Digital, Management | Autor: Mareike Adomat |

Digitale Tools als Unterstützung für Führungskräfte

Digitaler Wandel ist in allen Unternehmensbereichen präsent – Prozesse laufen immer dynamischer, flexibler und gleichzeitig komplexer ab. Der unternehmerische Erfolg hängt mehr denn je von leistungsfähigen, gesunden Mitarbeitern ab. Führungskräften kommt hier eine Vorbildfunktion zu, die jedoch nur durch ein gesundes Selbstmanagement erreicht werden kann – 'Führung durch Selbstführung' lautet hier das Motto! Doch können solche Kompetenzen auch durch digitale Selbsttrainingsprogramme optimiert werden?

Digitale Selbstführung wird immer wichtiger im Unternehmen

Hintergrund

Die Digitalisierung stellt Unternehmen und Führungskräfte branchenübergreifend vor immer neue Herausforderungen und wachsende Aufgaben. Um langfristig unternehmerisch erfolgreich zu bleiben, bedarf es nicht nur leistungsfähiger und motivierter, sondern auch gesunder Mitarbeiter.

Hier kommt den Führungskräften eine Schlüsselrolle zu, denn sie tragen nicht nur für die digitale Transformation und Weiterentwicklung des Unternehmens Verantwortung, sondern auch für ihre eigene und die mitarbeiterbezogene Gesundheit.

Vorbild Chef

Eine erfolgreiche Führungskraft sollte deshalb selbst als gutes Beispiel vorangehen: Denn nur durch ein gesundes Selbstmanagement der Führungskraft können Mitarbeiter diese auch als authentisches Vorbild wahrnehmen und sie sind offen für Veränderungen und Innovationen.

Im Hinblick auf solch eine Doppelfunktion ist eine stetige Weiterbildung der fachlichen und vor allem personellen Kompetenzen heute unerlässlich. Neben den bewährten analogen Beratungs- und Coaching-Angeboten zur Optimierung der Führungsqualitäten werden vermehrt ergänzende digitale Trainings zur Verbesserung der Selbstführungsfähigkeit, wie beispielsweise Online-Führungstrainings, Webinare oder Coaching-Apps, angeboten.

Inwieweit diese die Face-to-Face-Beratungen positiv unterstützen können, wurde in einer Master-Thesis der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) untersucht.

Methodik

Im Rahmen der Studie wurden unternehmensübergreifend 34 Führungskräfte befragt. Es erfolgte eine klassische Prä-Post-Messung, d. h. die Selbstführungsfähigkeiten wurden vor und nach der Durchführung eines sechswöchigen digitalen Selbstführungstrainings mittels des Fragebogens RSLQ (= Revised Self-Leadership Questionnaire) erfasst.

Der RSLQ besteht aus insgesamt 27 Items, die folgende neun Selbstführungseigenschaften abbilden: 'Erfolgreiche Leistung imaginieren', 'Eigene Zielsetzung', 'Selbstgespräch', 'Selbstbelohnung', 'Überzeugung/Sichtweisen bewerten', 'Selbstbestrafung', 'Selbstbeobachtung', 'Natürliche Belohnungsstrategie', 'Selbsterinnerung'.

Die untersuchte Stichprobe setzte sich aus einer Experimentalgruppe (kurz: EG; n = 18) und einer Kontrollgruppe (kurz: KG; n = 16) zusammen. Während die KG ausschließlich den Prä- und den Post-Test ohne eine Intervention absolvierte, führte die EG zwischen den beiden Testungen zusätzlich ein digitales Selbstführungstraining durch.

Dieses Training beinhaltete 30 digitale Lerneinheiten, die sowohl theoretisches Wissen als auch praktische Übungen zu folgenden Themenblöcken abbildeten: 'Selbstführung und Verantwortung', 'Wenn-Dann-Ziele', 'Zufriedenheit', 'Zeitmanagement', 'Fehlermanagement', 'Delegation', 'Selbstbewusstsein' und 'Multitasking'.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass in der EG die Selbstführungsfähigkeiten durch die Teilnahme an dem sechswöchigen digitalen Training im Vergleich zur KG positiv beeinflusst wurden (vgl. Abb. 2, 5 = trifft immer zu; 0 = trifft gar nicht zu).

Konkret verbesserte sich die EG in sieben von neun Selbstführungseigenschaften – 'Erfolgreiche Leistung imaginieren' (z. B.: Manchmal stelle ich mir vor, wie ich wichtige Aufgaben erfolgreich ausführe), 'Eigene Zielsetzung' (z. B.: Ich setze mir ständig spezifische Ziele für meine eigene Arbeitsleistung), 'Selbstgespräch' (z. B.: In schwierigen Situationen diskutiere ich mit mir selbst, um sie zu bewältigen), 'Selbstbestrafung' (z. B.: Wenn ich schlechte Arbeit geleistet habe, neige ich dazu, mich selbst zu kritisieren), 'Selbstbeobachtung' (z. B.: Es interessiert mich, wie gut ich in meiner Arbeit bin), 'Natürliche Belohnungsstrategien' (z. B.: Ich plane gezielt Tätigkeiten, die mir Spaß machen), 'Selbsterinnerung' (z. B.: Zur Erledigung meiner Aufgaben mache ich mir regelmäßig Pläne).

Insgesamt verbessert

Lediglich in den Selbstführungseigenschaften 'Selbstbelohnung' (z. B.: Wenn ich eine Aufgabe besonders gut mache, gönne ich mir etwas) und 'Überzeugungen und Sichtweisen bewerten' (z. B.: Ich denke immer über meine Überzeugungen und Sichtweisen nach und beurteile sie) konnten keine klaren Veränderungen festgestellt werden.

Mit Blick auf den Gesamtwert der Selbstführungsfähigkeit zeigte sich für die EG (im Gegensatz zur KG) ebenfalls eine deutliche Verbesserung (vgl. Abb. 1).

Fazit

Das Ziel der Studie bestand darin, festzustellen, ob die Selbstführungsfähigkeiten von Managern und leitenden Kadermitarbeitern durch die Teilnahme an einem sechswöchigen digitalen Selbstführungstraining optimiert werden.

Die Ergebnisse zeigen eine positive Veränderungstendenz bei sieben von neun untersuchten Eigenschaften. Solch ein digitales Hilfstool stellt somit eine sowohl innovative als auch effektive und zugleich effiziente Möglichkeit zur Verbesserung der eigenen Selbstführungskompetenzen dar.

Zukunftsweisende Möglichkeiten

Bewährte analoge Beratungs- und Coaching-Angebote können so optimal ergänzt und intensiviert werden, um die Weiterbildung von fachlichen und personellen Kompetenzen positiv zu beeinflussen – wobei vor allem die Vorteile digitaler Möglichkeiten (z. B. jederzeit von überall abrufbar, zeitlich flexible Nutzung usw.) hier hilfreich sein können.

Durch eine bessere Vernetzung solcher Angebote ist es möglich, die eigenen Führungskräfte in Zukunft noch zielführender zu coachen und auch digital weiterzubilden, damit sie ihre Mitarbeiter optimal führen und gleichzeitig gesund erhalten können.

Im Rahmen der gesunden Führung und den immer komplexer werdenden Managementaufgaben gewinnen diese digitalen Unterstützungstools in den nächsten Jahren zunehmend an Bedeutung, denn eines ist klar: Nichts ist so sicher, wie der Wandel selbst.

Mareike Adomat

Alter: 26 Jahre
Duales Studium: FITCOMPANY GmbH
Abschluss: M. A. Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG)
Aktuelle Tätigkeit: Referentin für Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der BAHN-BKK