Digital, Fitness | Autor: Marvin Bick |

Generation Y - Wertewandel und Anforderungen

WARUM? Die Generation der 25- bis 39-Jährigen hinterfragt und eines steht fest: Sie bewegt! Unsere Zukunft liegt in ihren Händen und die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie ihre Sinnfrage im Unternehmen integriert wird. Dies stellt auch für viele Fitnessstudios zunächst eine Herausforderung dar. Eine Herausforderung, die sich mit der richtigen Einstellung zu oftmals unerkanntem Potenzial entwickeln und den zukünftigen Erfolg prägend beeinflussen kann.

Herausforderungen der Generation Y für Arbeitgeber der Fitness- und Gesundheitsbranche.

Keine Bezeichnung hat sich unter den vielen Namen für die Generation der Jahrgänge 1980 bis 1994 so durchgesetzt wie „Generation Y“. Sie verdankt den Namen ihrer hinterfragenden Haltung „Warum?“ (engl.: „Why“) – eine Frage, die auch ins Arbeitsleben integriert wird. Nicht nur gewohnte Abläufe und bestehende Strukturen werden ergründet, sondern alles wird auf den Prüfstand der großen Frage nach dem Sinn gestellt. Die Sinnfrage beschäftigt sich mit den fundamentalsten Aspekten des Lebens wie „Warum bin ich hier?“ oder auch „Wie führe ich ein erfülltes Leben?“ – Fragen, die bewegen und deren Antworten entscheidenden Einfluss auf die Motivation und Arbeitszufriedenheit ausüben. Natürlich bedarf es zur Berücksichtigung der Sinnfrage Offenheit gegenüber neuen Ansätzen. Es kann aufwendig oder unangenehm erscheinen, doch verbirgt sich genau hier enormes Potenzial. Die Zahl der Arbeitnehmer mit entsprechender Generationszugehörigkeit steigt stetig. Sie bilden die Zukunft der Unternehmen auch in der Fitnessbranche und somit ist es nicht mehr eine Frage ob, sondern wie diese Generation integriert wird. Ein erweitertes Verständnis der „Gen Y“ ist notwendig und führt zu Erfolg versprechenden Entscheidungen.

Generationen-Mix: Kooperation oder Konfrontation?

In Unternehmen treffen viele Generationen aufeinander und allgemein scheint es große Unterschiede bezüglich der Arbeitsmotivation sowie der Zuordnung verschiedener Charaktereigenschaften zu geben. Das erschwert das Personalmanagement und steht einer Erhöhung der Arbeitszufriedenheit entgegen. Die „Y-ler“ hinterfragen bestehende Strukturen und Denkweisen, die durch die „Babyboomer“ und „Gen X“ entwickelt wurden, schon bei Berufseinstieg. Vertreter der vorangegangenen Generationen identifizieren sich mit der Arbeit und weisen eine längere Betriebszugehörigkeit auf – die heutigen Unternehmen wurden durch sie und ihre Erfahrungen geprägt.

Inmitten der vermeintlichen Unterschiede erlangt folgende Aussage erhebliche Bedeutung: Fortschritt findet nicht dort statt, wo alle Beteiligten durchgehend derselben Meinung sind. Vielmehr vollzieht er sich in der kritischen und dennoch offenen Auseinandersetzung. Daher gilt es, einen offenen und verständnisvollen Umgang miteinander zu fördern, in dem sich die unterschiedlichen Persönlichkeiten, Gedankengänge und Talente erfolgreich zusammenbringen lassen.

Generation Y – Wertewandel und Anforderungen

Die Frage nach den Wünschen und Erwartungen der „Y-ler“ kann nur allgemein beantwortet und der Individualität des Einzelnen nicht gerecht werden. Sie sind sehr heterogen aufgestellt und doch lassen sich allgemeine Merkmale zuordnen. Diese Merkmale sollten Fitnessunternehmen mit Bedacht behandeln und ihre Mitarbeiter als Individuum wahrnehmen und kennenlernen, denn „Schubladendenken“ ist in der Praxis fehl am Platze, unvollständig und teilweise sogar schädlich.


Gute Arbeitsatmosphäre und Teamarbeit


Sinnvoller Job und Spaß


Selbstbestimmte Unabhängigkeit


Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Abb. 1: Generation Y – die wichtigsten Lebensaspekte

 

Werte sind individuell und bestimmen unsere Motivation, Zufriedenheit und den erlebten Sinn bei Aufgaben, die mit diesen Werten im Einklang stehen. Mit entsprechendem Bewusstsein gilt es, die Werte der Y-ler genauso wie die der anderen Mitarbeiter zu erkennen. Das schafft oftmals ein besseres Verständnis dessen, warum sie so handeln, wie sie es tun. Allgemein ist ein klarer Wertetrend für die Berufseinsteiger zu erkennen: ein „langsamer Wertewandel vom Materialismus zum Postmaterialismus“ (Hardering, 2018, S. 78). Somit steht die Fitnessbranche ganz neuen Anforderungen gegenüber. Ja, sie fordern viel. Jedoch sind es Forderungen der zukünftigen Arbeitnehmer, die unter Berücksichtigung der Arbeitsmoral und der Arbeitgeberattraktivität bedient werden müssen. Im Kampf um junge Talente, die den Unternehmenserfolg sichern, erübrigt sich die Frage, ob es möglich ist. Vielmehr sollte der Fokus auf den Weg dorthin, also auf das wie, gelegt werden.

Herausforderung oder ungeahntes Potenzial?

Die Berücksichtigung der Werte eines jeden Mitarbeiters stellt Fitnessstudios zum Beispiel vor eine entscheidende Aufgabe, die den betrieblichen Erfolg sowie die Mitarbeiterzufriedenheit maßgeblich beeinflusst. „Werteorientierte Führung“ sowie ehrlich gemeintes „Aktives Zuhören“ gehören zu den vielen neuen Soft Skills einer erfolgreichen Führung. Die Mitarbeiter werden es danken und von den Y-lern dürfen wertvolle Ressourcen wie Engagement, Wissbegierde und innovative Kreativität erwartet werden. Die Y-ler sind kontaktfreudig, beziehungsorientiert und wünschen sich Feedbackgespräche. Mit jedem Schritt in diese Richtung wird bei den jungen Arbeitnehmern weiteres ungeahntes Potenzial hervorgeholt und in das Unternehmen eingebracht. Hingegen können Versäumnisse auf dieser Ebene zu geringer Arbeitsmoral führen. Die Führungsfähigkeit stellt somit einen entscheidenden Faktor dar, damit sich Potenzial entfalten kann.

Wie ein guter Gärtner sich nicht fragt ob, sondern unter welchen Umständen die Samen aufkeimen, dürfen sich die Fitnessunternehmen nicht fragen ob, sondern wie sich das vorhandene Potenzial der Mitarbeiter optimal entwickeln kann. Es gibt Gärtner, die sich beklagen und solche, die lernen und sich fragen: Wie wird es besser? Sich als Gärtner über die Wetterverhältnisse bzw. als Unternehmen über die Einstellung der Generation Y aufzuregen, lohnt sich nicht. Erfolgreich werden diejenigen sein, die genau hinsehen, akzeptieren und durch diese Erkenntnis das bisher noch ungeahnte Potenzial für Unternehmen und Mitarbeiter nutzen!

Somit wird das Führen von Arbeitnehmern immer anspruchsvoller und zunehmend als eine Dienstleistung verstanden. Die Führungsansprüche schwanken zunehmend vom intellektuell-fachlich qualifizierten Chef hin zum Coach, der Betriebsinteresse mit empathischem Leading vereint. Die neue Generation möchte (fachlich) geführt werden, jedoch steht sie absolut autoritären Hierarchien eher resistent gegenüber. So sollten „Mentoring“ sowie individuelles „Talentmanagement“ auch in kleineren Fitnessbetrieben zunehmend erfolgreich integriert werden. Es lohnt sich, die Interessen der ausführenden Organe, d. h. der Arbeitnehmer, zu berücksichtigen. Die Identifikation mit dem Unternehmensziel seitens der Arbeitnehmer führt unweigerlich zu mehr Engagement und Zufriedenheit, was letztendlich wirtschaftliche Erfolge hervorbringt.

Fazit

Schon bald wird die Generation Y vollständig in den Arbeitsmarkt integriert sein und einen zunehmend größeren Anteil der Belegschaft ausmachen. Die Suche nach dem Sinn, der dieser Generation zugesprochen wird, ist auch in den vorangegangenen Generationen zu finden, jedoch haben sich die Werte verändert. Diese richten sich nun zunehmend auf immaterielle Dinge. Da der Unternehmenserfolg maßgeblich von der Mitarbeitermotivation und -zufriedenheit sowie der Arbeitgeberattraktivität beeinflusst wird, gilt es, auf die hinterfragende Haltung jüngerer Arbeitnehmer sowie auf deren Wünsche einzugehen. Der Generation Y sind vor allem der Sinn- und Spaßaspekt bei der Arbeit wichtig. Y-ler fordern selbstbestimmte Freiheit sowie die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben. Gute Beziehungen wünschen sie sich auch am Arbeitsplatz. Sie wollen gehört werden und freuen sich über konstruktives Feedback. Die Erfüllung dieser Anforderungen wird mit den vielfältigen Potenzialen der jüngeren Generationen gedankt, die durch zielführendes Teambuilding noch weiter entfaltet werden können. Die zugeschriebenen Attribute der „älteren“ sowie der „jüngeren“ Generationen – Erfahrenheit und der Drang nach der Sinnintegration – verstärken sich gegenseitig. So dürfen sich die Fitnessunternehmen, die der Herausforderung Generation Y und ihrer hinterfragenden Einstellung positiv begegnen, an einem bisher ungeahnten Potenzial sowie einer erfolgreichen Zukunft erfreuen!

Über den Autor

Marvin Bick ist als Dozent, Autor und Tutor für die DHfPG sowie BSA-Akademie tätig. Außerdem begleitet er als selbstständiger Gesundheitscoach seine Kunden in ihren individuellen Entwicklungsprozessen zu mehr Gesundheit, Energie und Wohlbefinden.

Literaturliste

Hardering, F. (2018). Die Sinnsuche der Generation Y. In B. Badura, A. Ducki, H. Schröder, J. Klose & M. Meyer (Hrsg.), Fehlzeiten-Report 2018 (Bd. 36, S. 75–83). Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-57388-4_6

IfD Allensbach (Statista – Das Statistik-Portal, Hrsg.). (2018). Was halten die 16- bis 26-Jährigen persönlich im Leben für besonders wichtig und erstrebenswert? Zugriff am 22.05.2019. Verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/816718/umfrage/als-besonders- wichtig-erachtete-aspekte-im-leben-bei-16-bis-26-jaehrigen/

Rauch, C. & Huber, T. (Signium International, Hrsg.). (2013). Generation Y. Das Selbstverständnis der Manager von morgen. Eine Trendstudie des Zukunftsinstituts. Zugriff am 23.05.2019. Verfügbar unter https://www.zukunftsinstitut.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/Auftragsstudien/studie_generation_y_signium.pdf

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 04/2019

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