Digital, Gesundheit | Autor/in: Janina Malke |

DHfPG-Science-Lab: Neurotraining gegen Computer-Vision-Syndrom

Personen, die hauptsächlich Bildschirmarbeit verrichten, haben häufig Kopf- und Nackenbeschwerden sowie ermüdungsbedingte Beeinträchtigungen der Augen. Ob sich ein Training durch die gezielte Kräftigung und Entspannung der Augenmuskulatur positiv auf diese Beschwerden auswirkt, wurde in einer Bachelor-Thesis der DHfPG untersucht.

DHfPG-Science-Lab: Neurotraining gegen Computer-Vision-Syndrom

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeiteten bereits im Jahr 2015 ungefähr zwei Drittel aller Beschäftigten zwischen 25 und 54 Jahren vor einem Computerbildschirm (Jaschinski & König, 2015, S. 3).

Aufgrund der Corona-Pandemie wuchs zudem der Anteil der Arbeitszeit, die im Homeoffice verbracht wird, deutlich. Dadurch stieg vermutlich nicht nur die Bildschirmarbeitszeit im Allgemeinen, sondern die tägliche Bewegung verringerte sich gleichzeitig deutlich – das gaben in einer forsa-Studie der DAK  44 Prozent der befragten Personen an (2021) .

Bereits bekannt ist allerdings, dass Bildschirmarbeit kurz- und langfristig zu gesundheitlichen Beschwerden im Bereich der Augen sowie im Nacken- und Schulterbereich führen kann (DGUV, 2015). Darüber hinaus kann es durch Computerarbeit zu Sehbeschwerden kommen, was als Computer-Vision-Syndrom (CVS) bezeichnet wird (Rosenfield, 2016, S. 1).

Um diesen Symptomen entgegenzuwirken, können Betroffene neben dem Besuch bei Augenärzt:innen oder Optiker:innen  auch ein ergänzendes Augentraining absolvieren, da hierdurch die Sehfähigkeit selbst verbessert werden kann (American Optometric Association, 2007; Angart, 2018, S. 21).

Ein solches Augentraining besteht aus verschiedenen Übungen, die aus dem Bereich des Neurotrainings stammen, und soll zur gezielten Verbesserung des Sehvermögens beitragen. Unterteilt wird das Training der Augen in vier Komponenten, die alle gleichermaßen trainiert werden müssen, um das Sehvermögen ganzheitlich zu verbessern und dadurch auch Beschwerden zu reduzieren.


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Methodik

Das Ziel der Untersuchung war, herauszufinden, ob Augentraining und Augenentspannung bei Personen mit sitzender beruflicher Tätigkeit am Computerbildschirm positive Effekte auf Kopf- und Nackenschmerzen sowie auf das CVS haben.

Hierzu wurden dreißig Proband:innen mit CVS rekrutiert und anschließend je 15 der Kontroll- (KG) und der Interventionsgruppe (IG) randomisiert zugewiesen, wobei eine homogene Geschlechterverteilung berücksichtigt wurde.

Beide Gruppen wurden vor Beginn und nach Ende der zehnwöchigen Interventionsphase getestet, um den Status quo des CVS sowie der Kopf- und Nackenschmerzen im Kontext der Büroarbeit zu erfassen. Diese Testungen waren für beide Gruppen identisch und basierten auf standardisierten Fragebögen.

Der CVS-Fragebogen (Segui, Cabrero-García, Crespo, Verdú & Ronda, 2015) ermöglichte die Erfassung von Häufigkeit und Intensität der verschiedenen Symptome, wozu u. a. auch Kopfschmerzen zählen. Der Neck Disability Index (Jorritsma, Dijkstra, Vries, Geertzen & Reneman, 2012) lieferte Informationen zu Auftreten, Intensität und Dauer der Nackenbeeinträchtigungen.

Art des Trainings

Im Gegensatz zur KG nahm die IG zwischen den beiden Testungen an einem zehnwöchigen Augentraining teil.

Zu den trainierten Komponenten zählten die Augenbewegung (z. B. Konvergenz und Divergenz), die Sehschärfe bei Betrachtung statischer und bewegter Objekte in Nah- und Fernsicht, die Tiefenwahrnehmung sowie die periphere Wahrnehmung.

Darüber hinaus wurde die Entspannung der Augenmuskulatur ebenfalls mithilfe verschiedener Übungen trainiert und zudem als „Reset“ zwischen den anderen Übungen angewendet. Dieses standardisierte Augentraining wurde einmal wöchentlich unter qualifizierter Aufsicht im Rahmen einer Kurseinheit absolviert. Zusätzlich sollten die Übungen selbstständig an vier bis sechs Tagen pro Woche für maximal 10 bis 15 Minuten zu Hause durchgeführt werden.

Acht Teilnehmende brachen die Untersuchung aus diversen Gründen ab, davon vier aus der KG und vier aus der IG. Somit konnten am Ende der Untersuchung die vollständigen Daten von 22 Teilnehmenden mittels inferenzstatistischer Analyse ausgewertet werden.

Ergebnisse

Bei der Analyse der Ergebnisse von Pre- und Posttest im Rahmen des CVS-Fragebogens konnte in der IG eine signifikante Verbesserung in den Kategorien „Juckreiz im Auge“, „Fremdkörpergefühl“, „Tränen“, „Augenröte“, „Augenschmerz“, „Trockene Augen“, „Verschwommene Sicht“, „Schwierigkeiten, nah zu fokussieren“, „Erhöhte Lichtsensibilität“, „Gefühl, dass die Sicht schlechter wird“ und „Kopfschmerzen“ beobachtet werden.

In der KG wurden keine positiven Effekte festgestellt.

Die Ergebnisse des Neck Disability Index der IG belegte eine signifikante Verbesserung der Mittelwerte in 70 Prozent der Kategorien von Pre- zu Posttest. Die größten Effekte wurden bei „Lesen“, „Kopfschmerzen“, „Konzentration“, „Arbeit“, „Autofahren“, „Schlafen“ und „Freizeitaktivitäten“ beobachtet.

Auch hier konnten in der Kontrollgruppe keine positiven Veränderungen festgestellt werden.


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Auf Basis der dargestellten Ergebnisse kann folglich angenommen werden, dass ein zehnwöchiges Augentraining zu einer signifikanten Verbesserung der Kopfschmerzen, der Nackenbeeinträchtigungen und des CVS führt.

Ob Augentraining auch bei Personen zu Verbesserungen führt, deren Symptome nicht durch das CVS, sondern beispielsweise durch orthopädische Ursachen hervorgerufen werden, kann hierdurch jedoch noch nicht abschließend beantwortet werden.

Um sicherzustellen, dass die potenziellen Ursachen für Kopf-, Nacken- und Augenbeschwerden umfassend angesprochen werden, empfiehlt sich eine Kombination aus Kraft-, Ausdauer- und Beweglichkeitstraining mit ergänzenden Inhalten des Neurotrainings, wie beispielsweise dem in dieser Abschlussarbeit untersuchten Augentraining.


Fazit

Mittlerweile verbringen sehr viele Menschen den Großteil ihrer Arbeitszeit vor dem Computerbildschirm, wodurch diese Personen häufig Probleme mit Kopfschmerzen, Nackenbeeinträchtigungen und den Augen haben.

Neben den bereits als wirksam belegten Trainingsformen Kraft-, Ausdauer- und Beweglichkeitstraining stellt das Neurotraining, insbesondere in Form eines Augentrainings, eine effektive Maßnahme zur Linderung der Beeinträchtigungen bei CVS dar.

In Sport-, Fitness- und Gesundheitsanlagen stellt Neurotraining somit eine sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Trainingsangeboten dar, um betroffenen Personen möglichst effektiv und umfassend zu helfen.

Darüber hinaus gelten Anbieter:innen, die über ein derart breites Spektrum an Lösungsstrategien für gesundheitliche Beschwerden von Personen an Bildschirmarbeitsplätzen verfügen, mit ihren personellen, materiellen und räumlichen Voraussetzungen als ideale Kooperationspartner:innen für alle Unternehmen, die effektiv zur Gesunderhaltung ihrer Mitarbeitenden beitragen möchten.


Über die Autorin

Janina Malke
Alter: 28
Duales Studium: Corpora Fitness GmbH & Co. KG/ World of Fitness
Abschluss:B. A. Gesundheitsmanagement
Aktuelle Tätigkeit: Leitung Kursbereich & Qualitätsleitung World of Fitness Würselen

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