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Faktencheck Fitnessnorm DIN 33961

Durch die DIN-Norm 33961 ist es Fitnessstudios möglich, sich durch eine neutrale und unabhängige Zertifizierungsstelle nach einheitlichen Standards prüfen und zertifizieren zu lassen. Mit der Weiterentwicklung der DIN 33961, Teil 5 (EMS-Training), ist es seit kurzer Zeit auch als EMS-Anbieter möglich, auf den neutralen und unabhängigen Qualitätsnachweis zu setzen. Die Zertifizierung bietet zahlreiche Vorteile. So können sich Studios unter anderem von Mitbewerbern abheben und die eigene Qualität als Marketing- und Verkaufsargument gewinnbringend einsetzen.

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Wer hat die DIN entwickelt?

In anderen Bereichen der Wirtschaft sind Zertifizierungen und unabhängige Qualitätsüberprüfungen bereits seit Längerem ein etablierter Standard. Deutschland verfügt als erstes Land weltweit über eine demokratisch legitimierte Norm für Fitnessstudios: die DIN-Norm 33961. Sie wurde vom Deutschen Institut für Normung (DIN), in Zusammenarbeit mit Experten aller interessierten Kreise der Branche, d. h. mit Vertretern der Fitnessbranche, Verbände und Krankenkassen, Bildungsinstitutionen, Prüfungsinstitutionen und des Verbraucherschutzes, entwickelt und im Jahr 2013 veröffentlicht.

Erstmalig werden mit dieser Normenreihe Anforderungen an den Betrieb von Fitnessstudios festgelegt, insbesondere an die Betreuung der Kunden. Mit der DIN-Norm hat die Branche selbst eine grundsätzliche Möglichkeit geschaffen, um Qualität auf Basis einer demokratisch legitimierten Norm prüfen zu können. So kann unter Umständen auch verhindert werden, dass der Gesetzgeber die Notwendigkeit sieht, bestimmte Sachverhalte ohne spezifische Branchenkenntnisse durch Gesetze zu regeln. Welche Auswirkungen diese gesetzlichen Regelungen ohne gezielte Branchenkenntnisse haben können, sieht man beispielsweise deutlich an der UV-Schutz-Verordnung im Bereich der Solarien.

Was regelt die DIN-Norm?

Die DIN-Norm 33961 regelt die Mindestanforderungen an Qualität und Sicherheit hinsichtlich Studioausstattung und -management. Sie deckt die folgenden fünf Bereiche ab:

Darum ist die DIN-Norm 33961 so wichtig

Die Zahl der Fitnessstudios in Deutschland beläuft sich laut der Eckdaten 2019 der deutschen Fitness-Wirtschaft derzeit auf 9.343. (Lesen Sie auch: Kennzahl des Monats: 72% der Deutschen treiben selbstorganisiert Sport) Die Studios haben jedoch oft sehr unterschiedliche Sicherheitsstandards, Betreuungssysteme, Geräteausstattungen oder Mitarbeiterqualifikationen, die für Kunden nur schwer durchschaubar sind. Neben der sichtbaren Qualitätsbestätigung für Kunden und Kooperationspartner sprechen folgende Hauptargumente für die Umsetzung der Zertifizierung nach DIN-Norm 33961:

Schutz vor Fremdbestimmung

  • Die Branche reguliert sich selbst, es ist keine Fremdregulierung durch konkurrierende Branchen oder den Gesetzgeber erforderlich

Mögliche zukünftige Anforderungen anderer Institutionen

  • Unternehmen könnten die Zertifizierung nach der DIN-Norm 33961 im Rahmen von Betrieblicher Gesundheitsförderung als Voraussetzung verlangen
  • Versicherungen und Krankenkassen könnten die Zertifizierung nach der DIN-Norm 33961 für Gesundheitskurse fordern

Benchmark

  • Die DIN-Norm 33961 wurde von Branchenexperten geschaffen
  • Sie wird als Mindestanforderung für Studios gesehen und dient somit als Orientierung
  • An den Inhalten kann sich jedes Fitnessstudio messen und ausrichten

Rechtssicherheit

  • Durch die Zertifizierung lassen sich Rechtsstreitigkeiten auf Basis einer anerkannten Norm lösen
  • Im Haftungsrecht dienen Normen als Bewertungsmaßstab
  • Im Deliktsrecht kann das Einhalten von Normen, z. B. bei einem Verschulden mit Personenschaden, von einem Fahrlässigkeitsvorwurf entlasten
  • Selbst in Fällen, in denen Normen nicht zum Inhalt eines Vertrages gemacht worden sind, dienen sie im Streitfall dennoch als Entscheidungshilfe vor Gericht

Optimiertes Notfallmanagement

• Ob im Brandfall, bei Erster Hilfe, bei notwendiger Wiederbelebung oder auch beim lebenserhaltenden Einsatz eines Defibrillators – Fitnessstudiobetreiber und ihre Mitarbeiter werden für den Notfall gerüstet sein und über die notwendige Ausstattung im Unternehmen verfügen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass gut geschultes Personal im Ernstfall bereits in mehreren zertifizierten Studios das Leben seiner Mitglieder retten konnte.

Anpassungen der DIN-Norm

Am 04.09.2018 tagte der DIN-Normenausschuss Sport- und Freizeitgeräte zur DIN-Norm 33961 in Berlin und beschloss einstimmig die Freigabe, der in der DIN-Norm 33961 Teil 2 bis 4 vorgesehenen Änderungen. Diese Normenpflege der DIN-Norm 33961 wurde aus Gründen der Praktikabilität beschlossen. Kleinere Schwächen, die aus den Erfahrungen der ersten Zertifizierungen heraus entdeckt wurden, sind erkannt und behoben worden, um den Zertifizierungsprozess zu optimieren und ihn für die Studios zu erleichtern.

Erweiterung der DIN-Norm um Teil 5 (EMS-Training)

Mikrostudios weisen laut der aktuellen Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft das stärkste Anlagenwachstum auf und avancieren zu einem Wachstumstreiber der Branche. Um über elf Prozent ist die Anlagenzahl der Mikrostudios im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, was insbesondere auf die wachsende Zahl an reinen EMS-Studios zurückzuführen ist. Unter anderem aus diesem Grund wurde die Normenreihe DIN 33961 zu Beginn des Jahres um den Bereich EMS-Training erweitert.

Lesen Sie mit einem Klick auf das Bild alles zur Erweiterung der DIN 33961

Der neue Teil 5 der DIN-Norm 33961 regelt wichtige Bereiche wie z. B. Ausstattung und Anforderungen an EMS-Geräte, Trainingsprogramme/-abläufe, Personalanforderungen für EMS-Training, Hygiene, Eingangsbefragung/Anamnese sowie Trainingsdurchführung und gewährleistet dadurch auch die Sicherheit von EMS-Training. Damit haben nun auch EMS-Anbieter die Möglichkeit, ihre Qualität durch eine neutrale Zertifizierung auf Basis der DIN-Norm sichtbar zu machen.

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 03/2019

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fMi Ausgabe 03/2019

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