Die Idee, gemeinsam Leibesübungen durchzuführen, ist über 200 Jahre alt: Im Jahr 1816 gründete sich die Hamburger Turnerschaft als einer der ersten Sportvereine weltweit. Diese Idee hat sich über viele Jahrzehnte äußerst erfolgreich bewährt und – insbesondere in Deutschland – zu einem Phänomen entwickelt. Mehr als 29 Millionen Menschen sind hierzulande über Vereine im Sport organisiert (DOSB, 2025).
Das Potenzial des sozialen Raums
Als starke Alternative zur Vereinsstruktur haben sich vor allem in den letzten 30 Jahren Fitness- und Gesundheitsanbieter zu sozialen Räumen und „Third Places“ entwickelt, die vielen Menschen über das Training hinaus ein Gefühl der Identität und Zugehörigkeit vermitteln. Seit etwa 15 Jahren ist Fitnesstraining die mitgliederstärkste Sportart in Deutschland und hat damit den Fußball abgelöst (DSSV, 2012, 2026).
Als lebendiger und etablierter Bestandteil der sozialen Infrastruktur können sich Studios von Orten des Trainings zu Orten des Miteinanders entwickeln. In einem Umfeld, das den Gesundheitsaspekt bedient und darüber hinaus sozialen Halt bietet, kann Bewegung leichter zu einem selbstverständlichen Teil des Lebens werden und Mitglieder langfristig (ver)binden.
Interviews zum Thema
In den Interviews sprechen Henning Förster, Gerrit Sittler und Eckhardt Santana über Studios als sozialer Raum.
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Echte Verbindungen gehen verloren
Die Stiftung für Zukunftsfragen – eine Initiative von British American Tobacco – hat im Jahr 2024 in einer Umfrage ermittelt, dass nicht einmal jeder fünfte Deutsche (18 %) sich einmal pro Woche mit Freunden trifft. 2004 lag der Anteil noch bei 28 Prozent. Bei den jüngeren Generationen ist diese Ausprägung noch stärker: Nur ein Drittel (32 %) verbringt regelmäßig Zeit mit Freunden, während es 2004 noch 56 Prozent waren. Gleichzeitig äußern zwei Drittel den Wunsch, häufiger Zeit mit Freunden verbringen zu wollen (Stiftung für Zukunftsfragen, 2024).
Unverwechselbar durch soziale Interaktion
Dank Digitalisierung und Social Media erhalten wir alle Informationen überall und können ständig kommunizieren. Gleichzeitig gibt es immer weniger Räume für physische Begegnungen, direkten Austausch und spürbare Gemeinschaft. Dabei ist die physische soziale Interaktion wichtig für das Wohlbefinden – ebenso wie die körperliche Gesundheit.
Warum also nicht Gesundheitsaspekte mit dem Benefit eines Social Hubs verbinden? Viele Studios machen das bereits seit vielen Jahren. Social Media hat die Optionen für Austausch und Auftritt in den vergangenen Jahren noch einmal vervielfacht. Mit Lounge- und Cafébereichen, Co-Working- sowie mit Wellness- und Recovery-Areas schaffen Studios Räume und eine Atmosphäre, die über das Trainingsangebot hinausgeht. Freizeitangebote werden mit der Trainingsumgebung kombiniert und zu sozialen Räumen entwickelt. Über ihren Auftrag als Gesundheitsdienstleister hinaus erschließen Studios soziale Räume, die bisher nicht konsequent bespielt wurden. Durch die Integration sozialer Aspekte werden Menschen erreicht, deren Motivation für eine Mitgliedschaft nicht Gesundheit, Shape oder Lifestyle ist, sondern Identifikation und Teilhabe. Studios festigen ihr bisheriges Engagement und schaffen einen attraktiven Zugang für neue Zielgruppen. So entstehen im Zeitalter von Digitalisierung und Social Media Räume, in denen echte Communitys wachsen können. Diese Gemeinschaft macht ein Studio einzigartig.
Wirtschaftlicher Mehrwert durch Gemeinschaft
Das ist ein Punkt, der nicht unterschätzt werden sollte, denn der Wettbewerb innerhalb der Branche wird stärker. Discountanbieter, Premium- und Boutiquestudios sowie digitale und hybride Trainingsangebote konkurrieren um dieselbe Zielgruppe und nur wenige potenzielle Mitglieder können zwischen den Trainingsangeboten unterscheiden.
„Weiche“ Faktoren, wie die emotionale Bindung der Mitglieder, werden immer wichtiger. Studios mit einer vitalen Community profitieren auch wirtschaftlich. Eine starke Verbindung der Mitglieder mit ihrem Club sorgt für bessere Retentionraten, Empfehlungsquoten und eine höhere Trainingsfrequenz (Sörensen, 2026). Der Faktor „Community“ entwickelt sich von einem „weichen“ Imagethema zu einem skalierbaren wirtschaftlichen Erfolgsfaktor.
Studios als sozialer Raum
Die Positionierung als sozialer Raum kann für Studios ein großes, neues Potenzial freilegen, mehr Menschen in Bewegung bringen und sie langfristig dafür begeistern. Sie können sich nachhaltig als fester Bestandteil der sozialen Infrastruktur etablieren und für eine größere Akzeptanz der Branche in Politik, Gesellschaft und Medien sorgen.
Was es dafür braucht und welche Maßnahmen und Tools dabei wichtig sind, erläutern Henning Förster, Geschäftsführer des Aktivpark Kall, Gerrit Sittler, Gründer und Geschäftsführer von CrossFit Saar, einer der ältesten Boxes in Deutschland, sowie Eckhardt Santana, Gründer und Geschäftsführer des Vamos Fitness in Aschaffenburg, im Interview mit fitness MANAGEMENT.
Diesen Artikel kannst du folgendermaßen zitieren:
Sörensen, A., Wolff, J. (2026). Das zweite Zuhause?! fitness MANAGEMENT international, 5 (187), 26–37.
Auszug aus der Literaturliste
Deutscher Olympischer Sportbund e. V. (Hrsg.). (2025). Bestandserhebung 2025 (2. digitale Aufl.). Frankfurt am Main: Hrsg.
DSSV e. V. – Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (Hrsg.). (2012). Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft 2012. Hamburg: Hrsg.
Sörensen, A. (2026). Erfolg durch Personal, Teil 4 – die Community. fitness MANAGEMENT international, 4 (186), 74–76.
Stiftung für Zukunftsfragen. (2024). Freundschaften im echten Leben: Real Life vs. Social Media. Verfügbar unter https://www.stiftungfuerzukunftsfragen.de/freundschaften-im-echten-leben-real-life-vs-social-media/
Für eine vollständige Literaturliste kontaktiere uns bitte literatur@fitnessmanagement.de.







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