Fitnesstraining und Ernährungsberatung in der GLP-1-Therapie

GLP-1-Rezeptor-Agonisten fördern Gewichtsverlust, erfordern jedoch Training und Ernährungsberatung, um Muskelabbau, Nährstoffdefizite und Gewichtszunahme nach Therapieende langfristig zu vermeiden.
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Im Vordergrund hält eine Frau in einem Fitnessstudio einen Medizinball, während eine Trainerin rechts neben ihr die Bewegung begleitet. Links oben steht der Schriftzug „FACHARTIKEL“. Links befindet sich ein Porträt mit der Beschriftung „Prof. Dr. Markus Wanjek“. Im Hintergrund sind Trainingsgeräte und trainierende Personen unscharf erkennbar.
Die zunehmende Nutzung von GLP-1-Rezeptor-Agonisten erhöht den Bedarf an professioneller Trainings- und Ernährungsbegleitung
GLP-1-Rezeptor-Agonisten („Abnehmspritzen“) ermöglichen beeindruckende Gewichtsverluste und gelten als neue Hoffnung in der Adipositastherapie. Doch der langfristige Erfolg hängt nicht allein von dem Medikament ab: Training und Ernährungsberatung sind entscheidend, um Muskelabbau, Nährstoffdefizite und Jo-Jo-Effekte zu verhindern.

GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid und Tirzepatid – besser bekannt als Abnehmspritzen – haben die Adipositastherapie grundlegend verändert. Die Wirkstoffe dämpfen das Hungergefühl, verstärken die Sättigung und verlangsamen die Magenentleerung, wodurch die Energieaufnahme deutlich sinkt.

Klinische Studien zeigen mittlere Gewichtsverluste von 15 bis 21 Prozent und belegen damit eine Wirksamkeit, die bislang nahezu ausschließlich durch chirurgische Verfahren (z. B. Magenverkleinerung) erreicht wurde (Blüher et al., 2023).

Vor diesem Hintergrund steigt die Nutzung von GLP-1-Rezeptor-Agonisten weltweit kontinuierlich an; auch in Deutschland ist eine zunehmende Verbreitung zu beobachten (Jacob et al., 2024). Die neuen Medikamente haben sich zu einem der prägendsten Trends in der modernen Adipositastherapie entwickelt (Celletti, Farrar & Regil, 2026).

Gleichzeitig zeigt sich, dass GLP-1-basierte Therapien mit verschiedenen klinischen Herausforderungen verbunden sind. Dazu zählen insbesondere gastrointestinale Nebenwirkungen, der Verlust an Muskelmasse, ein erhöhtes Risiko für Nährstoffdefizite sowie die Gewichtszunahme nach Absetzen der Medikation. Hinzu kommt eine unzureichende Therapietreue mit teils hohen Abbruchraten (Sievenpiper et al., 2026).

Abnehmspritzen ermöglichen einen hohen Gewichtsverlust (circa 15 bis 21 Prozent), sind aber nicht ohne Risiken.

In der Praxis zeigt sich, dass der Therapieerfolg nicht allein von der pharmakologischen Wirkung abhängt. Eine nachhaltige Gewichtsreduktion erfordert vielmehr eine gezielte, therapiebegleitende Lebensstiländerung. Evidenzbasierte Empfehlungen betonen daher, dass GLP-1-basierte Therapien nur im Rahmen eines strukturierten, multidisziplinären Behandlungskonzepts optimal wirksam sind, in das Training und Ernährung systematisch integriert werden (Celletti et al., 2026; Sievenpiper et al., 2026).

Der nachfolgende Artikel zeigt auf, mit welchen zentralen Herausforderungen GLP-1-basierte Therapien verbunden sind, welche Lösungsansätze empfohlen werden und welche Chancen sich für Fitness- und Gesundheitseinrichtungen in der professionellen Betreuung der wachsenden Zahl an GLP-1-Anwendern bieten.

Ohne Gegenstrategien droht Muskelabbau

Abnehmspritzen führen neben einer deutlichen Gewichtsabnahme auch zu einem Verlust an fettfreier Masse einschließlich Muskelmasse. Je nach Wirkstoff entfallen circa 25 bis 40 Prozent des Gewichtsverlustes auf Magermasse (Conte, Hall & Klein, 2024).

Dieser Effekt stellt eine zentrale klinische Herausforderung dar, da Muskelabbau die Körperzusammensetzung verschlechtert, den langfristigen Gewichtserhalt erschwert und gesundheitliche Risiken erhöht (Prado, Phillips, Gonzalez & Heymsfield, 2024). Besonders bei Älteren steigt das Risiko für eine sarkopene Adipositas und funktionelle Einschränkungen (Prokopidis, Daly & Suetta, 2025).

Daher sollte einem Muskelmasseverlust frühzeitig entgegengewirkt werden. Empfohlen werden ein begleitendes Krafttraining in Kombination mit einer höheren Proteinzufuhr (Grosicki et al., 2024; Mechanick et al., 2025).

Erhöhtes Risiko für Nährstoffdefizite

Eine GLP-1-Therapie ist auch mit verschiedenen ernährungsmedizinischen Risiken verbunden (Mozaffarian et al., 2025). Durch die appetithemmende Wirkung der Abnehmspritze essen viele Anwender zu wenig und zu einseitig. Dadurch erhöht sich das Risiko für Nährstoffdefizite.

Besonders häufig ist eine unzureichende Proteinzufuhr, die den Muskelabbau begünstigt. Auch Defizite bei essenziellen Mikronährstoffen (Vitamine, Mineralien) sind weit verbreitet. Zusätzlich können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung sowie ein vermindertes Durstgefühl eine ausreichende Nährstoff- und Flüssigkeitszufuhr gefährden.

Zur Sicherstellung einer adäquaten Nährstoffversorgung wird daher eine professionelle Ernährungsberatung empfohlen (Mozaffarian et al., 2025; Sievenpiper et al., 2026).

Erneute Gewichtszunahme nach Absetzen

Vor allem der langfristige Erhalt des Gewichtsverlustes stellt eine zentrale Herausforderung dar. Viele Anwender brechen die GLP-1-Therapie vorzeitig ab, unter anderem aufgrund von Nebenwirkungen oder hohen Kosten (Khan, Ndumele & Kazi, 2025).

Nach Absetzen der Medikation kommt es zu einer erneuten Gewichtszunahme mit ungünstigen Veränderungen der Körperzusammensetzung und einer Verschlechterung kardiometabolischer Risikofaktoren (Berg, Stickle, Rose & Nemec, 2025; West et al., 2026).

Studien zeigen, dass ein therapiebegleitendes Trainingsprogramm einen erneuten Gewichtsanstieg nach dem Absetzen des Medikaments bremsen kann (Jensen et al., 2024; Lundgren et al., 2021). Strukturierte Lebensstilinterventionen sind daher entscheidend, um den Therapieerfolg langfristig zu sichern (Sievenpiper et al., 2026).

Therapieabbruch durch Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen der Abnehmspritze sind gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung. Sie stellen einen zentralen Grund für den vorzeitigen Therapieabbruch dar und gefährden den langfristigen Behandlungserfolg (Thomsen, Mailhac, Løhde & Pottegård, 2025).

Neben einer fachgerechten Medikation mit schrittweiser Aufdosierung können gezielte Ernährungsstrategien – etwa kleinere Mahlzeiten, eine angepasste Lebensmittelauswahl und ausreichende Flüssigkeitszufuhr – helfen, die Verträglichkeit und Therapietreue zu verbessern. Ein strukturiertes Nebenwirkungsmanagement sollte daher ein zentraler Bestandteil der GLP-1-Therapie sein (Noronha et al., 2025).

Training und Ernährung – Schlüsselkomponenten der GLP-1-Therapie

Um den negativen Begleiterscheinungen einer GLP-1-basierten Adipositastherapie wirksam zu begegnen, das Wunschgewicht zu halten, die Gesundheit zu verbessern und langfristig einen optimalen Therapieerfolg zu erzielen, ist eine begleitende Lebensstiländerung unerlässlich.

Aktuelle evidenzbasierte Empfehlungen sehen daher strukturierte Trainingsprogramme und eine qualifizierte Ernährungsberatung als integralen Bestandteil der GLP-1-Therapie.

Zur Unterstützung der Gewichtsreduktion und zum langfristigen Gewichtserhalt werden individualisierte Trainingsprogramme mit mindestens 150 Minuten moderat-intensivem Ausdauertraining sowie zwei Einheiten Krafttraining pro Woche empfohlen, angepasst an Leistungsniveau und Gesundheitszustand.

Ergänzend sollte zum Schutz vor Muskelabbau eine erhöhte Proteinzufuhr von etwa 1,2 bis 1,5 g pro Kilogramm Körpergewicht angestrebt werden. Zudem sind weitere Ernährungsmaßnahmen notwendig (Sievenpiper et al., 2026).

Zukunftsmarkt mit wachsender Zielgruppe

Millionen Menschen erfüllen in Deutschland die Kriterien für eine GLP-1-Therapie (Hauner, 2025). Verschreibungen, Konsum und Nutzungsinteresse steigen kontinuierlich (Krichevsky, Hessenberger & Rubinski, 2025). Neue, noch effektivere Wirkstoffe wie Retatrutid, die bevorstehende Einführung oraler Präparate sowie sinkende Preise dürften die Verbreitung vermutlich weiter erhöhen.

Auch eine mögliche Kostenübernahme durch die Krankenkassen könnte die Nutzung deutlich ausweiten (Weidinger, 2026). Damit wird sich die Zielgruppe erheblich vergrößern. Vieles spricht dafür, dass GLP-1-basierte Therapien das Gewichtsmanagement nachhaltig verändern werden – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Fitness- und Gesundheitsbranche.

Chance für Fitness- und Gesundheitsanbieter

Mit der zunehmenden Verbreitung von GLP-1-Rezeptor-Agonisten entsteht eine Zielgruppe mit spezifischem Betreuungsbedarf. Gleichzeitig bestehen in der medizinischen Versorgung Defizite in der Begleitung von Lebensstiländerungen (Mozaffarian et al., 2025; Weidinger, 2026).

Fitness- und Gesundheitseinrichtungen verfügen über qualifiziertes Personal und eine geeignete Infrastruktur, um diese Versorgungslücke zu schließen.

Voraussetzung sind jedoch gezielte Weiterbildungen im Umgang mit GLP-1-Anwendern sowie eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit behandelnden Ärzten. Ein aktuelles Positionspapier der World Obesity Federation (2026) unterstreicht die zentrale Bedeutung von Fitness- und Gesundheitsanlagen als wichtige Partner in der GLP-1-basierten Adipositastherapie.

Fazit

GLP-1-Rezeptor-Agonisten stellen einen bedeutenden Fortschritt in der Behandlung von Übergewicht und Adipositas dar. Sie erleichtern die Gewichtsreduktion erheblich und ermöglichen bislang unerreichte Effekte. Ein nachhaltiger Therapieerfolg entsteht jedoch nicht allein durch pharmakologische Appetitkontrolle.

Der Erhalt von Muskelmasse, eine ausreichende Nährstoffversorgung und die Prävention erneuter Gewichtszunahme erfordern strukturierte Trainings- und Ernährungskonzepte. Für Fitness- und Gesundheitsanbieter bedeutet dies:

Die Abnehmspritze ersetzt nicht den Lebensstil – sie erhöht vielmehr die Bedeutung professioneller Begleitung. Nachhaltige Adipositastherapie gelingt nur im Zusammenspiel von Medikation, Training und Ernährung.

Auszug aus der Literaturliste

Sievenpiper, J. L., Ard, J., Blüher, M., Chen, W., Dixon, J. B., Fitch, A. et al. (2026). Nutritional and lifestyle supportive care recommendations for management of obesity with GLP-1 - based therapies: An expert consensus statement using a modified Delphi approach. Obesity pillars, 17, 100228.

World Obesity Federation. (2026). Joint Position Stand: Ensuring physical activity and Nutrition are central to systems supporting the global roll-out of obesity medications (GLP-1). Verfügbar unter https://www.healthandfitness.org/wp-content/uploads/FINAL3_Joint-Position-Statement_WOF_HFA_AUSA_ENZ_FIC_UKA.pdf

Für eine vollständige Literaturliste kontaktiere uns bitte hier per Mail.

Diesen Artikel kannst du folgendermaßen zitieren:

Wanjek, M. (2026). medical fitness and healthcare, 1, 68–70.

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