AUF EINEN BLICK
- Thema: Die beiden Autoren analysieren den Einfluss von KI auf die menschliche Identität und das Selbstverständnis.
- Ansatz: Sie verknüpfen philosophische, psychologische und technologische Perspektiven.
- Kernthese: KI wird als Spiegel menschlicher Entwicklung verstanden.
- Fokus: Future Skills wie kritisches Denken und Resilienz werden immer wichtiger.
- Einordnung: Der Text liefert Denkanstöße statt konkreter Anwendungsanleitungen.
Ein Morgen, der mit dem Smartphone beginnt; Algorithmen, die längst wissen, was wir sehen wollen: Genau hier setzen Céleste und Marinko Spahić an und verschieben die Debatte um Künstliche Intelligenz weg von Effizienz hin zu einer grundlegenden Frage: Was macht diese Technologie mit dem Menschen?
Zwischen Spiegel und Maschine: wer wir werden, wenn KI mitdenkt
„Unlock your identity“ (Ariston Verlag) ist kein klassischer Ratgeber, sondern ein essayistisches Sachbuch, das philosophische Reflexion, psychologische Perspektiven und technologische Analyse verbindet.
Der zentrale Gedanke: KI ist nicht nur Werkzeug, sondern Spiegel. Kurzum: „Künstliche Intelligenz (KI) wird weder als Bedrohung dämonisiert noch als Allheilmittel verklärt.“
Die Autoren zeichnen eine Entwicklungslinie vom antiken Verständnis von „téchne” bis zu den heutigen Sprachmodellen. Im Zentrum steht dabei die These, dass Technologie den Menschen zwar schon immer geprägt hat, sich dieses Verhältnis jedoch verändert hat. Aus dem Homo technicus wird der Homo algorithmus: ein Mensch, dessen Wahrnehmung, Entscheidungen und Selbstbild zunehmend von Systemen mitgestaltet werden.
Im Spannungsfeld zwischen Technologie, Psychologie und Gesellschaft
Überzeugend ist die Verbindung aus Analyse und Anschaulichkeit. Alltagsnahe Szenen – vom Scrollen bis zur algorithmischen Filterblase – werden mit Studien verknüpft, etwa zur „Accumulation of Cognitive Debt“, die kognitive Einbußen durch unreflektierte KI-Nutzung beschreibt. Gleichzeitig bleibt der Ton zugänglich, philosophische Bezüge werden funktional eingesetzt.
Im zweiten Teil rücken Future Skills in den Fokus: kritisches Denken, emotionale Intelligenz und Resilienz. KI erscheint hier als Trainingspartner. Pointiert formuliert:
Wenn Algorithmen immer besser darin werden, menschliche Aufgaben zu übernehmen, müssen Menschen besser darin werden, menschlich zu sein.
Céleste & Marinko Spahić
Etwas schwächer wirkt hingegen, dass die konkreten Anwendungen und die angekündigte „Prompt-Toolbox“ hinter der Theorie zurücktreten. Wer ein praktisches Handbuch erwartet, wird enttäuscht.
Gerade darin liegt jedoch die Stärke des Buches: Es liefert weniger Antworten als Denkräume. Es ist ein reflektierter Gegenentwurf zu rein funktionalen KI-Debatten. Anstatt zu erklären, wie KI funktioniert, zeigt es, warum ihr Einsatz eine Frage der Haltung ist.
Damit stellt es die entscheidende Gegenfrage zur technologischen Entwicklung: Wer wollen wir sein? Oder, zugespitzt: Nicht die Maschine steht zur Debatte, sondern das Selbstverständnis derer, die sie nutzen.
Über die Autoren
Céleste Spahić ist Tech-Philosophin, Mental-Health-Expertin und Keynote Speakerin. Sie zählt zu den führenden Stimmen in den Bereichen mentale Gesundheit, Künstliche Intelligenz und Zukunftskompetenzen und spricht auf renommierten Bühnen wie TEDx, OMR, Bits & Pretzels und FIBO. Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem als „Female Founder of the Year 2023“ und von Business Punk als eine der „Top 10 Persönlichkeiten im Bereich Health & Science“.
Marinko Spahić ist HealthTech-Gründer, Filmproduzent und Experte für Experience Design. Er arbeitete in Hollywood mit Stars wie Jon Favreau und Sean Bean zusammen und realisierte mit seinem VFX-Studio Effekte für preisgekrönte Filme wie „Melancholia“ von Lars von Trier. Als Leiter des Bachelor-Studiengangs Visual Arts an der Internationalen Filmschule Köln prägte er von 2012 bis 2015 die Ausbildung kreativer Talente.
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