 arbeitet er für eine renommierte Premiumfitnesskette und zeichnet dort verantwortlich für den standortübergreifenden Aufbau eines neuen Geschäftsfeldes.

    Florian Schmidt absolvierte nach einem Studium in Hotelmanagement und mehreren Jahren Berufserfahrung in der internationalen Hotellerie zusätzlich ein Master-Studium in Sportwissenschaft. Er ist als Dozent, Wissenschaftsredakteur und Tutor für die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) und die BSA-Akademie tätig.


    Auszug aus der Literaturliste

    Moustakas, L., Szumilewicz, A., Mayo, X., Thienemann, E. & Grant, A. (2021).  Foresight for the Fitness Sector: Results from a European Delphi Study and Its Relevance in the Time of COVID-19. International Journal of Environmental Research and Public Health, 17 (23), 8941.

    Für eine vollständige Literaturliste kontaktieren Sie bitte marketing@dhfpg-bsa.de.

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