Digital, Fitness, Gesundheit | Autor: Jürgen Wolff |

Wilhelm Schröter: „Unser Trainingserlebnis bleibt analog“

Corona als Beschleuniger der Digitalisierung in der Fitnessbranche: Um den Kontakt zu den Mitgliedern auf sportlicher und emotionaler Ebene zu halten sowie perfekte Trainingsfortschritte zu erzielen und auch zu dokumentieren, ist die Digitale Transformation von immenser Bedeutung. Wilhelm Schröter, CEO der ELBGYM GmbH, spricht im Interview darüber, wie das ELBGYM-Team die digitale Entwicklung handhabt, welche Perspektiven sie für das Unternehmen bietet und was Programme und Tools nicht können.

Wie handhabt das ELBGYM-Team die digitale Transformation: Wilhelm Schröter im Interview

HINWEIS: Dieses Interview ist Teil unserer Titelreihe zum Thema 'Digitaler Wandel' in der Fitness- und Gesundheitsbranche aus der fitness MANAGEMENT international Ausgabe 03/2021 – zwei weitere Interviews und einen einleitenden Übersichtsartikel können Sie hier lesen.


fMi: Welchen Stellenwert räumen Sie als Unternehmer der Digitalen Transformation in Ihrem Betrieb ein?

Wilhelm Schröter: Die Digitale Transformation beschäftigt unsere Gesellschaft im Ganzen, jetzt und auch in den kommenden Jahren. Es gibt dabei gar keine andere Möglichkeit, als dieser Entwicklung einen sehr hohen Stellenwert beizumessen.

Haben die Auswirkungen der Corona-Pandemie diesen Stellenwert verändert? Wenn ja, inwiefern?

Absolut. Wenn man vorher immer noch Ausflüchte gemacht hat, weswegen ein Meeting unbedingt vor Ort stattfinden musste, so überlegt man sich in Zeiten von Corona doch sehr genau, ob man tatsächlich reisen möchte oder doch lieber digital zusammenkommt.

Durch Corona erfolgte hier einfach eine Entwicklung innerhalb weniger Monate, die sich ansonsten noch über mehrere Jahre hingezogen hätte.

Inwieweit ist Ihrer Einschätzung nach die Digitalisierung Ihres Unternehmens vollzogen und wie groß ist der Teil, den Sie noch vor sich sehen?

Unser 'Geschäftsmodell am Kunden' ist analog und die wesentlichen Prozesse im Hintergrund sind bei uns seit Längerem digital abgebildet. Allerdings nutzen wir die Zeit, um eine Vereinheitlichung der Softwareprogramme in der gesamten Life Fit Group und nicht nur bei der Marke ELBGYM zu implementieren.

Das nächstgrößere Projekt, das für uns ansteht, ist der Roll-out der Member- und Trainer-App. Für die technikaffinen Mitglieder schafft dies sicherlich im Hinblick auf unser Produkt einen weiteren Mehrwert. Für die anderen Mitglieder bleibt alles gleich: Eine 100 Kilogramm schwere Hantel wiegt auch weiterhin 100 Kilogramm.


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Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten „Knackpunkte“ und Fallstricke, wenn es um die Digitale Transformation der Studios geht? 

Zunächst haben wir eine Bestandsaufnahme gemacht und uns im Detail angeschaut, wie unsere Geschäftsprozesse tatsächlich ablaufen bzw. wo es Optionen für Optimierungsmaßnahmen gibt.

Im Anschluss haben wir geprüft, ob und wie diese digital abgebildet werden sollten, damit es eine Erleichterung für die Mitarbeiter bzw. Mitglieder gibt. Danach gingen wir in die Umsetzung.

Für mich ist der wichtigste Punkt, dass nicht jeder Prozess auch digital abgebildet werden muss. Wenn ich mit der Digitalisierung keine Erleichterung bzw. keine Zeit-, Kosten- oder Qualitätsverbesserung erreichen kann, dann sollte ich den Prozess auch nicht krampfhaft digital abbilden wollen.

Nach welchen Kriterien haben Sie bei der digitalen Weiterentwicklung Ihr Budget, die Reihenfolge der und den zeitlichen Rahmen für die einzelnen Unternehmensbereiche aufgestellt? In welchen Bereichen lagen Ihre Prioritäten und warum?

Unser Vorteil liegt darin, dass die Digitalisierung uns lediglich in den Unterstützungsprozessen betrifft. Unser Kernprodukt ist analog und 'riecht nach Schweiß'!

Hier waren wir bereits sehr weit fortgeschritten, sodass wir uns eher im Bereich einer Optimierung befinden und nach und nach kleinere Projekte angehen können.Jedes Mal, wenn absehbar ist, dass der Lockdown mal wieder verlängert wird, suchen wir uns ein weiteres kleines Projekt, das wir dann umsetzen.


 


Inwieweit spielen Ihre Mitarbeiter und deren Know-how eine Rolle bei der Planung und Umsetzung der Digitalen Transformation?

Ohne die Akzeptanz der Mitarbeiter und ohne eine gewisse Inhouse-Expertise ist es sehr schwer, die Digitale Transformation umzusetzen. Glücklicherweise haben wir sehr junge Digital Natives in unseren eigenen ELBGYM Reihen und bekommen darüber hinaus auch die geballte digitale Kompetenz der Life Fit Group zur Verfügung gestellt.

Wie haben Sie Ihre Mitarbeiter in den Transformationsprozess miteinbezogen?

Wir interagieren sehr viel mit allen unseren Mitarbeitern und sind für Optimierungsmaßnahmen sehr empfänglich. Wenn wir unsere Prozesse oder die Software ändern, dann nehmen wir uns das Feedback unserer Mitarbeiter sehr zu Herzen und versuchen, diese Anregungen mit einfließen zu lassen.

Inwiefern hilft der digitale Wandel Ihnen dabei, Prozesse und Arbeitsabläufe im Studio weiter zu optimieren und Ihren Kunden noch bessere Trainingserlebnisse zu ermöglichen?

Hinsichtlich der Trainingsergebnisse habe ich eine eindeutige Meinung: Wir haben ein analoges Kernprodukt. Du musst Gewichte heben, schwitzen, die Muskeln spüren, damit du Fortschritte machst. Das kann auch ein 'fancy' digitales Programm nicht für dich übernehmen.

Natürlich nutzen unsere Mitglieder aktuell unsere täglichen Workouts und Trainingstipps auf den Social-Media-Seiten. Nach dem ersten Lockdown haben wir aber schnell gemerkt, dass dies eben nur ein schaler Ersatz ist.

Wie profitieren Sie, Ihre Mitarbeiter und natürlich auch die Kunden von den Digitalisierungsmaßnahmen in Ihrem Unternehmen? Welche Veränderungen haben sich in der Zusammenarbeit und in der Betreuung der Kunden entwickelt?

Wir wollen das Thema Digitalisierung nicht überbewerten: Je weniger im täglichen Betrieb über das Thema Digitalisierung gesprochen wird, desto besser ist das für uns. Unser Trainingserlebnis soll analog sein. Die Digitalisierung soll sich im Hintergrund um Nebenprozesse kümmern.

Inwiefern wird die Digitalisierung die Fitness- und Gesundheitsbranche aus Ihrer Sicht weiter verändern und wie bereiten Sie sich darauf vor?

Die Digitalisierung wird uns ungefähr so verändern wie das irgendwann einmal Schreibmaschinen, Taschenrechner oder elektrisches Licht getan haben: Es gibt keinen Weg daran vorbei.

Allerdings hat eine Schreibmaschine auch nie eine 100-Kilo-Hantel ersetzt – das wird auch die Digitalisierung nicht.


 

Unser Interviewpartner

Wilhelm Schröter hat nach mehreren Jahren als Unternehmensberater 2012 den Schritt in die Fitnessbranche gemacht und das erste ELBGYM Fitnessstudio in Hamburg gegründet. Nachdem ELBGYM über die Jahre auf drei Studios angewachsen war, verkaufte er die Marke 2018 an die Life Fit Group. Heute ist Wilhelm Schröter als Geschäftsführer bei der ELBGYM GmbH tätig und betreibt darüber hinaus auch weitere ELBGYM Franchises mit seinem Team in Hamburg, München und Augsburg.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der fMi 03/2021 & für Abonnenten EXKLUSIV vorab.

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fMi 03/2021

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