AUF EINEN BLICK
- Aktive KI-Nutzung: Gregor Schmalzried versteht Künstliche Intelligenz (KI) als gestaltbares Werkzeug und nicht als unabwendbares Schicksal.
- Seine zentrale These: Intelligenz entsteht im Dialog zwischen Mensch und Maschine, während die Urteilskraft beim Menschen bleibt.
- Sieben Ideen: Das Buch zeigt praxisnahe Ansätze, wie KI Lernen, Kreativität und digitale Teilhabe fördern kann.
- Kritische Perspektive: Neben den Chancen thematisiert Schmalzried auch die Risiken wie KI-gestützten Betrug und politische Einflussnahme.
- Demokratischer Anspruch: Für den langfristigen Einsatz fordert der Autor europäische KI-Alternativen aus gesellschaftlicher Verantwortung heraus.
Wer in diesen Tagen über Künstliche Intelligenz (KI) spricht, gerät schnell an eines dieser beiden Extreme: Heilsversprechen oder Untergangsszenario.
Denn kaum eine andere Technologie hat zuvor in so kurzer Zeit eine derartige Welle aus Faszination, Verunsicherung und schierer Überforderung ausgelöst wie die generative KI.
Das erste Kennenlernen von Generativer KI fühlt sich oft an wie die Bekanntschaft mit einem sehr enthusiastischen und übermenschlichen schnellen Praktikanten, der aber leider manchmal auch etwas dusselig ist.
Gregor Schmalzried – Tech-Journalist & Autor 'Wir, aber besser'
Selbst wer sich Vollzeit mit dem Thema beschäftigt, hat manchmal das Gefühl, nicht mehr mitzukommen. Die Debatte schwankt zwischen 'Jobkiller' und 'Weltretter'. Es fühlt sich an, als müssten wir uns mit dieser Entwicklung irgendwie abfinden.
Gregor Schmalzried, Tech-Journalist und Host des erfolgreichen ARD-KI-Podcasts, sieht in dieser passiven Haltung die eigentliche Gefahr. In seinem Buch 'Wir, aber besser – 7 Ideen, wie Künstliche Intelligenz uns kreativer und menschlicher macht' (Goldmann Verlag) setzt er genau dort an: KI sei kein Schicksal, das wir erdulden müssen, sondern ein Werkzeug, das wir aktiv gestalten können.
Chatbot und Gehirn im Austausch
Das Buch richtet sich an Techies, Neugierige und all jene, die die Gegenwart verstehen wollen, ohne sich von Schlagzeilen treiben zu lassen. Gregor Schmalzried formuliert seine zentrale These prägnant: „Am Ende werden wir die beste Intelligenz nicht am anderen Ende eines Chatbots finden. Sondern im Austausch zwischen dem Chatbot und dem Gehirn, das ihn benutzt.“
Gregor Schmalzried im Podcast 'Hotel Matze'
KI erscheint hier nicht als autonomes Superhirn, sondern als Partner in einem Denkprozess. Sie ist zwar mächtig, jedoch ohne Urteilskraft. Diese bleibt beim Menschen. Entscheidend ist daher nicht, ob die Technologie gut oder schlecht ist, sondern wie wir den Dialog mit ihr führen.
Der Untertitel verspricht sieben Ideen, wie KI 'uns kreativer und menschlicher macht'. Gregor Schmalzried liefert jedoch keine technokratische Anleitung, sondern eine kulturelle Gebrauchsanweisung: Wie können wir Systeme, die Inhalte generieren können, nutzen, ohne uns von ihnen formen zu lassen? Seine Antwort ist ein Plädoyer für eine aktive und bewusste Nutzung. KI könne effizienter machen, aber auch dabei helfen, verpasste Chancen der Digitalisierung nachzuholen.
Besonders anschaulich wird das in seiner Beschreibung der 'sokratischen Methode': Chatbots als geduldige Dialogpartner, die erklären, nachfragen und anders formulieren, wodurch passives Scrollen durch aktives Verstehen ersetzt wird. Hier wird sein Optimismus konkret: KI als Chance für Lernen, Kreativität und digitale Teilhabe.
Künstliche Intelligenz: Schmalzried warnt vor Betrugsmaschen
Gleichzeitig nimmt der Autor die dunklen Seiten ernst. Er verweist auf neue Betrugsmodelle, bei denen KI personalisierte Phishing-Mails automatisiert und tausendfach erstellen kann.
Er nennt nicht nur technische Schutzmaßnahmen als Gegenmittel, sondern auch ein gesellschaftliches Verständnis. Seiner Meinung nach entsteht dieses am besten, wenn Menschen die Technologie selbst nutzen.
KI-Systeme werden auf Dauer nicht unpolitisch bleiben können.
Gregor Schmalzried – Tech-Journalist & Autor 'Wir, aber besser'
Das Buch beleuchtet KI auch aus der politischen Richtung.
Wenn Betreiber unter Druck geraten und Modelle ideologisch gefärbte Antworten liefern, braucht Europa eigene Alternativen; nicht aus Prinzip, sondern aus demokratischer Vorsicht.
Das Buch überzeugt durch klare Bilder, historische Einordnungen und einen Ton, der weder missioniert noch belehrt. Wer eine streng systematische Anleitung erwartet, erhält vielmehr ein gut lesbares Essay mit praktischen Impulsen.
KI als Werkzeug begreifen
'Wir, aber besser' macht vor allem Lust, KI nicht als fremde Macht zu fürchten, sondern als Werkzeug zu begreifen – und damit als Anlass, die eigene Menschlichkeit bewusster zu definieren.
Welche rein menschliche Aufgabe in deinem Beruf wirst du ab heute bewusst stärken?
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